Die Straßenbahn Dublin verkehrt seit dem Jahr 2004 wieder in der irischen Hauptstadt. Sie wird mit dem irischen Wort luas bezeichnet, was „Geschwindigkeit“ bedeutet. Betrieben wird die Bahn vom Nahverkehrskonzern Transdev im Auftrag der staatlichen Transport Infrastructure Ireland (TII). Sie ist Nachfolger eines Straßenbahnnetzes, das von 1872 bis 1959 in Betrieb war.

Das Netz umfasst zwei Strecken: eine rote Linie (Red Line) und eine grüne Linie (Green Line), die in der Innenstadt miteinander verbunden sind. Luas ist als Light-rail-Stadtbahnsystem konzipiert worden, das innerstädtisch vorhandene Straßen nutzt, auswärts jedoch unabhängig vom Straßenraum trassiert ist und teilweise aufgeständerte oder tiefliegende ehemalige Eisenbahnstrecken wieder nutzt.

Geschichte Die erste Straßenbahn mini|Straßenszene O’Connell Street, frühes 20. Jahrhundert mini|Exponat der Straßenbahngeschichte vor dem National Museum of Ireland Luas ist das zweite Straßenbahnsystem der Stadt. Die erste Bahn wurde im Jahr 1872 als Pferdestraßenbahn mit irischer (1600 mm) Spurweite in Betrieb genommen. Sie wurde ab 1881 durch Dampfstraßenbahnbetrieb ersetzt. 1896 wurden alle Straßenbahnstrecken der Stadt in der Dublin United Trams zusammengefasst und ab 1901 auf elektrischen Betrieb umgestellt. Schon 1949 wurde in Dublin selbst die letzte Straßenbahnlinie eingestellt, in den Vororten hielt sie sich bis ins Jahr 1959.

Die neue Straßenbahn mini|Citadis 401 an der Haltestelle Charlemont mini|Haltestelle St Stephen’s Green station Der Straßenbahnbetrieb wurde am 30. Juni 2004 eröffnet. Zunächst wurde die damals 9 km lange grüne Linie mit 13 Haltestellen zwischen St. Stephen’s Green und Sandyford in Betrieb genommen. Am 28. September 2004 folgte die 14 km lange rote Linie zwischen Connolly und Tallaght mit 23 Haltestellen. Die grüne Linie nutzt zum größten Teil die Trasse einer stillgelegten Vorortbahn und wurde so gebaut, dass sie bei Bedarf mit vertretbarem Aufwand in eine U-Bahn-Linie umgewandelt werden kann. Die beiden Linien hatten ursprünglich keine Verbindung untereinander und besaßen deshalb je ein eigenes Depot.

Am 8. Dezember 2009 wurde die erste Erweiterung der roten Linie in Betrieb genommen. Sie führt von Busáras über die Haltepunkte George’s Dock, Mayor Square und Spencer Dock zur Endhaltestelle The Point. (PDF; englisch), auf rpa.ie Die Strecke erschließt den Finanzdistrikt in den Docklands und die Veranstaltungshalle „3Arena“ (früher „The O2“). Die Bauarbeiten für die Erweiterung begannen im Juni 2007. Etwa zwei Drittel der Züge verkehren direkt von Tallaght nach The Point und umgehen damit die bisherige Endstation Connolly.

Die beiden Strecken unterscheidet, dass auf der grünen Linie ein größeres Lichtraumprofil gewählt wurde, um einen späteren Umbau in eine U-Bahn bzw. S-Bahn zu ermöglichen. Beim Ausbau wird darauf geachtet, einen Gleisabstand von 3400 mm zu gewährleisten – für 3000 mm Wagenbreite plus 400 mm Zwischenabstand.

Die Bauarbeiten für die Verlängerung der grünen Linie von Sandyford nach Bride’s Glen (Luas Cherrywood) (englisch), auf rpa.ie begannen am 26. Februar 2007, die 11 km lange Strecke mit neun Stationen wurde im Oktober 2010 in Betrieb genommen.

Außerdem wurde ein neuer Ast der roten Linie von Belgard nach Saggart (Luas Citywest) (englisch), auf rpa.ie gebaut. Die Bauarbeiten für Luas Citywest begannen am 9. Februar 2009, die Eröffnung erfolgte am 2. Juli 2011. (englisch), auf rpa.ie

Die neugebauten Straßenbahnstrecken sind im Gegensatz zum alten Straßenbahn- und auch zum irischen Fernbahnnetz regelspurig. Wendeschleifen gibt es nicht, die Züge kehren durch Fahrtrichtungswechsel.

Mit dem Betrieb des Systems hat Transport Infrastructure Ireland für den Zeitraum bis Ende August 2026 Transdev beauftragt. Den Auftrag zum Betrieb ab 1. September 2026 gewann ein Joint Venture aus Keolis (65 Prozent) und Amey (35 Prozent).

Erweiterung Cross City Im Juni 2010 wurden Pläne zum weiteren Streckenausbau vorgelegt, darunter auch eine Verbindung zwischen der roten und grünen Linie in der Innenstadt. Die Stationen der verlängerten grünen Linie: Stephens Green – Dawson Street – Westmoreland Street – O’Connell Street/Abbey Street (Umstieg zur roten Linie) – Marlborough Street bzw. Hawkins Street (Führung der Strecke durch verschiedene (Einbahn-)Straßen) – College Street. Diese Verlängerung war in älteren Planungen nicht enthalten, stattdessen wurden Teile der Planungsstrecke BX (Luas City Centre) und der Planungsstrecke D (Luas Broombridge) an die grüne Linie angeschlossen – diese sollte in einer weiteren Verlängerung dann bis Broombridge führen (Planungstrecke BXD). (englisch), auf rpa.ie Die Erweiterung sollte anfangs mit 40 m langen Zügen betrieben werden, die Strecke ist für einen Betrieb mit 53 m langen Zügen geplant worden. RPA, Dezember 2008 (PDF; 661 kB) Die Bauarbeiten sollten noch 2010 beginnen, die Fertigstellung wurde mit 2012 angegeben. Am 10. November 2011 wurden als Sparmaßnahmen der Regierung mehrere Streckenbauten gestoppt oder verschoben. Am Bau der Verlängerung der grünen Linie nach Broombridge wurde dabei festgehalten, die Bauarbeiten begannen jedoch erst 2015.

Als Teilausbau wurde im April 2012 mit der Errichtung einer Brücke begonnen, die Marlborough Street und Hawkins Street verbindet (parallel zur O’Connell-Brücke flussabwärts). Diese dient auch der Erweiterung des Busnetzes und der Verbesserung des innerstädtischen Wegenetzes. Am 3. August 2012 wurde das Budget für den Gesamtausbau bis Broombridge freigegeben – bei den vorgeschlagenen Planungsoptionen wurde entschieden, dass die Stadtbahn auch im historischen Zentrum mit Oberleitung geführt wird, der Halt Dawson Street sollte entfallen, aber der Halt Grangegorman wurde bestätigt. Die Bauarbeiten für die „Cross-City Line“ wurden 2013 begonnen, die ersten Aufträge zum Bau der 5,6 km langen Strecke wurden vom damaligen Transportminister Leo Varadkar vergeben, das Gesamtprojekt hatte einen Umfang von 370 Millionen Euro. Die Strecke wurde termingerecht am 9. Dezember 2017 eröffnet, der direkte Übergang zur Eisenbahn an der Endstation Broombridge im Frühjahr 2018.

Erweiterung Luas Finglas

Mit der Eröffnung in Broombridge erhielten Bürgerinitiativen Auftrieb, die die 2015 verworfene Verlängerung nach Finglas wieder in die Planung aufnehmen wollen, um die nördlichen Bezirke von Dublin anzuschließen. So wurden die Möglichkeiten behördlich wieder bewertet, und es gab die ersten Arbeitspapiere im Oktober 2018 und Dezember 2019. Darauf folgte die Veröffentlichung möglicher Trassen und im Januar 2020 die Vorstellung einer Vorzugsvariante. Die ersten Konsultationen dazu begannen im Juli 2020.

Im ersten Vorschlag von 2020 sind vier weitere Halte geplant (St Helena’s, Finglas Village, Mellows Park und Charlestown), in deren Einzugsgebiet 30.000 Einwohner einen Fußweg von weniger als 1 km hätten. Gerade für die nördlichen Vororte wichtig wird auch ein geplanter Park+Ride mit 600 Parkplätzen an der neuen Endstation Charlestown.

Mitte 2023 waren zwar bereits mehrere Millionen Euro für Vorplanung, Bürgerbeteiligung und Vorarbeiten ausgegeben worden, im Nationalen Entwicklungsplan waren bis 2030 jedoch noch kein Budget für das eigentliche Bauprojekt ausgewiesen. Im Zwischenbericht des Planungsgremiums An Bord Pleanála Ende 2023 wurde weiterhin von einer Umsetzung des Projekts ausgegangen. Mitte 2024 wurde ein Zieldatum für die Fertigstellung der Erweiterung zwischen 2028 und 2032 bekanntgegeben. Bewerbungen für den Bau konnten bis Juni 2025 eingereicht werden, der Vertrag sollte bis November 2025 vergeben werden. Ende Oktober 2025 bestätigte die Planungsbehörde den Verlauf und die Fertigstellung bis 2035.

Fahrzeuge mini|Innenraum eines Straßenbahnzuges – teilweise gibt es vier Sitze nebeneinander Die Ausschreibung für die neu zu beschaffenden Fahrzeuge gewann 1999 Alstom mit seiner Bauart Citadis 300. Die Bestellung umfasste 20 Einheiten mit einer Option auf 14 weitere. Diese Fahrzeuge sind 2,40 m breit und 30 m lang, sie fassen 170 Fahrgäste. Sämtliche Einheiten sind Zweirichtungswagen. Die erste Auslieferung erfolgte im November 2001. 2000 wurde entschieden, für die grüne Linie 14 längere Einheiten zu bestellen und erweiterte die Bestellung der kürzeren auf 26 Einheiten. Die längeren Wagen wurden ab 2002 geliefert.

Der Fahrzeugpark bestand bei der Eröffnung zunächst aus 40 Niederflur-Straßenbahnwagen der Typen Citadis 301, dreiteilig und 30 Meter lang für die rote sowie Citadis 401, 40 Meter lang und fünfteilig für die grüne Linie. Sie wurden in La Rochelle, Frankreich, gebaut. Die Fahrzeuge sind für den Betrieb mit 750 Volt Gleichspannung aus der Oberleitung ausgelegt.

Die erste Generation der Citadis (301 und 401) ist zu etwa 70 % niederflurig, die Endteile laufen auf Drehgestellen. 2007 begann man mit dem Umbau der dreiteiligen Citadis 301 der roten Linie in fünfteilige Citadis 401, indem zwei weitere Module zugefügt wurden (dies wurde auch von anderen Abnehmern der ersten Generation der Citadis so gehandhabt, etwa in Montpellier). Der letzte Triebwagen wurde im Juni 2008 verlängert. Alle Wagen der ersten Beschaffung können so auf beiden Linien eingesetzt werden.

Parallel zur Verlängerung auf Citadis 401 wurde eine Bestellung für die zweite Generation der Citadis 402 ausgelöst. Im ersten Abruf 2007 waren dies 18 Einheiten, mit der Option auf weitere 8 Einheiten, die Ende 2008 eingelöst wurde. Das erste Los wurde ab 2009 geliefert, das zweite Los bis 2010. Diese 43 m langen Einheiten sind durchgehend niederflurig, jedoch erforderte das den Einsatz von steifachsigen Losradlaufgestellen auch unter den Endteilen. Sie wurden im Jahre 2009 geliefert. Die Baureihe 402 kann bei Bedarf auf beiden Strecken eingesetzt werden, die gelieferten Wagen fahren jedoch bisher nur auf der grünen Strecke. Dagegen wurden die Wagen der Baureihe 401 von der grünen auf die rote Linie verlegt.mini|Citadis 502 auf der O'Connell BrigdeFür die Erweiterung nach Broombridge (grüne Linie ab 2017) wurde seit 2014 die Beschaffung von zehn zusätzlichen Wagen geplant. Die Bestellung 2015 umfasste dann sieben zusätzliche Einheiten, diese wurden jedoch von vorneherein neunteilig mit einer Länge von 54,6 m geliefert (Citadis 502). In den Planunterlagen für den neuen Cross-City-Abschnitt sind die Bahnsteige der grünen Linie bereits auf die längeren Züge ausgelegt, auf dem ältesten Abschnitt zwischen St. Stephen’s Green und Sandyford werden nicht ausreichende Bahnsteige noch vor der Lieferung verlängert (ohne Aussage zu den Bahnsteigen hinter Sandyford bis ins Umland). Die Auslieferung begann Mitte November 2017 und wurde bis zur Eröffnung Anfang Dezember 2017 abgeschlossen. Mit der Eröffnung der Verlängerung der grünen Linie wurden Planungen angekündigt, dort durchgehend längere Züge einzusetzen, um dem erwarteten Anstieg des Fahrgastaufkommens gerecht zu werden. Dazu wurden von Oktober 2019 bis 2021 die 26 Citadis 402 zu Citadis 502 verlängert. Außerdem wurden 2020 und 2021 acht weitere Neubau-Citadis 502 ausgeliefert, deren erster im Juli 2020 in den Einsatz ging.

+ Bestellübersicht Fahrzeuge der Straßenbahn Dublin Beschluss Bestellt Geliefert Citadis 301 Citadis 401 Citadis 402 Citadis 502 Rote Linie 1999 2004 20 Grüne Linie 2000 2004 6 14 Umbau auf 401 2007 2008 −26 +26 Bestellung 402 2007 2009 18 Erste Option 402 2008 2010 8 Erweiterung Cross City 2015 2017 7 Umbau auf 502 2018 2019–2021 −26 +26 Erweiterung mit 502 2018 2020–2021 8 Gesamtbestand geplant 40 41 Fahrzeugnummern 3001–26  4001–143001–26 5001–26  5001–41 

Fahrgastzahlen Die Fahrgastzahlen liegen bei etwa 25 Millionen Fahrten pro Jahr (50 Mio. bis 2006, 28,4 Mio. 2007, 27,4 Mio. 2008). Der Betrieb kommt ohne Subventionen aus – statt der erwarteten 2,5 Mio. Euro Defizit wurde schon 2004 ein Überschuss von knapp 0,7 Mio. Euro erreicht, der bis 2007 auf knapp 1,0 Mio. Euro stieg.