Die Liste von Eisenbahnunfällen in Deutschland enthält eine chronologische Auflistung von Eisenbahnunfällen auf dem Staatsgebiet der heutigen Bundesrepublik Deutschland, bei denen der Verlust von Menschenleben zu beklagen war, erheblicher Schaden verursacht wurde oder die aus anderen Gründen erwähnenswert sind. Enthalten sind auch alle Unfälle, die sich ab 1871 auf dem Staatsgebiet des Deutschen Reiches ereigneten. Nur in Einzelfällen sind Unfälle aufgeführt, bei denen Menschen beim Überqueren von Gleisen oder bei Bau- oder Unterhaltsarbeiten ums Leben kamen.

Weitere Unfälle auf dem Gebiet des bis 1866 existierenden Deutschen Bundes sind in der Liste von Eisenbahnunfällen in Österreich aufgeführt.

Die Bundesstelle für Eisenbahnunfalluntersuchung (BEU) veröffentlicht für Ereignisse ab dem Jahr 2000 die Ergebnisse der Unfalluntersuchungen online auf ihrer Internetseite.

19. Jahrhundert Vor 1881 9. September 1844 – Jerxheim, Braunschweig: Beim Eisenbahnunfall von Jerxheim entgleiste zwischen den Bahnhöfen Jerxheim und Neuwegersleben auf der Bahnstrecke Braunschweig–Oschersleben ein Personenzug. Es gab mehrere Verletzte. Der Eisenbahnunfall war der erste auf dem Gebiet des heutigen Deutschland, bei dem Reisende verletzt wurden.Jörg Koch: Zug fällt aus. Dramatische Ereignisse der Eisenbahngeschichte. trans press, Stuttgart 2025. ISBN 978-3-613-71740-4, S. 27f. 2. Januar 1846 – Leimen-St. Ilgen, Baden: Beim Eisenbahnunfall von St. Ilgen stießen auf der Bahnstrecke Mannheim–Karlsruhe zwei Züge zusammen. Ein Mensch starb, 16 weitere wurden verletzt.

mini|Eisenbahnunfälle im Bahnhof Mainspitze in Frankfurt am Main am 16. August 1846 16. August 1846 – Frankfurt-Sachsenhausen, Freie Stadt Frankfurt: Bei den Eisenbahnunfällen im Bahnhof Mainspitze in Frankfurt am Main überfuhren nacheinander zwei Züge das Streckenende, weil sich die Lokomotivführer verbremst hatten. Einer fuhr in die anschließende Brückenbaustelle. Die Lokomotive und einige Wagen stürzten ab. Der Heizer wurde getötet und ein Fahrgast verletzt. 23. September 1848 – Weinheim, Baden: Beim Eisenbahnunfall von Weinheim beschädigten Revolutionäre den Oberbau, wodurch ein Zug entgleiste. 21. Januar 1851 – Avenwedde, Provinz Westfalen, Preußen: Beim Eisenbahnunfall von Avenwedde entgleiste die Dampflokomotive eines Schnellzugs, stürzte einen Bahndamm hinab und riss die folgenden vier Wagen mit sich, die ebenfalls entgleisten. Mindestens drei Personen wurden getötet sowie der mitreisende Prinz Friedrich Wilhelm von Preußen und sieben weitere Personen verletzt. 28. Oktober 1863 – Frankenstein, Pfalz, Bayern: Beim Eisenbahnunfall von Frankenstein fuhr ein Personenzug auf einen anfahrenden Güterzug auf. Am Ende des Güterzugs war ein Packwagen eingereiht, in dem 50 Arbeiter mitfuhren. Sieben Menschen starben. November 1869 – Förnbach, Bayern: Durch Funkenflug von einer Dampflokomotive entstand in Förnbach (Bahnstrecke München–Treuchtlingen) ein Großbrand. Acht Wohnhäuser und eine Reihe von Wirtschaftsgebäuden wurden zerstört.Andreas Sauer: „… daß dieser Bau über Dachau, Petershausen, Pfaffenhofen und Geisenfeld geführt werde“. Die Geschichte der Eisenbahnstrecke München–Ingolstadt im Landkreis Pfaffenhofen (= D’Hopfakirm. Heimatkundliche Schriftenreihe des Landkreises Pfaffenhofen a.d. Ilm. Band 52). Pfaffenhofen 2017, , S. 53. 30. Mai 1870 (oder kurz zuvor) – Murg, Baden: Eine einzeln auf der Hochrheinbahn fahrende Lokomotive fuhr von hinten ungebremst in den Personenzug Nr. 22, der in Murg gehalten hatte, und zertrümmerte dessen letzte drei Wagen. Die Quelle vermutet, dass der Lokomotivführer betrunken war. Eine Frau starb, 28 Menschen wurden darüber hinaus verletzt, acht davon schwer.Eisenbahnunglück. In: Regensburger Conversations-Blatt Nr. 67, 8. Juni 1870, S. 4. 21. Juni 1871 – Rackwitz, Sachsen: Beim Eisenbahnunfall von Rackwitz stießen auf der Bahnstrecke Trebnitz–Leipzig ein Personenzug und eine Lokomotive zusammen. 19 Menschen starben, 56 weitere wurden verletzt. 1876 – Weidenthal, Pfalz, Bayern: Bei einem Eisenbahnunfall starb ein Mensch, darüber hinaus wurden mehrere verletzt. 13. März 1876 – Lutterbach, Elsaß-Lothringen: Bei der Überfahrt eines Personenzugs über die Doller-Brücke bei Lutterbach sank ein durch Hochwasser unterspülter Brückenpfeiler ein. Es kam zum Eisenbahnunfall von Lutterbach: Lokomotive und die drei ersten Wagen stürzten in den Fluss. Ein Mensch starb. 13. März 1880 – Halle Hauptbahnhof, Preußen: Beim Zusammenstoß zweier Züge sterben sieben Menschen, zahlreiche wurden darüber hinaus verletzt.Foreign And Colonial. In: The Cornishman Nr. 88 vom 18. März 1880, S. 5.

1881–1890 mini|Der Unfall bei Hugstetten 1882 wurde durch unzureichendes Bremsen verursacht mini|Eisenbahnunglück bei Röhrmoos am 7. Juli 1889 (gezeichnet bei G. Franz)30. Mai 1882 – Heidelberg: Zusammenstoß des verspäteten Zuges Heidelberg–Mannheim mit dem Zug Karlsruhe–Heidelberg, da beide das selbe Gleis befuhren. Mindestens 8 Tote und 47 Schwerverletzte waren die Folge.Baden. In: Hochberger Bote, 1. Juni 1882, S. 2 3. September 1882 – Hugstetten, Baden: Beim Eisenbahnunfall bei Hugstetten auf der Breisacher Bahn konnte ein Zug nicht mehr gebremst werden, so dass er entgleiste. Mit 64 Todesopfern war dies der schwerste Eisenbahnunfall in den ersten 100 Jahren deutscher Eisenbahngeschichte. 2. September 1883 – Steglitz bei Berlin, Preußen: Beim Eisenbahnunfall von Steglitz überschritt eine Menschenmenge ein Gleis, auf dem im gleichen Moment ein Eilzug von Berlin nach Magdeburg durchfuhr. Mindestens 39 Menschen starben. 14. November 1884 – Hanau, Provinz Hessen-Nassau, Preußen: Beim Eisenbahnunfall von Hanau fuhr wegen einer unterlassenen telegrafischen Zugmeldung ein Personenzug auf einen Güterzug auf. Ein in der Gegenrichtung verkehrender Güterzug fuhr danach in die Trümmer hinein. 22 Menschen starben, 26 wurden verletzt. 1. Juli 1886 – Würzburg, Bayern: Beim Eisenbahnunfall von Würzburg stießen zwischen Schweinfurt und Würzburg aufgrund unzureichender Verständigung zwischen dem Fahrdienstleiter und einem Weichensteller zwei Züge frontal zusammen. 18 Menschen starben. 7. Juli 1889 – Röhrmoos, Bayern: Beim Eisenbahnunfall von Röhrmoos geriet im Bahnhof Röhrmoos an der Strecke München–Ingolstadt bei einer außerplanmäßigen Kreuzung ein durchfahrender Schnellzug auf ein Stumpfgleis und stieß auf eine Gruppe abgestellter Güterwagen. Zehn Personen wurden getötet, weitere fünf schwer und 19 leicht verletzt.Andreas Sauer: „… daß dieser Bau über Dachau, Petershausen, Pfaffenhofen und Geisenfeld geführt werde“. Die Geschichte der Eisenbahnstrecke München–Ingolstadt im Landkreis Pfaffenhofen (= D’Hopfakirm. Heimatkundliche Schriftenreihe des Landkreises Pfaffenhofen a.d. Ilm. Band 52). Pfaffenhofen 2017, , S. 51 f. Nach dem Abstellen der Güterwagen war die Weiche nicht zurückgestellt worden. 1. Oktober 1889 – Dachswald, Vaihingen a.d.F., Württemberg: beim Eisenbahnunfall in Vaihingen prallte ein aus Vaihingen kommender Zug mit einer von Stuttgart entgegenkommenden Schiebelokomotive zusammen. Acht Personen wurden getötet, 43 Personen verletzt. 9. April 1890 – Frankfurt am Main, Preußen: Ein mit Arbeitern aus Mörfelden-Walldorf besetzter Zug entgleiste am frühen Morgen nahe dem Bahnhof Goldstein (heute: Frankfurt am Main Stadion), mehrere Wagen stürzten um und verkeilten sich. Dabei starben 2 Fahrgäste, 68 Personen wurden darüber hinaus verletzt, davon 18 schwer."Blickpunkt", Ausg. 2/2020; Heimatmuseum Walldorf in Mörfelden-Walldorf.

1891–1900 22. Mai 1891 – Kirchlengern, Provinz Westfalen, Preußen: Beim Eisenbahnunfall von Kirchlengern stieß ein Personenzug mit einem Zirkuszug zusammen. Vier Menschen starben, 15 weitere wurden verletzt. 18. Oktober 1891 – Kohlfurt bei Görlitz, Preußen: Eine Rangierlokomotive fuhr einem Schnellzug in die Flanke. Acht Menschen starben, sechs weitere wurden schwer verletzt. 12. Juni 1893 – Courcelles-sur-Nied, Elsaß-Lothringen: Frontalzusammenstoß eines Güterzuges, der nach Saarburg unterwegs war, mit dem Personenzug 159 von Saarbrücken nach Metz auf der Bahnstrecke Réding–Metz-Ville zwischen Courcelles-sur-Nied und Peltre. Der Lokomotivführer des Güterzuges starb bei dem Unfall.Jean-Georges Trouillet: Les Chemins de fer Impériaux d'Alsace-Lorraine – Reichs-Eisenbahnen in Elsass-Lothringen. Éditions Drei Exen Verlag, Husseren-les-Châteaux 2018, ISBN 978-2-9565934-0-9, S. 330. 19. September 1895 – Oederan, Sachsen: Beim Eisenbahnunfall von Oederan auf der Bahnstrecke Dresden–Chemnitz stießen ein Militärzug und ein Personenzug zusammen. Zehn Menschen starben, sechs wurden verletzt. 18. Mai 1897 – Pelm, Rheinprovinz, Preußen: Der Eisenbahnunfall von Pelm auf der Eifelstrecke wurde durch eine Zugtrennung verursacht. Der vordere Zugteil wurde daraufhin in Pelm angehalten. Die abgetrennten Wagen fuhren mit der Schiebelokomotive langsamer weiter und prallten im Nebel auf den stehenden Zugteil auf. Zehn Menschen starben bei dem Unfall, 40 wurden verletzt. 14. August 1897 – Eschede, Provinz Hannover, Preußen: Auf der Bahnstrecke Hannover–Hamburg entgleiste der Durchgangszug D 73 aufgrund einer Gleisverwerfung, die durch einen heruntergefallenen Kuppelbaum verursacht wurde. Drei Menschen starben dabei, 17 wurden darüber hinaus verletzt, sechs von ihnen schwer. 13./14. September 1899 – Rohrbach, Bayern: Bei starkem Hochwasser wurde der Mittelpfeiler einer Brücke über die Isen fortgespült. Als ein Personenzug die Flutbrücke befuhr, stürzte diese schließlich ein und riss den gesamten Zug ins Wasser. Nur durch Glück befanden sich keine Reisenden in dem Zug. Sechs Eisenbahner kamen ums Leben. 4. Januar 1900 – Bischweiler, Elsaß-Lothringen: Auffahrunfall des D 76 von Berlin nach Basel auf einen haltenden Güterzug. Dessen letzter, mit 40 m3 Spiritus beladener Kesselwagen, explodierte. Bei diesem Eisenbahnunfall von Bischweiler starben vier Menschen. 15. Mai 1900 – Demmin, Provinz Pommern, Preußen: Während Bauarbeiten an einer Eisenbahnbrücke über die Peene brach diese unter der Last des Personenzuges 214 zusammen, weil einige Trägerbolzen gelockert worden waren. Lokomotive und Tender stürzten dabei ins Wasser. Der leitende Monteur des beauftragten Unternehmens kam ums Leben, sechs Personen wurden darüber hinaus verletzt. 7. Oktober 1900 – Schlierbach, Baden: Unfall zwischen den Bahnhöfen Heidelberg Karlstor und Schlierbach mit 9 Toten und 140 Verletzten, da ein Personenzug außerplanmäßig auf freier Strecke zur Beendigung der Fahrkartenkontrolle hielt und ein anderer Personenzug auf diesen auffuhr.

mini|Trümmer des letzten im Jahr 1900 in Mühlheim am Main verunfallten Wagens 8. November 1900 – Mühlheim am Main, Hessen: Beim Eisenbahnunfall von Mühlheim am Main fuhr zwischen den Bahnhöfen Mühlheim am Main und Offenbach am Main ein Personenzug auf einen Schnellzug auf. Die Trümmer wurden vom Gas der Beleuchtung entzündet und gerieten in Brand, zwölf Tote und vier Verletzte waren die Folge. Der Unfall beschleunigte die Einführung elektrischen Lichts in Reisezugwagen.

20. Jahrhundert 1901–1910 9. Mai 1901Nach einer anderen Angabe 10. Mai 1901. – Ludwigshafen, Pfalz, Bayern: Beim Eisenbahnunfall von Ludwigshafen überfuhr eine Lokomotive einen Prellbock, durchbrach die Stirnwand des Kopfbahnhofs und landete im Winterhafen. Eine Tote und zwei Verletzte waren die Folge. 28. November 1901 – Horrem (Kerpen), Rheinprovinz, Preußen: Beim Eisenbahn-Attentat bei Horrem entgleiste ein Personenzug von Verviers nach Köln, weil eine ausgewechselte alte Schiene quer über das Gleis gelegt worden war. Der Anschlag forderte vier Tote und drei Schwerverletzte.

mini|Lokomotive des Oostende-Wien-Express 1901 im Wartesaal des Central­bahnhofs Frankfurt