Die Gewürzlilie (Kaempferia) ist eine Pflanzengattung innerhalb der Familie der Ingwergewächse (Zingiberaceae). Die etwa 39 Arten gedeihen im subtropischen bis tropischen Asien. Die bekannteste Art ist die besonders in Südostasien häufig als Gewürz verwendete Gewürzlilie (Kaempferia galanga).
Beschreibung miniatur|links|Illustration von Kaempferia candida miniatur|Illustration von Kaempferia elegans miniatur|Illustration aus Curtis’s botanical magazine, 1806, Tafel 920 von Kaempferia rotunda
Vegetative Merkmale Bei Kaempferia-Arten handelt es sich um ausdauernde krautige Pflanzen. Die fleischigen Rhizome sind knollenförmig. An den Wurzeln bilden sich Pflanzenknollen. Der Scheinstamm (Pseudostamm), der aus den Blattscheiden gebildet wird, ist kurz oder kaum erkennbar.
Jeder Scheinstamm besitzt ein bis wenige Laubblätter. Es sind höchstens kurze Blatthäutchen (Ligula) vorhanden. Die wechselständig und zweizeilig angeordneten Laubblätter sind in eine Blattscheide, in einen kurzen Blattstiel und eine Blattspreite gegliedert. Die einfache Blattspreite ist je nach Art fast kreisförmig bis fadenförmig. Bei manchen Arten ist die Blattspreite panaschiert oder auf der Unterseite purpurfarben.
Generative Merkmale Die Blütenstände befinden sich endständig auf dem Scheinstamm oder bilden sich direkt am Rhizom bei Arten, deren vegetativen Pflanzenteile erst nach der Blütezeit wieder gebildet werden. In den köpfchenförmigen Blütenständen sind einige bis viele Blüten spiralig angeordnet. Über jedem Tragblatt befindet sich immer nur eine Blüte. Die relativ kleinen Deckblätter sind am oberen Ende zweilappig oder manchmal bis zu ihrer Basis zweiteilig.
Die zwittrigen Blüten sind zygomorph und dreizählig mit doppelter Blütenhülle. Die Blütenhüllblätter sind weiß bis purpurfarben. Die drei Kelchblätter sind röhrig verwachsen; die Kelchröhre ist auf einer Seite gespalten und endet in zwei oder drei ungleichen Kelchzähnen. Die Kelchröhre ist viel kürzer bis gleich lang wie die Kronröhre. Die drei Kronblätter sind röhrig verwachsen. Die drei fast gleichen Kronlappen sind lanzettlich und ausgebreitet oder zurückgekrümmt. Die seitlichen Staminodien des äußeren Staubblattkreises sind kronblattartig. Zwei Staminodien des inneren Kreises bilden die auffällige, meist weiße oder purpurfarbene Lippe (Labellum), die manchmal an ihrer Basis anders gefärbt ist. Die Lippe ist zweilappig bis zweispaltig. Nur im inneren Staubblattkreis ist ein Staubblatt fertil. Es sind höchstens kurze Staubfäden erkennbar. Drei Fruchtblätter sind zu einem unterständigen, dreikammerigen Fruchtknoten verwachsen.
Die Kapselfrucht ist kugelig oder ellipsoid. Das Perikarp ist dünn. Die Samen sind fast kugelig oder ellipsoid. Es ist ein zerschlitzter (lazerater) Arillus vorhanden.
Systematik und Verbreitung miniatur|Kaempferia pulchra miniatur|Kaempferia pulchra miniatur|Kaempferia rotunda miniatur|Habitus und Laubblätter von Kaempferia rotunda
Die Gattung Kaempferia wurde 1753 durch Carl von Linné aufgestellt. Der wissenschaftliche Gattungsname Kaempferia ehrt den deutschen Arzt und Forschungsreisenden Engelbert Kaempfer. Synonyme für Kaempferia sind: Monolophus , Tritophus , Zerumbet .
Die Gattung Kaempferia gehört zur Tribus: Zingibereae in der Unterfamilie Zingiberoideae innerhalb der Familie Zingiberaceae.
Die etwa 39 Arten gedeihen im subtropischen bis tropischen Asien.
Es gibt etwa 39 Kaempferia-Arten:
Kaempferia alboviolacea : Sie kommt nur in Vietnam vor. Kaempferia angustifolia (Syn.: Kaempferia angustifolia nom. illeg., Kaempferia roxburghiana , Kaempferia undulata ): Sie kommt im östlichen Indien, Thailand und in Sumatra vor. Kaempferia attapeuensis : Sie wurde 2009 aus Laos erstbeschrieben. Kaempferia champasakensis : Sie wurde 2008 aus Laos erstbeschrieben. Kaempferia chayanii : Sie wurde 2008 aus Laos erstbeschrieben. Kaempferia cuneata : Sie kommt nur in Vietnam vor. Kaempferia elegans (Syn.: Kaempferia crawfurdia , Kaempferia atrovirens , Kaempferia philippiana ): Sie ist in Sichuan, Indien, Malaysia, Myanmar, Thailand, Kalimantan und vielleicht auf den Philippinen verbreitet. Kaempferia evansii : Sie kommt nur im südlichen Indien vor. Kaempferia fallax : Sie kommt in Laos und Thailand vor. Kaempferia filifolia : Sie kommt in Thailand vor. Kaempferia fissa : Sie kommt in Laos vor. Gewürzlilie (Kaempferia galanga , Syn.: Kaempferia procumbens nom. nud., Kaempferia humilis , Kaempferia plantaginifolia , Kaempferia latifolia , Kaempferia marginata , Kaempferia rotunda nom. illeg., Kaempferia galanga var. latifolia ): Sie ist in Indien, Sri Lanka, Laos, Thailand, Java und auf den Philippinen verbreitet. Kaempferia gigantiphylla : Sie wurde 2009 aus Laos erstbeschrieben. Kaempferia gilbertii : Sie kommt in Myanmar vor. Kaempferia glauca : Sie kommt in Thailand vor. Kaempferia grandifolia Sie wurde 2001 aus Thailand erstbeschrieben. Kaempferia harmandiana : Sie kommt in Laos und Kambodscha vor. Kaempferia koontermii : Sie wurde 2015 aus Thailand erstbeschrieben. Kaempferia koratensis : Sie wurde 2011 aus Thailand erstbeschrieben. Kaempferia laotica : Sie kommt in Laos und Thailand vor. Kaempferia larsenii : Sie kommt in Thailand vor. Kaempferia lopburiensis : Sie wurde 2010 aus Thailand erstbeschrieben. Kaempferia ovalifolia : Sie kommt in Myanmar vor. Kaempferia parviflora : Sie kommt im südöstlichen Bangladesch, in Myanmar, Thailand und Kambodscha vor. Kaempferia philippinensis : Dieser Endemit kommt nur auf der philippinischen Insel Luzon vor. Kaempferia picheansoonthonii : Sie wurde 2013 aus Thailand erstbeschrieben. Kaempferia pulchra : Sie komme vom südlichen Thailand bis zum nördlichen Bereich der Malaiischen Halbinsel vor. Kaempferia purpurea : Dieser Endemit kommt nur im thailändischen Phuket vor. Kaempferia roscoeana : Sie kommt von Myanmar bis Thailand vor. Kaempferia rotunda (Syn.: Kaempferia bhucampac nom. superfl., Kaempferia longa , Kaempferia versicolor , Zerumbet zeylanica ): Sie ist in Sri Lanka, Indien, Bangladesch, Nepal, Myanmar, Thailand, Laos, China, Taiwan, Indonesien sowie Malaysia verbreitet. Kaempferia saraburiensis : Sie wurde 2011 aus Thailand erstbeschrieben. Kaempferia sawanensis : Sie wurde 2009 aus Laos erstbeschrieben. Kaempferia siamensis : Sie kommt in Thailand vor. Kaempferia simaoensis : Dieser Endemit gedeiht in Wäldern in Höhenlagen von etwa 900 Metern nur im Simao Xian im südlichen Yunnan vor. Kaempferia sisaketensis : Sie wurde 2009 aus Thailand erstbeschrieben. Kaempferia spoliata : Sie kommt in Thailand vor. Kaempferia udonensis : Sie wurde 2013 aus Thailand erstbeschrieben. Kaempferia undulata : Sie kommt nur auf Java vor. Kaempferia xiengkhouangensis : Sie wurde 2015 aus Laos erstbeschrieben.
Die afrikanischen Arten, die früher in die Gattung Kaempferia eingeordnet waren gehören seit 1982 zur Gattung Siphonochilus (Syn.: Cienkowskia nom. illeg., Cienkowskiella ; sie enthält elf Arten), und damit in eine andere Unterfamilie.
Nutzung Die Gewürzlilie (Kaempferia galanga) wird in Südostasien kultiviert und das Rhizom in der Küche als Gewürz verwendet.Nupur Srivastava, Ranjana, Shilpi Singh, Amit Chand Gupta, Karuna Shanker, Dnyaneshwar U.Bawankule, Suaib Luqman: Aromatic ginger (Kaempferia galanga L.) extracts with ameliorative and protective potential as a functional food, beyond its flavor and nutritional benefits In: Toxicology Reports, Band 6, 2019, S. 521–528 (PDF). Das Rhizom anderer Arten wird als Heilmittel benutzt.Catheleeya Mekjaruskul, Michael Jay, Bungorn Sripanidkulchai: Pharmacokinetics, bioavailability, tissue distribution, excretion, and metabolite identification of methoxyflavones in Kaempferia parviflora extract in rats. In: Drug Metabolism and Disposition, Band 40, Nr. 12, 2012, S. 2342–2353 (PDF). Wenige Arten werden als Zimmerpflanzen kultiviert.Tom Wood: Ornamental Zingiberaceae. In: Ornamental Horticulture, Band 1, Nr. 1, 1995, S. 12–13.
Quellen Delin Wu, Kai Larsen: Zingiberaceae.: Kaempferia, S. 368–369 - textgleich online wie gedrucktes Werk, In: Wu Zheng-yi, Peter H. Raven (Hrsg.): Flora of China. Volume 24: Flagellariaceae through Marantaceae, Science Press und Missouri Botanical Garden Press, Beijing und St. Louis, 2000, ISBN 0-915279-83-5. (Abschnitte Beschreibung und Vorkommen) J. Techaprasan, S. Klinbunga, C. Ngamriabsakul, T. Jenjittikul: Genetic variation of Kaempferia (Zingiberaceae) in Thailand based on chloroplast DNA (psbA-trnH and petA-psbJ) sequences. In: Genetics and Molecular Research, Volume 9, 2010, S. 1957–1973.
Einzelreferenzen
Delin Wu, Kai Larsen: Zingiberaceae: Kaempferia, S. 368–369 – textgleich online wie gedrucktes Werk, In: Wu Zheng-yi, Peter H. Raven (Hrsg.): Flora of China. Volume 24: Flagellariaceae through Marantaceae, Science Press und Missouri Botanical Garden Press, Beijing und St. Louis, 2000, ISBN 0-915279-83-5. Helmut Genaust: Etymologisches Wörterbuch der botanischen Pflanzennamen. 3., vollständig überarbeitete und erweiterte Auflage. Nikol, Hamburg 2005, ISBN 3-937872-16-7, S. 317 (Nachdruck von 1996). B. L. Burtt: Cienkowskiella and Siphonochilus (Zingiberaceae). In: Notes from the Royal Botanic Garden, Edinburgh, Volume 40, 1982, S. 369–373. Lotte Burkhardt: Verzeichnis eponymischer Pflanzennamen – Erweiterte Edition. Teil I und II. Botanic Garden and Botanical Museum Berlin, Freie Universität Berlin, Berlin 2018, ISBN 978-3-946292-26-5, doi:10.3372/epolist2018.
Weblinks
Kategorie:Ingwergewächse Kategorie:Zingiberaceae