mini|Die reich geschmückte Fassade mini|Südliche Seite mini|Nördliches Querhaus Notre-Dame („Unsere Liebe Frau von Guebwiller“) ist eine römisch-katholische Kirche in der elsässischen Gemeinde Guebwiller. Sie steht als Monument historique unter Denkmalschutz.
Geschichte Fürstabt Kasimir Friedrich von Rathsamhausen veranlasste 1759 die Verlegung des Stiftsitzes der Fürstabtei Murbach nach Guebwiller und wandelte das Kloster in ein adliges Kollegiatstift um. Noch bevor der Papst die Genehmigung zur Translation erteilte, befassten sich die Kapitulare mit dem Bau des Klosters und einer Kirche. 1758 wurde der Ingenieur Querret damit beauftragt, einen Lageplan zu entwerfen. Dabei entstand auch ein erster Grundriss der Kirche auf der Ostseite des Klosterareals. Angedacht war ein nach Süden ausgerichtetes Langhaus mit kurzem Querschiff und Chor mit dreiseitigem Abschluss.Davatz (1974) Doch schon im folgenden Jahr wurde der Ingenieur ausbezahlt und der Architekt Louis Beuque aus Besançon mit ersten Entwürfen beauftragt. 1760 legte Beuque erste Grundrisse vor. Doch die waren dem Kapitular zu „wenig modern“ und Beuque musste neue anfertigen.
Die 1761 gefertigten Pläne fanden die Zustimmung des Kapitulars und man beauftragte die erste Brechung von Steinen in den nahen Gruben von Bergholtz. Gleichzeitig erhielt die Abtei eine Parzelle von der Gemeinde Guebwiller. Da Beuque anfangs noch in Besançon lebte, setzte er eine Bauleitung ein, war jedoch anscheinend unzufrieden und übernahm diese 1763 selbst. Bis 1764 gingen die Bauarbeiten gut voran und die Mauern erreichten bereits mehr als neun Meter Höhe. Im gleichen Jahr erreichte die Bauherren die Erlaubnis zur Umwandlung der Abtei in ein Stift und der Bau der Stiftsherrenhäuser begann.
1765 scheinen erste Konflikte zwischen den Kanonikern und dem Architekten aufgekommen zu sein. Man beschwerte sich beim Architekten des Bischofs von Basel, doch ohne großen Erfolg, Beuque durfte weiterbauen. Die Bauleitung wurde ihm jedoch 1768 wegen schwerwiegender Mängel in der Ausführung der Kanonikerhäuser doch entzogen und an Gabriel Ignaz Ritter übertragen. Die Liste der Mängel war lang: schlechte Arbeitsbedingungen im Steinbruch, zu kleine Weinkeller und eine ungenügende Bauausführung mit mehrmaligen Nachbesserungen. Auslöser der Beschwerden war wohl Ritter, der damit die Stellung von Beuque übernehmen wollte. Die Stiftsherren entschieden gegen den Rat des Fürstabtes, Beuque Bauleiter abzusetzen und Ritter die Bauführung der übergeben. Beuque protestierte, wurde jedoch abgewiesen.
1768 musste der Weiterbau der Kirche ruhen, da kein Geld mehr in den Kassen der Abtei war. Gleichzeitig wurde der Kirchenbau von zwei Baumeistern aus Straßburg inspiziert, die auch hier Mängel erkannten. So sollen die Steine im Inneren falsch zugehauen worden sein. Man empfahl, Beuque auch als Architekt zu entlassen. Das Kapitel entließ daraufhin Beuque als Architekt und verklagte ihn vor dem königlichen Gericht in Colmar. Experten stellten fest, dass insbesondere die Ausführung der Kanonikerhäuser weit weniger dramatisch war, als vom Kapitel geschildert. Nur im Innenausbau müsse nachgebessert werden. Das Gericht verurteile Beuque daraufhin zur Reparatur auf eigenen Kosten. Außerdem musste Beuque die Pläne herausgeben, was dieser verweigert hatte, weil er dafür eine Entlohnung wollte. Beuque wollte nicht kampflos aufgeben und wandte sich an die Akademie in Paris. Doch er verlor. Die Akademie bemängelte die Bauausführung ebenfalls, machte Vorgaben zum Weiterbau und monierte die viel zu niedrig kalkulierten Kosten des Baus. Beuque hatte 24.000 Livres veranschlagt, inzwischen waren mehr als 32.800 Livres nötig geworden. Ritter übernahm auch das Amt des Architekten und nahm insbesondere an den noch fertigzustellenden Obergeschossen mehrere Änderungen im Stil der Vorarlberger Schule vor, welche die Fassade maßgeblich veränderten.
1770 konnte der Bau der Kirche endlich fortgesetzt werden. 1773 wurde der Dachstuhl errichtet und eingedeckt. 1775 wurde das 1766 angefangene Kanonikerhaus fertig, ein drittes wurde errichtet. 1777 ruhten die Arbeiten erneut. Im folgenden Jahr wurde vor allem an der Schaufassade des Langhauses gearbeitet und die Türme weitergebaut. Im Jahr 1779 begann man mit dem Innenausbau und errichtete die Gewölbe. Es folgten erster Schmuck und die Fenster wurden im unteren Bereich eingesetzt. Bis 1785 wurde die Kirche endgültig fertiggestellt. Die Türme blieben unvollendet auf dem Niveau des Hauptportals, da keine gesicherte Finanzierung mehr zustande kam.
Am 27. Juli 1789 stürmten im Zuge der Französischen Revolution Arbeiter und Bauern das Kloster und zerstörten die Einrichtung der Kanonikerhäuser. Die Bewohner waren zuvor geflüchtet. Die Kirche wurde weitgehend verschont. Zwei Putten mit den fürstäbtlichen Insignien über dem Hauptportal wurden abgeschlagen, die Statuen der beiden Patrone zerstört und einige Kreuze abgehängt. Mit der Aufhebung des Stiftes ging die Kirche in den Besitz der Stadt Guebwiller über. 1792 wandelte die Stadt Guebwiller die Kirche St-Léger (St. Leodegar) zur Hilfskirche um und machte Notre-Dame zur Pfarrkirche. Im folgenden Jahr wurde die Kirche im Zuge der Französischen Revolution geplündert und zu einem Tempel der Vernunft umgewandelt. Nach einem Erlass der Verwaltung des Oberelsasses wurde die Kirche 1798 geschlossen. Zeitweise diente sie in der Folge als Militärhospital.
Erst 1803 beschäftigte sich der Stadtrat wieder mit Notre-Dame. Man plante den Bau eines Pfarrhauses und wollte die Kirche wieder für Gottesdienste herrichten. Die Reparaturarbeiten übernahm Ritter selbst. Außerdem wurden aus St-Léger die Kanzel, zwei Seitenaltäre und Kirchengestühl in die Liebfrauenkirche gebracht. Das restliche Mobiliar von St. Leodegar verkaufte man, um die Reparaturarbeiten von Notre-Dame zu bezahlen und das Geläut beider Kirchen instand zu setzen. Doch die Reparaturarbeiten reichten nicht aus. Wasser drang durch die Fugen der vorspringenden Gebäudeteile. Erst 1838 konnten alle Arbeiten abgeschlossen werden.
Immer wieder war im Schriftverkehr zur Kirche zwischen Stadt und Département auf die hohe künstlerische Qualität der Kirche hingewiesen worden. So wurde wohl auch wieder gegenwärtig, dass die Kirche unvollendet war. 1842 bildete sich eine Kommission, die sich für den Fertigbau der Türme einsetzen sollte. Den Vorsitz übernahm der Bischof von Straßburg Andreas Räß. Man schrieb einen Architektenwettbewerb aus, an dem die Architekten Frédéric aus Straßburg, Caillot aus Colmar, Ritter und ein Unbekannter (vermutlich Charles Ligibles) teilnahmen. teilnahmen. Den Zuschlag erhielt Caillot, doch der Conseil général des Bâtiments civils in Paris erlaubte vorerst nur die Fertigstellung eines Turmes. Der zweite sollte erst gebaut werden, wenn die Gemeinde das erforderliche Geld zusammen haben würde. Die Bauarbeiten wurden ausgeschrieben und an den jungen Guebwillerer Ingenieur Jacques Grün vergeben. Eigens für den Bau des Turmes ersann Grün ein Flaschenzugsystem, mit dem man die Steine vom Boden über eine schiefe Ebene zur Mitte des Turmunterbaus ziehen konnte und dann mit einem Kran senkrecht aufwärts zog. 1845 wurde der Nordturm vollendet. Der südliche Turm wurde hingegen nicht mehr gebaut, da die Stadt die Bausumme nicht auftreiben konnte.
Architektur mini|Vierungskuppel und Querhausdecken mini|Blick durch das Mittelschiff zum Chor mini|Blick in einen Querhausarm Notre-Dame wurde als Basilika über dem Grundriss eines lateinischen Kreuzes errichtet. Die Kirche wurde mit Quadern aus rotem Vogesensandstein erbaut. Wände, Säulen, Pfeiler, Gebälk und Backsteingewölbe sind mit einer Kalksteinmilch in ähnlichem Sandsteinrot gestrichen, sodass die Kirche in einem homogenen Farbton erstrahlt. Insgesamt 42 Fenster erhellen das Innere. Ein halbkreisförmig schließendes Querhaus trennt das dreischiffige Langhaus und den ebenfalls dreischiffigen Chor. Der Grundriss der Vierung ist quadratisch, eine hohe und fensterlose Pendentifkuppel überwölbt hier die Vierung zentral. Die Apsis des Chores schließt halbkreisförmig. Ein Quertrakt umschließt die Apsis und ragt seitlich in Verlängerung des Abschlusses der Seitenchöre über das Langhaus hinaus. Die gesamte Außenlänge, inklusive der Stufen, beträgt 71 Meter; die maximale Breite, 41 Meter. Der Innenraum ist 60 Meter lang und im Querschiff 37 Meter breit (Breite im Langhaus: 24 Meter). Die Vierungskuppel hat einen Innendurchmesser von 11 Metern. Das Gewölbe erreicht eine Höhe von 28 Metern.
Das Langhaus besitzt fünf Joche, der Chor drei. Je vier Rundsäulen korinthischer Ordnung auf Plinthen und hohen Sockeln trennen Mittelschiff und Seitenschiffe zu beiden Seiten, im Chor sind es je zwei. Vier quadratische Vierungspfeiler mit Pilastern tragen die Vierung und sind deutlich wuchtiger als die Säulen. Gegenüber den Säulen sind an den Wänden des Seitenschiffes Zweidrittelsäulen angebracht. Die Seitenschiffe des Chors enden in einer Viertelsäule, am gegenüberliegenden Ende sind die Türme leicht in den Grundbau des Langhauses gerückt und somit nur Platz für Pilaster. Der Apsis des Chores und den halbrunden Abschlüssen des Querhauses sind ebenfalls vier Zweitdrittelsäulen, hier mit Kannelierung, vorgelagert. Die Säulen und Pfeiler tragen einen dreifach profilierten Architrav, der sich mit den Vierungspfeilern verkröpft. Es schließen sich nach oben ein breites Fries an und ein weit auskragendes Kranzgesims mit Zahnfries auf Konsolen an. Darüber verbindet eine schmucklose Attika Fenster und Gebälk. Im Bereich der Querhausabschlüsse und der Chorapsis ist der Architrav kürzer und mit kreisenden Akanthusranken geschmückt. Der Attika ist hier eine Balustrade vorgesetzt. Der untere Bereich der Chorapsis samt Säulen und Gebälk ist rot marmoriert. Die Seitenschiffe erreichen nur etwa die halbe Höhe des Mittelschiffs. Sie sind flach gedeckt. Durch den Architrav entstehen hier tiefe quadratische Kassetten mit runden Sonnen- und Laubkranzreliefs.
Gurtbögen gliedern das Tonnengewölbe des Mittelschiffs in Joche. Die Stichkappen der Obergadenfenster reichen weit in die Joche hinein und sind tief ausgelegt. Geschmückt werden sie von ovalen Relieffeldern, die abwechselnd die Initialen der Schutzpatrone und zwei Puten, die deren Insignien halten, zeigen. Die Halbkalotten von Chorapsis und halbrunden Abschlüssen der Querhausarme sind durch die Stichkappen der Fenster bis auf die Gurte fast ausgehöhlt.
Die Fenster im unteren Bereiche sind höher als die im Bereich der Obergaden, aber alle mit Rundbögen abgeschlossen und nach außen in die Laibung geschoben. Je sieben Fensterachsen sind an den Längsseiten der Seitenschiffe eingelassen. Die halbrunden Apsiden bleiben im Erdgeschoss von Chor und Querhaus fensterlos.
Die Apsis des Chors ist reich geschmückt. Bis zu den oberen Fenstern ist er marmoriert. Vier halbrunde korinthische Säulen tragen das Gebälk, das mit Rankwerk geschmückt ist. Die Attika wird von einer mächtigen Balustrade verdeckt. Der untere Teil zwischen den Säulen ist einfach gestaltet, in den beiden äußeren Wandabschnitten stehen hier Figuren auf Sockeln. Darüber sind je ein ovales Medaillon mit biblischen Szenen, darüber und darunter goldene Festons und Rankwerk. Im zentralen Wandabschnitt steht über einem mehrstufigen Sockel ein geöffneter Sarg mit Leichentuch. Dichtes Gewölk steigt aus dem Sarg empor bis zu einem enormen Strahlenkranz, in dessen Zentrum ein rundes Fenster mit Auge der Vorsehung leuchtet. In den Wolken steht Maria, getragen von Engeln und Putten. Die Szenen zeigt Mariä Aufnahme in den Himmel.
Fassade