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mini|Münzporträt des Hadrian
mini|Figurine eines Zenturio (1. Jahrhundert) im Roman Army Museum, unten liegt ein Helmbusch aus Vindolanda, der einzige, der fast vollständig erhalten geborgen werden konnte. mini|Figurine eines Auxilarinfanteristen (1. Jahrhundert) im Roman Army Museum mini|Reenactment eines Kavalleristen (spätes 3. und frühes 4. Jahrhundert) mini|Grabstein des Gaius Valerius Tullus mini|Inschriftenfragment des Agrippa, Soldat der hamischen Bogenschützenkohorte mini|Bauinschrift der Cohors II Batavorum
Magnis war ein römisches Kastell der Hilfstruppen im County Northumbria, im Nordwesten von England, Parish Greenhead, Ortsteil (Hamlet) Carvoran.
Es gehörte vermutlich zu der aus insgesamt 16 Kastellen bestehenden Festungskette des Hadrianswalls (per lineam valli) und sicherte dessen westlichen Abschnitt. Das Lager wurde vom 1. bis ins 5. Jahrhundert n. Chr. vom römischen Militär genutzt. Wahrscheinlich wurde es schon im Zuge der Sicherung der Stanegatestraße angelegt und unter Hadrian in die Kastellkette seines neuen Walls integriert. Da es allerdings auf der Rudge Cup und der Amiens Skill, auf der die Kastelle im Westsektor des Walls angegeben werden, nicht aufscheint, wäre es auch möglich, dass es nie Teil des Wallsystems war. An seinem Standort befindet sich heute das Roman Army Museum, das eine umfassende Darstellung des Lebens der römischen Soldaten an der Nordgrenze Britanniens zum Thema hat.Guy de la Bedoyere 1998, S. 94.
Name Der antike Ortsname wird in der Notitia Dignitatum und in der Cosmografie des Geographen von Ravenna als Magnis angegeben, die viele Wissenschaftler als locative Form von „Magna“ betrachten. Weiters ist er von einer von William Hutchinson im Jahr 1766 in Augenschein genommenen Inschrift bekannt (heute verschollen), in der u. a. von einem „Numerus Magne<c>e(n)s(ium)“ die Rede ist. Manche Forscher nehmen an, dass er sich vom lateinischen Nominativ für Magni, oder Magna (= groß, mächtig), oder von dem in dieser Region ansässigen keltischen Stamm der Carvetii, Magnae Carvetiorum (= „der Platz der mächtigen Carvetii“?) ableitet. Diese Theorie erscheint aber nicht plausibel für ein relativ kleines Kastell wie Carvoran. Vermutlich stammt es wohl vom keltischen Wort Maen ab, das „Stein“ oder „Fels“ (= „das Kastell auf dem Fels“) bedeutet.RIB 1825, F & C 130, Edmund McClure, S. 331, Roger J.A. Wilson, 2002, Rivet/Smith, 1979.
Lage Magnis ist das zehnte Glied in der Festungskette des Hadrianswalls (vallum aelium). Es befand sich auf einem nach Westen abfallenden Hügel, von dem aus man eine gute Sicht auf das Hinterland des Walls, in den Norden und das 500 Meter westlich gelegene Tal des Tipalt Burn hatte. Er ist der letzte größere Wasserlauf, der in den South Tyne mündet. Hier passierte der Wall die Wasserscheide des nördlichen Englands. Das Lager stand an der Kreuzung des Stanegate, einer Straßenverbindung durch die Pennines nach Süden zum Nachschubzentrum Coriosopitum (Corbridge) im Osten und Luguvalium (Carlisle) im Westen, mit dem Maiden Way (via Puellarum). Er lief 300 Meter südlich an Magnis vorbei und führte u. a. nach Fanum Cocidi (Bewcastle) und Bravoniacum (Kirkby Thore bei Penrith). Nahe dem Kastell konnten auch zwei Meilensteine aus dem 3. und 4. Jahrhundert geborgen werden. Einer 1932 in einer Grube an der Newcastle-Carlisle Road, 400 m westlich von der Fell End Farm, 800 m östlich von Carvoran (datiert 273–275). Vermutlich stand er ursprünglich am Stanegate. Der andere (gefunden um 1716) stammte vielleicht ebenfalls von dort. Er könnte aber auch an der Militärstraße oder am Maiden Way gestanden haben (datiert 306/307). Sie waren den Imperatoren Caesar Lucius Domitianus Aurelianus Pius Felix [Invictus] Augustus und Caesar Flavius Valerius Constantinus Pius gewidmet. Im späten 2. Jahrhundert gehörte die Region zur Provinz Britannia inferior, ab dem 4. Jahrhundert zur Provinz Britannia secunda.RIB 2309, RIB 2310, Guy de la Bedoyere 1998, S. 93.
Forschungsgeschichte Vom Kastell und seinem Vicus dürften noch zahlreiche Überreste vorhanden sein, da das Areal nie flächendeckend archäologisch untersucht wurde. Die Forschung erhofft sich dort zukünftig noch einige neue Erkenntnisse über die Entwicklung der römischen Nordgrenze im Laufe der Jahrhunderte zu gewinnen. Die Überreste des Kastells werden erstmals von Antiquaren erwähnt, die es im Jahr 1599 besuchten und innerhalb des Lagers noch aufgehendes Mauerwerk und deutlich sichtbare Straßenzüge vorfanden. Ein Graben konnte 1985 östlich von Carvoran House lokalisiert werden, vielleicht gehörte er zu einem dritten Kastell oder Marschlager. Im Jahre 1999 wurden auf einem zwölf Hektar großen Planquadrat geophysikalische Untersuchungen im Bereich des Kastells und der Zivilsiedlung vorgenommen. Dabei konnten einige Details der internen Bebauung beobachtet werden. Spuren von Gebäuden wurden südöstlich des Kastells, am Stanegate, beobachtet. Im Jahre 2000 konnte die exakte Größe des Lagers ermittelt werden, jedoch nicht die Fläche der Zivilsiedlung. Ausgrabungen im Jahr 2002 bestätigten die Zerstörung des Südtores, sowie des östlichen und westlichen Walls durch Steinraub. Der Vindolanda Trust plant, das Kastell in naher Zukunft freizulegen; derzeit ist man noch mit den Grabungen in Vindolanda ausgelastet.J. C. Bruce 1863, S. 187–191, Eric Birley 1961, S. 192–196, Antony Birley 2003, N. Hodgson 2009, S. 124–127. Seit 2023 finden am Kastellareal neue Ausgrabungen durch ein Archäologenteam des Vindolanda Trust statt, bei der die Kastellmauer und die vorgelagerten Gräben untersucht werden sollen. U.a. wurde dort im Frühjahr 2025 in einem der Wehrgräben die Sohle eines 32 cm langen Soldatenschuhs gefunden (was der heutigen europäischen Schuhgröße 50 entsprechen würde). Anlass für die Grabungen ist der immer rascher fortschreitende Klimawandel. Lange Trocken- und Hitzeperioden, gefolgt von Starkregenereignissen, beeinträchtigen die Landschaft und vor allem die Bodenbeschaffenheit. Wasser, Sauerstoff und Mineralien dringen viel tiefer in die anaeroben Böden ein. Dies droht die archäologischen und ökologischen Informationen, die darin enthalten sind, für immer zu zerstören.GEO Wissenschaft: Anja Fries: Fund im Knöchelbrechergraben Artikel vom 16.06.2025 (abgerufen am 18. Juni 2025).
Fundspektrum An Funden sind ein römisches Kurzschwert (gladius), Hirschgeweihe, eine eiserne Speerspitze, ein Kornmaß und Altar- und Grabsteininschriften erwähnenswert. Die Speerspitze war mit zwei Widerhaken versehen, solche Waffen wurden in der Spätantike oft von Germanenstämmen eingesetzt. Eine Speerspitze und bearbeitete Geweihe wurden an einer Wasserquelle innerhalb des Lagers entdeckt.
Inschriften Aus Carvoran sind insgesamt 69 römische Inschriften bekannt. Die Liste umfasst 34 Altäre und Weiheinschriften, 18 Bauinschriften (einschließlich der centurial stones), neun Grabsteine und acht weitere mit nicht näher bezeichnetem Inhalt. Darunter befanden sich nur vier Exemplare, die exakt datiert werden konnten. Sie stammten alle aus der Zeit zwischen dem Beginn und der Mitte des zweiten Jahrhunderts n. Chr. (117–166). Die meisten Weiheinschriften aus Carvoran, insgesamt 13 Exemplare, bezogen sich auf den Kriegsgott Veterus, bis auf eine alles Altäre. Veterus wurde mit dem griechisch-römischen Herkules gleichgesetzt. Die unterschiedlichen Schreibweisen sorgten jedoch in der Forschung für große Verwirrung (Veteris, Vitiris, Vetiris, Viteris, Vetirius und Viterinus). Man nimmt dennoch an, dass es sich dabei immer um denselben Gott handelt. Drei waren dem Kriegsgott Mars-Belatucader gewidmet. Weitere Altarinschriften nennen Iupiter Optimus Maximus, Fortuna, Merkur mitsamt dem Numen Augusti und die syrische Göttin oder Ceres (datiert: 163–166, siehe auch Abschnitt Garnison). Andere Altäre aus Carvoran waren der Regina Caelesti (Himmelskönigin, heute im Museum of Antiquities in Newcastle), der Epona, der Hamischen Stadtgöttin (Hammia), den Nymphen, dem Silvanus, den Matronen und dem Genius der Waffen gewidmet. Zusätzlich zu den oben genannten Widmungen wurden noch andere interessante Inschriften entdeckt, die entweder den Namen eines Gottes oder einer vergöttlichten Person enthielten.Veterus: RIB 1792–1805, Belatucader/Mars: RIB 1775, RIB 1784, RIB 1776, RIB 1778, Epona: RIB 1777, RIB 1779, RIB 1786, RIB 1787, Iupiter: RIB 1782, RIB 1783, Merkur/NA: RIB 1786, RIB 1787, Minerva oder Neptun: RIB 1788, Syrische Göttin/Ceres: RIB 1791, RIB 1792, Regina Caelesti: RIB 1827, Hamische Göttinnen: RIB 1780, Nymphen: RIB 1789, Silvanus: RIB 1790, RIB 1781, RIB 1807, Muttergöttinnen: RIB 1785.
Hohlmaß 1915 wurde nahe der Nordost-Ecke, außerhalb des Kastells ein kegelstumpfförmiges Bronzegefäß für die Abwägung von Getreide (Modii) entdeckt. Es befindet sich heute in der Sammlung des Chesters Museum. Ein ähnliches Hohlmaß aus Holz wurde im raetischen Kastell Pfünz geborgen. An der Oberseite befinden sich drei Speichen. Vermutlich die Halterung für einen Stab auf dem das Gefäß gedreht werden konnte. Dies diente dazu, das über den Rand zu hoch gehäufte Schüttgut zu glätten und so ein „gestrichenes Maß“ zu erhalten. Die darauf befindliche Inschrift nennt Größe und Gewicht und den Namen des in seiner Entstehungszeit regierenden Kaisers. Laut diesen stammt es vom Ende des ersten Jahrhunderts, aus der Zeit der Herrschaft des Domitian. Die Buchstaben seines Namens wurden später wieder glattgehämmert, nachdem er durch Senatsbeschluss im Jahr 96 in Ungnade gefallen war (damnatio memoriae). Es konnte mit 17,5 sextarii (9,5 Liter) befüllt werden und wog rund 12 kg. Bei einer Nachuntersuchung stellte man fest, dass es in Wirklichkeit noch ein wenig mehr, nämlich 11,3 Liter fasste. Eventuell wollte man damit die Bauern bei der Abgabe ihrer alljährlichen Steuer (annona) übervorteilen. Für gewöhnlich wurden solche Messgefäße aber sehr genau ausgeführt. Spuren von Nietlöchern lassen vermuten, dass ein Bestandteil des Modius verlorengegangen ist, er hätte vielleicht eine Erklärung für den zusätzlichen Platz liefern können. Pro Monat erhielt ein römischer Infanterist 4 Modii Weizen (rund 27 kg) zugeteilt, was eine tägliche Ration von rund 0,9 kg bedeutete. Einem römischen Kavalleristen standen nach Polybios 12 Modii Weizen und 42 Modii Gerste zu. Mit der doppelten Ration Weizen konnten sie den ihnen zugeteilten Reitknecht (Calo) mitversorgen, während die Gerste für das Pferd vorgesehen war.Liversidge 1968, S. 177, Bruce/Richmond 1966, S. 154, Dietwulf Baatz 1994, S. 73–83, Margot Klee 2009, S. 41–42. Marcus Junkelmann 1997, S. 90 ff. Inschrift: IMP .... CAESARE | AVG GERMANICO XVCOS | EXACTVS AD S XVIIS | HABET XXXIIX
Entwicklung
Über die Historie der Festung ist nur wenig bekannt. Laut den archäologischen Befunden (Reste von Holz-Erde-Befestigungen) muss der Platz schon im 1. Jahrhundert – vorübergehend – von der römischen Armee besetzt gewesen sein. Auf Luftaufnahmen sind unter dem Steinkastell noch die Umrisse einer rechteckigen, ca. 3,2 ha großen, vermutlich spätflavischen Struktur auszumachen. Möglicherweise entstand hier im Zuge der Feldzüge des Gnaeus Iulius Agricola um 80 n. Chr. ein erstes befestigtes Lager (Carvoran I). Ein weiterer Beweis für die Anwesenheit römischer Soldaten in vorhadrianischer Zeit war der Fund des Getreidemaßes. Im Jahre 122 befahl Kaiser Hadrian, im Norden Britanniens eine Sperrmauer, verstärkt durch Wachtürme und Kastelle, vom Tyne bis zum Solway Firth zu errichten, um die britischen Provinzen vor den ständigen Einfällen der Pikten aus dem Norden zu schützen. Der Wall wurde größtenteils durch Soldaten der drei in Britannien stationierten Legionen und Mannschaften der Classis Britannica errichtet.