Hurrikan Matthew war ein sehr starker tropischer Wirbelsturm über dem Karibischen Meer. Er formte sich Ende September 2016 während des Höhepunkts der atlantischen Hurrikansaison 2016 und erreichte die höchste Hurrikan-Stufe 5. Er war das 14. tropische System, der dreizehnte tropische Sturm, der fünfte Hurrikan und zweite schwere Hurrikan der Saison.
Matthew bildete sich aus einer starken tropischen Welle, die sich am 22. September von der Küste Afrikas löste und westwärts über den tropischen Atlantik zog, bis das System am 28. September östlich der Inseln über dem Winde als tropischer Sturm klassifiziert wurde. Bereits einen Tag später wurde der Sturm direkt westlich der Antillen zu einem Hurrikan, der sich weiter rapide in einen Kategorie-5-Hurrikan intensivierte. Südöstlich von Jamaika drehte das System auf eine nördliche Zugbahn ein. Der Hurrikan zog mit andauernden Windgeschwindigkeiten bis zu 230 km/h über Haiti, Jamaika, Kuba und Teile der Dominikanischen Republik und setzte seinen Weg Richtung Bahamas und Ostküste der Vereinigten Staaten fort. Matthew war der erste atlantische Hurrikan seit Hurrikan Felix in der atlantischen Hurrikansaison 2007, der die Kategorie 5 auf der Saffir-Simpson-Hurrikan-Windskala erreichte.
Sturmverlauf mini|links|Vergangene Zugbahn Am 22. September löste sich eine tropische Welle von der Westküste Afrikas und zog westwärts auf den Atlantischen Ozean hinaus. Zwei Tage später zog die Welle südlich an den Kapverdischen Inseln vorbei und das National Hurricane Center (NHC) stellte fest, dass die Wahrscheinlichkeit einer tropischen Zyklogenese hoch war. Die Umgebungsbedingungen favorisierten eine langsame Entwicklung, und am 25. September nahm die Gewittertätigkeit zu; diese Gewitter organisierten sich in den folgenden Tagen bei der Annäherung an die Kleinen Antillen zunehmend besser. Am 27. September erzeugte die tropische Welle, die Hurricane Hunters bei einem Aufklärungsflug feststellten, andauernde Windgeschwindigkeiten von 65 km/h; allerdings wies das System noch keine geschlossene Zirkulation auf und wurde deshalb noch nicht als tropischer Sturm qualifiziert. Als das System in der Nähe von Barbados war, ergaben Radaraufnahmen auf den Kleinen Antillen, dass sich die Zirkulation besser organisierte. Bei einem weiteren Aufklärungsflug wurde am 28. September eine geschlossene Zirkulation vorgefunden und deswegen begann das NHC an dem Tag um 15:00 Uhr UTC mit der Ausgabe von Sturmwarnungen für den Tropischen Sturm Matthew. Bei diesem Flug wurden (bezogen auf Meereshöhe) Windgeschwindigkeiten von 93 km/h festgestellt und auf Flughöhe erreichten Böen Orkanstärke.
Bei seiner Entwicklung zu einem tropischen Sturm bewegte sich Matthew, gesteuert von einem starken Hochdruckrücken im Norden, weiter westwärts in ein Gebiet mit warmen Oberflächenwassertemperaturen und geringer Windscherung; deswegen wurde von den Wettermodellen eine Verstärkung des Systems erwartet. Das Zentrum zog zwischen den Inseln St. Lucia und St. Vincent hindurch und gelangte so in das Karibische Meer. Am 29. September sorgte zunehmende Windscherung zu einer Freistellung der Zirkulation von der Konvektionstätigkeit. Um 18:00 Uhr UTC an dem Tag stellten die Hurricane Hunters fest, dass Matthew mit einer Windgeschwindigkeit von 120 km/h Hurrikanstärke erreicht hat. Später bildete sich die Konvektion über dem Zentrum neu und die weiter außen liegenden Gewitter organisierten sich in Regenbänder. Sowohl durch die Hurricane Hunters als auch bei einem SSMIS-Satellitendurchgang wurde festgestellt, dass sich früh am 30. September ein Auge gebildet hat. Trotz nordwestlicher Windscherung setzte eine explosive Intensivierung ein, und die Windgeschwindigkeit verdoppelte sich innerhalb von 24 Stunden von 130 km/h auf 260 km/h, d. h. Matthew intensivierte sich innerhalb von 24 Stunden von der Kategorie 1 in die Kategorie 5 der Saffi-Simpson-Hurrikanskala. Matthew wurde bei 13,3° Nord zu einem Kategorie-5-Hurrikan und wurde damit der südlichste Hurrikan, der diese Intensität im atlantischen Becken erreichte (bisher hatte diesen Rekord Hurrikan Ivan inne). In zeitlicher Nähe zur Spitzenintensität des Hurrikans wurde in Puerto Rico das seltene Wetterphänomen der Kobolde beobachtet.
mini|thumbtime=02:40|Hurrikan Matthew am 3. Oktober, wie er an Bord der Internationalen Raumstation durch die NASA aufgezeichnet wurde Früh am 1. Oktober schwächte sich der Hurrikan geringfügig ab, mit andauernden Windgeschwindigkeiten von 250 km/h ans obere Ende der Kategorie 4; möglicherweise hatte eine zyklische Eyewall-Neubildung begonnen, da die Größe des Auges abnahm. Die andauernden Windgeschwindigkeiten gingen weiter zurück bis auf 220 km/h, anschließend intensivierte sich der Hurrikan wieder und erreichte um 21:00 Uhr UTC Windgeschwindigkeiten von 240 km/h. Spät am 1. Oktober war Matthew wegen nur schwacher Luftströmungen fast stationär geworden; der Hurrikan wandte sich dann nach Norden und begann am 2. Oktober schneller zu ziehen. Während dieser Zeit schwankte die Intensität des Hurrikans. Um 11:00 Uhr UTC am 4. Oktober gelangte Matthew bei Les Anglais, Haiti mit Windgeschwindigkeiten von 230 km/h über Land und wurde damit der erste Hurrikan seit Hurrikan Cleo des Jahres 1964, der in der Kategorie 4 über Haiti zog. Nach der Überquerung der Tiburon-Halbinsel und dem Golf von Gonâve sowie der Windward-Passage traf Hurrikan Matthew am 4. Oktober um 00:00 Uhr UTC Jauco in Maisí im äußersten Südosten von Kuba mit Windgeschwindigkeiten von 220 km/h auf die Küste.
Nachdem der Hurrikan über Kuba hinweggezogen war, gelangte er als Kategorie-3-Hurrikan erneut über offenes Wasser; durch die Störungen des Berge hatte sich der zentrale Luftdruck auf 963 hPa erhöht. In der Nacht vom 5. auf den 6. Oktober setzte eine zweite rapide Intensivierung ein, während der Luftdruck um 18 hPa auf 944 hPa gefallen ist.
Vorbereitungen Kleine Antillen und Südamerika mini|Matthew nahe Kolumbien als ein Kategorie-3-Hurrikan am 30. September Am 27. September, noch bevor Matthew als tropischer Sturm klassifiziert wurde, stellte LIAT wegen windigen Wetters erste Flüge zwischen den Inseln über dem Winde ein. Schulen und Geschäfte blieben in Grenada wegen der Passage Matthews am 27. und 28. September geschlossen, ebenso auf St. Vincent und St. Lucia; der Schulunterricht auf Dominica wurde bis zum 3. Oktober ausgesetzt. Der Hewanorra International Airport sowie der George F. L. Charles Airport auf St. Lucia wurden am 28. September geschlossen. Sechs Notunterkünfte wurden auf der Insel zur Verfügung gestellt; 133 Personen nahmen diese in Anspruch. Bei der Formierung Matthews als tropischer Sturm am 28. September warnten die Regierungen der Inseln über dem Winde vor dem tropischen Sturm.
Der ungewöhnlich südliche Zugweg des Sturmes führte am 28. September zur Ausgabe von Sturmvorwarnungen für Aruba, Bonaire, Curaçao und die kolumbianische Nordküste von der Grenze zu Venezuela bis nach Riohacha. Weil Matthew zunächst weiter einer westsüdwestlichen Zugbahn folgte, wurde die Vorwarnung in Kolumbien am 30. September in eine vollwertige Sturmwarnung umgewandelt. Den Bewohnern der ABC-Inseln wurde geraten, ihre Häuser zu verrammeln und Vorräte zu ergänzen, was zu langen Schlangen in den Geschäften führte. Die Regierung Curaçaos verlegte die Wahl zur Ständeversammlung von Curaçao 2016 auf den 5. Oktober. Die Behördenbüros in Aruba blieben am 30. September geschlossen. In Aruba wurde die Sportveranstaltung Kingdom Tournament abgesagt. Auch die Schulen auf der kolumbianischen Guajira-Halbinsel blieben an diesem Tag geschlossen und Notunterkünfte wurden eingerichtet.
Große Antillen und Bahamas mini|links|Animation des Hurricane Matthew vorbei an den Bahamas am 6. Oktober Weil Matthew eine signifikante Gefahr für Jamaika darstellte, wiesen die Zivilschutzbehörden die Fischer auf den zu Jamaika gehörenden Inseln an, sich auf die Hauptinsel in Sicherheit zu bringen. Am folgenden Tag setzte Premierminister Andrew Holness wegen des Hurrikans die Angehörigen der Verwaltung in Bereitschaft. Eine Hurrikanvorwarnung wurde am 30. September erklärt, und diese wurde am 1. Oktober in eine Hurrikanwarnung erweitert. Die Behörden in Trelawny Parish aktivierten am 2. Oktober 60 Notunterkünfte. Supermärkte verzeichneten einen Ansturm von Kunden, die ihre Vorräte aufstocken wollten, und viele berichteten über leere Regale und niedrige Bestände an Brot, Treibstoff und Kerzen. Viele Bewohner verbarrikadierten ihre Häuser und sicherten ihr Eigentum mit Sandsäcken. Aus einem Gefängnis in Saint Catherine Parish wurden 100 weibliche Häftlinge in ein anderes Gefängnis in Kingston verlegt. Die Mautgebühren am Highway 2000 wurden in den Stunden vor der Ankunft Matthews aufgehoben. Der Flugverkehr an den beiden internationalen Flughäfen, dem Norman Manley International Airport und dem Sangster International Airport sollte in der Nacht vom 2. Oktober zum 3. Oktober eingestellt werden. Die Jamaica Urban Transit Company plante die Einstellung ihres Dienstes für 18:00 Uhr Ortszeit. Jamaica Public Service informierte seine Kunden, dass während des Sturms das Stromnetz abgeschaltet werden würde, bevor die Bedingungen zu schlecht würden. Soldaten der Jamaica Defence Force wurden vor dem Eintreffen des Hurrikans im ganzen Land verteilt, um schneller auf die Folgen reagieren zu können.
Obwohl zu diesem Zeitpunkt vorausgesagt war, dass der Hurrikan über Jamaika hinwegziehen würde, gaben die Behörden Vorwarnungen zu einem tropischen Sturm für die Tiburon-Halbinsel und das Gebiet bis zur Grenze zwischen Haiti und der Dominikanischen Republik aus. Nachdem sich die prognostizierte Zugbahn etwas nach Osten verschoben hatte, wurde am 1. Oktober eine Hurrikanvorwarnung für Haiti ausgegeben und zwar für die Gebiete von Môle-Saint-Nicolas bis zur Grenze zur Dominikanischen Republik; sechs Stunden später wurde diese Vorwarnung in eine Warnung erweitert. Diese Warnung umfasste am Abend des 2. Oktober das gesamte Land. Am Morgen des 2. Oktober wurde eine Tropensturmwarnung für die Südküste der Dominikanischen Republik zwischen Barahona westwärts bis zur haitianischen Grenze, und für die Nordküste zwischen Puerto Plata und der Grenze zu Haiti eine Sturmvorwarnung ausgerufen. Bewohner von der Küste vorgelagerter Inseln wurden auf die Hauptinsel evakuiert. Im Südwesten der Dominikanischen Republik wurden bis zum Morgen des 3. Oktober mindestens 8500 Personen evakuiert. Menschenleben gefährdende Starkregenfälle wurden für Haiti vorhergesagt, die im Durchschnitt 250 bis 380 mm an der Südküste und in Einzelfällen 1000 mm erreichen könnten. Radio France Internationale meldete, dass Haiti logistisch nicht in der Lage sein, eine Naturkatastrophe großen Ausmaßes zu bewältigen. Im Süden Haitis stünden nur 576 Notunterkünfte für insgesamt 90.000 Menschen zur Verfügung. Nach Angaben der Internationalen Organisation für Migration verblieben 55.107 Binnenflüchtlinge in Camps ohne adäquaten Schutz vor dem Hurrikan. Den Bewohnern blieb so oft nur die Wahl, an sicheren Orten abzuwarten, wie stark das Wetterereignis ausfallen würde, um dann die Schäden und Folgen zu bekämpfen. Übergangspräsident Jocelerme Privert forderte die Bevölkerung auf, die Warnungen der Behörden ernst zu nehmen und Notunterkünfte aufzusuchen.