Eifert war eine Orgelbaufirma im thüringischen Stadtilm. Der Firmengründer Adam Eifert baute mehr als 115 Orgeln für Thüringen und etwa zwei Dutzend für Hessen.Bösken, Fischer: Quellen und Forschungen zur Orgelgeschichte des Mittelrheins. Bd. 3/1. 1988, S. 21. mini|Firmenplakette in Schöndorf (1883) mini|Firmenplakette in Schöten (1905) mini|Firmenplakette in Liebenwalde (1910)
Geschichte
Adam Eifert Adam Eifert (* 2. April 1841 in Hof Merlos/Grebenau; † 2. März 1910 in Stadtilm) war der Sohn des Müllers Johannes Eifert (* 1. Dezember 1810 in Schwarz; † 9. Januar 1877 in Hof Merlos/Grebenau) und dessen Ehefrau Anna Margarethe Noll. Er begründete das Unternehmen. Von 1858 bis etwa 1861 erlernte er den Orgelbau bei Friedrich Wilhelm Bernhard im hessischen Romrod.Bösken, Fischer: Quellen und Forschungen zur Orgelgeschichte des Mittelrheins. Bd. 3/1. 1988, S. 18. Anschließend folgten um 1862/1863 Gesellenjahre bei Ibach & Söhne in Barmen um 1864/1865 bei August Martin in Riga und von 1865 bis 1867 bei August Witzmann. Eifert heiratete am 20. Januar 1867 in Stadtilm die einzige Tochter, Auguste Fanny Lina Witzmann (* 24. Juni 1843 in Stadtilm; † 30. September 1896 in Stadtilm) und wurde dessen Werkstattmeister. Von 1871 bis 1905 war er selbstständig in Stadtilm tätig. Er war privilegierter „Großherzoglicher Sächsischer Hoforgelbauer“. Da die Ehe von Adam Eifert kinderlos blieb, übernahm 1905 sein Neffe Johann Eifert die Firma.
Johann Eifert Johann Eifert (* 10. Mai 1870 in Hof Merlos/Grebenau; † 1944 in Stadtilm), Sohn des Landwirts und Müllers Konrad Eifert (* 5. November 1838 Hof Merlos/Grebenau; † 7. Juli 1910 Hof Merlos/Grebenau) und dessen Ehefrau Anna Katharina Schwärzel (* 18. Juni 1841 in Grebenau; † 16. Februar 1902 in Hof Merlos/Grebenau) war von 1905 bis 1907, zusammen mit August Müller, Geschäftsführer und Inhaber von Eifert & Müller und von 1908 bis 1926 Inhaber von Adam Eifert Nachfolger. 1936 bis 1944 führte das Unternehmen Otto Schäfer.Pape: Lexikon norddeutscher Orgelbauer. Bd. 2: Sachsen und Umgebung. 2012, S. 75. Nach dem Zweiten Weltkrieg übernahm Lothar Heinze die leer stehende Werkstatt. Ab 1967 führte Orgelbau Schönefeld das Unternehmen unter neuem Namen fort.
Werk Bis 1907 baute Adam Eifert in Stadtilm mehr als 140 Orgeln. Der Großteil wurde nach Thüringen geliefert, etwa zwei Dutzend Instrumente über die Eisenbahn in Eiferts hessische Heimat transportiert, vor allem in den Vogelsberg. Die ein- oder zweimanualigen Dorforgeln verfügen über 5 bis 26 Register. Eifert verwendete anfangs die mechanische Schleiflade, spätestens ab 1887 die mechanische Kegellade und ab 1891 parallel die Röhrenpneumatik. Ab dem 20. Jahrhundert kommt fast ausschließlich die pneumatische Traktur zum Einsatz. Auf diese Weise konnte er günstig Orgeln produzieren und im Konkurrenzdruck bestehen. Die Registertraktur ist ungewöhnlich: Die Manubrien (Registerzüge) werden nicht wie sonst üblich gezogen, sondern zum Aktivieren mithilfe einer Stechermechanik nach unten gedrückt. Johann Eifert lieferte bis 1926 42 Orgelneubauten.Fischer: 100 Jahre Bund deutscher Orgelbaumeister. 1991, S. 175.
Klanglich sind seine Orgeln von der Romantik geprägt. Eifert bevorzugte grundtönige Labialstimmen in Acht-Fuß-Lage (Äquallage), um eine stufenlose Klangdynamik zu ermöglichen. Hingegen sind Zungen- und Aliquotregister selten. Das zweite Manual ist als Echowerk konzipiert und verfügt über ausgesprochen sanfte Flöten- und Streicherstimmen., abgerufen am 13. Oktober 2016.
Werkliste (Auswahl) Kursivschreibung gibt an, dass die Orgel nicht oder nur noch das historische Gehäuse erhalten ist. In der fünften Spalte bezeichnet die römische Zahl die Anzahl der Manuale und ein großes „P“ ein selbstständiges Pedal, ein kleines „p“ ein nur angehängtes Pedal. Die arabische Zahl gibt die Anzahl der klingenden Register an. Die letzte Spalte bietet Angaben zum Erhaltungszustand oder zu Besonderheiten.
Adam Eifert JahrOpus Ort Kirche Bild Manuale Register Bemerkungen 1869 Fraurombach Ev. Kirche zentriert|160x160px I/P 10 Umdisponierung der Oestreich-Orgel von 1799 um 1873 Nieder-Stoll Ev. Kirche zentriert|160x160px Neubau 1874 1 Erfurt St. Martini zentriert|160x160px II/P 19 Neubau 1874 Grebenau II/P 16 Neubau 1875 Erfurt Schottenkirche II/P 22 Neubau 1875 Bad Salzschlirf St. Vitus II/P 16 Neubau 1875 Groß-Felda Ev. Kirche II/P 14 Neubau 1875 Rimbach Ev. Kirche I/p 7 Restaurierung und Aufstellung der Eifert-Orgel aus der Evangelische Kirche, Nieder-Stoll 1876 9 Kaulsdorf Ägidienkirche zentriert|160x160px II/P 13 Neubau; restauriert 2017 → Orgel 1877 13 Oberwirbach St. Bartholomäus II/P 12 Neubau 1878 15 Neumark St. Johannis zentriert|160x160px II/P 19 Neubau 1878 22 Klings Dorfkirche II/P 14 Neubau 1879 Hettenhausen St. Georg zentriert|160x160px II/P 17 Neubau; hohe Anteile an klanglicher und technischer Originalsubstanz, mechanische Spiel- und Registertraktur, Schleifladen; 2020 Restaurierung durch Jehmlich Orgelbau Dresden 1880 24 Goßwitz St. Nikolaus II/P 13 Neubau 1880 Mennsdorf Dorfkirche I/P 8 Neubau 1880 26 Hardisleben St. Johannes Baptista II/P 20 Neubau 1880 Oberrod St. Joseph I/P 6 Adam Eifert, mechanische Traktur mit Schleifen aus ZinkBösken, Fischer: Quellen und Forschungen zur Orgelgeschichte des Mittelrheins. Bd. 3/2. 1988, S. 735. 1881 31 Singen St. Nicolai zentriert|160x160px II/P 19 Neubau 1881 Langenschwarz Ev. Kirche zentriert|160x160px II/P 14 Neubau 1881 Oberndorf St. Nikolai zentriert|160x160px II/P 14 Neubau 1881 21 Lachstedt Dorfkirche zentriert|160x160px II/P 9 Neubau, Eintrag im Innern „30.6.1900 Ef“ (Stimmung) 1882 Bahren Dorfkirche zentriert|160x160px I/P 9 im Gehäuse der Vorgängerorgel → Orgel 1883 34 Bad Sulza St. Mauritius zentriert|160x160px II/P 24 Neubau, Hauptorgel → Orgel 1883 36 Haufeld St. Christophorus II/P 10 Neubau → Orgel 1883 38 Schöndorf St. Johannes zentriert|160x160px II/P 16 Neubau; überholt 1997 → Orgel 1883 39 Friesau Dorfkirchezentriert|160x160px II/P 12 Neubau; restauriert 2005/2006 → Orgel 1883 Udenhausen Laurentiuskirche I/P 6 Neubau, mechanische KegelladenBösken, Fischer: Quellen und Forschungen zur Orgelgeschichte des Mittelrheins. Bd. 3/2. 1988, S. 930. 1884 43 Maina Dorfkirche zentriert|160x160px II/P 10 (9) Neubau; Principal 8' (Prospekt) nach Kriegsabgabe nicht wieder ersetzt → Orgel 1884 Schwarzburg Talkirche II/P 6 Neubau, um 1982 abgerissen 1885 44 Bodelwitz St. Laurentius zentriert|160x160px II/P 13 Neubau; überholt 2008 → Orgel 1885 45 Weimar Jakobskirche zentriert|160x160px II/P 22 Umbau der Schulze-Orgel von 1817 1886 46 Posen St. Erhard zentriert|160x160px I/P 7 überholt 2002 → Orgel 1886 47 Hilbersdorf Dorfkirche II/P 9 Neubau 1885 48 Pferdsdorf Dorfkirche I/P 10 Neubau 1886 49 Tannroda St. Michael zentriert|160x160px II/P 22 Neubau in Rokoko-Gehäuse der Vorgängerorgel, 1899 Erweiterung 1886 52 Angelroda Ev. Kirche zentriert|160x160px II/P 16 Neubau 1886 53 Dorfsulza St. Johannes Evangelist zentriert|160x160px II/P 12 Neubau 1886 54 Schmieden Dorfkirche I/P 5 Neubau 1887 55 Eßleben St. Elisabeth zentriert|160x160px II/P 12 Neubau 1887 57 Roda Dorfkirche zentriert|160x160px II/P 10 Neubau 1887 Ermenrod Martin Luther Kirche Neubau, ersetzt durch eine Orgel von Eberhard Friedrich Walcker 1887 Beelitz St. Marien und Nikolai II/P 20 1963 von Alexander Schuke Potsdam Orgelbau ersetzthttps://www.orgelddr.de/OrgelnDDR.pdf 1888 59 Wipfra Dorfkirche zentriert|160x160px II/P 10 Neubau hinter historischem Prospekt; 2005 Restaurierung durch Orgelbau Schönefeld 1888 61 Reesdorf Dorfkirche zentriert|160x160px I/P 6 → Orgel 1888 Laucha an der Unstrut St. Marien zentriert|160x160px III/P 36 Neubau