Die RED Digital Cinema Camera Company (kurz RED) ist ein US-amerikanischer Hersteller von digitalen Kinokameras. Weiterhin produzieren sie Zubehör für die digitale Kinoproduktion, beispielsweise Bildschirme, Akkus, Ladegeräte, Grip/Stativsysteme, Speicherlösungen sowie Software zur Bildverarbeitung. Gegründet wurde die Firma Ende 2005 von Jim Jannard, dem ehemaligen Inhaber und Gründer von Oakley Inc. Im Jahr 2024 übernahm Nikon RED.

Digitale Kinokamera „RED One“ (2007 bis 2010) 1. Generation RED One (Mysterium Sensor) Die RED One ist REDs erste digitale Kinokamera. Die Kamera wurde ab Ende August 2007 ausgeliefert. Die ersten hundert Kameras hatten noch Fertigungsmängel. RED rief die bis November 2007 gebauten Kameras zurück und tauschte sie aus. Sie war erhältlich mit Arri PL-, Nikon- und Canon-Objektivanschluss.

mini|Red-One-Kamera Rückblickend gilt die RED One als Meilenstein, der den Wandel vom analogen zum digitalen Kino maßgeblich vorangetrieben hat. Sie war die erste weit verbreitete digitale Kinokamera, die auf 4K-Auflösung mit einem Super-35-Sensor setzte. Mitbewerber wie ARRI oder Sony setzten damals noch auf 2K oder HD-Auflösung, teilweise auch mit kleineren Sensorgrößen, die nicht die gleiche Schärfentiefe hatten wie klassischer 35mm-Film. Die RED One ist auch die erste Kinokamera, die RAW-komprimiert aufzeichnen konnte. RED entwickelte dafür das Redcode-RAW-Format, das bis heute im Markt einzigartig ist, weil es die Vorteile von RAW-Aufzeichnung beibehält und dabei trotz Datenkomprimierung visuell verlustfrei ist. Die RED One nimmt in 12-Bit RAW auf, während alle nachfolgenden RED Kameras in 16-Bit RAW aufnehmen. Das ermöglicht mehr Flexibilität in der Nachbearbeitung der Videos bei den neueren Kameras.

Die RED One ist durch den damaligen 4K-Bildsensor „Mysterium“ limitiert. So störten sich die meisten Filmemacher am begrenzten Kontrastumfang, der deutlich schlechter war als bei analogem 35mm-Film. Auch mit der Farbwiedergabe, zum Beispiel bei Hauttönen, sind viele Kunden unzufrieden.

Bei üblichen Raumtemperaturen wird die Kamera während des Betriebs sehr warm. Die ganze Kamera wird von einem im Vergleich zur Größe der Kamera winzigen Lüfter gekühlt. Ein Großteil der Wärme wird auch über das Gehäuse abgegeben, welches aus einer Aluminiumlegierung besteht. In der Bedienungsanleitung ist angegeben, dass bei einer Temperatur von über 32 °C weitere Kühlmaßnahmen, wie z. B. die Nutzung von gekühlten Kalt-Warm-Kompressen, nötig sein könnten. Weiterhin stören sich viele Kunden daran, dass die Kamera etwa 90 Sekunden zum Booten braucht.

2. Generation RED ONE (Mysterium-X-Sensor) Später entwickelte RED einen neuen Bildsensor mit dem Namen „Mysterium-X“. Kunden konnten ab 2009 ihre alten RED-One-Kameras einschicken und durch ein Hardware-Upgrade gegen Kosten den Sensor austauschen lassen. Auch alle neu verkauften Red-One-Kameras wurden ab 2009 nur noch mit dem neuen Mysterium-X-Sensor ausgeliefert. In Internetforen wird der Name dieser Kamera oft mit RED One MX oder R1MX abgekürzt.

Die Verbesserungen des Mysterium-X-Sensor gegenüber dem Mysterium waren: höhere Auflösung: 4,5K statt 4K größerer Kontrastumfang bessere Farbwiedergabe geringeres Bildrauschen

Nachdem RED im Jahr 2010 das Nachfolgemodell „RED Epic“ auf den Markt erschienen war, wurde der Verkauf der RED One Mysterium-X kurz darauf eingestellt. Bei einem kostenpflichtigen Austauschprogramm konnten Kunden ihre alte Kamera einschicken und gegen das neue Modell tauschen.

Kameraobjektive Mit dem Erscheinen der RED One Kamera wurden passende Objektive für den PL-Mount der Kamera angeboten. Die Objektive waren für Bildsensoren im Super-35-Format ausgelegt. Seit 2013 produziert RED keine Objektive mehr. RED hatte dem Hersteller der Objektive damals genaue Vorgaben gemacht, wie die Objektive und das von ihnen produzierte Bild aussehen sollen. Viele Filmemacher hatten Probleme mit dem hohen Gewicht der Objektive.

Festbrennweiten RED PRO Prime 18 mm T1.8 RED PRO Prime 25 mm T1.8 RED PRO Prime 35 mm T1.8 RED PRO Prime 50 mm T1.8 RED PRO Prime 85 mm T1.8 RED Prime 300 mm f2.8 (Produktion frühzeitig eingestellt) RED PRO Prime 300 mm T2.9 Weitere Objektive wie ein RED Mini Prime 6 mm T1.5 und RED Mini Prime 50 mm T2.9 für 2/3-Zoll-Bildsensoren waren in Planung, wurden jedoch nie verkauft.

Zoomobjektive RED Zoom 18–50 mm T3 RED Zoom 50–150 mm T3 RED PRO Zoom 17–50 mm T2.9 RED PRO Zoom 18–85 mm T2.9

Produktlinie „Red Epic / DSMC“ (2010 bis 2015) mini|Red-Epic-Kamera RED brachte 2011 das Kamerasystem „DSMC“ mit der Kamera „RED Epic“ auf den Markt, wobei Prototypen der Kamera bereits im Jahr 2010 auf Filmsets getestet wurden. Es gelang ihnen, den Mysterium-X-Bildsensor und die Technik der Red One MX in ein deutlich kleineres und leichteres, modular aufgebautes Kameragehäuse zu integrieren. Die RED Epic war in den Modellen Epic-X und Epic-M erhältlich. Das „M“-Modell wird z. T. manuell gefertigt. Für den semiprofessionellen Bereich wurde das Modell Scarlet-X produziert, welches sich lediglich in der maximalen Bildrate und den auswählbaren Kompressionsraten unterscheidet. Weitere geplante Modelle der Scarlet-X mit einem 2/3-Zoll-Bildsensor in 3K-Auflösung, darunter eine Version mit einem festverbauten 8-fachen Zoomobjektiv, erschienen jedoch nicht auf dem Markt.

Durch die gesteigerte Rechenleistung gegenüber der Red-One-Kameraplattform wurden Verbesserungen der Bildqualität gegenüber der Red One MX möglich: höhere Auflösung: 5K statt 4,5K (erstmals volle Sensorfläche des MX-Sensors auslesbar) höhere Bildfrequenzen (für Zeitlupen) geringere Kompression (durch schnellere Datenverarbeitung)

Die kompakte Größe der Red Epic führte dazu, dass sie schnell weltweit die bevorzugte Kamera für native 3D-Spiegelrigs wurde. Dies verhalf RED zum endgültigen Durchbruch bei Hollywood-Großproduktionen, wie z. B. beim Dreh von Der Hobbit, in dem 48 Red-Epic-Kameras eingesetzt wurden.

Ab 2013 wurde der Dragon-Sensor in alle neuen Red-Epic-Kameras verbaut und der Verkauf von Kameras mit Mysterium-X-Sensor wurde komplett eingestellt. Wie schon bei den vorherigen Kameras konnte man den Sensor seiner Red Scarlet/Epic in einem Upgrade-Programm austauschen lassen.mini|Red-Raven-Kamera

Der neue Dragon-Sensor brachte folgende Verbesserungen gegenüber dem Mysterium-X mit sich: höhere Auflösung: 6K statt 5K höherer Dynamikumfang präzisere Farbwiedergabe austauschbare OLPFs vor dem Sensor um den Bildeindruck zu verändern (Skintone-Highlight/Lowlight/Underwater/IR Pass)

Mit den zur damaligen Zeit immer populärer werdenden Streaminganbietern wie Netflix, die natives 4K-Material für ihre Eigenproduktionen fordern, konnte sich die Red Epic Dragon für anspruchsvolle High-End-TV-Serien etablieren. Zu den namhaften TV-Serien, die auf der Kamera gedreht wurden, gehören Better Call Saul (Staffel 1), Stranger Things (Staffel 1), House of Cards (ab Staffel 2), Narcos (Staffel 1–3), Mr. Robot (Staffel 1), The Man in the High Castle (Staffel 1). In der Liste von Kameras die für Netflix-Produktionen zugelassen sind, hat Red bis heute die relative Mehrheit.

Sowohl die Red Epic MX als auch die Red Epic Dragon waren auch in einer „Monochrome“-Version für Schwarz-Weiß-Aufnahmen erhältlich.

Nachdem RED im Jahr 2015 die neue RED-DSMC-2-Kameraplattform auf den Markt gebracht hatte, wurde der Verkauf aller Red Epic Modelle eingestellt.

Produktlinie „Red Weapon / DSMC2“ (2015 bis 2022) mini|250px|ISS-56 – Ricky Arnold filmt auf der Internationale Raumstation (ISS) mit einer Helium 8K Kamera.Im Jahr 2015 brachte RED eine neue Kameraplattform heraus. Die erste Kamera dieser Serie war die „Red Weapon“, auch Epic-W genannt. Die Kamera nutzt denselben Sensor wie die „Red Epic Dragon“, jedoch in einem kleineren Gehäuse. Für den semiprofessionellen Bereich wurden die Modelle Scarlet-W und Raven produziert. Später wurde die Produktlinie in „DSMC2“ umbenannt. Ein Grund dafür ist, dass der Name „Red Weapon“ bei Sicherheitskontrollen und an Flughäfen regelmäßig Probleme verursacht hat.

Erstmals wurden Kontaktpins an der Kamera verbaut, an dem verschiedene Monitore des Herstellers direkt angeschlossen werden konnten. Bei vorherigen Modellen musste der Monitor per Kabel verbunden werden. Im Jahr 2017 folgte RED dem vom Mitbewerber ARRI losgetretenen Trend zu Großformatsensoren. Die Produktlinie bietet verschiedene Bildsensoren, die alle ein visuell leicht unterschiedliches Bild erzeugen. Alle Versionen mit Ausnahme der Red-Weapon-Kamera wurden bis zum 31. Dezember 2022 zum Verkauf angeboten.

Neben den modularen DSMC-2-Kameras wurden auch RED-RANGER-Kameras produziert, die speziell für den Einsatz auf Spielfilmsets optimiert sind. Diese Kameras sind größer und haben ein höheres Gewicht. Im Gegensatz zu den DSMC-2-Kameras werden die RED-RANGER-Kameras von RED nicht zum Verkauf an Privatpersonen angeboten. Nur größere professionelle Kameraverleihfirmen der Filmbranche konnten die Kameras erwerben. +BildsensorenNameSensorgrößemaximale AuflösungDynamikumfangErscheinungsdatumDragonSuper 35 (Cropfaktor 1,25)6144 × 3160 Pixel16,5 Blendenstufen2015HeliumSuper 35 (Cropfaktor 1,25)8192 × 4320 Pixel16,5 Blendenstufen2016MonstroVistaVision (Cropfaktor 0,93)8192 × 4320 Pixel17 Blendenstufen2017GeminiSuper 35 (Cropfaktor 1,22)5120 × 3000 Pixel16,5 Blendenstufen2018Dragon-XSuper 35 (Cropfaktor 1,5)5120 × 2700 Pixel16,5 Blendenstufen2019 Später wurde der Dragon-X-Sensor auch in einer 6K-Variante durch ein Upgrade-Programm angeboten.

Der Regisseur David Fincher hatte sich von RED spezielle "Xenomorph"-Kameras anfertigen lassen, die nicht zum Verkauf standen.

Weiterhin wird die Panavision-Millennium-DXL2-Kamera produziert. Die Kamera ist eine Kooperation von Panavision und RED. RED verbaut hier den gleichen Monstro-Sensor wie in der Red-Weapon-Monstro. In der DXL2 kommt allerdings ein anderer Tiefpassfilter vor dem Sensor sowie ein anderes Farbwiedergabesystem zum Einsatz. Die Kamera wird nicht zum Verkauf angeboten, sondern lässt sich ausschließlich über Panavisions Vertragspartner mieten. Manche Kameraleute und Kamera-Crews an Spielfilmsets bevorzugen diesen Formfaktor gegenüber dem kleinen modularen Weapon-DSMC2-Gehäuse.

Produktlinie „DSMC3“ (2020 bis heute) Im Jahr 2020 brachte RED die Komodo auf den Markt. Die Kamera ist viel kleiner und günstiger als alle vorherigen Kameras von RED und war als Crashcam für Hollywood-Produktionen gedacht. Es stellte sich jedoch heraus, dass dieses Modell von vielen freien Filmschaffenden als Hauptkamera verwendet wurde. Das geringe Gewicht erleichtert die Bedienung und die Auflösung ist für die allermeisten Produktionen komplett ausreichend. Es gibt jedoch einige Berichte von Nutzern, dass der SDI-Anschluss bei der Kamera unter bestimmten Umständen zerstört wird. Aus diesem Grund und aufgrund von Feedback des Kameranutzer erschien im 2023 das Modell Komodo-X. Bei der Red V-Raptor 8K VV-Kamera werden zwei kleinere Bildsensoren verwendet, die vertikal nebeneinander angeordnet sind. Bei der V-Raptor [X] XL-Kamera sind die Stromausgänge der Kamera nur eingeschränkt nutzbar, wenn kein originaler RED-Akku verwendet wird. +BildsensorenNameSensorgrößemaximale AuflösungDynamikumfangShutterErscheinungsdatumKomodoSuper 35 (Cropfaktor 1,42)6144 × 3240 Pixel16 BlendenstufenGlobal Shutter2020V-Raptor 8K VVVistaVision (Cropfaktor 0,93)8192 × 4320 Pixel16,5 BlendenstufenRolling Shutter2021V-Raptor 8K S35Super 35 (Cropfaktor 1,46)8192 × 4320 Pixel16,5 BlendenstufenRolling Shutter2023Komodo-XSuper 35 (Cropfaktor 1,42)6144 × 3240 Pixel16,5 BlendenstufenGlobal Shutter2023V-Raptor [X]VistaVision (Cropfaktor 0,93)8192 × 4320 Pixel16,5 BlendenstufenGlobal Shutter2024V-Raptor XEVistaVision (Cropfaktor 0,93)8192 × 4320 Pixel16,5 BlendenstufenGlobal Shutter2025