miniatur|Luftaufnahme der Gutsanlage aus dem Jahr 2015 Das Gut Ettenhausen in der Ettenhausener Straße 91 im Bonner Ortsteil Hoholz ist ein ehemaliges Klostergut. Die zu einem Reitsportzentrum ausgebaute Anlage steht unter Denkmalschutz.
Geschichte Der Besitz Ettenhausen (damals auch: Ettenhusen oder Ettenhuysen) wurde erstmals Ende des 14. Jahrhunderts bei einem Rechtsstreit als Eigentum des Dietrich von Markelsbach erwähnt.Historischer Verein für den Niederrhein, insbesondere das alte Erzbistum Köln (Hrsg.), Annalen des Historischen Vereins für den Niederrhein, insbesondere das Alte Erzbistum Köln, Bände 203–204, Rheinland-Verlag, 2000, S. 51 (Snippet) Der Pachtzehnte wurde an das Bonner Cassiusstift entrichtet. Ein späterer Eigentümer war Ludwig von Roede.Niederholtorf, Oberholtorf, Ungarten: Erläuterung der Straßen- und Wegbenennungen, nach Aufzeichnungen von Heinrich Gerwing, Website des Bürgervereins Holtorf-Ungarten e.V. Unter Heinrich Vroymerliff, Professmönch und Bevollmächtigter der Zisterzienser-Abtei in Heisterbach, gelangte der Hof im Jahr 1423 in den Besitz der Heisterbacher Mönche.F. Heinze Schepke, Flurform, Siedlungsform u. Hausform im Siegtalgebiet in ihren Wandlungen seit dem 18. Jahrhundert, Beiträge zur Landeskunde der Rheinlande, Akademische Verlagsgesellschaft, 1934, S. 75 (Snippet) Er wurde verpachtet. Ab dem 17. Jahrhundert ist die Familie Lichtenberg als Pächter des Hofes bezeugt. Ein erhaltener und in einen späteren Neubau eingemauerter Holzbanken trägt die Inschrift:
1803 umfasste der Landbesitz 94 Morgen Acker und 234 Morgen Wiesen und Wald. Nach der einsetzenden Säkularisation der rechtsrheinischen Gebiete blieb eine Anfrage Hoholzer Bürger an die Bergische Separatkommission zur Pachtung des Ettenhausener Hofes erfolglos. Im Jahr 1821 erwarb die Pächterfamilie Lichtenberg den Hof aus dem Klosterbesitz.Carl Jakob Bachem, Beueler Chronik, Ausgabe 26 von: Studien zur Heimatgeschichte des Stadtbezirks Bonn-Beuel, Stadt Bonn, 1989 S. 75 (Snippet)
Etwa Mitte der 1840er Jahre geht der Hof vermutlich (jedenfalls großteils) an Josef Becker über, der 1848 als „Gutsbesitzer auf Ettenhausen“Norbert Schloßmacher, Die Aufregung ist hier permanent und Bonn die unruhigste Stadt am Rhein: Bonn 1848/49: Beiträge zum 150. Jahrestag der deutschen Revolution, Band 59 von: Veröffentlichungen des Stadtarchivs Bonn, S. 127(snippet) benannt wird. Becker war Ortsvorsteher in Stieldorf und 1848 stellvertretender Abgeordneter der Preußischen Nationalversammlung für den Bezirk Bonn-SiegkreisHeinz Boberach, Band 3 von: Rheinische Briefe und Akten zur Geschichte der politischen Bewegung 1830–1850, Joseph Hansen (Hrsg.), Deutsche Geschichtsquellen des 19. Jahrhunderts, Publikationen der Gesellschaft für Rheinische Geschichtskunde, S. 59 (Snippet) sowie 1849 Mitglied der Zweiten Kammer des Preußischen Landtags.
1882 war das Eigentum am Gut dreigeteilt: Joseph Becker 30 ha, Leb. Ermekeil 30 ha und eine Frau Lichtenberg 25 ha.Cramer, Rudolf: Der Evangelische Friedhof in Holzlar
Hauptmann Moritz Rumler erwarb etwa um 1900 die drei Ettenhausener Höfe wie auch den Ungartener Hof in der Mersbachtalsenke. Er ließ alle Höfe abreißen und baute eine neue Gutsanlage anstelle der alten Ettenhausener Hofstelle. Der gemeinsame Hof umfasste nun 106 Hektar Landbesitz. Unter dem nachfolgenden Gutsbesitzer, Albert Ernst Broschek, entstanden 1936 neue Hofgebäude sowie ein repräsentatives, zweistöckiges Wohnhaus. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde Freiherr Hasso von Diergardt Eigentümer des Gutes.Deutsche Milchhandels- und Feinkost-Zeitung, Band 79, Zentralverband des Deutschen Milchhandels, 1957, S. 14 (Snippet) Nachdem Ende der 1970er die Familie von Kempis rund ein Jahrzehnt den Hof besaß, ging er Anfang der 90er Jahre an das Unternehmen Montex, einer Tochtergesellschaft der Omya-Gruppe über, die in der Villa die Büroräume der Mischkalk-Zentrale Gut Ettenhausen unterhielt;DLG-Mitteilungen, Band 106, Deutsche Landwirtschafts-Gesellschaft, DLG-Verlag, 1991, S. 5 (Snippet) die Wirtschaftsgebäude und Ländereien waren verpachtet. Auf einem Teilstück der ehemaligen Ackerfläche errichtete die Landwirtschaftskammer Rheinland ihr Institutszentrum, u. a. mit der Bonner Landwirtschaftlichen Untersuchungs- und Forschungsanstalt (LUFA).Carl Jakob Bachem, Beueler Chronik, Ausgabe 26 von: Studien zur Heimatgeschichte des Stadtbezirks Bonn-Beuel, Stadt Bonn, 1989 Seit 1994 ist die Familie Apel Eigentümer des Hofes und seines rund 60 Hektar großen Landbesitzes.
Verwaltungsmäßig gehört Ettenhausen seit der Kommunalreform von 1969 zum Bonner Ortsteil Hoholz, davor seit der napoleonischen Gebietsreform 1808 zu Stieldorf (oder zunächst zu Vinxel und später zusammen mit Vinxel zu Stieldorf).
Heute Der Hof wird heute als Reitsportzentrum genutzt. Pferdebesitzer können hier ihre Tiere einstellen, auf eigenen Pferden werden Reitstunden und Lehrgänge angeboten. Der Komplex besteht neben den beiden Wohnhäusern und den teilweise zweigeschossigen, historischen Pferdestallungen aus drei Reithallen (1625, 1200 und 800 Quadratmeter), zwei Dressurvierecken (1200 und 500 m²), einer überdachten Führanlage und einem Außenspringplatz (6000 m²). Daneben gibt es eine Schmiede, ein Casino und einen Longierzirkel. Es stehen mehrere winterfeste Paddocks und 11 Hektar Weideland zur Verfügung.
Wegekreuze miniatur|Ein Wegekreuz in der Hauswand des 1936 errichteten Gutshauses, 2012 miniatur|Das Richarz-Kreuz gegenüber der Einfahrt zum Gutshof, 2012
Auf bzw. an dem Hofgelände stehen zwei steinerne Wegekreuze. Auf dem denkmalgeschützten Richarzkreuz vom Ende des 19. Jahrhunderts am Straßenrand gegenüber der Hofeinfahrt ist vermerkt:
Ein Kreuz aus dem 19. JahrhundertCarl J. Bachem, Baudenkmäler im Rechtsrheinischen Bonn: Die historischen Wegekreuze im rechtsrheinischen Bonn, Denkmal- und Geschichtsverein Bonn-Rechtsrheinisch, 2004, wurde in eine Seitenwand des 1936 errichteten Gutshauses eingemauert.
Siehe auch Liste der Baudenkmäler im Bonner Ortsteil Hoholz Liste der Wegekreuze und Bildstöcke im Bonner Ortsteil Hoholz
Einzelnachweise
Weblinks
Rudolf Pieper, Ettenhausen – Zeittafel, Vinxel.de Website der Reitanlage Gut Ettenhausen, Annelie und Martin Apel
Ettenhausen Kategorie:Baudenkmal in Bonn Kategorie:Hoholz Kategorie:Pferdesportanlage in Deutschland