Als Steinkohlenteerdestillation bezeichnet man die Auftrennung des Steinkohlenteers in nutzbare Bestandteile in einer Steinkohlenteerraffinerie. Sie entwickelte sich teils vor und teils parallel zur Erdöldestillation.

Verfahren mini|Destillationskolonnen von Rütgers Chemicals in Castrop-Rauxel

Die Auftrennung erfolgt durch fraktionierte Destillation (zum Teil auch durch Vakuumdestillation). Dabei entstehen verschiedene Fraktionen, mit nachfolgender Rektifikation, Kristallisation und Extraktion, dabei können die unterschiedlichen Stoffe erhalten werden. Unterschieden werden folgende Verfahren:

Diskontinuierliche Destillation: Gase (Destillationsverlust), Wasser, Leichtöl, Mittelöl, Schweröl, Anthracenöl (Grünöl), Pech (pitch), Asphalt C2nHn (lösliche Bestandteile des Pechs), Pitchcoke-Kohle C3nHn (unlösliche Bestandteile des Pechs); nachfolgend werden die mittlere und schwere Fraktion weiter zu Carbolöl (Phenole), Waschbenzin (Solvayöl), Naphthalinöl (Naphthalin) und auch Pech destilliert.

Kontinuierliche Destillation: Gase, Wasser, Leichtöl, Carbolöl, Naphthalinöl, Waschöl, Anthracenöl, Pech.

Produkte Die Hauptprodukte der Steinkohlenteerdestillation sind Kreosot und Teerpech. Kreosot wurde früher zur Imprägnierung von Bahnschwellen genutzt, Teer fand ursprünglich vor allem im Straßenbau Verwendung. Ein weiteres Produkt ist Anthracenöl, das hauptsächlich aus Phenanthren, Anthracen, Carbazol und weiteren hochsiedenden Verbindungen besteht, wie 2,3,6,7-Tetramethylnaphthalin, 1,2,3,4-Tetrahydroanthracen, 1,8-Dimethyldiphenylenoxid unter den neutralen und 7,8-Benzochinolin sowie 9,10-Dihydroacridein unter den basischen Bestandteilen. Als wirtschaftlich wichtigstes Produkt gilt Pech. Es wird als Bindemittel für Söderberg-Elektroden in der Aluminiumherstellung sowie zur Herstellung von Ruß (Carbon Black) verwendet.

Geschichte Die Steinkohlenteerdestillation entwickelte sich im 19. Jahrhundert zu einem industriellen Verfahren, wobei der Chemiker Eduard Möhrle im 20. Jahrhundert durch die Einführung der kontinuierlichen Vakuumdestillation mit rektifizierender Kondensation maßgeblich zur wirtschaftlichen Rohteeraufarbeitung beitrug. Seine Weiterentwicklung legte den technischen Grundstein für die industrielle Gewinnung von Kohlechemikalien, während das Verfahren heute aufgrund der Petrochemie an Bedeutung verloren hat.Heinz-Gerhard Franck, Gerd Collin: Steinkohlenteer. Chemie, Technologie und Verwendung. Springer-Verlag, 1968, S. 15 f.Carl-Engler-Medaille 1954 DGMK, abgerufen am 4. August 2026.

Siehe auch Gesellschaft für Teerverwertung

Einzelnachweise Dieter Osteroth: Von der Kohle zur Biomasse: Chemierohstoffe und Energieträger im Wandel der Zeit. Springer Verlag, 1989, ISBN 978-3-642-88669-0, S. 79–83. Marshall Cavendish Corporation Staff: How It Works: Science and Technology. 20 Bände, 3rd Edition, Marshall Cavendish, 2003, ISBN 978-0-7614-7314-5, S. 498.

Koppers: Coal Tar Distillates Otto Kruber, Armin Raeithel: Zur Kenntnis des Stinkohlenteer-Anthracenöls. In: Chemische Berichte. 85, 1952, S. 327–333, doi:10.1002/cber.19520850410.

Externe Links zu erwähnten Verbindungen

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