mini|Thorsten Weiß (2024) Thorsten Weiß (* 13. Oktober 1983 in West-Berlin) ist ein deutscher Politiker der Alternative für Deutschland (AfD) und seit 2016 Mitglied des Berliner Abgeordnetenhauses. Seit November 2021 ist er stellvertretender Vorsitzender der AfD-Fraktion. Weiß gilt als Rechtsaußen der Berliner AfD.

Leben Weiß wuchs im Bezirk Steglitz-Zehlendorf auf. Er war sechs Jahre Zeitsoldat und Offizier in der Panzertruppe. Im Anschluss nahm er ein BWL-Studium an der Humboldt-Universität zu Berlin auf. Weiß ist geschieden und hat mit seiner Ex-Frau zwei Kinder.

Parteilaufbahn und politische Aktivitäten Weiß trat im Jahr 2014 in die AfD ein, er ist Mitglied im Bezirksverband Steglitz-Zehlendorf. In den Jahren von 2016 bis 2020 war Weiß Beisitzer im Landesvorstand der AfD Berlin.

Junge Alternative Berlin und Identitäre Bewegung Weiß übernahm 2014 den Vorsitz der damals noch nicht offiziell anerkannten Jugendorganisation des Landesverbandes, der Jungen Alternative Berlin. Er baute den Jugendverband mit auf und konnte 2015 durchsetzen, dass dieser von der Mutterpartei als offizielle Jugendorganisation anerkannt wurde. 2017 kandidierte er nicht erneut für das Amt des Landesvorsitzenden.

Als Vorsitzender der Berliner JA sprach Weiß Mitte 2016 auf einer Kundgebung vor dem Roten Rathaus. Darin agitierte er gegen eine „realitätsfremde, volksfeindliche und überhebliche Politikerkaste“. Angela Merkel habe „Teppichknüpfer und Ziegenhirten“ nach Deutschland geholt. Wie, so fragte Weiß, solle man jemanden integrieren, der es gewohnt sei, „dass Christen am besten die Köpfe abgeschlagen gehören“. Die bisherige Entwicklung müsse umgehend rückgängig gemacht werden, forderte er. Sonst werde Deutschland „als Kulturnation nach 3000 Jahren Geschichte verschwinden“. Ulrich Kraetzer von der Morgenpost urteilte, Weiß’ Rede habe durch eine Überhöhung der Zugehörigkeit zum „deutschen Volk“, die Dämonisierung eines vermeintlichen Feindes und die Beschwörung des nahenden Unterganges den Eindruck hinterlassen, als hätte er seine Worte aus einem „Handbuch für Demagogie“ abgeschrieben. Der FU-Politologe und AfD-Experte Carsten Koschmieder bezeichnet die AfD deswegen als Partei „geistiger Brandstifter“.

Nach Recherchen von Kai Biermann, Astrid Geisler und anderen fungiert Weiß „in der Fraktion offenbar als Scharnier zu radikalrechten Nachwuchsgruppen wie der Identitären Bewegung, die seit ihrer Gründung 2012 vom Verfassungsschutz beobachtet wird“. Unter anderem trat Weiß mehrfach gemeinsam mit Mitgliedern der Identitären Bewegung auf Kundgebungen auf. Der Verfassungsschutz bestätigt, dass es personelle Überschneidungen zwischen der Jungen Alternative und der Identitären Bewegung gibt. Im Januar 2017 bestätigte Weiß schließlich diese personellen Überschneidungen und eine Zusammenarbeit der JA mit der Identitären Bewegung. Die AfD hatte dies zuvor stets bestritten und sich von der Identitären Bewegung distanziert. Weiß verteidigte die Zusammenarbeit als „überhaupt nicht verwerflich“. Die Mitglieder der Identitären Bewegung „ticken gar nicht so unterschiedlich zu uns, sie drücken sich nur anders aus“.

„Der Flügel“ Weiß gilt als Vertrauensmann des thüringischen Landes- und Fraktionsvorsitzenden Björn Höcke. und war von 2016 bis zu dessen Selbstauflösung im April 2020 Landesobmann der rechtsnationalen Parteiströmung „Der Flügel“ in Berlin, der 2020 vom Verfassungsschutz als rechtsextrem eingestuft wurde. Am 7. März 2022 urteilte das Kölner Verwaltungsgericht, dass die Einstufung des Flügels als „gesichert rechtsextremistisch“ zwar unzulässig war, der Flügel aber als Verdachtsfall eingestuft werden kann. In Richtung des thüringischen Landes- und Fraktionsvorsitzenden Höcke sagte Weiß auf dem Kyffhäusertreffen des ehemaligen Flügel 2019: „Du bist unser Anführer, dem wir gerne bereit sind zu folgen.“Tagesspiegel Checkpoint, 29. September 2023

Öffentliche Äußerungen Im Februar 2018 schrieb Weiß bei Facebook: „2050 soll es kein erkennbares deutsches Volk mehr geben: Regierung plant den Volkstod!“ Mit dem Begriff „Volkstod“ stelle Weiß „offene Bezüge“ zu rechtsextremen Theorien her, urteilte das Bundesamt für Verfassungsschutz im Prüfbericht zur AfD.

Im Herbst 2016 gab Weiß der vom DÖW als rechtsextrem eingestuften Zeitschrift Zuerst! ein Interview. Zu den gewalttätigen Ausschreitungen anlässlich einer Kundgebung rechter und rechtsextremer Gruppen in Chemnitz im August 2018 schrieb Weiß: „Des Volkes Zorn bricht sich Bahn.“Severin Weiland: Gewalt in Sachsen: Wie die AfD von Chemnitz profitieren will. www.spiegel.de, 28. August 2018 Im Falle eines Wahlsiegs der AfD, so erklärte Weiß der Süddeutschen Zeitung zufolge, werde man im Bereich der Justiz „aufräumen müssen“. Detlef Esslinger von der Süddeutschen Zeitunge deutete diese Äußerung als Vorstoß zur Aufhebung der Gewaltenteilung.

Debatten-Netzwerk „Idearium“ und Alternative Buchmesse Weiß gründete 2022 das Debatten-Netzwerk „Idearium“, um die Partei inhaltlich wie auch personell weiterzuentwickeln. 2024 organisierte Weiß eine „Alternative Buchmesse“ in Berlin. Laut Felix Müller von der Mobilen Beratung gegen Rechtsextremismus Berlin sei Weiß’ Ziel die „Bindung des politischen Vorfelds an die Partei und die stärkere Einbindung von Personen und Publikationsorganen der sogenannten Neuen Rechten“. Für den völkischen Teil, der inzwischen auch in der Berliner AfD den Ton angibt und von dem Landeschefin Kristin Brinker abhängig ist, ist die Veranstaltung laut Müller „der Versuch einer Machtdemonstration nach innen“. Zu den Ausstellern gehört u. a. der vom Verfassungsschutz als rechtsextrem eingestufte Verein „Ein Prozent“. Auch Götz Kubitschek, Verleger und Mitbegründer des als rechtsextrem eingestuften Instituts für Staatspolitik, zählt zu den Gästen. Auch der rechtsextreme Publizist und Anhänger von Pierre Drieu la Rochelle Benedikt Kaiser wurde angekündigt. Die Veranstaltung sei „eine ideale Gelegenheit zum Austausch und zur Vernetzung“, so Weiß. Kritik kam von den Berliner Grünen. Ario Mirzaie, Sprecher für Strategien gegen Rechts der Grünen-Fraktion, forderte: „Die Öffentlichkeit muss informiert sein, wo diese rechtsextreme Versammlung stattfindet, um den demokratischen Protest dagegen organisieren zu können.“

Politische Mandate: Einzug ins Abgeordnetenhaus Zur Wahl zum Abgeordnetenhaus von Berlin 2016 war Weiß AfD-Direktkandidat im Wahlkreis 1 Reinickendorf-Ost. Er erhielt auf Anhieb 19,4 % der Erststimmen und damit Platz drei, das Direktmandat gewann Burkard Dregger (CDU). Über den 9. Platz der Landesliste zog Weiß als Abgeordneter ins Abgeordnetenhaus von Berlin ein. Bei der Abgeordnetenhauswahl 2021 und der Wiederholungswahl 2023 konnte er seinen Sitz im Abgeordnetenhaus verteidigen.

18. Wahlperiode Weiß war Mitglied des Hauptausschusses sowie der Unterausschüsse für Haushaltskontrolle und für Personal und Verwaltung/Produktionshaushalt und Personalwirtschaft. Zudem war er Mitglied im Ausschuss Bildung Jugend und Familie. Er war Vorsitzender des Ausschusses für Personal und Verwaltung/Produktionshaushalt und Personalwirtschaft. Zugleich war er der jugendpolitische Sprecher seiner Fraktion.

Auf der Europawahlversammlung am 11. Januar 2019 in Riesa (Sachsen) wurde Weiß auf den 14. Platz der Kandidatenliste zur Wahl des Europaparlaments gewählt, die AfD erhielt mit 11,0 % der Stimmen elf Sitze.

Auf der Landeswahlversammlung am 5. Juni 2021 wurde Weiß auf den 7. Platz der Kandidatenliste für das Berliner Abgeordnetenhaus gewählt. Er war ebenso erneut Direktkandidat im Wahlkreis 1 Reinickendorf-Ost. Weiß zog über die Landesliste in das Abgeordnetenhaus von Berlin ein.

19. Wahlperiode / Bis zur Wiederholungswahl 2023 Weiß war Mitglied im Ausschuss für Bildung, Jugend und Familie, sowie im Ausschuss für Stadtentwicklung, Bauen und Wohnen. Er war bildungspolitischer Sprecher seiner Fraktion und seit November 2021 stellvertretender Vorsitzender der AfD-Fraktion.

19. Wahlperiode / Nach der Wiederholungswahl 2023 Weiß wurde Mitglied im Ausschuss für Bildung, Jugend und Familie sowie im Ausschuss für Arbeit und Soziales. Er fungierte bis Ende März 2025 als Sprecher für Bildungspolitik und übernahm dann die Funktion des Sprechers für Inneres. Seine Position als stellvertretender Vorsitzender der AfD-Fraktion behielt er bei.

Parlamentarische Arbeit

Innenpolitik Weiß wurde am 27. März 2025 zum innenpolitischen Sprecher seiner Fraktion gewählt und kündigte an: „Ab sofort wird die innere Sicherheit vor allem unter dem Aspekt der Remigration gedacht. Kriminelle Ausländer gehören konsequent abgeschoben, denn innere Sicherheit gibt es nur durch Remigration“. Im Internet inszeniert sich der Rechtsaußen als „Käpt’n Rückflug“ mit Forderungen nach mehr Abschiebungen.

Ausländerkriminalität Am 14. April 2025 stellte Weiß zusammen mit der Fraktionsvorsitzenden der AfD-Fraktion Berlin Kristin Brinker das Positionspapier „Ausländerkriminalität und Remigration“ der Presse vor. Das Konzept sieht vor, dass „Remigration“ als wichtige Antwort auch auf zentrale innenpolitische Herausforderungen der Gegenwart stärker in den Fokus der Öffentlichkeit rücken müsse. Im Namen der AfD-Fraktion fordert Weiß unter anderem: Die staatlich forcierte Abschiebung von Ausreisepflichtigen Die konsequente Rückführung von Gefährdern, Extremisten und Kriminellen Die Bekämpfung von importierten ethnisch-kulturellen und politischen Konflikten und Die Förderung einer freiwilligen Rückwanderung einschließlich Verhandlungen mit den entsprechenden HerkunftsländernAusländerkriminalität und Remigration, Positionspapier der AfD-Fraktion im Abgeordnetenhaus von Berlin zum Thema “Innere Sicherheit”, 14. April 2025

Görlitzer Park Im Juni kündigte Weiß zusammen mit seinem Fraktionskollegen Alexander Bertram eine Begehung des Görlitzer Parks an, der als Drogen- und Kriminalitätshotspot bekannt ist. Außerdem luden sie Pressevertreter zur Vorstellung eines Positionspapiers „Berlin, Görlitzer Park: Schandfleck eines kapitulierenden Staates“ ein. Bei dem medial inszenierten Auftritt im Görlitzer Park kam es unter dem Titel „Gegen rechte Hetze“ zu Protesten von rund 300 Personen, sowie Politikern von Grünen und Linken, die laut protestierten und die Abgeordneten teils bedrängten. Die AfD-Politiker mussten von einem Großaufgebot der Polizei beschützt werden. Es kam vereinzelt zu Rangeleien. Ein Mensch soll einen der AfD-Politiker bespuckt haben. Die Person wurde festgenommen, wie eine Polizeisprecherin sagte. Die Aktion erregte bundesweit Aufmerksamkeit.

Messer-App Am 1. April 2026 stellte Weiß gemeinsam mit der Fraktionsvorsitzenden Kristin Brinker im Abgeordnetenhaus eine von der AfD-Fraktion entwickelte Web-Anwendung unter der Adresse messerhauptstadt.berlin vor, die von der Fraktion als „Messer-App“ bezeichnet wurde. Die Anwendung wertet öffentliche Pressemeldungen der Berliner Polizei aus und stellt die darin gemeldeten Messerstraftaten als Liste sowie auf einer interaktiven Karte dar. Nach Angaben der Fraktion sollte damit mehr Transparenz über die Häufigkeit von Messerdelikten geschaffen und der schwarz-rote Senat zur Veröffentlichung weiterer Daten – etwa zur Nationalität Tatverdächtiger – bewegt werden. Weiß kündigte an, die Darstellung künftig auf Schusswaffen- und Sexualdelikte auszuweiten. Der Tagesspiegel ordnete die Vorstellung als Versuch ein, das Thema Waffengewalt im Wahlkampf zu nutzen. Die taz kritisierte das Angebot scharf: Es handele sich lediglich um eine Website, die öffentliche Polizeimeldungen sammle und dazu diene, Ressentiments zu bedienen.

Mit der FPÖ in Nord-Neukölln