Die Sonnen GmbH (Eigen- und Kurzschreibweise: sonnen) ist ein Unternehmen in der Energiebranche mit Sitz in Wildpoldsried im Landkreis Oberallgäu. Es produziert Batteriespeicher für Privathaushalte und gewerbliche Anwendungen, außerdem ist es als Energieversorger tätig. Die Batteriespeicher werden zu sogenannten virtuellen Kraftwerken vernetzt, die am Strommarkt teilnehmen.
Geschichte
Gründung Von 2008 bis 2010 entwickelte Torsten Stiefenhofer eine Solarbatterie, die für Eigenheimbesitzer mit einer Photovoltaikanlage konzipiert wurde.Siehe Daniel Pohl: Lithium iron phosphate: With the genes of a marathon runner. In: ees International. The Electrical Energy Storage Magazine, 1/2014, S. 33–37, hier S. 36. Benjamin Reuter: Energie: Diese Heimbatterie soll den Strommarkt aufmischen. In: WirtschaftsWoche Green vom 5. Juni 2014. Benjamin Reuter: Cleantech-Startups: Das sind die Champions aus Deutschland. In: WirtschaftsWoche Green vom 15. Oktober 2014. 2010 gründete Stiefenhofer gemeinsam mit Christoph Ostermann das Unternehmen PROSOL Invest Deutschland GmbH. Seit dem Folgejahr wurde die Solarbatterie unter dem Namen sonnenBatterie vertrieben. Im Dezember 2013 beschloss die Gesellschafterversammlung die Änderung des Unternehmensnamens in Sonnenbatterie GmbH,Bundesanzeiger, Handelsregister-Bekanntmachungen zur PROSOL Invest Deutschland GmbH vom 15. Januar 2014, Eintragungsdatum vom 8. Januar 2014. um den Namen ihres Produktprogramms aufzunehmen und die angestrebte Internationalisierung zu unterstützen.Aussage von Christoph Ostermann im Interview mit Mirco Sieg. Siehe Seit November 2015 firmiert das Unternehmen als Sonnen GmbH. Anfangs waren am Unternehmen neben den Gründern mehrere Finanzinvestoren beteiligt wie die eCAPITAL entrepreneurial Partners AG, GE Ventures, die Wagniskapital-Tochter von General Electric und der chinesische Konzern Envision Energy.
Übernahme durch Shell Im März 2019 wurde Sonnen von Shell für knapp 500 Mio. Euro übernommen. Als Tochterunternehmen von Shell wuchs Sonnen seit 2019 stark, benötigte allerdings finanzielle Unterstützung durch die Muttergesellschaft. Bis Mitte 2020 wurden zehn Generationen der Solarbatterie entwickelt und vermarktet. Deutschland ist Hauptabsatzmarkt der Geräte. Das Unternehmen vertreibt die Heimbatterien zudem in Österreich, der Schweiz, Großbritannien, Italien, den Niederlanden, Spanien, Belgien, Schweden, Norwegen, den Vereinigten Staaten und Australien.Henrik Petersen: Speicher sind keine Verbraucher. In: Photovoltaik, 4/2015, S. 66–71, hier S. 70. Sonnenbatterie mit neuen Rekorden. In: Allgäuer Zeitung vom 21. Mai 2016. sonnenBatterie ab sofort auch in Norwegen verfügbar. Pressemitteilung des Unternehmens vom 11. Oktober 2016. Siehe ferner die Website von Sonnen, Abruf am 5. Oktober 2016. 2023 wurde berichtet, dass Shell das Unternehmen Sonnen wieder zum Verkauf stelle.
Verkauf an Tiven Im Jahr 2026 verkaufte Shell Sonnen an Tiven, das Family Office des Aurelius-Gründungspartners Gert Purkert. Shell musste dabei einen Verlust in Höhe von mehreren Hundert Millionen Euro hinnehmen.
Standorte 2011 begann das Unternehmen mit der Produktion von Batteriespeichern an seinem Hauptsitz in Wildpoldsried. Auch ein Teil der Forschung und Entwicklung des Unternehmens befindet sich dort. Im Juni 2015 richtete das Unternehmen in Atlanta (Georgia) einen weiteren Standort für Forschung und Entwicklung ein, um die eigenen Produkte auf die Bedingungen des US-Marktes abzustimmen. Seit 2017 erfolgt hier auch die Produktion der Stromspeicher für den amerikanischen Markt. Im November 2018 eröffnete Sonnen im australischen Adelaide seinen weltweit dritten Produktionsstandort. Im November 2021 gab Sonnen die Eröffnung seiner neuen Produktionsanlage in Wildpoldsried bekannt, in der monatlich bis zu 10.000 Stromspeicher produziert werden können. Damit zählt die Anlage zu den größten Produktionsstätten für solche Speicher in Europa. Hinzu kommen unter anderem Standorte in Berlin, Los Angeles, Bergamo, Barcelona und Sydney.Solar-Firma Sonnen plant Börsengang. In: Die Welt. 26. Januar 2017.Michael Kerler: Weshalb die Firma Sonnen mehr Stromspeicher als je zuvor verkauft. In: Augsburger Allgemeine. 4. Januar 2023.
Geschäftsbereiche mini|Batteriespeicher von Sonnen in Privathaushalt Stromspeicher Der Batteriespeicher dient dazu, die Rate des Eigenverbrauchs von selbst erzeugtem Strom zu erhöhen, er ist als Komplettsystem ausgelegt. Neben den Batteriemodulen besitzt der Speicher einen integrierten Wechselrichter, eine Einheit für das Energiemanagement sowie elektronische Zähler für den Stromverbrauch im Gebäude, für die photovoltaische Stromerzeugung und für die Abgabe von Strom an das Stromnetz. Das Energiemanagementsystem wertet die Verbrauchsdaten des Nutzers aus und bezieht Wetterdaten mit ein, um die optimalen Zeiträume für die Be- und Entladung des Speichers zu bestimmen.
Die verwendeten Speicherelemente sind Lithium-Eisenphosphat-Akkumulatoren, die frei von Schwermetallen sind.Siehe Reinhard Siekemeier, Ralf Ossenbrink: Solare Energie auf Vorrat. In: Sonne Wind & Wärme, 13/2011, S. 170–174, hier S. 174. Uwe Bonnen: Funktioniert auch nachts und bei schlechtem Wetter. Neue Rezepte gegen steigende Nebenkosten. In: ew. Magazin für die Energiewirtschaft, Jg. 110 (2011), H. 26–27, S. 68 f. hier S. 69. Michael Kerler: Öko-Strom aus dem Schrank. In: Augsburger Allgemeine vom 29. September 2012. Sony war zunächst Hauptlieferant dieser Komponente.Auf dem Weg zur dezentralen Energieversorgung. In: Straubinger Tagblatt/Landshuter Zeitung vom 21. Juni 2016. Mittlerweile bezieht Sonnen die Akkus von verschiedenen Zulieferern und verwendet ein eigenes Batteriemanagementsystem, mit dem eine besonders hohe Lebensdauer der Speicher erreicht werden soll. Sonnen bietet verschiedene AC-Varianten sowie DC-Varianten in verschiedenen Größen und Leistungsklassen für den Haushaltsbereich sowie für Kleingewerbe. Die Solarbatterien, wie zum Beispiel die SonnenBatterie 10 hybrid, integrieren je nach Typ verschiedene Notstromfunktionen, so dass der Haushalt auch bei Stromausfall versorgt werden kann. Im Gewerbebereich bietet Sonnen ein modulares Speichersystem an.
2018 klagte die Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen gegen Sonnen wegen unzulässiger Klauseln in den Garantiebedingungen für Batteriespeicher. Das Landgericht München wies die Klage 2019 zunächst ab. In zweiter Instanz erklärte 2020 das Oberlandesgericht München die Garantiebedingungen in einigen Punkten zwar ebenfalls für gültig, bemängelte jedoch auch, dass einzelne Bestimmungen nicht transparent genug formuliert seien, wie etwa die Kosten für Anfahrtswege im Garantiefall. Sonnen passte diese Formulierungen daraufhin an.
Der Vertrieb erfolgt nicht über den Großhandel, sondern über ausgewählte Fachhändler.Ina Röpcke: Mit Leidenschaft verkaufen. In: Sonne Wind & Wärme, 10/2013, S. 94–97, hier S. 95. Stand 2025 wurden nach Angaben des Unternehmens über 150.000 Geräte installiert.
Virtuelle Kraftwerke Sonnen gilt als Vorreiter für die Vernetzung von Haushalten zu virtuellen Kraftwerken. 2015 gab Sonnen den Start der sonnenCommunity bekannt, einer Gemeinschaft, in der Haushalte ihren selbst produzierten Solarstrom über einen eigenen Bilanzkreis „virtuell“ miteinander teilen können. Energie, die nicht durch diese Community abgedeckt werden kann, wird von Sonnen über Direktlieferverträge etwa von Windkraft-, Wasserkraft- oder großen PV-Anlagen bezogen. Das Konzept kombiniert den Einsatz von dezentraler Energieerzeugung und Batteriespeicher durch die digitale Vernetzung der Teilnehmer. Das Unternehmen erhoffte sich durch den Auf- und Ausbau der Community die Steigerung des Absatzes seiner Batterien.Strom erzeugen: Mit Sonnenkraft zum Selbstversorger. In: Focus Money. 15. Juni 2016. Voraussetzung für die Teilnahme am virtuellen Kraftwerk ist die Nutzung eines Stromvertrages von Sonnen, der unter anderem die Nutzung des Speichers im Rahmen des virtuellen Kraftwerks regelt. Das Unternehmen trägt seinerseits die Messinfrastruktur und die Software und organisiert den Verkauf des überschüssigen Gemeinschaftsstroms.Heiko Schwarzburger: Endkunden virtuell vernetzt. In: Photovoltaik, 12/2015, S. 72–74, hier S. 73.Schwarmspeicher für die Community. In: ZfK Zeitung für kommunale Wirtschaft vom 11. Januar 2016. Siehe ferner Felix Austen: Das Stromdepot im Keller. In: Bild der Wissenschaft vom 27. April 2016. The SonnenCommunity. Energy freedom and energy community. In: pv magazine 6/2016.
Anfang Mai 2017 wurden Pläne von Tennet und Sonnen bekannt, dezentrale Photovoltaik-Heimspeicher über ein Blockchain-System zur Stabilisierung des Stromnetzes sowie zur besseren Netzintegration von erneuerbaren Energien einzusetzen. Für die Kunden von Sonnen ergebe sich eine Einnahmequelle, das geplante Blockchain-System würde die Vernetzung von Batteriespeichern erleichtern, volkswirtschaftlich könnten die Redispatch-Kosten für die Stabilisierung des Stromnetzes gesenkt werden. Im Jahr 2018 erhielt Sonnen im nächsten Schritt vom Übertragungsnetzbetreiber Tennet als erster Hersteller von Heimspeichern die Präqualifikation für ein virtuelles Kraftwerk, seitdem stellt Sonnen unter anderem Primärregelleistungen (FCR) bereit. Dabei werden tausende Heimspeicher zu einem Block im Megawattbereich vernetzt, so dass sie die erforderliche Leistung für die Netzbetreiber zur Verfügung stellen können. 2021 folgte die Präqualifikation im Gebiet des Übertragungsnetzbetreibers Amprion, 2024 dann bei TransnetBW.Barbara Will: Kraftwerk im Keller. In: Schwälmer Allgemeine. 23. Dezember 2021.Artjom Maksimenko: TransnetBW nimmt virtuelles Kraftwerk in Betrieb. In: Zeitung für kommunale Wirtschaft. 12. Dezember 2024. Im Juni 2022 gab Sonnen bekannt, dass das virtuelle Kraftwerk auch für den Intraday-Handel genutzt wird. 2023 band Sonnen im Gebiet von Tennet erstmals Elektroautos für die Erbringung von FCR ein.Erik Stecher: Elektro-Autos können das Stromnetz stabilisieren. In: Nürnberger Zeitung. 23. Februar 2023.
Im Jahr 2023 lag die Kapazität des virtuellen Stromspeichers bei rund 250 Megawattstunden, womit das Unternehmen zu den größten Anbietern in Europa gehörte.Solarfirma Sonnen plant größten virtuellen Stromspeicher Europas. In: Handelsblatt. 16. August 2023.
Sonnen betreibt mittlerweile auch virtuelle Kraftwerke in Belgien, den USA und Italien.Andreas Dunte: Trend zur E-Mobilität beflügelt auch die Solarbranche. In: Oschatzer Allgemeine Zeitung. 9. November 2021. In den USA etwa leitet das Unternehmen seit 2021 hauptsächlich im Bundesstaat Utah gemeinsam mit dem Partner Rocky Mountain Power das Programm Wattsmart. Rocky Mountain Power zahlt an Besitzer von Stromspeichern Prämien und darf im Gegenzug auf die Speicher zugreifen, die zu einem virtuellen Kraftwerk vernetzt werden. So soll die Stromlast ausgeglichen werden, was wiederum die Kosten für die Kunden und für die Netzinfrastruktur von RMP senkt. Sonnen stellt für das System seine VPP-Software zur Verfügung. Im Jahr 2024 begann Sonnen mit der Umsetzung eines ähnlichen Modells in KalifornienMatthias Schneider: Batterien aus dem Allgäu für Utah. In: Dorfener Anzeiger. 8. Mai 2024. und 2025 etablierte das Unternehmen auch in Texas ein virtuelles Kraftwerk.Matthias Zimmermann: Sie machen sogar Texas zum Solarstaat. In: Donau Zeitung. 24. Februar 2025. Im Frühjahr 2025 wurde Wattsmart auch auf das Gebiet von PacifiCorp an der amerikanischen Westküste ausgeweitet. Im gleichen Jahr erfolgte der Start in Kanada.
Der Bericht Pathways to Commercial Liftoff: Virtual Power Plants 2025 Update des US-amerikanischen Energieministeriums bewertet Wattsmart als besonders gut ausgereift in verschiedenen Bereichen wie Netzdienstleistungen, Einsatzfrequenz, örtliche Netzsichtbarkeit und betriebliche Systemintegration.
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