Saxon ist eine 1979 in Barnsley (Yorkshire, England) gegründete Heavy-Metal-Band. Als Vorreiter der New Wave of British Heavy Metal hatte sie Anfang der 1980er Jahre eine kurze Phase mit Top-40-Platzierungen in den britischen Charts und auch Erfolg im restlichen Europa und in Japan.

Bandgeschichte mini|hochkant|Sänger Peter „Biff“ Byford, 2016 Saxon entstand 1976 in South Yorkshire unter dem Namen Son of a Bitch. Die Gründungsmitglieder waren Peter „Biff“ Byford (Gesang), Paul Quinn, Graham Oliver (beide Gitarre), Steve Dawson (Bass) und Pete Gill (Schlagzeug). Graham Oliver und Steve Dawson spielten damals in einer Gruppe namens SOB und vereinigten sich mit Coast, der Band von Paul Quinn und Biff Byford. Unter diesem Namen tourte man unter anderem mit der Ian Gillan Band. Später benannte sich die Formation von Son of a Bitch in Saxon (Englisch für „Sachse“) um und begleitete bekanntere Gruppen wie Motörhead auf deren Tourneen.

1979 unterschrieb die Band einen Vertrag bei Carrere und veröffentlichte im selben Jahr ihr Debütalbum unter dem Titel Saxon. 1980 folgten Wheels of Steel mit den Singles Wheels of Steel und 747 (Strangers in the Night) sowie das nächste Studioalbum Strong Arm of the Law mit der gleichnamigen Single.Matthias Mader: Holocaust. Falsch verbunden. In: Rock Hard, Nr. 315, August 2013, S. 61. Der Charterfolg setzte sich mit Singles vom nächsten Album Denim and Leather fort. Zu diesem Zeitpunkt stand Saxon an der Spitze der New Wave of British Heavy Metal (NWoBHM). Nach dem Album Denim and Leather verließ Schlagzeuger Pete Gill die Band und wurde durch Nigel Glockler ersetzt. Das erste Konzert in Deutschland fand am 23. August 1980 in Neunkirchen am Brand statt.

Eine lange Serie von Headliner-Touren durch Großbritannien setzte den Erfolg fort, in den US-Markt konnten sie jedoch nie vordringen. Im Vorprogramm der Band spielte unter anderem die Gruppe MetallicaWieland Harms: The Unplugged Guitar Book 2. Gerig, 1996, ISBN 3-87252-250-7, S. 98. zu Beginn ihrer Karriere. 1982 kam das Livealbum The Eagle Has Landed auf den Markt. Das 1983 veröffentlichte Album Power & the Glory nahm die Band in den USA mit Jeff Glixman, dem Produzenten von unter anderem Kansas und Gary Moore auf. Mit dem Album Crusader von 1984 versuchte die Band, ihre Musik stärker auf wirtschaftliche Interessen auszurichten. Der kommerzielle Erfolg blieb aus, ein Teil der ursprünglichen Fans ging durch diese Stiländerung verloren, und statt des erhofften Durchbruchs kam der Einbruch. Nach dem Weggang des Bassisten Steve Dawson kam Paul Johnson in die Band.

Die nächsten Alben erreichten zwar noch die britischen Albumcharts, jedoch mit zunehmend schlechterer Platzierung, Destiny (1988) war bis 2013 das letzte Album, das die Charts in der Heimat von Saxon erreichte. Auf diesem Album spielte statt Nigel Glockler der Schlagzeuger Nigel Durham. Glockler trat der Band GTR bei. Der Wechsel wurde jedoch kurze Zeit später wieder rückgängig gemacht. Bassist Paul Johnson verließ die Band und wurde durch den 22-jährigen Tim „Nibbs“ Carter ersetzt.

Daraufhin ging die Band auf Welttour, die u. a. durch Paraguay, Mexiko, Brasilien, Uruguay, Neuseeland und mit Manowar durch Deutschland führte. 1989 wurde während der Tour das Livealbum Rock ’n’ Roll Gypsies veröffentlicht, das in Ungarn aufgenommen wurde. 1990 folgte das Livealbum Greatest Hits Live, das in Nottingham mitgeschnitten wurde. 1991 und 1992 erschienen in dieser Besetzung die Alben Solid Ball of Rock und Forever Free, die nur in Deutschland Erfolg hatten.

Nach dem Album Dogs of War 1995 verließ Graham Oliver die Band, um mit Steve Dawson und Pete Gill die Band Son of a Bitch zu reformieren. Diese veröffentlichten 1996 das Debütalbum Victim You. Bei Saxon kam für Oliver Doug Scarratt. Dieser ist auf dem Album Unleash the Beast von 1997 erstmals auf einem Studioalbum zu hören. 1996 erschien bereits das Livealbum The Eagle Has Landed – Part II. 1997 und 1998 folgten die Livealben Donnington: The Live Tracks und BBC Sessions / Live at Reading Festival '86.

Während der Aufnahmen zum Album Metalhead, das 1999 herauskam, verließ Nigel Glockler erneut die Band und wurde durch den Deutschen Fritz Randow ersetzt. Dieser spielt fast die komplette Endversion des Albums. Auch das 2001 erschienene Album Killing Ground ist in dieser Besetzung aufgenommen. In dieser Zeit wollten die Ex-Mitglieder Oliver und Dawson die Namensrechte für Saxon einklagen. Byford und Quinn gewannen jedoch den Prozess. So wurde die Band Son of a Bitch, die Pete Gill inzwischen wieder verlassen hatte, in Oliver/Dawson Saxon umbenannt.

Für das Album Lionheart (2004) und die Tour wurde Jörg Michael verpflichtet, da sich Fritz Randow auf Victory konzentrieren wollte. 2005 kehrte Nigel Glockler erneut zurück. 2006 kam das Livealbum The Eagle Has Landed – Part III in die Läden. Im März 2007 erschien das Album The Inner Sanctum. Die Tour zu diesem Album wurde mit Masterplan und Hellfueled bestritten. Im selben Jahr kam die dazugehörige DVD To Hell And Back Again auf den Markt. Daraufhin veröffentlichte Biff Byford seine Biografie Saxon – Never Surrender (Or Nearly Good Looking). 2008 war die Band nach 30 Jahren erneut mit Motörhead auf Tour.

Bereits im Januar 2009 folgte mit Into The Labyrinth ein neues Album. Die Tour dazu wurde mit Iced Earth bestritten. 2011 erschien mit Heavy Metal Thunder – The Movie ein Film der Band und ein neues Album namens Call to Arms. 2012 kam das Livealbum Heavy Metal Thunder – Live – Eagles Over Wacken heraus, das aus alten Wacken-Open-Air-Konzerten zusammengestellt wurde.

2013 erschien das Album Sacrifice. Ein Jahr später folgte das Livealbum St. George’s Day Sacrifice: – Live in Manchester. Im Dezember 2014 erlitt Schlagzeuger Nigel Glockler eine Hirnblutung, woraufhin eine Großbritannien-Tour verschoben werden musste. Daraufhin musste Glockler wegen eines lebensbedrohlichen Hirn-Aneurysmas operiert werden. Nachdem eine erste Operation keinen Erfolg erzielt hatte, konnte er im Frühjahr 2015 das Krankenhaus verlassen. Als Ersatzschlagzeuger wurde Sven Dirkschneider (Sohn von Ex-Accept-Sänger Udo Dirkschneider) verpflichtet. Nach Glocklers Rückkehr veröffentlichte die Band ihr 21. Studioalbum Battering Ram.

Im Laufe der Zeit besann sich die Band zwar wieder auf ihre Wurzeln, trat jedoch nie mehr richtig aus dem Schatten anderer NWoBHM-Größen wie Iron Maiden oder Judas Priest heraus. Dennoch konnte sie eine solide Fangemeinde zurückgewinnen, sodass sie heute auf Festivals meist als einer der Hauptacts genannt wird.

Seit den Terroranschlägen von Paris am 13. November 2015 verkauft die Band ein T-Shirt zu Ehren des ehemaligen Merchandise Managers Nick Alexander, der bei dem Massaker im Bataclan-Theater ums Leben kam.Saxon – Shirt To Be Released In Memory Of Nick Alexander; Eagles of Death Metal Merchandise Manager Killed In Paris Attacks Der komplette Erlös des T-Shirts, das einen Reiter zeigt, der die Fahne Liberté, Égalité, Fraternité trägt, geht in voller Höhe an die Hinterbliebenen von Alexander.

In den folgenden Jahren veröffentlichte die Band verschiedene Livealben und 2017 das Album Classics Re-Recorded, für das Saxon die beliebtesten Songs der Band neu aufnahm. Der auf dem Album Thunderbolt von 2018 erschienene Song They Played Rock And Roll wurde dem 2015 verstorbenen Motörhead Frontsänger und Bassisten Lemmy Kilmister gewidmet. 2021 veröffentlichte Saxon das Coveralbum Inspirations.Rezension auf metal.de, Dominik Rothe, abgerufen am 8. März 2023

Das 2022 erschienene Album Carpe Diem erhielt gute Kritiken.Rezension auf Metal Hammer, Frank Thießies, abgerufen am 8. März 2023 Saxon erreichte mit diesem Album ihre beste Chartplatzierung in Deutschland, Österreich und in der Schweiz. In ihrem Heimatland erreichte die Band ihre höchste Chartplatzierung seit 1983.Saxon auf officialcharts.co.uk Zugleich startete Saxon ihre Seize the Day-Tour.

Aus dem März 2023 erschienenen Coveralbum More Inspirations wurde die Single The Faith Healer, ein Alex Harvey-Song, ausgekoppelt.Saxon Announce New Album 'More Inspirations', stereoboard.com, englisch, abgerufen am 8. März 2023 Im März 2023 kündigte Saxon an, dass Paul Quinn seine Liveaktivitäten stark einschränken werde. Ab Sommer 2023 werde ihn Brian Tatler live ersetzen. Quinn bleibt jedoch Mitglied der Band und wird auf möglichen weiteren Studioalben mitwirken.Saxon founding guitarist Paul Quinn to retire from touring, Matt Parker, englisch, abgerufen am 9. Mai 2023Saxon – Brian Tatler als Live-Gitarrist bestätigt, Alexandra Michels, abgerufen am 9. Mai 2023

Im Januar 2024 veröffentlichte die Band ihr 24. Studioalbum Hell, Fire and Damnation. Sänger Biff Byford kündigte im Mai 2026 an, dass das nächste Studioalbum am 22. Januar 2027 erscheinen soll.

Stil und Rezeptionen mini|Gitarrist Doug Scarratt, 2011 Mit ihren Frühwerken gehörte die Band „zur Speerspitze der NWoBHM, die Anfang der Achtziger die eingerostete Hardrock-Szene aufmischte“.Frank Albrecht: Seziertisch. In: Rock Hard, Nr. 309, Januar 2013, S. 74. Eduardo Rivadavia von Allmusic bezeichnete das Debüt Saxon als „Ruhe vor dem Sturm“ und „Kostümprobe“ für die späteren Erfolge; da ihre Plattenfirma Carrere nicht gewusst habe, wie sie einen Heavy-Metal-Klang auf Band festhalten könne, deute das Album Saxons wahre Persönlichkeit, Stärke und ihr kompositorisches Potential mit Liedern wie Judgement Day, Militia Guard und Stallions of the Highway, der ersten ihrer zahlreichen Rocker-Hymnen, nur an. Die Eröffnung des Albums mit dem progressive-rock-lastigen Rainbow Theme / Frozen Rainbow und die glam-rock-lastigen, an T. Rex erinnernden Stücke Big Teaser und Still Fit to Boogie lassen laut Rivadavia an der musikalischen Ausrichtung zweifeln.Eduardo Rivadavia: Saxon - Saxon, abgerufen am 18. August 2013. Er bezeichnete das Debüt als enttäuschend.Eduardo Rivadavia: Wheels of Steel – Saxon, abgerufen am 18. August 2013.

Fenriz von der norwegischen Band Darkthrone hingegen erklärte im Magazin Rock Hard: „Wenn ich mir was wünschen könnte, würden Darkthrone wie die coolen Saxon-Songs vom ersten Album klingen – aber das ist ja unmöglich. Fuck!“Frank Albrecht: Darkthrone. Das Wort zum Sonntag. In: Rock Hard, Nr. 310, März 2013, S. 56. Biff Byford geht davon aus, dass „einige unserer besten Texte auf unserem ersten Album sind, weil ich früher noch die meisten Texte selbst geschrieben habe. Dann entschieden wir uns dazu, bei einigen Songs eine demokratischere Arbeitsweise einzuführen“.Pete Makowski: In His Own Words. In: Metal Hammer/Crash, Nr. 5, Mai 1988, S. 30. Byfords Interesse für den Krieg entsprechend, hat die Band ihm zufolge „immer gute Songs über den Krieg geschrieben“.

Frank Albrecht vom Rock Hard bezeichnet einen Teil des Materials auf Wheels of Steel als „echt brutal […]. ‚Freeway Mad‘, ‚Street Fighting Gang‘ oder das alles zermalmende ‚Machine Gun‘ mit seinem Dauer-Doublebass-Sperrfeuer waren im Prinzip nichts anderes als roher Speed Metal. Den Gegenpol dazu bildeten einfühlsame, melodiöse Hymnen wie ‚Suzie Hold On‘ und ‚747 (Strangers In The Night)‘.“ Letzteres handelt von einer Notlandung. Rivadavia bezeichnete Motorcycle Man als eine der Signaturhymnen der New Wave of British Heavy Metal und als Proto-Speed-Metal-Klassiker, der ebenso wie Freeway Mad und das Titellied erneut Rocker-Themen behandelt. Quorthon von der schwedischen Band Bathory gab an, die Grundlage des Lieds Woman of Dark Desires vom Album Under the Sign of the Black Mark aus Saxons Machine Gun gestohlen zu haben. Er bezeichnete die Alben Wheels of Steel und Strong Arm of the Law als stark unterbewertet.Bathory - Under the sin, abgerufen am 18. August 2013.