mini|Porträt von Oswald Mosley, 1925 gemalt von Glyn Warren Philpot Sir Oswald Ernald Mosley, 6. Baronet (* 16. November 1896 in London; † 3. Dezember 1980 in Orsay, Département Essonne, Frankreich) war ein britischer Politiker, der vor allem als Gründer der faschistischen Partei British Union of Fascists (BUF) bekannt wurde.
Leben Familie, Jugend und Militärdienst Die Familie Mosley ist anglo-irischen Ursprungs. Die Linie, der Oswald Mosley angehörte, hatte großen Landbesitz im englischen Staffordshire. 1781 war seinem Ur-Ur-Urgroßvater John Mosley (1732–1798) der erbliche Adelstitel eines Baronet, of Ancoats in the County of Lancaster, verliehen worden, den Oswald Mosley schließlich 1928 als 6. Baronet erbte. Nach der Trennung seiner Eltern wurde Oswald von seiner Mutter und seinem Großvater väterlicherseits, Sir Oswald Mosley, 4. Baronet, aufgezogen. Sein Großonkel war Baron Anslow. Im Familienkreis und unter Freunden wurde Oswald Ernald Mosley stets Tom genannt.
Er besuchte das Winchester College und das Royal Military College in Sandhurst. Im Ersten Weltkrieg kämpfte er mit den 16th Lancers an der Westfront. Später war er im Royal Flying Corps als Beobachter tätig, bei einem Flugzeugabsturz zog er sich hier eine bleibende Beinverletzung zu. Noch bevor die Verletzung verheilt war, kehrte er in die Schützengräben zurück und fiel während der Schlacht von Loos 1915 vor Schmerzen in Ohnmacht. Er wurde zu Verwaltungsarbeiten abkommandiert und 1916, nachdem seine Verletzung nicht heilte, als Invalide entlassen.
Erste Erfolge als konservativer Abgeordneter Am Ende des Kriegs entschied sich Mosley für eine Laufbahn als Politiker und wollte für die Conservative Party in das britische Unterhaus einziehen, obwohl er erst 21 Jahre alt war und weder politische Erfahrung noch eine gefestigte politische Meinung hatte. Hauptsächlich wegen seiner Familienzugehörigkeit wurde in mehreren Wahlkreisen erwogen, ihn als Kandidaten aufzustellen. Zunächst erschien eine nicht besetzte Kandidatur in der Nähe der Ländereien der Familie am aussichtsreichsten, doch wurde er unerwartet für die Kandidatur in Harrow bei London ausgewählt und gewann die Unterhauswahl 1918 dort mangels ernsthafter Konkurrenz mühelos. Außer einem Kandidaten der Sinn Féin, der sein Mandat nicht antrat, war Mosley der jüngste ins Parlament gewählte Abgeordnete. Schon bald machte er als Redner, der seine Reden im Parlament grundsätzlich frei hielt, und als extrem selbstbewusster Politiker auf sich aufmerksam.
mini|Hochzeit von Oswald Mosley und Cynthia Curzon (1920) 1920 heiratete er Lady Cynthia Curzon (Cimmie), die zweitälteste Tochter von George Nathaniel Curzon, 1. Baron Curzon, dem ehemaligen Vizekönig von Indien, und dessen erster Ehefrau, der reichen amerikanischen Erbin Mary Victoria, geb. Leiter. Lord Curzon musste erst von der Eignung Mosleys als Ehemann überzeugt werden, da er Mosley verdächtigte, die Heirat hauptsächlich aus Gründen des sozialen Aufstiegs und wegen der hohen zu erwartenden Erbschaft anzustreben. Später fand sich Curzons Verdacht bestätigt, doch war die Heirat das gesellschaftliche Ereignis des Jahres, zu dem Gäste aus vielen europäischen königlichen Familien anreisten.
Politischer Seitenwechsel Um diese Zeit zerstritt sich Mosley mit seiner Partei über deren Politik in Irland, er sprach sich gegen den Einsatz der paramilitärischen Einheit Black and Tans zur Unterdrückung der Iren aus. Schließlich zog er die Konsequenz und saß fortan als unabhängiger Abgeordneter auf den Oppositionsbänken des Unterhauses. Da er in seinem Wahlkreis inzwischen eine treue Gefolgschaft hatte, konnte er den Wahlkreis gegen Kandidaten der Konservativen Partei bei den Wahlen von 1922 und 1923 verteidigen. In der Zwischenzeit wurde seine Neigung zur Politik der Labour Party immer größer, die 1924 eine Minderheitsregierung bildete. Im März 1924 trat er der Labour Party bei, sofort darauf auch deren linkem Flügel, der Independent Labour Party (ILP).
Als die Labour-Regierung im Oktober stürzte, musste sich Mosley einen neuen Wahlkreis suchen, da er in Harrow als Labour-Kandidat nicht wiedergewählt worden wäre. Er entschied sich dafür, gegen Arthur Neville Chamberlain in dessen Wahlkreis Birmingham Ladywood anzutreten. Nach einem energischen Wahlkampf konnte Chamberlain Mosley mit nur 77 Stimmen Mehrheit schlagen. Mosley nutzte die folgende Zeit ohne Mandat zur Entwicklung einer neuen Wirtschaftspolitik für die ILP, die als Birmingham Proposals bekannt wurde und bis zum Ende seiner Laufbahn die Grundlage für Mosleys Wirtschaftspolitik blieb. Als 1926 ein Labour-Wahlkreis in Smethwick bei Birmingham frei wurde, kehrte Mosley ins Parlament zurück. 1928 starb sein Vater, der 5. Baronet. Als Erbe des Titels hatte Oswald Mosley nun Anspruch auf die Anrede Sir.
Minister ohne Geschäftsbereich Danach suchte er den politischen Aufstieg innerhalb der Labour Party. Er arbeitete eng mit James Ramsay MacDonald zusammen und hoffte auf eines der großen Ministerien, doch nach der von Labour gewonnenen Wahl von 1929 wurde er nur zum Chancellor of the Duchy of Lancaster ernannt. In diesem eher symbolischen Amt war er fortan als eine Art Minister ohne Geschäftsbereich tätig. Zwar wurde ihm die Lösung des Arbeitslosenproblems aufgetragen, doch wurden seine radikalen Vorschläge stets von seinem Vorgesetzten James Henry Thomas oder vom Kabinett zurückgewiesen. Der immerfort ungeduldige Mosley stellte schließlich sein komplettes Programm als Mosley Memorandum zusammen, das vom Kabinett abgelehnt wurde, worauf er im Mai 1930 zurücktrat. Im Oktober 1930 versuchte er noch vergeblich, den Parteitag der Labour Party für sein Programm zu gewinnen. Mit einer im Dezember 1930 erschienenen erweiterten Fassung seines Programms konnte er immerhin zunächst 16 Labour-Abgeordnete für sich gewinnen. Mosleys Programm beinhaltete u. a. die Errichtung einer Regierung mit fünf Ministern ohne Geschäftsbereich (ähnlich dem War Cabinet des Ersten Weltkrieges), das nur einer allgemeinen Kontrolle eines weitgehend machtlosen Parlaments unterworfen sein sollte.
New Party Überzeugt von der Unfähigkeit der Labour Party, trat Mosley am 28. Februar 1931 aus dieser aus und gründete am Tag darauf die New Party. Zu Beginn wurde die Partei von sechs Labour-Abgeordneten unterstützt, doch schon einen Tag später hatten sich zwei der sechs Abgeordneten umentschieden und saßen fortan als unabhängige Abgeordnete im Parlament. Bei den ersten Nachrückerwahlen, zu denen die Partei 1931 antrat, schaffte sie es nur, die Stimmen der Linken zu zersplittern, was durch das britische Mehrheitswahlrecht den Konservativen Siege verschaffte.
Anfänglich genoss Mosleys Partei durchaus eine gewisse Sympathie, da Beobachter die Partei für geeignet hielten, eine „mittlere Position“ zwischen Labour und Konservativen zu offerieren. Zu den anfänglichen Sympathisanten zählten Harold Nicolson und der spätere Premierminister Harold Macmillan. Nicolson schloss sich der Partei an und gab die Parteizeitung (Action) heraus. Macmillan erwog kurzzeitig, die Konservativen zu verlassen und der New Party beizutreten. Sobald Mosley damit begann, faschistische Inhalte zu übernehmen, distanzierte Macmillan sich jedoch schnell wieder und blieb bei den Konservativen.John Turner: Macmillan (Profiles in Power). Routledge, London 1994, S. 21.Simon Ball: The Guardsmen: Harold Macmillan, Three Friends and the World They Made. Harper Perennial, London 2004, S. 119 ff. Die New Party übernahm in der Folge immer mehr politische Inhalte des in Europa aufkommenden Faschismus. Als 1931 erneut landesweite Wahlen abgehalten wurden, konnte die New Party keinen einzigen Sitz gewinnen. Nicolson distanzierte sich ebenfalls von Mosley, als klar wurde, dass dieser in den Faschismus abdriftete und ging zur Labour-Partei zurück.
Die Union der Faschisten mini|Mussolini und Mosley, 1936 Nach dem Misserfolg bei den Wahlen von 1931 ging Mosley auf Reisen, um die neuen politischen Bewegungen von Benito Mussolini und anderen Faschisten zu studieren. Er kehrte in der Überzeugung zurück, dass die faschistischen Bewegungen für ihn und Großbritannien richtungsweisend seien. Er entschloss sich, die bereits vorhandenen faschistischen Bewegungen in seinem Heimatland zu vereinen und gründete zu diesem Zweck 1932 die antikommunistisch und protektionistisch ausgerichtete British Union of Fascists (BUF). Die BUF hatte nach eigenen Angaben bis zu 50.000 Mitglieder und wurde schon früh von der Tageszeitung Daily Mail unterstützt. Unter Mosleys Anhängern waren der Romancier Henry Williamson und der Militärtheoretiker John Frederick Charles Fuller.
Nach italienischem Vorbild und dem Vorbild der deutschen SS entwickelte Mosley eine Parteiuniform, durch deren schwarze Farbe die Anhänger der Bewegung als Blackshirts (Schwarzhemden) bekannt wurden. Die Blackshirts waren häufig in gewalttätige Konflikte verwickelt, insbesondere mit kommunistischen und jüdischen Gruppen in London. Bei einer Großveranstaltung der Faschisten im Londoner Olympia am 7. Juni 1934 kam es zu einer Massenschlägerei, als die Blackshirts Störenfriede aus dem Saal werfen wollten. Diese Vorkommnisse und die innerparteiliche Säuberungsaktion Adolf Hitlers in Deutschland, der so genannte Röhm-Putsch (auch Nacht der langen Messer genannt), führten 1934 dazu, dass die BUF einen Großteil ihrer Unterstützer verlor, so dass sie 1935 nicht einmal mehr an der Unterhauswahl teilnehmen konnte. 1936 war die Zahl ihrer Mitglieder auf weniger als 8.000 geschrumpft. Mosley blieb im politischen Leben präsent durch von ihm organisierte Aufmärsche, die von Blackshirts geschützt wurden.
Am 4. Oktober 1936 versuchten Mosley und die BUF, durch ein Viertel mit hohem jüdischen Bevölkerungsanteil zu marschieren, um die jüdische Bevölkerung zu provozieren. Es kam zu gewaltsamen Auseinandersetzungen zwischen lokalen und landesweit organisierten Demonstranten, die den Marsch blockieren wollten, und der Polizei, die ihn durchsetzen wollte – die sogenannte Schlacht in der Cable Street. Anschließend zogen sich Mosley und die BUF zurück. Die britische Regierung sah diese als immerhin so gefährlich an, dass sie 1936 den Public Order Act erließ, ein Gesetz, das politische Uniformen verbot und die Demonstrationsfreiheit einschränkte.
Mosleys Frau Cimmie starb 1933 an einer Bauchfellentzündung, was es ihm ermöglichte, seine Geliebte Diana Guinness zu heiraten, die eine Schwester von Unity Mitford und Nancy Mitford war. Die beiden wurden 1936 im Haus von Joseph Goebbels heimlich getraut, Adolf Hitler war einer der Festgäste und „veranstaltete ein Diner zu ihren Ehren in der Reichskanzlei“.Carr, S. 283. Da Mosley einen großen Teil seines Privatvermögens für die BUF ausgegeben hatte, versuchte er, dieser nun eine stabile wirtschaftliche Basis zu geben, und ließ Diana mit Hitler um die Genehmigung für einen kommerziellen Radiosender verhandeln, der von Deutschland aus nach Großbritannien senden sollte. 1935 erklärte Mosley, gegen die angebliche jüdische Kontrolle des Landes, der Presse, des Handels und der City of London anzukämpfen. 1936 wurde der Name der Partei auf Betreiben von William Joyce, einem als demagogischer Redner bekannten Mitglied der BUF, auf British Union of Fascists and National Socialists erweitert. In den Wahlen zum London County Council 1937 konnte die BUF in drei ihrer Hochburgen in East London bis zu 25 % der Stimmen erzielen. Danach entließ Mosley die meisten Angestellten der Partei einschließlich Joyce, die sich daraufhin in der neuen Partei National Socialist League sammelten.
Öffentliche Zusammenstöße bei Auftritten und vor allem die Gewalt seiner Bodyguards führte zu Kritik in der öffentlichen Meinung.John Gunther: Inside Europe. Harper & Brothers, New York, 1940. S. 362 ff. Auch sein öffentlich zur Schau gestellter Antisemitismus kosteten Mosley weitere Unterstützung in der britischen Öffentlichkeit.