mini|Raymonde Dien bei den III. Weltfestspielen 1951 in Berlin

Raymonde Dien, geborene Octavia Raymonde Emilia Huberdeau (* 13. Mai 1929 in Mansigné, Département Sarthe; † 19. August 2022Vietnam’s great friend passes away in Saint-DenisClaude Willard: Dien Raymonde (née Huberdeau Raymonde, Émilia, Octavie). In: maitron.fr, 26. August 2022) war eine französische kommunistische Friedensaktivistin, die nach einer Protestaktion in Frankreich 1950 gegen den Indochinakrieg im selben Jahr zu einem Jahr Gefängnis verurteilt wurde.

Leben Dien, von Beruf Stenotypistin, beteiligte sich am 23. Februar 1950 mit Hunderten von Mitgliedern und Sympathisanten der Kommunistischen Partei Frankreichs (KPF, französisch PCF) an einer Kundgebung am Bahnhof von Saint-Pierre-des-Corps bei Tours, um den Transport eines Eisenbahnzuges mit Waffen für Indochina zu blockieren. Die Menschenmenge besetzte die Gleise, wobei sich einige Demonstranten auf die Schienen legten. Zu ihnen gehörte Dien, die danach von Zeugen identifiziert wurde.

Raymonde Dien wurde zunächst in das Gefängnis von Tours verbracht, danach wurde sie in das Fort du Hâ in Bordeaux überführt, wo sie sich mit zwei ehemaligen Gestapo-Mitarbeiterinnen eine Zelle teilen musste.Raymonde Dien, une femme en résistance. In: La Nouvelle République (online), 16. Oktober 2015. Danach wurde sie von einem Militärgericht angeklagt, wobei sie von der Rechtsanwältin Marie-Luise Jacquier-Cachin verteidigt wurde. Am zweiten Prozesstag im Juni 1950 wurde sie zu einem Jahr Gefängnis und zu 15 Jahren Entzug der Bürgerrechte verurteilt.

Die KPF initiierte daraufhin sowohl in Frankreich wie auch in den sozialistischen Ländern des Ostblocks eine weltweite Kampagne zu ihrer Freilassung. Der KPF-Vorsitzende Maurice Thorez erklärte: „Wir müssen Raymonde Dien und Henri Martin aus den Gefängnissen befreien.“ Die weltweiten Proteste und Solidaritätsbekundungen führten dazu, dass sie zu Weihnachten 1950 frei kam.

Im April 1951 reiste Raymonde Dien auf Einladung des Polnischen Jugendverbandes nach Warschau, wo ihr ein begeisterter Empfang bereitet wurde.

Bei den III. Weltfestspielen der Jugend und Studenten im August 1951 in Ost-Berlin war sie als Ehrengast eine gefeierte Teilnehmerin. Unter einem großen Bild von Raymonde Dien stand die Losung „Alle Mädchen in der Welt! Im Kampf für den Frieden liegt euer Glück und eure Zukunft!“ In einem Interview zum Abschluss der Weltfestspiele erklärte sie:

Raymonde Dien war von 1953 bis 1958 Leiterin der Mädchenorganisation der KPF. Danach war sie bei der Gewerkschaft CGT angestellt. Von 1963 bis zum Vorruhestand 1985 arbeitete sie bei der Presseagentur "Agence centrale de publicité" (ACP).

Darstellung in der bildenden Kunst mini|Denkmal der Friedensaktivistin im Park des Sieges in St. Petersburg Walter Münze: Raymonde Dien (Tafelbild, Öl; 1953) Walerian Kirchoglani: Statue für den „Park des Sieges“ in St. Petersburg, die Raymonde Dien auf den Schienen liegend darstellt (1953). Eine Kopie dieser Statue befindet sich in Zelenogorsk.

Ehrungen Am 2. September 2004 wurde ihr die Medaille der Freundschaft von Vietnam verliehen. Im VI. Bezirk von Ho-Chi-Minh-Stadt trägt eine Straße ihren Namen. In der DDR gab es das zentrale Pionierlager des Bezirkes Neubrandenburg „Raymonde Dien“ in Trassenheide; weiterhin waren eine Betriebsberufsschule der HO Industriewaren in Berlin, ein Kindergarten in Burg und ein FGDB-Ferienheim in Frauenwald nach ihr benannt. Ein 1950 von Sergej Prokofjew komponiertes Oratorium Auf Friedenswacht mit Text von Samuil Marschak enthält eine Reverenz an die Kriegsgegnerin Raymonde Dien. In Saint-Pierre-des-Corps gibt es eine „Straße des 23. Februar“, die an die Schienenblockade von 1950 erinnert.

Literatur Alain Ruscio: Les communistes français et la guerre d’Indochine (1944–1954). L’Harmattan, Paris 1986, 422 p.

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Einzelnachweise

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