Herbert Reichner (geboren 8. März 1899 in Wien; gestorben 6. November 1971 in Stockbridge, MassachusettsDie Wahrheit ist oft unwahrscheinlich: Thomas Theodor Heines Briefe an Franz Schoenberner aus dem Exil. Hrsg. von Thomas Raff. 2004.) war ein österreichischer Verleger und Antiquar.
Leben und Wirken Reichner war bis zum Anschluss Österreichs Verleger von Stefan Zweigs Werken, ferner verlegte er Werke von Alexander Lernet-Holenia,Lernet-Holenia, Alexander: Die Auferstehung des Maltravers. Herbert Reichner Verlag, Wien 1936. Alexander Jakowlew,Jakowiew, Alexander: Der Mensch und die Steppe Roman. Herbert Reichner Verlag, Wien 1936. Katherine MansfieldVon Mansfield erschien bei Reichner: Für sechs Pence Erziehung und andere Geschichten. (Auswahl und Übertragung von Herberth E. Herlitschka, 1937). und die Erstausgabe von Elias Canettis Roman Die Blendung. Reichner übernahm, mit Ausnahme der Bände der Insel-Bücherei, ab 1934 den Druck von Neuauflagen derjenigen Titel Stefan Zweigs, die bis dahin im Insel-Verlag erschienen warenEmmerich Tálos, Wolfgang Neugebauer: Austrofaschismus. Politik, Ökonomie, Kultur, 1933-1938. 2005., wie Marie Antoinette. Bildnis eines mittleren Charakters (1938), Joseph Fouché. Bildnis eines politischen Menschen und Drei Meister: Balzac. Dickens. Dostojewski (unter dem neuen Titel Baumeister der Welt, 1936), und den Verlag seiner neuen Bücher, wie Triumph und Tragik des Erasmus von Rotterdam (1934), Begegnungen mit Menschen, Büchern, Städten (1937) und Magellan. Der Mann und seine Tat (1937, vordatiert auf: 1938). Für die bei ihm veröffentlichten Werke Stefan Zweigs legte der Verlag 1937 noch einen umfangreichen Prospekt auf, der bis zum Titel Magellan reicht und ein Portrait des Autors auf dem Umschlag trägt.Digitalisat des Prospekts im Archiv der Israelischen Nationalbibliothek.
Die Angaben zum Gründungsjahr des Herbert Reichner Verlags widersprechen sich; jedoch nach eigenen Aussagen war das 1925. Im Verlag erschienen aufwendig gestaltete Werke zu Musik, Literatur und Geschichte, etwa Willi Reichs Biografie (1937) Alban Berg.Willi Reich: Alban Berg. Mit Bergs eigenen Schriften und Beiträgen von Theodor Wiesengrund-Adorno und Ernst Krenek. Herbert Reichner Verlag, Wien/Leipzig/Zürich. 1936 verhalf Stefan Zweig Hermann Broch nach der Ablehnung durch den Zsolnay-Verlag dazu, dass dessen Essay James Joyce und die Gegenwart bei Reichner erscheinen konnte.Paul Michael Lützeler: Hermann Broch: Eine Biographie. 2011, S. 150. Mitte der 1930er-Jahre stand Reichner mit seinem Verlag unter Druck, da der vor allem wegen Zweig im Deutschen Reich als „Judenverlag“ galt.Roger Perret, Annemarie Schwarzenbach: Bei diesem Regen: Erzählungen. 2013. 1936 kam es zu einer Blitzbeschlagnahmung des Verlagsdepots bei F. VolckmarVolckmar war Reichners Kommisonär: Börsenblatt für den deutschen Buchhandel Nr. 272 vom 22. November 1934, S. 5351 (SLUB Digitalisat). in Leipzig.
Ferner verlegte er von 1928 bis 1936 in Wien die Bibliophilen-Zeitschrift Philobiblon. Zeitschrift für Bücherfreunde. Ab 1938 wurde sie vom völkisch verankerten Rudolf M. Rohrer Verlag übernommen und fortgeführt. Herbert Reichner und sein Verlag zählten zu den Gegnern des NS-Regimes und Lieferanten der Bücherverwertungsstelle. Im Bewusstsein, dass als Jude sein Leben in Gefahr war, floh er mit seiner Frau am 13. März 1938, dem Folgetag des Anschlusses Österreichs an Nazi-Deutschland, in die Schweiz, wo sein Verlag eine Niederlassung hatte, und 1939 in die USA.Kontinuität und Bruch 1938 - 1945 - 1955: Beiträge zur österreichischen Kultur- und Wissenschaftsgeschichte. Herausgegeben von Friedrich Stadler. 2004, S. 86; Murray G. Hall, Christina Köstner: ... Allerlei für die Nationalbibliothek zu ergattern ...: Eine österreichische Institution in der NS-Zeit. 2006, S. 112. Hier wandte er sich wieder dem Antiquariatsbuchhandel zu und eröffnete ein Geschäft in Stockbridge (Massachusetts).Norbert Bachleitner, Franz M. Eybl, Ernst Fischer: Geschichte des Buchhandels in Österreich. 2000, S. 316.
Publikationen (Auswahl) Buchkunst der Gegenwart: Buch- u. Schriftwesen; Mit Zeittafeln zur Geschichte des schönen Buches von 1880 bis 1923 [Katalog] W. Braumüller Sohn, Wien 1924. (Hrsg.): E. R. Weiss zum fünfzigsten Geburtstage. 12. Oktober 1925. Insel Verlag; Bauersche Giesserei; S. Fischer, Leipzig 1927. Die Druckerkunst in den Vereinigten Staaten von Nordamerika. Bibliotheca Bibliographica No. 1. Wien 1927. Vik, Frantisek: Lob der edlen Kunst, (Buch-Druckerey), (Prag) für den Verlag Herbert Reichner gesetzt von der Privatpresse Jaroslav Picka, gedruckt von Industriedruckerei Prag, 1933. 1. Ausgabe, mit Holzschnitten v. Frantisek Vik, von diesem auch signiert mit S. C. Cockerell (Hrsg.): The Kelmscott Press: 1891 to 1898: A Note By William Morris on His Aims in Founding the Kelmscott Press. Together With a Short History and Description of the Press By S. C. Cockerell. Central School of Arts & Crafts / Herbert Reichner, London / Vienna (Wien) 1934. Great Thinkers: Portraits and Books – From Albertus Magnus to Albert Einstein. H. Reichner, 1944.
Literatur Susanne Buchinger: Stefan Zweig: Schriftsteller und literarischer Agent. Die Beziehungen zu seinen deutschsprachigen Verlegern 1901–1942. Buchhändler-Vereinigung, Frankfurt am Main 1998, ISBN 3-7657-2132-8. (Zugleich: Dissertation der Universität Mainz, 1995/96 u.d.T.: Susanne Buchinger: Stefan Zweig – Schriftsteller, Vermittler und literarischer Berater). Reichner, Herbert. In: Ernst Fischer: Verleger, Buchhändler & Antiquare aus Deutschland und Österreich in der Emigration nach 1933: Ein biographisches Handbuch. 2. Auflage. De Gruyter, Berlin 2020, S. 402f.
Weblinks Herbert Reichner Verlag auf der Website Österreichische Verlagsgeschichte (© Murray G. Hall)
Anmerkungen und Einzelnachweise
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