Konstantiniyye ist der Titel eines der Onlinemagazine, die die Terrororganisation „Islamischer Staat“ (IS) zu Zwecken der Propaganda, Rekrutierung sowie Legitimierung der eigenen Ideologie veröffentlicht. Das Onlinemagazin ist in türkischer Sprache verfasst und wird seit Mai 2015 in unregelmäßigen Zeitabständen publiziert. Als Herausgeber erscheint die Medieneinrichtung al-Hayat Media Center der Organisation. Es existieren derzeit (Oktober 2016) sieben Ausgaben des Onlinemagazins, die keine Übersetzungen des englischsprachigen Dabiqs darstellen. Die Zeitschriften umfassen jeweils etwa 45 bis 70 Seiten.
Derzeit scheint die Produktion des Magazins eingestellt und durch die neue Propagandazeitschrift Rumiyah fortgeführt zu werden. Rumiyah wird seit September 2016 in regelmäßigen Abständen veröffentlicht. Sie stellt ein einheitlicheres, wenn auch weniger detailliertes Format dar und wird nach verschiedenen Quellenangaben in den Sprachen Englisch, Deutsch, Französisch, Türkisch, Uighurisch, Russisch, Bahasa Indonesia und Urdu publiziert.
Eigenbeschreibung Die Onlinezeitschrift sollte nach eigenen Angaben monatlich erscheinen. Dies wurde bis jetzt jedoch nicht realisiert. Grund für die Veröffentlichung eines türkischsprachigen Magazins sei der Mangel an türkischen Quellen, die ein „richtiges“ Bild der IS-Organisation widerspiegelten. Neben einer vermeintlichen wissenschaftlichen sowie politischen Aufklärung, die mittels des Onlinemagazins erreicht werden soll, wird darüber hinaus der angestrebte Unterhaltungswert der Zeitschrift betont.Konstantiniyye #1: Konstantiniyye’nin Fethi. S. 3.
Adressaten In der ersten Ausgabe der Zeitschrift werden als Adressaten die in der Türkei lebenden Türken genannt, die keiner anderen Sprache außer dem Türkischen mächtig sind.Konstantiniyye #1: Konstantiniyye’nin Fethi. S. 3. Die zweite Ausgabe richtet sich auch an die im Ausland lebenden Türken sowie an die Anhängerschaft der Terrororganisation.Konstantiniyye #2: Hilafet´le Savaşmak Riddet Midir?. S. 3.
Inhalt Neben der Darstellung der religiösen Bestrebungen der IS-Organisation nehmen Themen aus dem politischen alltäglichen türkischen Leben einen Großteil der Zeitschrift ein. So beispielsweise die Kritik an dem Präsidium für Religionsangelegenheiten Diyanet, die Darstellung des Staatspräsidenten Erdoğan oder der Kurdenproblematik aus Sicht der IS-Organisation.
Ziele der IS-Propaganda in Bezug auf die Türkei Bereits früh pflegte der Gründer der IS-Organisation, Abū Musʿab az-Zarqāwī, gute Kontakte in die Türkei. Mitunter wurde dort die Ideologie schon Anfang der 2000er Jahre verbreitet.Steinberg, Guido: Kalifat des Schreckens. IS und die Bedrohung durch den islamistischen Terror. München. 2015. S. 30. Ab den Jahren 2002/03 formulierte az-Zarqawi das Ziel, die Bilād asch-Schām, die sogenannte historische Region Syriens zu erobern, wozu auch Gebiete der heutigen Türkei gehörten (außerdem des Libanon, Jordanien, Israel/Palästina). Dies diente u. a. als Grund dafür, den Dschihad auch dorthin zu tragen.Steinberg, Guido: Kalifat des Schreckens. IS und die Bedrohung durch den islamistischen Terror. München. 2015. S. 138.
Die Medienpropaganda der Organisation in der Türkei hat zwei Gründe: Zum einen sollen neue Mitglieder angeworben werden, zum anderen soll denjenigen, die sich gegen die Organisation positionieren, durch die grausamen Botschaften gedroht werden. Die IS-Organisation bestimmt demnach das Bild von sich selbst und labelt gezielt ihre Feinde und Opfer nach ihrem eigenen Verständnis. Die Propaganda ist minutiös und professionell auf sämtliche Kontexte des türkischen Lebens abgestimmt (Politik, Alltag, Sprache).Christoph Reuter: Die Schwarze Macht. Der „Islamische Staat“ und die Strategie des Terrors. München 2015. S. 230ff.
Neben Selbstmordattentaten ist die Propaganda eine der wichtigsten Strategien der Organisation. Sie versucht damit zu beweisen, dass sie mit allen Insignien der Souveränität (Kontrolle über Territorium, großer Geldhaushalt, schwere Waffen) existiert und so das Ziel erreicht wurde, was Dschihadisten seit jeher verfolgen.Guido Steinberg: Kalifat des Schreckens. IS und die Bedrohung durch den islamistischen Terror. München 2015. S. 165ff. Um dies deutlich zu kommunizieren, publiziert die Medienabteilung der Organisation neben der türkischsprachigen Konstantiniyye auch weitere, nicht arabische Propaganda-Onlinemagazine wie das englische (und in anderen Übersetzungen vorliegende) Dabiq, das französische Dar al-Islam oder das russische Istoq.Croitoru, Joseph: Der IS und seine Medien. Selbstmordbomber willkommen. In: Frankfurter Allgemeine Feuilleton. 3. Dezember 2015. https://www.faz.net/aktuell/feuilleton/der-islamische-staat-kaempft-auch-an-der-medienfront-13942843.html
Der Name Konstantiniyye gibt außerdem Aufschluss über die Sicht der IS-Organisation auf die Türkei und ihre unmittelbare Intention ihr gegenüber, nämlich die Rückführung zu kalifatischen Zeiten, als Konstantinopel Teil eines islamischen Staates war. Darüber hinaus kommt Konstantinopel in der islamischen Eschatologie besondere Bedeutung zu. Insbesondere ein Hadith von Abū Muslim ibn al-Haddschādsch steht im Fokus der türkischsprachigen Propagandazeitschrift. Nach diesem soll der Prophet gesagt haben, Konstantinopel würde erobert werden.Ṣaḥīḥ Muslim: Pertaining to the Conquest of Constantinople and the Appearance of the Dajjal and the Descent of Jesus Son of Mary. In: Kitāb al-Fitan wa Ašrāṭ al-Sā'ah (Book Pertaining to the Turmoil and Portents of the Last Hour). Buch 41, Nr. 6924. Siehe: https://www.iium.edu.my/deed/hadith/muslim/041_smt.html Die Eroberung durch Sultan Mehmet II. (1453) wird nach dem Verständnis der IS-Organisation nicht als Eroberung anerkannt.Konstantiniyye #1: Konstantiniyye’nin Fethi. S. 5.
Ausgaben Ausgabe Titel Datum (Hidschri)Datum (Gregorianisch) Seitenzahl1Konstantiniyye'nin FethiSchaʿbān 1436Mai 2015 462Hilafet´le Savaşmak Riddet Midir?Schawwāl 1436Juli 2015 603İstişhadi Operasyonların Caizliği ve FaziletiDhū l-Hiddscha 1436September 2015 724Sen Onları Birlik Sanırsın Oysa Kalpleri ParamparçadırSafar 1437November 2015 685Küfredenler İse Tağutun Yolunda SavaşırlarMuharram 1437Dezember 2015 566Mürted KardeşlerRadschab 1437April 2016 527Küfür RisaleleriDhū l-Qaʿda 1437August 2016 60
Einzelnachweise
Kategorie:Medien (Islamischer Staat) Kategorie:Propagandamedium Kategorie:Islamische Zeitung Kategorie:Türkischsprachige Zeitschrift Kategorie:Ersterscheinen 2015