mini|Klostergebäude Fünfbrunnen, 2013 Das Jüdische Altersheim Fünfbrunnen bei Ulflingen war das Sammellager zur Isolierung und Konzentrierung von nicht arbeitsfähigen Juden in Luxemburg. Es bestand von 1941 bis 1943 im umfunktionierten abgelegenen Kloster Fünfbrunnen.
Geschichte Am 4. März 1941 wurde das Kloster Fünfbrunnen von der Gestapo aufgelöst und im Herbst wurde dort auf Vorschlag der Israelitischen KultusgemeindeDokument VEJ 5/217 in: Katja Happe u. a. (Bearb.): Die Verfolgung und Ermordung der europäischen Juden..., Band 5: West- und Nordeuropa 1940–Juni 1942. München 2012, ISBN 978-3-486-58682-4, S. 557–558- ein Sammellager für Alte und Gebrechliche in Betrieb genommen. Judenrat und Gestapo leiteten sofort den Bau zusätzlicher Baracken ein, der aber wegen kriegsbedingter Materialknappheit und der Planung der Deportationen von der Gestapo im Juli 1942 eingestellt wurde.Änder Hohengarten: Die nationalsozialistische Judenpolitik in Luxemburg. 2004, S. 51.
Das Lager unterstand der Gestapo, war von keinem Stacheldraht umgeben, hatte keine Bewachung und keine Judenpolizei wie in Polen üblich, sondern eine Selbstverwaltung. Sowohl die Gestapo als auch die Zivilverwaltung stellten Einweisungsverfügungen aus, und im Juli 1942 erreichte die Lagerbelegung mit etwa 150 meist kranken und alten Personen unterschiedlicher Nationalität ihren Höchststand. Durften die Insassen anfangs noch Möbel und persönliche Dinge mitbringen, so wurde ihnen später vieles abgenommen. Insgesamt durchliefen etwa 300 arbeitsunfähige Personen das Lager, von denen mehr als 20 im Lager oder in Luxemburger Hospitälern starben. Fünf Menschen konnten fliehen, während die anderen jeweils per Zug nach Deutschland deportiert und von dort sofort in größeren Deportationszügen nach dem Osten gebracht wurden:Änder Hohengarten: Die nationalsozialistische Judenpolitik in Luxemburg. 2004, S. 52 ff.
+ Deportationen von Bewohnern Datum Zielort über AnzahlMarc Schoentgen: Das „Jüdische Altersheim“ in Fünfbrunnen. 2004, S. 59. 16. Oktober 1941 Ghetto Litzmannstadt Trier 22 23. April 1942 Ghetto Izbica Stuttgart 14 12. Juli 1942 Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau Chemnitz 6 26. Juli 1942 KZ Theresienstadt Köln 16 28. Juli 1942 KZ Theresienstadt Dortmund 73 6. April 1943 KZ Theresienstadt Dortmund 87 17. Juni 1943 teils Auschwitz, teils Theresienstadt ? 3?
Nach der Deportation vom 6. April 1943 löste die Gestapo das Lager auf.Änder Hohengarten: Die nationalsozialistische Judenpolitik in Luxemburg. 2004, S. 55.
Erinnerung mini|Gedenkstätte für 700 nach Auschwitz deportierte Luxemburger Juden, 2013 mini|Detailansicht Auf dem Gelände des Klosters Fünfbrunnen erinnern heute ein Denkmal und eine Informationstafel an die Deportation und die Ermordung der Luxemburger Juden. Im Bahnhof Hollerich gibt es ein Deportationsmuseum.
Literatur Änder Hohengarten: Die nationalsozialistische Judenpolitik in Luxemburg. im Auftrag des Memorial de la Déportation in Luxemburg-Hollerich. 2., veränd. Auflage. Luxemburg 2004, . Marc Schoentgen: Juden in Luxemburg 1940–1945. (pdf) In: Forum – für Politik, Gesellschaft u. Kultur in Luxemburg. Heft 179, 1997. Marc Schoentgen: Das „Jüdische Altersheim“ in Fünfbrunnen. In: Wolfgang Benz, Barbara Distel (Hrsg.): Terror im Westen. Metropol 2004, ISBN 3-936411-53-0, S. 49 ff.
Weblinks
Geschichte des Jüdischen Altersheimes auf Gedenken in Benelux Konzept für die Gedenkstätte Fünfbrunnen auf MemoShoa
Einzelnachweise
Kategorie:Holocaust in Luxemburg Kategorie:KZ-Sammellager Kategorie:Jüdische Geschichte (Luxemburg) Judisches Altersheim Fünfbrunnen Judisches Altersheim Fünfbrunnen Kategorie:Wintger
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