mini|Die Burg während der Gefängnissanierung (2009)
Die Eilenburg (auch Eulenburg) ist eine Burganlage in der gleichnamigen sächsischen Stadt Eilenburg im Landkreis Nordsachsen und lag ehemals im Bereich des Limes Sorabicus. Die vermutlich im 9. Jahrhundert angelegte slawische Befestigung wurde in der zweiten Hälfte des 10. Jahrhunderts Zentrum des Burgwards Ilburg. Um die Jahrtausendwende kam sie in den Besitz der Wettiner und gab danach dem Geschlecht derer zu Eulenburg (Adelsgeschlecht) seinen Herkunftsnamen. Die für die Landesgeschichte Sachsens bedeutende Burg besteht heute aus zwei mit Backstein errichteten Wohntürmen aus den Jahrzehnten um 1200, einer etwa gleichaltrigen Ringmauer, mehreren Gräben und dem barocken Amtshaus. Der dritte Turm, ein Bergfried unbekannten Alters, stürzte 1972 teilweise ein. Die Ruine wurde kurz darauf gesprengt.
Geschichte Frühes und hohes Mittelalter
Die Höhenburg wurde vermutlich im 9. Jahrhundert errichtet und bildete das Zentrum eines etwa 270 Quadratkilometer großen Siedlungsgebietes an der mittleren Mulde in der Grenzzone des Limes Sorabicus. Die Burginhaber wurden vermutlich als Siusli bezeichnet und gehörten dem Stammesverband der westslawischen Sorben an. Die Burg Eilenburg (Eulenburg u. ä.) war eine ringartig angelegte Burganlage auf einer kuppenartig ausgebildeten Randhöhe des Muldentales, die ein etwa 220 mal 150 Meter großes Plateau umfasste. Die höchsten Punkte des Eilenburger Schloßberges liegen zwischen 132,5 und 135 m Seehöhe, also gut 30 m über dem Stadtkern. Reste dieser Befestigungsanlage sind in bis zu zehn Meter hohen Erdwällen auf dem Burgberg erkennbar.
Mit der Eingliederung in das Ostfrankenreich und strukturellen Erfassung der Gebiete zwischen Saale und Elbe unter den Königen Heinrich I. und Otto I. wurde die Burg um die Mitte des 10. Jahrhunderts Mittelpunkt eines Burgwards und damit in dieser Region Zentrum der Grundherrschaft Ilburg (Eulenburg, Eilenburg). Vermutlich wurden im Zusammenhang mit der Einrichtung der Grundherrschaft auch die Befestigungsanlagen erneuert und ausgebaut, doch können über die Art und den Umfang der Umgestaltungen ohne ausgedehnte archäologische Ausgrabungen keine genauen Aussagen getroffen werden. Zur Burg gehörte auch eine dem heiligen Petrus geweihte Kirche, die vor allem als Kirche für die Burgbesatzung, darüber hinaus aber auch als Kirche für den gesamten Burgward diente. Kirchenrechtlich gehörte sie zum Bistum Merseburg, doch ist aufgrund von Übertragungen des Kirchenzehnts aus den Einkünften der Erbuntertanen der Grundherrschaft Ilburg an das Magdeburger Mauritiuskloster von einem nicht unbeträchtlichen Anteil der dortigen Benediktinermönche an der Mission des Christentums im Eilenburger Raum auszugehen. In einer Urkunde Ottos I. vom 29. Juli 961 wird erstmals eine civitas Ilburg im Gebiet Suisile genannt.Codex Diplomaticus Saxoniae Regiae I A 1, S. 238 Nr. 3. Online-Edition
Im Jahr 1000 befand sich die ursprünglich direkt dem König unterstehende Grundherrschaft, das heißt das gesamte Gebiet mit der Burg Eilenburg im Zentrum, in der Grafschaft des Grafen Friedrich I. aus dem Geschlecht der Wettiner.Codex Diplomaticus Saxoniae Regiae I A 1, S. 280 Nr. 52 Z. 15–16. Online-Edition Nach Friedrichs Tod wurde sein Neffe, der spätere Markgraf Dietrich I. mit der Grafschaft Eilenburg belehnt. Der pagus Siusili und damit auch die Burg Eilenburg wurden namensgebender Stammsitz des Geschlechts derer zu Eulenburg und waren zeitweilig auch wieder im Besitz des Hauses Wettin.
Am Ende des 12. und zu Beginn des 13. Jahrhunderts erlebte die Burg einen repräsentativen Ausbau mit einer Ringmauer und mindestens zwei, möglicherweise auch drei Türmen aus Backstein. Der sogenannte Sorbenturm und der Südwestturm der Burg waren Wohntürme, die den Burgmannen, vermutlich zahlreich sorbischer Herkunft, der Burg als Sitz gedient haben dürften.Yves Hoffmann: Backsteintürme des 12. und 13. Jahrhunderts auf Burgen in Obersachsen und Ostthüringen. S. 133–136. Unter den Burgmannen sind besonders die zu Eulenburg zu nennen, eine der bedeutendsten Ministerialenfamilien der Wettiner und nachfolgend Inhaber der Burg Eilenburg (Eulenburg u. ä.). Möglicherweise gehört der Bergfried in diese Ausbauphase.
Spätmittelalter
mini|Die älteste Darstellung der Eilenburg, o. J. (vor 1516) Um die Wende vom 13. zum 14. Jahrhundert wurden die Eilenburg und die Mark Landsberg als Pfand in den Herrschaftsbereich der Markgrafen von Brandenburg eingegliedert. Im 14. Jahrhundert wurde die Burg erneut umgestaltet.
Die Herren von Eulenburg verkauften die Herrschaft 1376 an Thimo von Colditz, ehe sie 1386 in der Merseburger Bischofsfehde zerstört wurde.Gerhard Billig, Heinz Müller: Burgen. Zeugen sächsischer Geschichte. S. XXX 1402 kaufte Markgraf Wilhelm I. nach vorhergehender Verpfändung die Burg und ließ sie erneut umgestalten. Die Anlage wurde als Mittelpunkt einer Grundherrschaft ein landesherrschaftlicher Amtssitz des Amts Eilenburg und diente als Gerichtssitz über die Bewohner in Erbuntertänigkeit.
Neuzeit
Für das Jahr 1523 ist ein Aufenthalt des Reformators Martin Luther auf der Burg Eulenburg belegt. Am 24. April 1536 heiratete Caspar Cruciger der Ältere dort in zweiter Ehe Apollina († 28. September 1557), Tochter des Leipziger Ratsherren Kunz Günterode. Die Hochzeitspredigt hielt Martin Luther. Im Schmalkaldischen Krieg wurde sie durch Herzog Moritz von Sachsen erobert. Im Dreißigjährigen Krieg eroberten die Schweden 1644 die Burg. In der Folgezeit verfiel die bei der Eroberung beschädigte Anlage. Die mittelalterlichen Verteidigungseinrichtungen und Gebäude wurden bis auf einige Reste als Steinbruch abgetragen. Die bis in jüngste Zeit genutzten Gebäude, das Amtshaus und das Gefängnis, entstanden im 17./18. Jahrhundert.
Abrisse und Sanierungen im 20. und 21. Jahrhundert
mini|Ansicht der Eilenburg aus der Bergstraße; Fotografie: Roger Rössing (1952) Das 20. Jahrhundert war geprägt vom Verlust wichtiger Teile der historischen Anlage. Der Marstall wurde 1968 abgerissen, der Bergfried 1972 nach einem Teileinsturz gesprengt. 1993 brannte das hohe Mansarddach des Amtshauses aufgrund von Brandstiftung vollständig aus. Das als Provisorium gedachte Notdach ist bis heute vorhanden. Mittlerweile sind hier auch im Inneren erhebliche Schäden aufgetreten. Durch verschiedene Eingriffe wie den Abbau der Feldsteintreppe am Sorbenturm (2007) und den Straßenausbau Schloßberg (2012/13), bei dem das denkmalgeschützte Feldsteinpflaster entfernt wurde, verlor die Anlage noch in jüngster Zeit Teile ihrer authentischen Erscheinung. Der denkmalgeschützte Treppenaufgang von der Stadtseite (Hundertstüfchen) wurde wegen Baufälligkeit gesperrt und bis 2007 durch einen modernen Neubau ersetzt.
Andererseits wurden seit Mitte der 1990er-Jahre große Anstrengungen unternommen, um einen Teil der Burganlage zu erhalten. Es erfolgten Sanierungen des Sorbenturms (1997/98), des Burgtors und eines Teils der Ringmauer (2001), des Mauerturms (2002/03), des Gefängnisses (2008/09 und 2014/15) und des an das Burgtor angrenzenden Wohnhauses Schloßberg 3 (2018/19). In den Jahren 2017 bis 2019 entstanden als Neubauten ein Anbau sowie ein freistehender eingeschossiger Zweckbau für die Pension, ein Kräutergarten und zwei Kunstinstallationen. Bei der vorgenommenen Platzgestaltung wurde der Grundriss des Schlosses durch Bodenbeläge und eine stählerne Pergola sichtbar gemacht. Außerdem wurden die Grundmauern des eingestürzten Bergfrieds neu hergestellt.Burgberg und Sorbenturm auf den Seiten der Stadt Eilenburg (abgerufen am 22. Oktober 2021)
Hangsicherung
mini|Blick auf die Stützmauer am Südhang während Sicherungsmaßnahmen (2006). Eine große Herausforderung stellt die Hangsicherung des nach allen Himmelsrichtungen abfallenden Geländeplateaus dar. Bereits zu DDR-Zeiten wurden Sicherungsarbeiten infolge von Hangrutschen (u. a. in der Marienstraße) notwendig. 1996 wurde ein Teil des Osthangs zur Mühlstraße hin gesichert. Ein in diesem Bereich gelegener Bergkellereingang, der einzustürzen drohte, wurde 2001 rekonstruiert. Im Jahr 2000 wurde eine Sicherung der oberen Stützmauer erforderlich. Nach einer Notsicherung erfolgte bis März 2002 eine statisch sichere Lösung. 2006 und 2007 fanden umfangreichere Sicherungsmaßnahmen am Ost- und Südhang statt. Dabei wurden Bohrpfähle und Bodennägel in den Berg getrieben sowie neue Stützmauern errichtet. An einigen Stellen wurden historische Mauerabschnitte erhalten und saniert. Die Hänge unterhalb der Marienkirche wurden 2010 und 2011 gesichert und mit neuen Stützmauern versehen. Dabei ging die historische Feldsteinmauer an der Bergstraße verloren. Für das gefährdete Pfarrhaus der Marienkirche (zwischen der Kirche und der Marienstraße auf dem Westhang stehend) kamen diese Hangsicherungsmaßnahmen zu spät – es musste bereits im Mai 2007 wegen des instabilen Untergrundes abgerissen werden. Der letzte bedeutende Erdrutsch ereignete sich 2011, als nach starken Regenfällen der kurz zuvor gerodete Osthang ins Rutschen geriet, wobei etwa 600 Kubikmeter Erde und Geröll auf die am Fuße des Berges verlaufende Mühlstraße gelangten.Kathrin Kabelitz, Heike Liesaus: , 10. Januar 2011 in LVZ Online (abgerufen am 11. Januar 2011) Die Sicherung des Hanges und die Beräumung der Straße nahmen knapp zwei Jahre in Anspruch.
Heutige Nutzung
Das ehemalige Burggelände ist frei zugänglich und wird heute als Wohnstandort und touristisch genutzt. Die Besteigung der beiden Türme ist zu bestimmten Öffnungszeiten möglich. Der Sorbenturm ist in der Sommersaison am Wochenende geöffnet. Der Mauerturm öffnet zu bestimmten Anlässen wie dem Tag des offenen Denkmals. Das alte Gefängnis dient heute als Pension für Rad- und Pilgertouristen. In Anlehnung an die Eilenburger Heinzelmännchensage erhielt sie den Namen Heinzelberge. Die Terrasse am Gefängnis ist ein Aussichtspunkt über die Stadt und die Aue der Mulde. Eine Touristinformation befindet sich seit 2019 im ehemaligen Wohnhaus Schloßberg 3 („Torhaus“).
Der Eilenburger Burgverein, der 1993 nach dem Brand des Amtshauses gegründet wurde, organisiert eine Vielzahl von öffentlichen Aktivitäten. Dazu gehören regelmäßige Führungen über das Gelände und in die Schlosskeller, Volksfeste wie das Reginenfest und die Walpurgisnacht, Ausstellungen und Vorträge.
Architektur Türme und Ringmauer mini|Ringmauer Die Burganlage Eulenburg besitzt heute noch den Sorbenturm und den Mauerturm. Der als Bergfried bezeichnete Turm existiert heute nicht mehr. Die Ringmauer wurde aus Backstein erbaut, wobei in weiten Partien an der Innenseite ein Verband ausschließlich aus Läufern erkennbar ist. Die Datierung der beiden Türme, von denen der eine in unmittelbarer Nähe und der andere direkt an der Ringmauer steht, und der Vergleich mit der um 1210 zu datierenden Ringmauer der Burg Jessen, sprechen für eine Errichtung noch im Hochmittelalter.