Rudolf Mayer, auch Rudolph, (* 12. Juni 1846 in Nýdek; † 24. Juni 1916 in Karlsruhe) war ein deutscher Medailleur.

Leben mini|links|Medaille 1905 o. J. zum 100. Todestag von Friedrich von Schiller, Vorderseite mini|Die Rückseite zeigt das Lied von der Glocke. Nach Forrer ist dies die beste der 1905 erschienenen Schiller-Medaillen

Mayer erlernte ab 1862 das Medailleurshandwerk in der Erzherzoglich-Albrecht’schen Gießerei in Trzynietz und arbeitete anschließend von 1865 bis 1868 in einer Bronzewarenfabrik in Wien. Ab 1868 studierte er als Stipendiat an der Kunstgewerbeschule und war dort Meisterschüler bei dem Bildhauer Otto König.Corinna Rönnau: Mayer, Rudolf (1846). In: Allgemeines Künstlerlexikon. Die Bildenden Künstler aller Zeiten und Völker (AKL). Band 88: Matijin - Meixner. De Gruyter, Berlin 2016, ISBN 978-3-11-023254-7, S. 131. Nach Abschluss seines Studiums unterhielt Mayer ab 1871 ein eigenes Atelier in Wien. 1874 wurde er als Lehrer an die Kunstgewerbeschule in Stuttgart berufen; 1886 wechselte er nach Karlsruhe, wo er die Leitung der neu eingerichteten Fachklasse Ciselieren und Metalltechnik übernahm und bis zu seiner Pensionierung 1913 unterrichtete.

Zu seinen Schülern zählen u. a. die Bildhauer und Medailleure Rudolf Kowarzik und Heinrich Ehehalt.

Werk Neben seinem Lehramt war Mayer auch als freischaffender Künstler aktiv, u. a. entwarf und fertigte er Teile des Dortmunder Ratssilbers. Für den Adressenschrein zum 40-jährigen Regierungsjubiläum des Großherzogs Friedrich I. von Baden ziselierte er sechs Reliefs und dessen Portrait-Medaillon.

Für die deutsche Medaillenkunst seiner Zeit nimmt Rudolf Mayer eine führende Rolle ein. Rund drei Viertel seiner Medaillen und Plaketten, die verstärkt Ende der 1880er-Jahre in den Fokus seines Schaffens rückten, porträtieren historische und zeitgenössische Personen aus Politik, Kultur und Wissenschaft – darunter auch zahlreiche Karlsruher Persönlichkeiten sowie Mitglieder der badischen Herrscherfamilie. Die badischen Reichsmünzen aus Silber und Gold trugen ab 1902 bis zum Ende der Monarchie die von Mayer geschaffenen Kopfbildnisse von Großherzog Friedrich I. und seines Nachfolgers Friedrich II. von Baden.

Sein künstlerischer Nachlass befindet sich im Badischen Landesmuseum in Karlsruhe.

Auszeichnungen (Auswahl)

1867: Silberne Ehren-Medaille Kunstgewerbeschule Wien 1896: 1. Preis Medaillen-Wettbewerb der Stadt Dresden 1902: Ritterkreuz des Ordens vom Zähringer Löwen mit Eichenlaub (Großherzogtum Baden) 1914: Goldene Medaille für Kunst und Wissenschaft am Bande (Großherzogtum Baden)

Literatur Badisches Landesmuseum Karlsruhe (Hrsg.): Rudolf Mayer. Medaillen und Metallarbeiten der Jahrhundertwende, Karlsruhe 1977. Peter Pretsch: Vom Gulden zum Euro: 175 Jahre Münzstätte Karlsruhe. Info-Verlag, Karlsruhe 2002. S. 43 f.

Einzelnachweise

Kategorie:Medailleur Kategorie:Bildender Künstler (Karlsruhe) Kategorie:Kunstlehrer Kategorie:Deutscher Kategorie:Geboren 1846 Kategorie:Gestorben 1916 Kategorie:Mann