Die Liste der Kinos im Berliner Bezirk Steglitz-Zehlendorf gibt eine Übersicht aller Kinos, die im Berliner Bezirk Steglitz-Zehlendorf existiert haben oder noch existieren. In der Liste sind die Ortsteile entsprechend der Grenzen seit der Bezirksreform 2001 enthalten und alphabetisch vorsortiert: Dahlem, Lankwitz, Lichterfelde, Nikolassee, Schlachtensee, Steglitz, Wannsee, Zehlendorf.
Einleitung : Auf dem Schützenfest in Steglitz war im Mai 1910 neben einem Bären-Theater, einem Hunde-Theater und einen Spezialitäten-Theater auch ein von dem Schausteller Karl Birkeneder betriebener Kinematograph vertreten.Der Komet, Nr. 1315, 4. Juni 1910
Die ersten nachweisbaren Kinos in Steglitz entstanden ab 1907. Es waren kleinere, wenig repräsentative Räume wie anderswo in Restaurationen oder als Laden-Kino eingerichtet. Sie eröffneten in Straßen mit starkem Publikumsverkehr, so in der schon damals zentralen Schloßstraße. Bis zum Bau des Großkinos ‚Titania-Palast‘ siedelten sich zwischen 1907 und 1910 das ‚Metropol-Lichtbildtheater‘, das ‚Flora-Kino‘ und das ‚Palast-Theater‘ an, am Steglitzer Stadtpark folgten 1911 das ‚Deutsche Theater‘ und ‚P.T. Lichtspiele‘. Groß-Lichterfelde war wohl für Kinematographentheater 1909 mit der Gründung des ‚Central-Kinos‘ am Hindenburgdamm geeigneter als Zehlendorf, wo erstmals ‚Lichtspiele‘ 1918 folgten.
Der Kinospielplan war aktuell,Der am 16. September 1924 in den Berliner ‚Kammer-Lichtspielen‘ uraufgeführte UFA-Film Wein, Weib, Gesang von Willy Achsel – ein Kulturfilm mit Gesangseinlagen – stand bereits zwei Wochen später auf dem Spielplan der Albrechtshof-Lichtspiele. so dass der Steglitzer nicht Gezeigt wurden filmtechnischen Sensationen: Mitte September 1924 zeigten Für die Stummfilme gab es neben musikalischer Untermalung auch Filmvorträge. Anfang Dezember 1927 hatten die Albrechtshof-Lichtspiele für eine Sonntags-Matinee um 11 Uhr den programmfüllenden Kulturfilm „Das schaffende Amerika“ eingesetzt, den der Vortragsredner Kapitän Gottfried Speckmann kommentierte.Steglitzer Anzeiger, Nr. 20, 24. Januar 1928 Am 19. Oktober 1929 war der Sexualforscher Magnus Hirschfeld in Steglitz, wo er in Nachtvorstellungen im Globus-Palast und den Bismarck-Lichtspielen Vorträge über die sexuelle Frage hielt und zu dem bereits von 1922 stammenden österreichischen Kulturfilm Hygiene der Ehe sprach.zitiert nach filmportal.de
mini|Erste Stummfilme hatten eine brennbare Celluloid-Basis Wie anderswo gab es Kino-Brände: Am 14. November 1927 entzündete sich im Vorführraum des Lichtspielhauses Südende ein Film.
In den 1920er Jahren war im Südwesten ein wichtiger Standort für die Filmindustrie. Die Deutsche Mutoskop- und Biograph GmbH in (Groß-)Lichterfelde (Tochtergesellschaft der American Mutoscope and Biograph Company) errichtete 1904 das älteste deutsche Filmatelier in der Zietenstraße 10 das ausschließlich für die Aufnahme und Produktion von Filmen dienende große Glasatelier. Während des Bestands wurden rund 500 Filme geschaffenen. Anfang der 1910er Jahre richtete sich Heinrich Bolten-Baeckers ein Atelier ein. Filmgrößen wie Hilde Hildebrand, Paul Heidemann und Konrad Dreher erlebten ihr Filmdebüt. Ernst Lubitsch drehte auf dem Freigelände Rauhe Berge den Monumentalfilm Das Weib des Pharao. So wurde Steglitz als das „deutsche Hollywood“ gewürdigt. 1920 entstand ein Film über das ‚Haus der Kinder‘, den ersten Volkskindergarten nach der Montessori-Methode. 1928 wurde der Bau des ‚Titania-Palastes‘ im Film dokumentiert, der zur Eröffnung des Kinos gezeigt wurde.aus Chronik informiert über Kinogeschichte des Bezirks. In: Berliner Woche
Im Bezirk bestanden über die Jahre 45 Kinos. Von 29 Vorkriegskinos mussten neun wegen Kriegsschäden schließen. 15 Bezirkskinos mit 500 bis 700 Plätzen wurden in den Nachkriegsjahren eröffnet, davon sieben Ende der 1940er und weitere bis 1957. Aktuell gibt es noch (Stand: 2016) fünf Kinos in Steglitz-Zehlendorf: das ‚Thalia Movie Magic‘ in Lankwitz ist das älteste im Bezirk bestehende Kino, in Steglitz befinden sich das ‚Adria Filmtheater‘ und das ‚Cineplex Titania‘, in Dahlem das ‚Capitol‘ und das ‚BaLi‘ in Zehlendorf.
In der folgenden Liste sind die Kinos alphabetisch nach Ortsteilen und innerhalb dieser nach dem letzten oder bestehenden Kinonamen vorsortiert. Das Berliner Adressbuch nennt im Gewerbeteil der Vororte für das letzte Jahr vor der Bildung von Groß-Berlin Paul Eitner für Berlin-Lichterfelde, in Berlin-Steglitz sind Harry Fabian (mit dem Kinotheater Thorwaldsenstraße 25), Christian Fonfara (Schildhornstraße 76 I. Stock), Kino-Betriebs-Gesellschaft Rothenbücher & Fehr (Florastraße 19), Hugo Lemke („Lichtspiele“, Albrechtstraße 132), „Lichtbildtheater Albrechtshof“ (Albrechtstraße 1a), „Palast-Theater Eugen Pleßner“ (Schloßstraße 92), A. Schubert (Kinobesitzer Potsdamer Straße 22 2. Aufgang) und Robert Wiesner (Kinobesitzer Körnerstraße 39, II.Stock) aufgenommen. Für Dahlem, Lankwitz, Nikolassee und Zehlendorf mit Schlachtensee sind keine Personen im Kinogewerbe aufgenommen.
Kinoliste __NOTOC__ Ortsteilentsprechend der Bezirksreform aus dem Jahr 2001, unabhängig von historischen Lagen und Zuordnungen. Name/Lage Adresse Bestand BeschreibungDahlemCapitol ()Thielallee 36seit 1946140px|rechts|Außenansicht 2012Bilder der Außenansicht, vom Foyer und Saal (2008) Das Kino im Saal der Villa von Carl Froelich wurde 1945 durch einen Bombeneinschlag zerstört, aber schon im Frühjahr 1946 stark vergrößert wieder aufgebaut und als „Capitol Dahlem“ eröffnet. 1949 war es mit 250 Plätzen (ab 1952: 243) angegeben. Inhaber und Geschäftsführer war Gustav Lehmann. Ab 1953 führte Liselotte Gastler die Geschäfte. Gespielt wurden täglich zwei Vorstellungen und wöchentlich eine Spätvorstellung. Die Kinotechnik bestand aus dem Ernemann-Projektor und der Dia-Einrichtung. 1956 kam man mit der Übernahme durch Gerhard Klein als Inhaber (zunächst als Leiter) und durch die Umstellung auf das Breitwandbildsystem CinemaScope auf 227 Plätze und 16 Vorstellungen wöchentlich. Klein nahm sich Alfred Wittkopf als Geschäftsführer. Die Capitol-Lichtspiele (A.O. Gildetheater, Dahlem, Thielallee 36) waren mit 227 Klappsesseln von Kamphöner bestuhlt, teilweise Hochpolster. Es gab zwei Projektionsgeräte Ernon IV rechts und links (Lichtquelle: Reinkohle). Der Ton wurde über Zeiss Ikon-Verstärker als Einkanal-Lichtton wiedergegeben. Das Bildformat 1:2,35 und Dias wurden mit Ton projiziert. In den 1980er Jahren nahm das Kino Heinz Hinze mit der „Capitol FTB GbR“ als „Capitol-Filmkunsttheater“ bis 1993. 1994 übernahm die Yorck-Kinogruppe (Yorck-Kino GmbH - FTB, 10789 Berlin, Rankestr. 31) das Capitol Dahlem mit 220 Plätzen. 1997 hatte es 162 Zuschauerplätze. Die Filmwiedergabe erfolgte als 35mm analog oder digital mit Dolby Digital 5.1 auf einer Leinwand von der Größe 3,2 m × 4,7 m.
Das Capitol ist ein Programmkino der ersten Stunde mit anspruchsvollen Filmen. Der langjährige Leiter Gerhard Klein bot das „Literarische Podium“ an mit Lesungen und Vorträgen von bekannten Schauspielern wie Curt Bois oder Martin Held und die Eddie-Constantine-Nächte. Der Projektorraum ist in einem nur von außen zugänglichen Anbau untergebracht. Der Zuschauersaal mit drei Vierteln mintgrüner Kinositze mit Flaschenhaltern im Parkett-Bereich ist in die Länge gezogen mit einer hohen Decke. Vor der Leinwand gibt es eine kleine Holzbühne und vor der Leinwand hängt ein silberner Wolkenvorhang.DahlemOutpost ()Clayallee 1351953–1994140px|rechts|Das Kinogebäude 2012 als AlliiertenMuseumDer Name „Outpost“ (deutsch: Außen-, Vorposten) für das neu erbaute Kino auf dem damaligen Militärareal wurde bei einem Namenswettbewerb ermittelt. Der Kinobau entstand unter Leitung des amerikanischen Architekten Arnold Blauvelt und erinnert an britische Kinobauten. Im Parkett befanden sich 750 Sitze und weitere 178 im Ranggeschoss. Es verfügte über einen kleinen Orchestergraben, eine Bühne und 750 Sitzplätze. Am 6. Februar 1953 wurde das „Outpost Theater“ eröffnet. 1994 wurde das Areal in das Alliierten-Museum umgewandelt und am 30. Juni 1994 um 19 Uhr lief der letzte Film. Das Kinogebäude steht unter Denkmalschutz. 1953 wurde das Lichtspieltheater von der Engineer Division für die amerikanischen Streitkräfte in Berlin als frei stehender Putzbau errichtet, dessen Fassadengestaltung und Baukörperrundungen der Architektur der 1920er Jahre verpflichtet sind. 1996–98 wurde das Innere umgebaut.LankwitzCapitol ()Kaiser-Wilhelm-Straße 881933–1943140px|rechts|Grundriss des Grundstücks mit erkennbarem Kinogebäude, 1954 nach Bombenschäden abgerissen 140px|rechts|Standort des ehem. Kinos Capitol, Kaiser-Wilhelm-Str. 88, Berlin-Lankwitz Das Capitol eröffnete 1933 in der Lankwitzer Kaiser-Wilhelm-Straße. Auf dem noch 1933 unbebauten Grundstück 88/90 entstand ein gesonderter Kinobau. Der Saalbau wurde in der Grundstückstiefe mit 550 m² Grundfläche sowie an der Straßenfront mit 800 m² Grundfläche bebaut. Inhaber waren Bruno Juhnke (Kinobetriebsgesellschaft) und Ludwig Semotam (Grundstücks- und Gebäudeeigentümer). Deren Geschäfte führte (wohl auch als Vorführer) Egbert Rech. Das Kino besaß 950 Plätze und eine 45 m²Zunächst waren im Kino-Adressbuch 1934 90 m² angegeben, im weiteren 45 m² und ab 1941 wieder 91 m². große Bühne. Mit der Eröffnung war die Kinotechnik für die Tonfilmvorführung eingebaut und es gab eine mechanische Musikanlage. 1939 sind Ludwig Semotan sen. und jun. als Kinobesitzer angegeben. Deren Geschäftsführer war Richard Weiß, ab 1941 Paul Stolz. Sie nennen als Zuschauerkapazität 984 Sitzplätze.
1943 wurde das Kinogebäude durch Bomben zerstört. Der Betrieb endete. Der hintere Kinosaal ist im Gegensatz zur Bebauung an der Straßenfront nicht wieder aufgebaut worden. In den 1970er Jahren erfolgte eine neue Bebauung mit fünfgeschossigen Appartementhäusern. Diese bilden eine Straßenfront 82–88 (gerade) mit einer Querbebauung auf 88, sodass Grundstück 90 als Grünfläche nutzbar wurde.LankwitzLichtburg----Viktoria-Lichtspiele ()Leonorenstraße 511927–1971140px|rechts|Standort des ehem. Kinos 'Lichtburg' / 'Viktoria-Lichtspiele', Leonorenstraße 51, Berlin-Lankwitz 1927 eröffnete Emmy Ahlers die „Viktoria-Lichtspiele“ mit 250 Plätzen in der Viktoriastraße 43, unweit vom Bahnhof Lankwitz. Gegründet als Saalkino befanden sie sich in der GaststätteEigentümer des Grundstücks Viktoriastraße 41/43 sind im Berliner Adressbuch: 1925 (#6248, IV. Teil, S. 1547) Gastwirt A. Matzke, 1928 und 1930 (#6776, IV. Teil. S. 1632) Gastwirt H. Schumann, noch 1932/6317. 1930 (#41 I.Teil S. 17) ist Emmy Ahlers Gastwirtin in SW 61 (Kreuzberg) Planufer 5. „Deutsche Haus“. Den täglichen Kinobetrieb führte bis 1929 Artur Ahlers. 1928 wurde es auf 355 Plätze erweitert. 1929 war das Filmtheater „zurzeit geschlossen“. Nach Umbauten zum Kinobetrieb wurde von Otto Klung neu die „Lichtburg“ eröffnet. Die Vorstellungen mit 500 Plätzen führte Paul Freund. Für die Untermalung der Stummfilme sorgten sechs Musiker. Mit dem Inhaberwechsel 1932 durch J. Kaplan und S. Rabinowitsch (Geschäftsführer: S. Berger) wurde die Tonfilmtechnik von Kinoton eingebaut. Das Kino-Adressbuch 1934 nennt als Inhaber vom „Lichtburg-Palast“ Carl Gürtler: gegründet 1929, täglicher Spielbetrieb, 428 Plätze, mechanische Musik. Paul Fischer & Sohn sind ab 1937 Besitzer der Lichtburg mit 451 Plätzen. Mit der Straßenumbenennung im Mai 1937 bekam die Lichtburg die Adresse Leonorenstraße 51.