Kohl (Brassica) bildet eine Pflanzengattung innerhalb der Familie der Kreuzblütler (Brassicaceae). Die rund 40 Arten sind von Südwesteuropa über das nordwestliche und östliche Afrika bis Südwestasien verbreitet. Viele wichtige Kulturpflanzen gehören zu dieser Gattung.
Namensgebung Der deutsche Gattungsname Kohl, von bzw. , mittelhochdeutsch in mittelalterlichen Texten auch und geschrieben,Otto Beßler: Prinzipien der Drogenkunde im Mittelalter. Aussage und Inhalt des Circa instans und Mainzer Gart. Mathematisch-naturwissenschaftliche Habilitationsschrift, Halle an der Saale 1959, S. 208 (Olus – kole, […] Caulus – kol für Brassica oleracea L.) wurde bereits von den Germanen aus dem lateinischen „Stängelkohl“ oder einer der vulgärlateinischen Varianten und entlehnt, das im ursprünglichen Sinne nur den Strunk einer Pflanze bezeichnete. Das lateinische Wort selbst geht – wie „(hohler) Stängel, Stiel, Schaft, Strunk, Kohl (meist Gemüsekohl)“ – vermutlich auf eine indogermanische Wurzel kaul mit der Bedeutung „hohl“, speziell „Röhrenknochen, hohler Pflanzenstängel“, zurück (vergleiche auch altgriechisch „hohl“).Ebenda Lemma
Beschreibung mini|links|Illustration aus Flora Atlantica, sive, Historia plantarum quae in Atlante, agro Tunetano et Algeriensi crescunt, Tafel 167 von Brassica fruticulosa subsp. radicata
Vegetative Merkmale Brassica-Arten sind ein-, zwei- oder mehrjährige krautige Pflanzen und erreichen Wuchshöhen von meist 30 bis 70 (10 bis 100) Zentimetern. Die Stängel sind meist verzweigt.
Die grundständig und wechselständig am Stängel verteilt angeordneten Laubblätter können gestielt oder sitzend sein. Die Blattspreiten sind sehr unterschiedlich groß und auch unterschiedlich geformt je nach Art.
mini|Blütendiagramm von Brassica Generative Merkmale Die traubigen Blütenstände sind meist nicht verzweigt. Die zwittrigen Blüten sind vierzählig. Die vier Kronblätter sind in der Form eines Kreuzes angeordnet. Die zwei Fruchtblätter sind zu einem oberständigen Fruchtknoten verwachsen.
Die Blütenformel lautet:
Die Früchte sind Schoten.
Die Chromosomenzahl bei den Naturformen beträgt 2n = 20.
mini|Brassica cretica subsp. aegaea mini|Brassica hilarionis mini|Brassica macrocarpa mini|Raps (Brassica napus) mini|Schwarzer Senf (Brassica nigra) mini|Gemüsekohl (Brassica oleracea), die Wildform auf Helgoland mini|Blumenkohl (Brassica oleracea var. botrytis) mini|Wirsing (Brassica oleracea convar. capitata var. sabauda) mini|Kohlrabi (Brassica oleracea var. gongylodes) mini|Rübsen (Brassica rapa) mini|Brassica repanda subsp. blancoana mini|Brassica rupestris Systematik und Verbreitung Die Erstbeschreibung der Gattung Brassica wurde durch Carl von Linné in Species Plantarum, Tomus II, 1753, S. 666, und Genera Plantarum, 5. Auflage, 1754, S. 299 aufgestellt. Synonyme für Brassica sind: Brassicaria , Guenthera , Napus , Rapa , Brassicastrum .
Die Gattung Brassica gehört zur Tribus Brassiceae innerhalb der Familie Brassicaceae.
Die Brassica-Arten sind von Makaronesien über Europa, das nördliche, östliche und südliche Afrika, Westasien, die Arabische Halbinsel bis Zentralasien verbreitet. Das Zentrum der Artenvielfalt ist der Mittelmeerraum.
Zur Gattung Brassica gehören folgende Arten:
Brassica assyriaca : Dieser Endemit kommt nur im nördlichen Syrien vor. Brassica aucheri : Sie kommt im Iran und Irak vor. Brassica baldensis (Syn.: Guenthera repanda subsp. baldensis , Brassica repanda subsp. baldensis ): Sie hat seit 2012 den Rang einer Art. Dieser Endemit kommt nur im Gebiet des Monte Baldo vor. Balearen-Kohl (Brassica balearica ): Dieser Endemit kommt nur auf Mallorca vor. Brassica barrelieri () : Sie kommt in Spanien, Portugal, Algerien und Marokko vor. Brassica bourgaei ( ex ) : Sie kommt auf den Kanarischen Inseln Teneriffa, La Palma, Gomera und Hierro vor. Brassica cadmea ex : Sie kommt in Griechenland vor. Abessinischer Senf oder Abessinischer Kohl (Brassica carinata ): Er kommt in Äthiopien eingebürgert vor und wird in Nordamerika und vielen anderen Ländern Afrikas kultiviert. Brassica cretica : Sie kommt ursprünglich in fünf Unterarten in Griechenland, auf Kreta, auf Inseln in der Ägäis und in der Türkei vor. Brassica deflexa : Sie kommt in der Türkei, im Libanon, in Syrien, im Irak, Iran, im südöstlichen Afghanistan, in Kuwait und Saudi-Arabien vor. Brassica deserti & : Sie kommt nur auf der Sinai-Halbinsel vor. Brassica desnottesii & : Sie kommt in Marokko vor. Brassica dimorpha : Sie kommt in Algerien sowie Tunesien vor. Brassica drepanensis () (Syn.: Brassica villosa subsp. drepanensis ): Dieser Endemit kommt nur im nordwestlichen Sizilien vor. Langrispen-Kohl (Brassica elongata ): Sie kommt ursprünglich in zahlreichen Unterarten in Sibirien, Xinjiang, in West- und Zentralasien, im Kaukasusraum, in Marokko, Mittel-, Ost- und Südosteuropa vor. Mittelmeer-Kohl (Brassica fruticulosa ): Sie kommt in Südeuropa und Nordafrika vor. Brassica glabrescens (Syn.: Brassica repanda subsp. glabrescens , Guenthera repanda subsp. glabrescens ): Sie hat seit 2012 den Rang einer Art. Dieser Endemit kommt nur im Gebiet zwischen den Flüssen Cellina und Meduna in Magredi del Cellina in Friaul-Julisch Venetien im nordöstlichen Italien vor. Brassica gravinae : Sie kommt in Italien, Marokko, Algerien, Tunesien und Libyen vor. Brassica hilarionis : Dieser Endemit kommt nur auf Zypern vor. Brassica incana : Sie kommt in Italien, auf der Balkanhalbinsel und der Krim vor. Brassica insularis : Sie kommt auf Sardinien, Korsika, Sizilien, in Algerien sowie Tunesien vor. Brassica jordanoffii (Syn.: Brassica nivalis subsp. jordanoffii ): Sie kommt nur im südwestlichen Bulgarien vor. Brauner Senf (Brassica juncea () ), auch Indischer Senf, Sareptasenf oder Ruten-Kohl. Er ist weltweit kultiviert oder eingebürgert. Seine Ursprünglichkeit ist zweifelhaft in Zentralasien und in der Mongolei. Es gibt die Varietäten: Chinesischer Senf (Brassica juncea var. crispifolia ) Hornsenf (Brassica juncea var. linearifolia) Grün-im-Schnee (Brassica juncea var. multiceps ) Breitblättriger Senf (Brassica juncea var. rugosa ), mit der Sorte Roter Senf 'Red Giant' Tsa Tsai (Brassica juncea var. tsatsai , Syn.: Brassica juncea var. tumida ) Brassica loncholoma : Sie kommt in Algerien sowie Tunesien vor. Sie wird auch als Eruca loncholoma von manchen Autoren in die Gattung Eruca gestellt. Brassica macrocarpa : Dieser Endemit kommt nur auf den Inseln Favignana und Marettimo bei Sizilien vor. Brassica maurorum ; Heimat: Algerien und Marokko. Brassica montana ; Heimat: Italien, Frankreich und Spanien. Raps (Brassica napus ): Er kommt weltweit eingebürgert vor. Mit den Unterarten und Varietäten: Steckrübe (Wruke) (Brassica napus subsp. rapifera , Syn.: Brassica napus subsp. napobrassica ) Raps (Brassica napus subsp. napus) Schnittkohl (Brassica napus var. pabularia ) Schwarzer Senf (Brassica nigra () ): Er ist ursprünglich in Eurasien und Afrika weit verbreitet und in anderen Ländern ein Neophyt. Brassica nivalis : Sie kommt nur im nördlichen Griechenland vor. Manchmal wird diese Art mit Brassica jordanoffii aus Bulgarien zu einer Art Brassica nivalis s. l. zusammengefasst. Gemüsekohl (Brassica oleracea ): Er gedeiht ursprünglich an den Küsten von Spanien, Frankreich, Großbritannien und Deutschland (Helgoland), wird aber weltweit kultiviert. Es gibt einige Varietäten: Zierkohl (Brassica oleracea var. acephala ) China-Broccoli, Gai Lon oder Kai-lan (Brassica oleracea var. alboglabra ) Blumenkohl (Brassica oleracea var. botrytis ) Romanesco (Brassica oleracea convar. botrytis var. botrytis) Urkohl, Flachkohl (Brassica oleracea var. capitata)https://gemueseprofi.de/jungpflanzen/flachkohlhttps://www.behr-ag.com/unser-gemuese/produkt?bio=&product=435&cHash=5d2a9697af86b98148eb0c4efcb7489d Kopfkohl (Brassica oleracea convar. capitata ) Weißkohl (Brassica oleracea convar. capitata var. alba) Spitzkohl Rotkohl (Brassica oleracea convar. capitata var. rubra) Wirsing (Brassica oleracea convar. capitata var. sabauda ) Butterkohl (Brassica oleracea convar. capitata var. sabauda subvar. fimbriata) Rosenkohl (Brassica oleracea var. gemmifera ) Kohlrabi (Brassica oleracea var. gongylodes ) Broccoli (Brassica oleracea var. italica ) Markstammkohl (Brassica oleracea var. medullosa ) Helgoländer Wildkohl (Brassica oleracea var. oleracea)https://www.gaissmayer.de/web/shop/pflanzen-sortiment/biokraeuter/geniesserpflanzen/traditionelles-gemuese-wildes-kraut/529/brassica-oleracea-var-oleracea/8233/ Palmkohl (Brassica oleracea var. palmifolia ) Ewiger Kohl, Synonyme: Ewiger Baumkohl, Strauchkohl, Tausendköpfiger Kohl (Brassica oleracea var. ramosa) Grünkohl (Brassica oleracea var. sabellica ) Kuhkohl, Blattkohl, Staudenkohl (Brassica oleracea var. viridis ) Brassica oxyrrhina () : Sie kommt in Portugal, Spanien sowie Marokko vor. Brassica procumbens () : Sie kommt ursprünglich in Tunesien vor und ist im nordöstlichen Algerien ein Neophyt. Rübsen (Brassica rapa ). Die Art ist weltweit verbreitet, eine genauere Heimat ist nicht bekannt. Mit den Unterarten und Varietäten: Herbstrübe (Mairübe), Teltower Rübchen, Bayerische Rübe, Pfatterer Rübe, Rübstiel (Brassica rapa subsp. rapa) Pak Choi (Brassica rapa subsp. chinensis ) Mizuna, Japanischer Salat (Brassica rapa subsp. nipposinica ) Ölrübsen (Brassica rapa subsp. oleifera ) Choisum (Brassica rapa var. parachinensis ) Chinakohl (Brassica rapa subsp. pekinensis ) Rübstiel (Brassica rapa var. rapifera subvar. pabularia und Brassica rapa subsp. silvestris „Namenia“) Stängelkohl (Brassica rapa var. cymosa, Syn.: Brassica rapa var. silvestris) Aburana (Brassica rapa var. nippo-oleifera) Komatsuna, Japanischer Senfspinat (Brassica rapa subsp. nipposinica var. perviridis ) Brassica repanda () : Sie kommt ursprünglich im nordwestlichen Italien, im südlichen Frankreich, in Spanien, Marokko sowie im nördlichen Algerien vor. Es gibt etwa 16 Unterarten. Brassica rupestris : Dieser Endemit kommt nur im nördlichen Sizilien und im südwestlichen Italien vor. Brassica setulosa : Sie kommt im östlichen Marokko sowie im nordwestlichen Algerien vor. Brassica somalensis & : Sie wurde 1977 aus Somalia erstbeschrieben. Brassica souliei () : Sie kommt in zwei Unterarten in Sizilien, Tunesien, im nördlichen Algerien sowie in Marokko vor. Brassica spinescens : Sie ist ein Endemit Algeriens. Brassica tournefortii : Sie kommt ursprünglich in Südeuropa, Nordafrika, in Arabien, in West- bis Zentralasien und Pakistan verbreitet. In Nordamerika, Australien, Neuseeland und im südlichen Afrika ist sie ein Neophyt. Brassica villosa (Syn.: Brassica bivoniana & , Brassica tinei ): Dieser Endemit kommt nur im westlichen bis zentralen Sizilien vor.
Einzelnachweise Jaakko Jalas, Juha Suominen: Atlas florae europaeae. Band 10: Cruciferae (Sisymbrium to Aubrieta). Helsinki 1994, ISBN 951-9108-09-2. Brassica in Brassica in Ihsan A. Al-Shehbaz: Brassicaceae. In: Flora of North America Editorial Committee (Hrsg.): Flora of North America North of Mexico. Volume 7: Magnoliophyta: Salicaceae to Brassicaceae. Oxford University Press, New York und Oxford, 2010, ISBN 978-0-19-531822-7. Brassica Linnaeus. S. 419–424 - textgleich online wie gedrucktes Werk. Margherita Lega, Simone Fior, Filippo Prosser, Alessio Bertolli, Mingai Li, Claudio Varotto: Application of the unified species concept reveals distinct lineages for disjunct endemics of the Brassica repanda (Brassicaceae) complex. In: Biological journal of the Linnean society. Volume 106, Issue 3, S. 482–497. doi:10.1111/j.1095-8312.2012.01887.x online. Karol Marhold, 2011+: Brassicaceae. Datenblatt Brassica. In: Euro+Med Plantbase – the information resource for Euro-Mediterranean plant diversity. M.A. Koch et al.: Datenblatt Brassica In: BrassiBase Tools and biological resources to study characters and traits in the Brassicaceae.
Literatur
Weblinks
Kategorie:Kohlgemüse