mini|x145px|Wappen Josephs I.

Dreissig Schweizer Truppen in spanischen Diensten (zwei davon nicht reguläre Einheiten) unterstützten nacheinander zwei Königsdynastien und kurzzeitig einen Herrscher von Napoleons Gnaden.

Von 1574 bis 1700 dienten sie den spanischen Habsburgern und von 1700 bis 1835 den ihnen auf dem Throne Spaniens nachfolgenden spanischen Bourbonen. Kurzzeitig, 1808, wurden zwei davon von dem durch seinen Bruder, Napoleon Bonaparte, eingesetzten König Joseph I. zwangsverpflichtet.

Schweizer Truppen in fremden Diensten hiess der von Behörden der Schweizer Eidgenossenschaft mit Staatsverträgen geregelte Solddienst von geführten, ganzen Truppenkörpern im Ausland.

Diese Verträge enthielten ein Kapitel, das die militärischen Angelegenheiten regelte: die sogenannte Kapitulation (oder Privatkapitulation, wenn einer der Vertragspartner ein privater Militärunternehmer war).

Übersicht der Schweizer Truppen in spanischen Diensten für das Königshaus der Habsburger#espBezeichnungJahrKönig Karl V. 1516–1556König Philipp II. 1556–15981Regiment von Roll 1574König Philipp III. 1598–16212Regiment Lussy 1603–16093Regiment von Beroldingen 1610–1637König Philipp IV. 1621–16654Regiment Fleckenstein 1625–16275Regiment Zwyer 1638–16416Regiment Crivelli 16427Regiment Lussy 16428Regiment von Beroldingen 1664–16689Regiment Cloos 1664–1668Königin Maria Anna 1665–1675König Karl II. 1665–170010Regiment Imfeld 1673–167911Regiment von Beroldingen 1683–168412Regiment von Buol 1684–168813Regiment Meyer 1690–169814Regiment Bessler 1690–169815Regiment Capol 1693–1706 für das Königshaus der Bourbonen#espBezeichnungJahrKönig Philipp V. 1700–172416Regiment Betschart 1703–170617Regiment Amrhyn 1703–171518Regiment von Salis 1719–172119Regiment Mayor 1719–1721König Ludwig I. 1724König Philipp V. 1724–174620Regiment Niederöst 1724–1748dann in Neapel21Regiment Bessler 172522Regiment Arregger 1734–175723Regiment von SuryRegiment 1 1734–183524Regiment DunantRegiment 2 1742–1808dann Napoleon25Regiment Alt-RedingRegiment 3 1743–183526Regiment Jung-RedingRegiment 4 1743–1835König Ferdinand VI. 1746–1759König Karl III. 1759–1788König Karl IV. 1788–180827Regiment JannRegiment 5 1793–181028Regiment de CourtenRegiment 6 1796–1808dann Napoleon29Regiment Stuartnicht regulär 1798–1818König Ferdinand VII. 1808–1808 und 1813–183830Regiment Suizos de Aragonnicht regulär 1808–1809 für Napoleon Bonaparte#espBezeichnungJahrKönig Joseph I., 1808–181324Regiment DunantRegiment 2 180828Regiment de CourtenRegiment 6 1808

Der spanische Vielvölkerstaat der Habsburger, durch Heirat entstanden und durch Heirat erworben mini|Königreich Kastilien-Leon um 1400

Achtzehnjährig und emanzipiert war sie, Isabella, Prinzessin mit grünen, schräg geschnittenen Augen und roten Haaren aus dem Hause Kastilien-Leon, als sie dem ein Jahr jüngeren Anwärter auf den Thron Aragons, Ferdinand, der Katholische, 1469 einen Antrag machte und den Einverstandenen heiratete.

Fünf Jahre später wurde Isabella zur Königin gekrönt und regierte Kastilien-Leon gemeinsam mit ihrem Gatten. 1479 war Ferdinand König von Aragon und das Paar herrschte gemeinsam über die getrennten Königreiche Kastilien-Leon und Aragon. Es war dies die Keimzelle des zukünftigen Spanien.

1492, im Jahr als die vereinigten Reiche von Kastilien und Aragon mit Granada die letzte muslimische Herrschaft auf der iberischen Halbinsel eroberten und damit die Reconquista beendeten, entdeckte Christoph Columbus unter spanisch-kastilischer Flagge Amerika. Es war der Beginn der Entstehung des mächtigen spanischen Weltreiches.

Als Königin Isabella 1504 starb, war ihr einziger Sohn Johann bereits seit sieben Jahren tot und ihre Tochter Johanna, genannt die Wahnsinnige (spanisch: Juana la Loca), wurde ihre Nachfolgerin über Kastilien. Sie war mit Philipp, genannt der Schöne (spanisch: Felipe el Hermoso), aus dem Hause Habsburg verheiratet. Er konnte sich gegen Ferdinand, den Schwiegervater, als Mitregent in Kastilien behaupten, verstarb aber bereits 1506.

Zehn Jahre später verschied auch Ferdinand und Johanna wurde, obwohl seit 1509 von Ferdinand im Königspalast von Tordesillas, angeblich wegen Geisteskrankheit, festgesetzt, nominell Königin der vereinigten Reiche von Kastilien und Aragon, die faktisch von kirchlichen Statthaltern regiert wurden. Johanna verbrachte weitere 40 Jahre in Hausarrest in Tordesillas, nachdem ihr Sohn Karl 1516 zum spanischen König erhoben wurde.

1519, beim Tode seines Grossvaters, Kaiser Maximilian I., erbte Karl die habsburgischen Stammlande und wurde mit sehr viel Geld des Bankhauses der Fugger aus Augsburg, die im Gegenzug erhebliche wirtschaftliche Privilegien im Reich erhielten, zusätzlich zum römisch-deutschen König gewählt. 1530 wurde er offiziell, als letzter römischer Herrscher, durch Papst Clemens VII. in Bologna zum Kaiser gekrönt.

Der Habsburger Karl V. war durch die Heiratspolitik seines Grossvaters Maximilian I. zum Herrscher über den mächtigsten VielvölkerstaatKarl trug die offiziellen Titel:(mit etc. wurden alle Titel minderen Grades subsumiert) aller Zeiten geworden. 1580, nach dem Aussterben der Dynastie der Avis, in Personalunion mit Portugal, sollte die Sonne darin sprichwörtlich nie mehr untergehen! mini|hochkant=3|zentriert|Spanisches Weltreich 1580, nach dem Erbe der portugiesischen Krone (gelb Spanien, grün Portugal)

Habsburgs spanische Herausforderungen: Frankreich und die sieben calvinistischen Provinzen der Niederlande Mit dem Tod von Kaiser Maximilian I. vereinigte sein Enkel und Nachfolger Karl V. nun zum ersten Mal alle Herrschaftsgebiete Habsburgs in einer Hand. Karl V. hatte mit Spanien, Burgund, Niederlande, Sizilien, Süditalien, Sardinien und den spanischen Kolonien in Übersee ein riesiges Reich geerbt. Damit war erstens Frankreich von habsburgischem Territorium vollständig umschlossen und zweitens, mit Einbezug der überseeischen Territorien, seine Auseinandersetzung mit Habsburg von einer europäischen zur globalen Dimension angewachsen. Karls V. Ambitionen einer Universalmonarchie für Europa stiessen auf den Widerstand von Frankreichs Franz I. und schon bald auf die ersten religiösen Konflikte zwischen Katholiken und Protestanten.

mini|hochkant=0.9|Kaiser Karl V. von Tizianmini|Herrschaftsbereich Karls V.Weinrot: KastilienRot: Besitzungen AragonsOrange: Burgundische BesitzungenGelb: Österreichische ErblandeBlassgelb: Heiliges Römisches Reichmini|hochkant=0.85|König Franz I. von Clouet Der Gegensatz zwischen Habsburg und Frankreich sollte für die nächsten über zwei Jahrhunderte, mehr oder weniger verdeckt, die europäische Politik und ihre dauernden Kriege bestimmen. König Franz I. allein führte in gut zwei Jahrzehnten (1521–1544) vier Kriege mit Kaiser Karl V. um die Vorherrschaft in Europa, beide mit wechselnden Koalitionen. Hauptkriegsschauplätze waren die Pyrenäen, an der Maas, in der Picardie und hauptsächlich Italien.

Besonders in Italien geriet das politische Gleichgewicht in Schieflage und in dessen Norden wechselte das Herzogtum Mailand mehrmals die Hand, bevor es 1545 (1555 im Augsburger Reichs- und Religionsfrieden bestätigt) im Besitz Spaniens landete, wo es bis zum Ende des Spanischen Erbfolgekrieges 1714 blieb.

mini|Die Spanischen Niederlande und die Republik der sieben vereinigten niederländischen Provinzen Ende des 16. Jahrhunderts Im Spanisch-Niederländischen Krieg von 1568 bis 1648 erkämpfte die Republik der Vereinigten Niederlande ihre Unabhängigkeit von der spanischen Krone. Mit seinem Ende schieden die nördlichen Niederlande zugleich aus dem Verband des Heiligen Römischen Reichs Deutscher Nation aus. Der südliche Teil der Niederlande blieb dagegen bei Spanien; im 19. Jahrhundert ging daraus Belgien hervor. Die Niederlande wurden damit dauerhaft geteilt.

Der Krieg entwickelte sich aus einem Aufstand gegen den spanischen und katholischen Landesherrn Philipp II., der vor allem von Calvinisten ausging. Nachdem die Spanier den ersten Aufstand noch niederschlagen konnten, entwickelten sich ab 1572 abermals Unruhen, die nach und nach das ganze Land erfassten. Mit Ausnahme eines zwölfjährigen Waffenstillstands in der Zeit von 1609 bis 1621 dauerten die Kämpfe bis 1648 an. Schliesslich erkannte Spanien die Unabhängigkeit der nördlichen Niederlande im Westfälischen Frieden 1648 offiziell an.

In beiden Konfliktgebieten, gegen Frankreich und in den Niederlanden, kamen Schweizer Truppen und Söldner zum Einsatz.

Mit dem Besitz der Freigrafschaft Burgund im Westen der Schweiz (Salzlieferant) und des Herzogtums Mailand im Süden (Kornkammer und Absatzmarkt der Innerschweizer Viehzüchter) war Spanien zum wirtschaftlich gewichtigen Nachbarn der Eidgenossenschaft geworden. Insbesondere die katholischen inneren Orte begannen sich mit dem spanischen Herzogtum Mailand durch Freundschafts- später Bündnisverträge zu binden, denen die beiden ebenfalls katholischen Kantone Freiburg und Solothurn (ab 1530 Sitz des französischen Botschafters) fernblieben.

1515, bereits vor der Reformationszeit, waren sich die Eidgenossen und Ferdinand, der Katholische – 1522 von Karl V. bestätigt – mit einem Bündnis nähergekommen, allerdings noch ohne Folgen, Ferdinand starb ein Jahr später.

Karl V. erneuerte 1552 den Vertrag von Massimiliano Sforza, dem letzten Herzog von Mailand, von 1512 mit den katholischen Kantonen: die Kapitulation von Mailand führte die Erhaltung der katholischen Religion als Zweck auf, versprach den katholischen Orten beträchtliche Pensionen, gestattete ihnen freien Zugang in die Lombardei und nach Mailand, sollte das Tessin mit Lebensmitteln aller Art versorgen, gestattete den spanischen Truppen die Benützung der Alpenpässe und wurde regelmässig erneuertErneuerung der Mailänder Kapitulation, jeweils für die Dauer der Regierungszeit des Königs, seines Nachfolgers plus 5 Jahre, ab 1706 auf unbestimmte Zeit: Jahr KönigVertreterEidgenossenOrt/Besonderes1552Karl V.Gouverneur in Mailand, Ferrante I. Gonzaga, Principe di Molfetta, Duca di ArianoLuzern, Uri, Schwyz, Unterwalden, katholisch Glarus und Fürstabt von St. GallenMilano1588Philipp II.Gouverneur in Mailand, Carlo de Aragona, Herzog von Terranuova, Fürst von CastelvetronaLuzern, Uri, Schwyz, Unterwalden, Zug und Freiburg (sowie ab 1596 zusätzlich katholisch Appenzell)Milano1604Philipp III.Gesandter bei den Eidgenossen, Conte Alfonso Casati (Vater)Luzern, Uri, Schwyz, Unterwalden, Zug, Freiburg und katholisch AppenzellLuzern1634Philipp IV.Gesandter bei den Eidgenossen, Conte Gerolamo Casati (Sohn)Luzern, Uri, Schwyz, Zug, Unterwalden, Freiburg, katholisch Appenzell und Fürstabt von St. GallenLuzern1706Philipp V.Gesandter bei den Eidgenossen, Marchese Don Verezuso Beretti-LandiLuzern, Uri, Schwyz und Unterwalden, die anderen katholischen Kantone folgten 1708 und 1710Luzern1804Karl IV.Gesandter bei den Eidgenossen, caballero Pardo Juan José de CaamañoTagsatzungen der Eidgenossenschaft und der Republik WallisBern bzw. Sitten.65 Paragrafen (ohne Zusatzartikel).Legte Werbekantone pro Regiment fest. Schliesslich bewilligten 1568 die katholischen Orte erstmals – trotz des gesamteidgenössischen Vertrages mit Frankreich von 1480 – ein Werbegesuch von Spaniens König Philipps II. Gesandten, Giovanni d'Anguisciola, das dann allerdings nicht umgesetzt wurde.