LEAG ist die gemeinsame Marke der Lausitz Energie Verwaltungs GmbH, Lausitz Energie Bergbau AG (kurz LE-B) und der Lausitz Energie Kraftwerke AG (kurz LE-K). Die Unternehmen mit Sitz in Cottbus bilden gemeinsam den zweitgrößten deutschen Stromerzeuger. Die LEAG entstand 2016 durch den Verkauf der Lausitzer Braunkohletagebaue und -kraftwerke des schwedischen Energiekonzerns Vattenfall AB an die tschechische EPH-Gruppe und deren Finanzpartner PPF Investments. Zur EPH gehörte bereits das in Sachsen-Anhalt beheimatete Stromerzeugungs- und Bergbauunternehmen MIBRAG.
Allgemein Die Unternehmen der LEAG-Gruppe sind rechtlich selbstständige Unternehmen in einem Konzernverbund. Die LE-B (inklusive Tochterunternehmen) und die LE-K (inklusive der KSP GmbH) werden durch die Lausitz Energie Verwaltungs GmbH (kurz LEV) vertreten, die an beiden Unternehmen zu jeweils 80 % beteiligt ist. Die LEV beschäftigt in ihrer Funktion als Holding zwanzig Mitarbeiter und übernimmt besondere Aufgaben wie das Rechnungs- und Steuerwesen. Die LEV gehört zu 100 % der LEAG Holding a.s. mit Sitz in Prag.Handelsregisterauszug „Lausitz Energie Verwaltungs GmbH“ vom 12. Dezember 2016 (HRB 12691 CB). unternehmensregister.de abgerufen am 3. Januar 2017
Die Unternehmen der LEAG sind in den Geschäftsfeldern Bergbau, Kraftwerke und Vertrieb aktiv. Die im Bergbau gewonnene Braunkohle wird zur Versorgung der im Kraftwerksbereich der LEAG betriebenen Großkraftwerke verwendet. Zusätzlich dient sie der Veredlung am Standort Schwarze Pumpe in der zum Vertrieb gehörenden Brikettfabrik Schwarze Pumpe. Im Kraftwerks- und Vertriebsgeschäft wird der erzeugte Strom am Termin- und am Spotmarkt verkauft.
Geschichte Die LEAG entstand durch den Verkauf der Braunkohlesparte und der dazugehörigen Kraftwerke des schwedischen Energiekonzerns Vattenfall AB. Die deutschen Standorte der Braunkohle-Unternehmen Vattenfall Europe Mining AG und Vattenfall Europe Generation AG wurden an den tschechischen Energieversorger Energetický a Průmyslový Holding (EPH) und die Investmentgesellschaft PPF Investments veräußert. Beide Unternehmen waren bis Ende 2023 zu jeweils 50 % an dem neuen Unternehmen beteiligt. Seit Ende 2023 hielt die EP Corporate Group, ein mit der EPH verbundenes Unternehmen, 70 % an der LEAG. Die PPF Investments war seitdem noch mit 30 % beteiligt. Im März 2025 übernahm „EP Energy Transition“ alle Anteile.
Bis 2002 Kraftwerkssparte
Die in der DDR betriebenen Kohlekraftwerke wurden nach der Wende bis zu den Verhandlungen über die sogenannten Stromverträge 1990 von der Vereinigten Kraftwerke AG (entstanden aus den privatisierten Kraftwerken des Kombinats Braunkohlekraftwerke) verwaltet. Im Zuge des Zusammenschlusses zu Verbundunternehmen entstand durch Neugründung seitens der Treuhandanstalt die Vereinigte Energiewerke AG (VEAG). In diesem neuen Unternehmen wurden 1991 die ostdeutschen Kohlekraftwerke und das Verbundnetz zusammengefasst.
1994 wurde die VEAG für vier Milliarden DM an ein Unternehmenskonsortium der größten westdeutschen Energieversorger verkauft. Das Konsortium bestand aus der Preussen-Elektra AG, der RWE, der Bayernwerk AG (insgesamt 75 % der Anteile) und der Holding EBH, einem Zusammenschluss aus BEWAG, VEW, Badenwerk, EVS und HEW (insgesamt 25 % der Anteile).
Beim Zusammenschluss der Preussen Elektra AG (VEBA) und Bayernwerk AG (VIAG) zur heutigen E.ON und der Fusion von RWE und VEW mussten sich die Hauptanteilseigner aufgrund kartellrechtlicher Probleme von den Beteiligungen an der VEAG trennen. 2001 erwarben die HEW, die bereits 2000 in den Besitz von Vattenfall übergegangen waren, die kompletten Anteile der VEAG.
Braunkohlebergbau
Die Braunkohletagebaue der DDR waren bis 1990 dem Braunkohlenkombinat Bitterfeld (BKK Bitterfeld) und dem Braunkohlenkombinat Senftenberg (BKK Senftenberg) angegliedert. Mit dem Ende der DDR entstand 1990 aus der Privatisierung des BKK Senftenberg die Lausitzer Braunkohle AG (LAUBAG). 1993 verschmolz die LAUBAG mit dem VEB Gaskombinat Schwarze Pumpe (ab 1990 Energiewerke Schwarze Pumpe Aktiengesellschaft). 1994 wurde die Gesellschaft von der Treuhandanstalt an ein westdeutsches Unternehmenskonsortium verkauft. Hauptanteilseigner waren die Rheinbraun AG (39,5 %) und die Preussen Elektra AG (30 %). Die Abwicklung der Altlasten wurde an die LBV (später LMBV) abgegeben.
Die Anteile der Rheinbraun AG und Preussen Elektra AG wurden auf Grund der Fusionsvorhaben abgetreten. Die Anteile wurden 2001 von der HEW übernommen.
Von 2002 bis 2016
Nach den Übernahmen der drei Unternehmen VEAG, LAUBAG und BEWAG (Berlin) durch HEW/Vattenfall 2001 wurden alle Unternehmen Anfang 2002 in eine neue Gesellschaft mit einheitlicher Marke überführt. Die Vattenfall Europe AG entstand und war damals der drittgrößte Energieversorger Deutschlands. Die Tagebauaktivitäten firmierten unter der Vattenfall Europe Mining AG, die Kraftwerksaktivitäten unter der Vattenfall Europe Generation AG. 2012 änderte sich die Rechtsform der Holding in Deutschland zur Vattenfall GmbH.
Ab 2016 Der schwedische Energiekonzern Vattenfall gab Ende 2014 bekannt, die Braunkohleaktivitäten in Deutschland verkaufen zu wollen. An dem anschließenden Bieterverfahren beteiligte sich u. a. die Umweltorganisation Greenpeace. Nach Abschluss der Bieterphase verhandelte Vattenfall mit den beiden verbliebenen Interessenten EPH/PPF und der tschechischen Czech-Coal-Gruppe. Dabei konnten sich EPH und PPF im April 2016 gegen den Konkurrenten durchsetzen. Durch anschließende Verzögerungen bei der Prüfung des Verkaufs durch die EU-Kommission auf mögliche kartellrechtliche Belange verzögerte sich der Abschluss bis in den Herbst 2016. Im Rahmen einer Pressekonferenz am 11. Oktober 2016 wurden der Name und das neue Logo des Unternehmens veröffentlicht. Der Handelsregistereintrag der Umbenennung der Unternehmen Vattenfall Europe Mining AG in Lausitz Energie Bergbau AG und der Vattenfall Europe Generation AG in die Lausitz Energie Kraftwerke AG erfolgte am 12. Oktober 2016. Mit dem Verkauf wurden die ca. 8000 Mitarbeiter von Vattenfall, die in der Braunkohlesparte tätig waren, in den umbenannten Gesellschaften weiterbeschäftigt.
Nach dem Beschluss der EU-Kommission, Grenzwerte für Quecksilber und NOx ab August 2021 zu verschärfen und noch vor dem Ablauf der möglichen Einspruchsfrist am 10. November 2017 durch die Bundesregierung (Bundesumweltministerium) gegen diesen Beschluss, reichte die LEAG am 7. November 2017 gemeinsam mit Euracoal, der Mitteldeutschen Braunkohlengesellschaft (MIBRAG) und dem Deutschen-Braunkohlen-Industrieverein e. V. (DEBRIV) Klage beim Gericht der Europäischen Union ein. Hauptpunkt dieser Klage ist die fachlich fehlerhafte Herleitung der Emissionsbandbreiten und die Verhältnismäßigkeit der Machbarkeit zum Erreichen solcher Grenzwerte. So seien etwa technische Nachrüstungen von Kraftwerksanlagen durch diesen Beschluss nicht gedeckt, da laut EU Beschluss Grenzwerte durch verfügbare Technik im Prozess der Abgasentstehung erreicht werden müssen. Laut EU-Beschluss sollten demnach bei Braunkohlekraftwerke Grenzwerte für NOx in einer Bandbreite von 85 bis 175 mg/Nm³ (aktuell möglicher Grenzwert 200 mg/Nm³) und für Quecksilber von < 1 bis 7 µg/Nm³ (aktuell möglicher Grenzwert 30 µg/Nm³) erreicht werden.LEAG klagt gegen EU Grenzwerte. In: Lausitzer Rundschau-Online. 14. November 2017.LEAG klagt gegen verschärfte Emmisionsgrenzwerte. In: LEAG Wochenzeitschrift "Die Woche im Revier", 13. bis 19. November 2017.
Am 1. Oktober 2018 wurde nach einer Vorbereitungsphase von drei Jahren der erste Kraftwerksblock („Block F“) des Kraftwerks Jänschwalde abgeschaltet und in die Sicherheitsbereitschaft überführt. Der Kraftwerksblock steht damit als Reserve zur Verfügung, bevor er nach weiteren vier Jahren komplett stillgelegt wird. Mit der Abschaltung folgt die Lausitz Energie Kraftwerke AG dem Plan der Bundesregierung, bis 2020 insgesamt 2.700 Megawatt Leistung aus Braunkohlekraftwerken abzuschalten. Für die Stilllegung erhält das Unternehmen eine Entschädigungszahlung in unbekannter Höhe von der Bundesrepublik Deutschland, der Gesamtbetrag der Entschädigungszahlungen an alle betroffenen Kraftwerksbetreiber beträgt für die Jahre 2017 und 2018 voraussichtlich 234 Mio. Euro.
Im März 2022 musste das Unternehmen aufgrund der Verwerfungen auf dem Energiemarkt infolge des Ukrainekriegs kurzfristig mit einem milliardenschweren Kredit der Kreditanstalt für Wiederaufbau gestützt werden, um die Liquidität zu sichern. Diese war aufgrund der stark ansteigenden Sicherheitsleistungen am Strom- und Gasgroßhandel gefährdet gewesen.Handelsblatt online 14. März 2022: „Krise am Energiemarkt: Bund musste Braunkohlekonzern Leag mit Milliardenkredit stützen“ Dabei hinterlegen Kraftwerksbetreiber einen Margin genannten Betrag bei der Clearingstelle der Energiehandelsbörse (hier European Commodity Clearing (ECC)), um sicherzustellen, dass der Vertragspartner ECC seine Verpflichtung zur Erfüllung der Lieferung auch dann nachkommen kann, wenn eine Partei (z. B. der Kraftwerksbetreiber) seine Leistung nicht erfüllen kann und die Clearingstelle die Lieferung über den Markt abdecken muss.
Auf ehemaligen Bergbauflächen planen LEAG und der Projektentwickler EP New Energies (EPNE) für zehn Milliarden Euro bis 2030 sieben Gigawatt Photovoltaik und Windkraft zu errichten.https://www.pv-magazine.de/2022/09/29/leag-und-epne-bauen-fuer-zehn-milliarden-euro-sieben-gigawatt-photovoltaik-und-windkraft-in-der-lausitz/ Dennoch soll auch nach 2030 der Großteil der Stromerzeugung aus fossilen Energieträgern erfolgen (Stand: Februar 2023).
Im Februar 2025 gliederte EP die ostdeutsche Braunkohlensparte in das Tochterunternehmen „EP Energy Transition“ (EPET) aus.Stefan Paravicini: Neue Struktur befeuert alte Sorgen der Leag. Beim Cottbusser Energiekonzern bleibt kein Stein auf dem anderen. Baut der tschechische Eigentümer das Unternehmen in eine „Bad Bank“ für Altlasten aus dem Braunkohletagebau um? In: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 14. April 2025, S. 22. Einen anlässlich der Ankündigung dieses Schrittes im Juli 2023 erschienenen Medienbericht, dass die LEAG zum Jahr 2030 aus der Braunkohlenverstromung in Deutschland aussteigen wolle, dementierte der LEAG-Miteigentümer EPH. Diese Aussage beziehe sich ausschließlich auf die übrigen Teile der EPH-Gruppe. In den ostdeutschen Revieren sei weder ein Verkauf noch eine kurzfristige Schließung von Tagebauen und Kraftwerken geplant. EPET wolle in den kommenden Jahren bis zu 10 Milliarden Euro in die Entwicklung von Projekten der erneuerbaren Energie, effizienten Energiespeichern und Wasserstoff-Kraftwerken investieren.Leag-Eigentümer planen Umbau ihres Unternehmens. In: Lausitzer Rundschau-Online. 19. Juli 2023.
Am 18. November 2025 erteilte die Europäische Kommission der Bundesregierung offiziell die wettbewerbsrechtliche Genehmigung, an die LEAG eine Entschädigung von 1,75 Milliarden Euro für den vorgezogenen Kohleausstieg auszuzahlen.EU genehmigt Leag-Entschädigung, wer am meisten profitiert. In: Lausitzer Rundschau-Online. 18. November 2025.
Vorstandsvorsitzende der LEAG 12. Oktober 2016 – 31. Dezember 2021 Helmar Rendez 1. Januar 2022 – 18. September 2024 Thorsten Kramer seit 19. September 2024 Adolf Roesch
Standorte in Deutschland mini|LEAG-Hauptverwaltung in Cottbus Die Verwaltung der LEAG-Unternehmen hat ihren Sitz in Cottbus, Brandenburg.
Die LEAG ist als Betreiber der ostdeutschen Braunkohletagebaue und -kraftwerke tätig. Die in der Gesellschaft Lausitz Energie Bergbau AG angesiedelten Tagebaue umfassen die Standorte Tagebau Welzow-Süd, Tagebau Nochten, Tagebau Reichwalde und den Tagebau Jänschwalde. Die Rekultivierung des Tagebaus Cottbus-Nord wird zu Teilen ebenfalls von der LEAG durchgeführt und in das Projekt des Cottbuser Ostsees überführt. Die Brikettfabrik am Standort Industriepark Schwarze Pumpe ist Teil der Lausitz Energie Bergbau AG.