Das war in Heidelberg in blauer Sommernacht war sowohl der Titel eines Liedschlagers, der 1925 im Drei Masken-Verlag Berlin erschienen war,Drei Masken-Verlag AG Berlin, D.M.V. 3562, heute Best-Nr.: UFA17185 als auch der eines heiteren Stummfilms, den Emmerich Hanus 1926 für die Produktionsfirma Althoff & Co. (Berlin) inszenierte.

Hintergrund Die Uraufführung des Filmsvgl. IMDb und filmportal.de fand am 8. Februar 1927 im Ufa-Theater am Berliner Weinbergswegauch: Volkslichtbildhaus am Weinbergsweg, dessen Saal 1700 Personen faßte somit der größte Kinozuschauerraum Groß-Berlins war; 1948 geschlossen, vgl. Ufa-Palast des Nordens statt. Den Schlager dazu, ein Marschlied, komponierte Hermann Krome, den Textder Kehrreim lautet „Das war in Heidelberg in blauer Sommernacht / Das war in Heidelberg, da hat der Mond gelacht / Ich hab nicht viel gesagt, nur vor mich hin gelacht / Und noch ein Gläschen, noch ein Gläschen, noch ein Gläschen umgebracht.“ verfasste der deutsche Sänger und Liederdichter Willy Weiss.

Der Schlager erfreute sich auch außerhalb des Lichtspieltheaters rasch großer Beliebtheit und wurde von ersten Künstlern der Zeit wie Gustav Jacoby,„Gustav Jacoby, einer der deutschen Meisterhumoristen, übernimmt die Conference in den "Lustigen Abenden" des Westdeutschen Rundfunks“, vgl. „Künstler am Rundfunk“ S. 247, dort auch Bild Harry Steier und dem populären Tenor Max Kuttner unter seinem Künstlernamen „Carlos Cantieni“vgl. die Biographie des Künstlers von Humoresk bei grammophon-platten.de auf Grammophonplatten aufgenommen.

Er steht in einer Tradition, die mit Fred Raymonds mittlerweile beinahe schon zum Volkslied gewordenen Heidelberg-Schlager „Ich hab mein Herz in Heidelberg verloren“vgl. Raymond, Fred [d. i. Vesely, Friedrich]; Löhner-Beda, Fritz; Neubach, Ernst: Ich hab’ mein Herz in Heidelberg verloren!: Lied; [op. 130], Wiener Boheme-Verlag, 1925. begonnen und nach sich noch viele ähnlich gestimmte Lieder gezogen hat. Er ritt auf einer Welle nationaler Begeisterung, die mit der Romantisierung des Ortesso wurde das populäre, im Corpsstudenten-Milieu angesiedelte Bühnenstück „Alt-Heidelberg“ von Wilhelm Meyer-Förster bereits 1922/1923 erstmals in Deutschland verfilmt; unter schlagenden und farbentragenden Studenten spielen auch die meisten der folgenden „Heidelberg“-Filme andererseits stammte z. B. Friedrich Ebert (1871–1925), erster Reichspräsident der Weimarer Republik, aus Heidelberg. begonnen hatte und die sich, durch die Räumung des Rheinlandes von alliierter Besatzung im Januar 1926 erst richtig beflügelt, in zahllosen konjunkturträchtigen Rhein-, Wein- und Heidelberg-SchlagerliedernKurt Tucholsky ironisierte diese Trias deutscher Sehnsuchts-Orte in einem Vers seines Liedes „Wenn die Igel in der Abendstunde“, wo es heißt: „Denn der schönste Platz, der hier auf Erden mein / das ist mein Heidelberg in Wien am Rhein“ (vgl. Wilhelm Neef: Das Chanson: eine Monographie. Verlag Koehler und Amelang, 1972, S. 208); die „Vier Nachrichter“ zitierten 1932 die Stelle in der Aufnahme ihres Chansons „Aus Schlagermachers Werkstatt“ [Telefunken A 1151 (Matr. 18 382 und 18 383) Aus Schlagermachers Werkstatt – Das Frühstück (1) und (2), aufgen. Berlin, 11. Mai 1932] und -unterhaltungsfilmengenannt seien, da sie auf „Liedgrundlage“ gedreht wurden, an dieser Stelle nur: „Ich hab’ mein Herz in Heidelberg verloren“ (Untertitel: Ein deutscher Film von Jugend und Liebe und deutscher Poesie), Deutschland 1926, Remake 1952. „Ich war zu Heidelberg Student“, Deutschland 1927. Mein „Heidelberg, ich kann Dich nie vergessen“, Deutschland 1927. „Ein Burschenlied aus Heidelberg“, Deutschland 1930 (Tonfilm) niederschlug.vgl. Happel-Michaelis S. 74: „...Kassenfilmen vom Rhein, der schönen blauen Donau, vom Herz, das man in Heidelberg verlor...“; auch ein Artikel im Band 20 der von Franz Blei und Hans von Weber herausgegebenen Publikation „Der Zwiebelfisch: eine kleine Zeitschrift über Bücher und andere Dinge“ (Verlag H. von Weber, 1927) macht sich darüber unter Verwendung von Filmtitel-Zitaten lustig: „Auch, daß er ‚in Heidelberg Student war‘, stimmt nicht. Weil er nicht Jurist, sondern im Gegenteil Berufspatriot geworden ist. Daß es ‚in Heidelberg in blauer Sommernacht war‘, ist ebenfalls erlogen. Es war vielmehr in Bad Reichenhall...“

Tondokumente Das war in Heidelberg in blauer Sommernacht (Herm. Krome – Willy Weiss) “Homocord”-Orchester mit Gesang. Homocord Electro 4-2340 (Matr. M 19 190), aufgen. 1926label abgeb. bei , anzuhören auf youtube Das war in Heidelberg in blauer Sommernacht (Text: W. Weiß, Musik: Hermann Krome) Harry Steier, mit Quartett und Orchester. Beka B. 6209 (Matr. 34 206-2), aufgen. 1.09.27 Das war in Heidelberg in blauer Sommernacht: Marschlied (Musik: Krome – Text: Weiß) Gespielt vom Jazz-Orchester "Wenskat mit seinen Prominenten", gesungen von Herrn Kammersänger Carlos Cantieni, Tenor. Isiphon-Electrocord 20 (Matr. 7711) [15 107 B] Das war in Heidelberg in blauer Sommernacht (Musik: Hermann Krome – Text: Willi Weiß) Gustav Jacoby, Vortragsmeister. Begleitung: Instrumentaltrio. Odeon O-2167 (Be 5686), aufgen. 04.27

Abbildungen Willy Weiss im Taschenalbum Künstler am Rundfunk 1932, S. 135. Harry Steier auf Lindström-Autogrammkarte.

Literatur Herbert Birett: Stummfilmmusik. Materialsammlung. Deutsche Kinemathek, Berlin 1970, . Hans-Michael Bock, Tim Bergfelder (Hrsg.): The Concise Cinegraph: Encyclopaedia of German Cinema (= Film Europa. Band 1). Berghahn Books, 2009, ISBN 978-0-85745-565-9, S. 536. Paolo Caneppele, Filmarchiv Austria: Materialien zur österreichischen Filmgeschichte. Band 9: Entscheidungen der Wiener Filmzensur 1926–1928. Verlag Filmarchiv Austria, 2002, ISBN 3-901932-20-8, S. 411. Reinhold Happel, Margot Michaelis: Film und Realität in der Weimarer Republik (= Fischer Cinema; Fischer Taschenbücher. Band 3661). Fischer-Taschenbuch-Verlag, 1980, ISBN 3-596-23661-4. F[riedrich] Hofmeister (Hrsg.): Handbuch der musikalischen Literatur. Band 17, Teil 1, 1926, S. 368, 442. Helmut Korte: Der Spielfilm und das Ende der Weimarer Republik: ein rezeptionshistorischer Versuch. Verlag Vandenhoeck & Ruprecht, 1998, ISBN 3-525-20714-X, S. 493–494. Gerhard Lamprecht: Deutsche Stummfilme. Band 8: Deutsche Stummfilme aus den Jahren 1923 bis 1926. Deutsche Kinemathek, Berlin 1970, , S. 896. Berthold Leimbach: Tondokumente der Kleinkunst und ihre Interpreten, 1898–1945. Eigenverlag, Göttingen 1991, . Friedrich Wilhelm Saal: Chronik deutscher Zeitgeschichte: Politik, Wirtschaft, Kultur. Band 1: Die Weimarer Republik. (= Droste Geschichts-Kalendarium). Droste, Düsseldorf 1982, ISBN 3-7700-0571-6, S. 317. Zeitschrift »Der deutsche Rundfunk« (Hrsg.): „Künstler am Rundfunk“ – Ein Taschenalbum der Zeitschrift »Der deutsche Rundfunk«. Unseren Lesern gewidmet. Verlag Rothgießer & Diesing AG, Berlin 1932, .

Einzelnachweise

Kategorie:Filmsong Kategorie:Lied 1925