mini|Blick auf die Heidelberger Altstadt mit dem Marstall und dem Neuen Kollegiengebäude mit seiner markanten Kupfer-Bronze-Fassade und dem Flachdach. Das Institut für Klassische Archäologie und Byzantinische Archäologie der Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg (bis 2004 Archäologisches Institut, 2004–2005 Seminar für Klassische Archäologie, 2005–2019 Institut für Klassische Archäologie) ist ein Universitätsinstitut für Klassische und Byzantinische Archäologie. Nachdem Archäologie bereits ab 1804, zunächst noch dem Fachbereich Klassische Philologie zugeordnet, in Heidelberg gelehrt wurde, erfolgte die Gründung des Institutes im Jahr 1866. Von zahlreichen namhaften Forschern geleitet, hat es seitdem verschiedene Schwerpunkte in Forschung und Lehre herausgebildet und widmet sich in einem weit gefassten Verständnis des Faches Klassische Archäologie beispielsweise auch der Erforschung der ägäischen Bronzezeit und der provinzialrömischen Archäologie. Es ist Sitz des Corpus der minoischen und mykenischen Siegel und betreibt das Antikenmuseum der Universität Heidelberg. Derzeit sind etwa 300 Studierende eingeschrieben. Das Institut ist im Kollegiengebäude am Marstall in der Heidelberger Altstadt untergebracht.
Geschichte Anfänge der Archäologie in Heidelberg mini|Georg Friedrich Creuzer, Lithografie von Joseph Nicolaus Peroux nach einem Gemälde von Jakob Roux. Die Klassische Archäologie an der Universität Heidelberg geht auf den Altphilologen Friedrich CreuzerZum folgenden Absatz siehe Andreas Hensen: Creuzer als Wegbereiter der archäologischen Forschung. In: Frank Engehausen, Armin Schlechter, Jürgen Paul Schwindt (Hrsg.): Friedrich Creuzer 1771–1858. Philologie und Mythologie im Zeitalter der Romantik. Begleitband zur Ausstellung in der Universitätsbibliothek Heidelberg 12. Februar–8. Mai 2008 (= Archiv und Museum der Universität Heidelberg. Schriften. Band 12). Verlag regionalkultur, Heidelberg u. a. 2008, ISBN 978-3-89735-530-9, S. 99–111. zurück, der 1804 an die Hochschule berufen wurde und dessen besonderes Forschungsinteresse der griechischen Mythologie galt. Davon ausgehend, beschäftigte er sich aber auch mit anderen Disziplinen der Klassischen Altertumswissenschaft. So hielt er während seiner gesamten Heidelberger Zeit archäologische Vorlesungen ab, ab 1807 in dem von ihm mitbegründeten „Philologisch-Pädagogischen Seminarium“, nach dessen Aufspaltung 1818 in dem daraus hervorgegangenen Philologischen Seminar. Ab 1810 bot er im zweijährigen Rhythmus systematische Veranstaltungen über Archäologie an, die zu dieser Zeit im Wesentlichen aus der kunstwissenschaftlichen Analyse der griechischen Kunst bestand. Obwohl er die Stadt Heidelberg äußerst selten verließ, nahm er durch seine Korrespondenz und Veröffentlichungen auch erheblichen Anteil an der internationalen Entwicklung der Archäologie. Daneben beschäftigte sich Creuzer auch mit der lokalen Frühgeschichte, so verfasste er 1833 ein Werk mit dem Titel „Zur Geschichte alt-römischer Cultur am Ober-Rhein und Neckar“ und beschrieb fünf Jahre später in einer Publikation ausführlich ein neu ausgegrabenes Mithräum aus dem römischen Heidelberg.Friedrich Creuzer: Zur Geschichte alt-römischer Cultur am Ober-Rhein und Neckar. Carl Wilhelm Leske, Leipzig/Darmstadt 1833 (Digitalisat); Friedrich Creuzer: Das Mithrēum von Neuenheim bei Heidelberg. C. F. Winter, Heidelberg 1838 (Digitalisat). Seine private Lehrsammlung aus Münzen und Gipsabgüssen wurde 1834 durch Stiftungen bedeutend erweitert und bildete als „Antiquarium Creuzerianum“ den Grundstock der späteren Antikensammlung des Instituts.
Auch der Nachfolger Creuzers, Karl Zell, war ursprünglich Philologe, wurde bei seiner Berufung im Jahr 1846 aber gezielt für eine „Professur für Archäologie“ nach Heidelberg geholt. Er machte sich mehr als Bildungspolitiker denn als Archäologe einen Namen und gehörte 1848 bis 1853 der Zweiten Kammer in der Badischen Ständeversammlung an. Am 18. Februar 1848 stellte ihm die badische Regierung erstmals Mittel für die Beschaffung von Lehrmitteln zur Verfügung.Reinhard Herbig: Vorwort. In: Derselbe (Hrsg.): Ganymed. Heidelberger Beiträge zur antiken Kunstgeschichte. F. H. Kerle, Heidelberg 1949, ohne Seitenzahl. Ebenfalls 1848 erreichte er, dass die Universitätsbibliothek Räumlichkeiten zur Verfügung stellte, die sowohl für die archäologische Sammlung als auch für seine Vorlesungen genutzt werden konnten. Nach Zells Emeritierung 1855 wurde Karl Bernhard Stark dessen Nachfolger. Lange Zeit erfolglos beantragte dieser immer wieder die feste und regelmäßige Gewährung finanzieller Mittel für die Archäologie, bis sie ihm 1862 zugestanden wurde.Gina Frenz: Immer knapp bei Kasse ... ?! Die Finanzen des Instituts für Klassische Archäologie von gestern bis heute. In: Nicolas Zenzen (Hrsg.): Objekte erzählen Geschichte(n). 150 Jahre Institut für Klassische Archäologie. Institut für Klassische Archäologie, Heidelberg 2016, ISBN 978-3-00-054315-9, S. 65–76, hier S. 67 f. Vier Jahre später wurde schließlich auch die Gründung eines eigenständigen archäologischen Institutes möglich.
Gründung des Instituts und Entwicklung bis zum Ersten Weltkrieg
Die Einrichtung des neuen Instituts war eine eher formale Angelegenheit, die ohne große Feierlichkeiten vollzogen wurde. Im Jahr zuvor hatte eine Reform des Philologischen Seminars stattgefunden, seit der die Archäologie dort keine Rolle mehr spielte und so auch weniger Förderung erfuhr. Ihre institutionelle Emanzipation hatte also eher finanzielle als lehrpraktische oder wissenschaftliche Gründe.Nicolas Zenzen: Das Archäologische Institut im Rahmen der Universitätsgeschichte. In: Ders. (Hrsg.): Objekte erzählen Geschichte(n). 150 Jahre Institut für Klassische Archäologie. Institut für Klassische Archäologie, Heidelberg 2016, ISBN 978-3-00-054315-9, S. 17–32, hier S. 18–21. Bereits 1868 waren aber sowohl der Fachbereich Archäologie als auch die Bestände der Universitätsbibliothek derart angewachsen, dass das neugegründete Institut seine beiden bisherigen Räume verlassen musste und stattdessen das Gebäude Augustinergasse 7 aufkaufte. Nun wurde auch ein „Institutsdiener“ eingestellt, nachdem die Archäologie in Heidelberg vorher ausschließlich aus dem jeweiligen Professor bestanden hatte.
Stark war der letzte Lehrstuhlinhaber, der intensiv über die heutigen Fachgrenzen hinaus tätig war und sich neben römischen Fundstätten der Kurpfalz beispielsweise auch der Alten Geschichte sowie der Kunstgeschichte im Allgemeinen widmete und Prüfungen in Klassischer Philologie abnahm. Sein Nachfolger Friedrich von Duhn, der vier Jahrzehnte lang 1880 bis 1919 als Professor in Heidelberg tätig war, hatte dagegen keine institutionelle Verbindung zu den Nachbarfächern mehr. Für diese wurden eigene Lehrstühle und später eigene Institute eingerichtet (Alte Geschichte 1887 bzw. 1928, Neuere Kunstgeschichte 1893 bzw. 1911).
mini|Die Namenvase des Heidelberger Malers wurde durch den Heidelberger Alumnus Robert Zahn für das Institut erworben. Von ihr leitet sich der Notname des Künstlers („Heidelberg-Maler“) her
Von Duhn leitete ebenso wenig wie sein Vorgänger große Ausgrabungsprojekte, wie sie zu dieser Zeit vielfach unternommen wurden. Dennoch unternahm er weite Reisen durch den Mittelmeerraum, besuchte Ausgrabungen anderer Forscher und beschäftigte sich mit deren Ergebnissen. So war er 1890 Teilnehmer der zweiten Troja-Konferenz, auf der Heinrich Schliemann seine Erfolge bei der Auffindung Trojas der Fachwelt präsentierte, und unterstützte dessen Lokalisierung der antiken Stadt im heutigen Hisarlık. Gleichzeitig baute er – auch unter rücksichtsloser Überschreitung seines (immer wieder erhöhten) Budgets – die Sammlung des Instituts massiv aus, um mit der Entwicklung des Faches Schritt zu halten. Daher erwarb das Institut 1881/1882 die Nachbarhäuser Schulgasse 2/4 und errichtete 1885 anlässlich des fünfhundertjährigen Universitätsjubiläums einen Oberlichtsaal im Innenhof des Gebäudekomplexes für Gipsabgüsse des Parthenonfrieses. Darüber hinaus unternahm von Duhn mit seinen Studenten Exkursionen in andere Sammlungen in Deutschland und führte Zeichen- wie Fotografierkurse ein, um auch technische Kenntnisse als Grundlage für die archäologische Arbeit zu vermitteln. 1903 wurden im sogenannten Museumsgebäude (das nun „Neues Kollegienhaus“ genannt wurde und an der Stelle der heutigen Neuen Universität am Universitätsplatz lag) Räumlichkeiten für das Archäologische Institut frei, sodass der Lehrstuhl dorthin umzog und die bisherigen drei Gebäude in der Augustiner- und Schulgasse komplett für die Sammlung genutzt werden konnten. Friedrich von Duhn erwarb sich durch seine Tätigkeit in Heidelberg einen internationalen guten Ruf und baute ein großes Netzwerk aus ehemaligen Studenten und anderen Fachkollegen auf, wodurch auch das Ansehen des Instituts entscheidend gesteigert wurde.
Das Institut in der Zeit der Weltkriege mini|Friedrich von Duhn im hohen Alter, Gemälde von Ludwig Würzele aus dem Jahr 1926. Die personellen Verluste des Archäologischen Instituts im Ersten Weltkrieg sind nicht genau zu ermitteln; unter anderem kamen drei Assistenten und der Institutsdiener zu Tode. Die Lehre wurde während dieser Zeit aber fortgeführt, wobei durch die allgemeine Mobilmachung der Frauenanteil unter den Studierenden stark anstieg (nachdem er sich nach Zulassung des Frauenstudiums im Jahr 1900 hatte zunächst nur langsam erhöht hatte). Als Friedrich von Duhn 1920 emeritiert wurde, war das Institut renommiert und gut ausgestattet, auch wenn der Krieg die deutsche Forschung international isoliert hatte. Für die Nachfolge auf dem Lehrstuhl wurde zunächst Robert Zahn, nach dessen Ablehnung dann der angesehene Archäologe Ludwig Curtius ausgewählt, der bis zu seiner Berufung zum Direktor der Abteilung Rom des Deutschen Archäologischen Instituts 1928 in Heidelberg tätig war. Da die Antikensammlung mittlerweile nicht mehr in der Lage war, einen repräsentativen und zeitgemäßen Querschnitt der gesamten Archäologie wiederzugeben, konzentrierte er sich verstärkt auf den Aufbau der Institutsbibliothek sowie der Photothek und Diasammlung. Daneben machte er sich als Verfasser populärwissenschaftlicher Bücher einen Namen, die über Jahrzehnte hinweg einen breiten Leserkreis erreichten.