Wilhelm Albert Walter Reimann (* 2. Juni 1887 in BerlinLandesarchiv Berlin, Geburtsregister Standesamt Berlin VI, Nr. 1375/1887; kostenpflichtig abrufbar auf Ancestry.com; † 8. November 1936 ebendaLandesarchiv Berlin, Sterberegister Standesamt Berlin-Lankwitz, Nr. 205/1936; kostenpflichtig abrufbar auf Ancestry.com) war ein deutscher Maler, Filmarchitekt und Drehbuchautor.
Leben mini|Karikatur von Walter Reimann zu den Dreharbeiten von Der König der Bernina Reimann war „einer der führenden Raumgestalter des heimischen Stummfilms und Mitbegründer des filmischen Expressionismus“.Das große Personenlexikon des Films, Band 6, S. 453 Er begann seine künstlerische Laufbahn mit nicht ganz 15 Jahren im März 1902 mit einer Lehre als Dekorationsmaler. Nebenbei besuchte er von 1902 bis 1906 in Berlin die Unterrichtsanstalt des Kunstgewerbemuseums, anschließend (bis 1914) wirkte Reimann als Bühnenausstatter. Ein weiteres Tätigkeitsfeld Reimanns wurde die Malerei; hier spezialisierte er sich auf Portrait- und Landschaftsmalerei. Zeitweilig, von 1912 bis 1914, arbeitete er als Bühnenbildner an der Königlichen Oper Stockholms, aber auch als Ausstatter am Deutschen Schauspielhaus in Hamburg sowie als Illustrator für die Tagespresse. Von 1914 bis 1916 diente Walter Reimann als Soldat im Ersten Weltkrieg. Kurz vor Kriegsende 1918 ging Reimann für einige Monate als Theatermaler ans Fronttheater in Wilna, dem heute litauischen Vilnius.
Als Mitglied der expressionistischen Künstlerpublikation Der Sturm fühlte sich Walter Reimann schon frühzeitig neuen, avantgardistischen Wegen in der Kunst verpflichtet. Im Frühjahr 1919 konnte Reimann von dem Filmarchitekten Hermann Warm, den er in Wilna kennengelernt hatte, für das Kino gewonnen werden. Reimann designte als einer von drei Szenenbildnern (als Partner Warms, mit Walter Röhrig als ausführender Architekt) die Dekorationen zu dem expressionistischen Meisterwerk Das Cabinet des Dr. Caligari und entwarf auch die Kostüme der Darsteller. Anschließend beteiligte sich der Berliner nur noch selten an herausragenden Filmen, allenfalls seine Bauten zu Berthold Viertels experimentellem Werk Die Abenteuer eines Zehnmarkscheines und zu Henrik Galeens Alraune-Remake verdienen Beachtung. Im Dezember 1922 hatte er gemeinsam mit dem Kaufmann Dr. Arthur Koenig mit der Rewa-Film GmbH (1922–1925) eine eigene Filmfirma gegründet.Handelsregister Berlin HRB Nr. 28040
1928 wurde Walter Reimann von Ernst Lubitsch nach Hollywood geholt, um die Bauten und die Kostüme zu dem alpinen Drama Der König der Bernina zu entwerfen. Seit Anbruch des Tonfilmzeitalters befand sich Reimanns filmische Bedeutung im steilen Sinkflug. Von einigen wenigen aufwendigeren Filmen abgesehen (Rasputin, Theodor Körner, Unheimliche Geschichten) erhielt er kaum mehr lohnende Aufträge. 1933 kreierte Reimann die Filmkulissen zu Thea von Harbous einzigen Inszenierungen Elisabeth und der Narr und Hanneles Himmelfahrt, zum erstgenannten Film verfasste Reimann auch das Drehbuch.
2017 würdigte die US-amerikanische Art Directors Guild, die Standesvertretung amerikanischer Filmarchitekten, die szenenbildnerischen Leistungen ihres deutschen Kollegen mit einer speziellen Veranstaltung im Grauman’s Egyptian Theatre in Hollywood.Meldung in Variety Walter Reimanns künstlerischer Nachlass liegt im Deutschen Filmmuseum in Frankfurt am Main, dort war vom 05.11.1997–18.01.1998 die Ausstellung HUNTE. POELZIG. REIMANN zu sehen.
Filmografie (Auswahl) 1919: Die Pest in Florenz – Bauten 1919: Das Cabinet des Dr. Caligari, Regie: Robert Wiene – Kostüme, Bauten 1920: Der Menschheit Anwalt – Bauten 1920: Algol – Tragödie der Macht, Regie: Hans Werckmeister – Bauten 1922: Vanina – Bauten 1922: Herzog Ferrantes Ende – Bauten und Kostüme 1922: Der falsche Dimitry – Bauten, Ausstattung und dekorative Einrichtungen 1923: Nora – Bauten 1923: Die grüne Manuela – Bauten 1923: S.O.S. Die Insel der Tränen – Bauten 1924: Die Perücke – Bauten 1925: Der Hahn im Korb – Bauten 1925: Der Ritt in die Sonne – Bauten 1925: Die Insel der Träume – Bauten 1926: Die Abenteuer eines Zehnmarkscheines – Bauten 1927: Der letzte Walzer – Bauten 1927: Alraune – Bauten 1929: Der König der Bernina (Eternal Love) – Bauten 1929: Polizeispionin 77 1929: Die Frau ohne Nerven 1930: Zapfenstreich am Rhein 1931: Dreyfus (englische Version) 1932: Rasputin – Bauten 1932: Theodor Körner – Bauten 1932: Unheimliche Geschichten – Bauten 1933: Elisabeth und der Narr – Drehbuch 1933: Maid Happy – Bauten 1934: Hanneles Himmelfahrt – Bauten 1934: Alte Kameraden – Bauten 1936: Das Mädchen Irene – Bauten
Literatur Hans-Peter Reichmann (Hrsg.): Walter Reimann. Maler und Filmarchitekt (Kinematograph, Nr. 11). Katalog zur Ausstellung. Deutsches Filmmuseum, Frankfurt am Main 1997, ISBN 3-88799-055-2. Alfons Maria Arns: Von Holstenwall nach Stedingsehre. Walter Reimann, der deutsche Film und der Nationalsozialismus. In: Walter Reimann – Maler und Filmarchitekt, Frankfurt am Main: Deutsches Filmmuseum 1997, ISBN 3-88799-055-2, S. 144–165 (Kinematograph, Nr. 11). Kay Weniger: Das große Personenlexikon des Films. Die Schauspieler, Regisseure, Kameraleute, Produzenten, Komponisten, Drehbuchautoren, Filmarchitekten, Ausstatter, Kostümbildner, Cutter, Tontechniker, Maskenbildner und Special Effects Designer des 20. Jahrhunderts. Band 6: N – R. Mary Nolan – Meg Ryan. Schwarzkopf & Schwarzkopf, Berlin 2001, ISBN 3-89602-340-3, S. 453.
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