mini|Arnold Schönberg (1927) mini|hochkant|Arnold Schönberg, porträtiert von Egon Schiele, 1917
Arnold Schönberg (* 13. September 1874 in Wien; † 13. Juli 1951 in Brentwood, Los Angeles) war ein österreichischerDurch seine Berufung zum Professor an die Preußische Akademie der Künste im Jahre 1925 (die Vereidigung als Beamter fand am 27. Mai 1926 statt), hatte Schönberg gleichzeitig die preußische Staatsangehörigkeit erworben. Komponist, Musiktheoretiker, Kompositionslehrer, Maler, Dichter und Erfinder. Er wirkte ab 1901 abwechselnd in Berlin und Wien, emigrierte 1933 in die USA und nahm 1941 die Staatsbürgerschaft der Vereinigten Staaten an. Nach seiner Emigration schrieb er seinen Namen Arnold Schoenberg.
Schönberg gilt zusammen mit Igor Strawinsky als „einer der einflussreichsten Komponisten des frühen 20. Jahrhunderts nach Claude Debussy“Charles Rosen: Arnold Schoenberg, University of Chicago Press, Chicago, London 1996, ISBN 978-0-226-72643-4, S. 2 und war die zentrale Gestalt der Zweiten Wiener Schule (auch Wiener atonale Schule). Ihr Bestreben, „die Tonalität in ihrer spätromantischen Erscheinungsform konsequent zu Ende“ zu denken,Riemann Musiklexikon 2012, Artikel Wiener Schule, Bd. 5, S. 431. mündete nach Aufgabe der Dur-Moll-Tonalität zwischen 1906 und 1909 beziehungsweise zwischen 1904 und 1911Letzteres nach Riemann Musiklexikon 2012, Bd. 5, Artikel Wiener Schule, S. 431. in die Zwölftontechnik. Schönberg entwickelte um 1920 parallel zum weniger bekannten Josef Matthias HauerHauer schuf – so Riemann Musiklexikon 2012, Bd. 2, Artikel Hauer S. 343 – mit Nomos op. 19 (1919) noch vor Schönberg das erste 12-tönige Werk. die theoretische Formulierung dieser neuen Kompositionstechnik, die später zur seriellen Musik weiterentwickelt und von zahlreichen Komponisten der Neuen Musik aufgegriffen wurde. In der Villa Josef in Traunkirchen komponierte Arnold Schönberg im Juli 1921 mit dem Praeludium der Klaviersuite op. 25 das erste Stück in der von ihm entwickelten Zwölftontechnik.
Leben Bis zum Ersten Weltkrieg mini|hochkant|Gedenktafel an seinem Geburtshaus
Arnold Schönbergs Vater, der Schuhmacher Samuel Schönberg, wurde am 20. September 1838 im ungarischen Szécsény (Kaisertum Österreich) geboren; er lebte ab 1852 in Wien, wo er am 31. Dezember 1889 starb.Walter Boyce Bailey: The Arnold Schoenberg Companion, Greenwood Press, 1998, ISBN 978-0-313-28779-4, S. 13 Die Mutter Pauline wurde am 7. April 1848 in Prag als Pauline Nachod geboren und wuchs in Prag auf. Sie starb am 12. Oktober 1921 in Berlin. Arnold Schönberg kam im Haus Brigittenau 393 im Wiener Gemeindebezirk Leopoldstadt zur Welt (heute: Obere Donaustraße 5). Er hatte zwei jüngere Geschwister; der Ingenieur Arthur Schönberg war sein Cousin.
Schönberg konvertierte am 25. März 1898 zum Protestantismus A.B. nachdem er wenige Wochen zuvor aus dem Judentum ausgetreten war. Grund für die Konversion dürfte Schönbergs religiös und politische Identitätssuche gewesen sein, materielle oder opportunistische Motive scheinen keine Rolle gespielt zu haben. Im Jahr 1921 gab es einen antisemitischen Vorfall während seiner Sommerfrische in Mattsee. Die Gemeinde wollte Mattsee „judenrein“ halten und forderte die Vermieter von Fremdenzimmern und -wohnungen auf, Juden keine Unterkunft zu gewähren. Obwohl inzwischen Protestant, war Schönberg gezwungen nach Traunkirchen umzuziehen. Der Vorfall wurde in der Neuen Freien Presse in einer kurzen Meldung aufgegriffen und führte zu einer antisemitischen Hetze gegen Schönberg. Diese Erfahrung beeinflusste Schönbergs Einstellung zu seiner jüdischen Herkunft und er begann sich mit der jüdischen Religion intensiv auseinanderzusetzen. Dazu kam ein Konflikt mit Wassily Kandinsky, der sich ebenfalls antisemitisch geäußert hatte. Im Frühjahr 1933 verlor er aufgrund seiner Herkunft seinen Posten an der Preußischen Akademie der Künste in Berlin. All das führte zu Schönbergs Entschluss am 24. Juli 1933 wieder zum Judentum zu rekonvertieren.
Schönbergs musikalischer Werdegang begann nach eigenen Worten bereits mit neun Jahren als Violinist und kompositorischer Autodidakt.Manuel Gervink: Arnold Schönberg und seine Zeit, Laaber-Verlag, 2000, S. 13 f. Er besuchte die Realschule in der Vereinsgasse in der Leopoldstadt. In dieser Zeit komponiert er Märsche und Polkas. Nach dem Tod seines Vaters 1889 war er gezwungen, für den Unterhalt der Familie zu sorgen. Er verließ die Schule am 20. Januar 1890 und begann eine Lehre als Angestellter in der Wiener Privatbank Werner & Co. Seiner Begeisterung für Musik konnte er in diesen Jahren nur als Zaungast bei Freiluftkonzerten im Augarten sowie im Wiener Prater nachgehen; einen Teil seines Lohns investierte er in zahlreiche Opernbesuche, bei denen er vor allem die Bühnenwerke von Richard Wagner bevorzugte.
Eigenen Erinnerungen zufolge verdankte Schönberg seine konsequente künstlerische Entwicklung drei Personen: Zum einen war es Oskar Adler, der ihm Grundkenntnisse in Musiktheorie, Poesie und Philosophie vermittelte, zum andern David Josef Bach, der in Schönberg ein breites Bewusstsein für Ethik, Moral sowie den „Widerstand gegen Gewöhnlichkeit und Allerweltsvolkstümlichkeit“ weckte, und schließlich seinem späteren Schwager Alexander von Zemlinsky, den Schönberg 1895 durch den Eintritt als Cellist in das Amateurorchester „Polyhymnia“ kennenlernte. Der Dirigent erkannte das Talent Schönbergs und verhalf ihm 1898 zur (erfolgreichen) Aufführung des ersten Streichquartetts in D-Dur (ohne Opuszahl). Schönberg nahm einige Monate Kompositionsunterricht bei Zemlinsky. Nach eigener Aussage lernte er das meiste aber durch das Studium der Werke großer Komponisten – vor allem Brahms, Wagner, Mahler, Bach und Mozart.
Durch Zemlinsky konnte Schönberg im Musikleben von Wien und seiner Umgebung Fuß fassen. Nach der Kündigung des Bankpostens übernahm er Dirigate beim Mödlinger Gesangsverein „Freisinn“, dem Männergesangsverein Meidling sowie die Chormeisterstelle des Metallarbeiter-Sängerbunds Stockerau.
Am 7. Oktober 1901 heiratete Schönberg Zemlinskys Schwester Mathilde (1877–1923) auf einem Standesamt in Preßburg, nachdem diese bereits im Frühjahr 1901 schwanger geworden war. Die kirchliche Trauung fand elf Tage später in der Lutherischen Stadtkirche in der Dorotheergasse in Wien statt. Arnold Schönberg und Mathilde Zemlinsky hatten zwei Kinder, Gertrud (1902–1947) und Georg (1906–1974). Richard Gerstl, der Schönberg bei seiner Malerei unterstützte, hatte ein Verhältnis mit Mathilde. mini|Die Familie Schönberg, Ölbild von Richard Gerstl, 1907 Schönbergs erste Schülerin war Vilma von Webenau. Sie nahm bei ihm seit 1898/99 Harmonielehre- und Kompositionsunterricht und folgte ihm bei seiner Übersiedlung nach Berlin im Dezember 1901. Er folgte einem Ruf Ernst von Wolzogens und übernahm vorübergehend die musikalische Leitung des im Januar 1901 gegründeten literarischen Kabaretts Überbrettl. Ende 1902 versuchte Richard Strauss durch Vermittlung bei dem Direktor des Stern’schen Konservatoriums Gustav Hollaender für Schönberg eine Anstellung bei dieser wichtigen Ausbildungsstätte zu erwirken. Es war geplant, ab 1. Januar 1903 für Schönberg eine kleine Klasse einzurichten, wozu es aber wahrscheinlich nicht mehr kam. Im Spätsommer 1903 kehrte Schönberg nach Wien zurück, wo er persönliche Bekanntschaft mit Gustav Mahler machte.
1904 war er Mitbegründer der Vereinigung schaffender Tonkünstler; Anton Webern und Alban Berg wurden seine Schüler.
mini|Watschenkonzert, Karikatur in der Wiener Zeit vom 6. April 1913 Die darauf folgenden Jahre bis zum Ausbruch des Ersten Weltkriegs waren vom Schaffen bedeutender Werke geprägt: Es entstanden seine beiden ersten Streichquartette und die 1. Kammersinfonie (1906, UA 1907), deren Uraufführungen von Skandalszenen begleitet wurden, die Gurre-Lieder und seine Harmonielehre (1911) sowie Pierrot Lunaire (1912); berühmt wurde das von ihm geleitete Skandal- oder Watschenkonzert vom 31. März 1913.
mini|Berliner Gedenktafel am Haus Sembritzkistraße 33/33 A in Berlin-Steglitz
1910 wurde seine Bewerbung um eine Kompositionsprofessur an der Wiener Akademie abgelehnt, worauf er ein Jahr später als Dozent an das Stern’sche Konservatorium nach Berlin zurückkehrte. 1915 wurde er zum Militär einberufen und als Reserveoffizier ausgebildet. Zunächst wurde Schönberg jedoch zurückgestellt, um 1917 erneut einberufen zu werden. Er absolvierte seinen Dienst in einer Militärkapelle. Schönberg schloss sich im Krieg, zumindest im privaten Briefwechsel mit Alma Mahler, dem Nationalismus seiner Landsleute an.Haide Tenner (Hrsg.): „Ich möchte so lange leben, als ich Ihnen dankbar sein kann“. Alma Mahler – Arnold Schönberg. Der Briefwechsel . Residenz, St. Pölten 2012.
Nach dem Ersten Weltkrieg Nach Kriegsende zog Schönberg 1918 nach Mödling nahe Wien in die Bernhardgasse 6. Die Villa war von 1918 bis 1925 der Wohnsitz des Komponisten und ist gegenwärtig als Schönberg-Haus bekannt. Am 23. November 1918 gründete er in Wien den „Verein für musikalische Privataufführungen“, der sich die Aufgabe gestellt hatte, neue und/oder von Schönberg und seinem Kreis als wichtig erachtete Werke aufzuführen und in dessen Umfeld 1922 auch die Internationale Gesellschaft für Neue Musik (IGNM/ISCM) gegründet wurde. Zahlreiche Komponisten wie Bartók, Busoni, Debussy, Mahler, Pfitzner, Ravel, Reger, Skrjabin, Strauss und Strawinsky waren mit ihren Kompositionen in den Konzertprogrammen des Vereins vertreten. Die Aufführung sinfonischer Werke erfolgte in zum Teil heute noch gespielten Bearbeitungen für Kammerensemble.
In Mödling unterrichtete er zu Hause (teilweise unentgeltlich) viele später bekannte Musiker und Komponisten, darunter Hanns Eisler, Rudolf Kolisch, Erwin Ratz, Max Deutsch und Karl Rankl.
1921 begründete er die Methode der „Komposition mit zwölf nur aufeinander bezogenen Tönen“ (Zwölftontechnik), einer Kompositionstechnik, die er allerdings nicht lehrte und über die er sich nur selten äußerte. Nach dem Tod seiner Frau Mathilde am 18. Oktober 1923 in Wien heiratete er am 28. August 1924 Gertrud KolischSchönberg, Gertrud Bertha. In: Ernst Fischer: Verleger, Buchhändler & Antiquare aus Deutschland und Österreich in der Emigration nach 1933: Ein biographisches Handbuch. 2. Auflage. Berlin : De Gruyter, 2020, S. 471f. (1898–1967), die Schwester seines Schülers Rudolf Kolisch. Mit ihr hatte er drei Kinder: Nuria (* 1932, die spätere Ehefrau des Komponisten Luigi Nono), Ronald (* 1937) und Lawrence (* 1941).