Als Sender Weimar strahlte von Mitte der 1950er Jahre bis 1990 das Weimarer Funkhaus des Rundfunks der DDR seine regionalen oder zentralen Radiosendungen bzw. -programme aus. Das regionale Sendegebiet umfasste die Bezirke Erfurt, Gera und Suhl, die in etwa dem Territorium des vorherigen Landes Thüringen entsprachen.
Rundfunk der Region bis 1945 Bis 1945 gehörte der Thüringer Raum zum Sendegebiet der Mitteldeutschen Rundfunk AG – MIRAG, ab 1934 als Reichssender Leipzig firmierend. Bedarfsbesprechungstellen (Studios) unterhielt die Leipziger Station in Weimar, Jena und Oberhof, zeitweise auch in Erfurt, Gera und Eisenach.Horst O. Halefeldt: Sendegesellschaften und Rundfunkordnungen in Joachim-Felix Leonhard (Hrsg.): Programmgeschichte des Hörfunks in der Weimarer Republik, Band 1, Deutscher Taschenbuchverlag 1997Horst Zänger: Geschichten aus 50 Jahren Rundfunk – Chronik des Landesrundfunks Mecklenburg-Vorpommern, VerlagReinhardThon Schwerin 1995LIA-Archiv Wegner, LIA Hamburg
Rundfunk der Region von 1945 bis 1952 Rundfunk in der Sowjetischen Besatzungszone nach 1945 Nach dem Zweiten Weltkrieg und dem Zusammenbruch des nationalsozialistischen Rundfunks bauten deutsche Antifaschisten unter Führung von KPD-Funktionären auf Befehl der sowjetischen Besatzungsmacht ein Rundfunksystem für die Sowjetische Besatzungszone auf. Dieses Rundfunksystem in der SBZ/DDR hatte von 1945 bis 1952 folgende Struktur:
Berliner Rundfunk (als Leitstation für alle Sender in der Sowjetischen Besatzungszone sowie als Leitsender für Berlin, Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern; Sendestart: 13. Mai 1945, ab 22. Mai 1945 als Berliner Rundfunk) Landessender Schwerin (für Mecklenburg-Vorpommern; Sendestart: 24. Dezember 1945) - Studio Rostock Landessender Potsdam (für Brandenburg; Sendestart: 22. Juni 1946) Studio Cottbus (für die Region Cottbus; Sendestart: um 1948/49)
Mitteldeutscher Rundfunk (für Sachsen, Thüringen und Sachsen-Anhalt; Sitz: Leipzig; Sendestart: 15. September 1945, ab November 1945 als Mitteldeutscher Rundfunk firmierend und bis zur Inbetriebnahme eines als Funkhaus hergerichteten Gebäudes am 4. Juni 1946 aus dem Berliner Funkhaus sendend) Landessender Dresden (für Sachsen; Sendestart: 7. Dezember 1945) - Studio Chemnitz Landessender Weimar (für Thüringen; Sendestart: 1. Januar 1946 nach Versuchssendungen ab November 1945) - Studio Erfurt Landessender Halle (für Sachsen-Anhalt, Sendestart: 24. Dezember 1946) - Studio Magdeburg
Deutschlandsender (für ganz Deutschland; Sitz: Berlin; Sendestart: 1. Mai 1949)
Der Berliner Rundfunk und der Mitteldeutsche Rundfunk arbeiteten in ihrem jeweiligen Sendegebiet als eine Senderkette, wobei die Landessender regionale Fensterprogramme erstellten – eingebettet in die Programmstruktur des jeweils zuständigen Leitsenders (Berliner Rundfunk oder Mitteldeutscher Rundfunk). Im Zuge des weiteren Aufbaus von Rundfunkstrukturen installierten die Rundfunkverantwortlichen mit den entsprechenden Stellen in den Ländern nach und nach die o. a. Regionalstudios, jeweils mit Zulieferfunktion für die Funkhäuser in Berlin bzw. Leipzig oder die Landessender. Das Studio Cottbus verbreitete ab ca. 1948/49 als einziges Studio eigene Regionalsendungen über Drahtfunk, ebenfalls eingebettet im Programm des Berliner Rundfunks.
Der Deutschlandsender war der Intendanz des Berliner Rundfunks unterstellt, hatte aber eine eigene Chefredaktion. Ohnehin hatte der Berliner Rundfunk bis 1952 die Funktion einer Leitstation für alle Funkhäuser und Studios in der SBZ/DDR.
Oberste Instanz war die Generalintendanz für den demokratischen Rundfunk, zuständig für alle Rundfunkstationen und deren jeweilige Senderkette mit den dazugehörigen Landessendern sowie den Regionalstudios. Somit hatte der Rundfunk in der Sowjetischen Besatzungszone und der späteren DDR trotz des erheblichen Produktionsumfangs der Funkhäuser und Studios in den Ländern und des Einflusses der KPD/SED in den Länderverwaltungen bis 1952 keine föderale Struktur, sondern war ein zentrales Rundfunksystem mit einem Generalintendanten in Berlin. Keine dieser als öffentlich-rechtliche Einrichtungen firmierten Funkhäuser oder Studios und keine der beiden Senderketten war eine eigene Rechtspersönlichkeit.Protokoll der ersten Tagung des Lektorats Rundfunkgeschichte mit den Pionieren des Deutschen Demokratischen Rundfunks vom 25. April 1966 in Beiträge zur Geschichte des Rundfunks, Schriftenreihe des DDR-Rundfunks, 4. Jahrgang 1970Horst Zänger, ebendaLIA-Archiv Wegner, ebendaHeide Riedel in Hörfunk und Fernsehen in der DDR – Funktion, Struktur und Programm des Rundfunks in der DDR, herausgegeben vom Deutschen Rundfunk-Museum e. V., Berlin (West), in Literarischer Verlag Helmut Braun KG, Köln 1977Programmteil in Der Rundfunk, Jg. 1949 (1–52), Deutscher Funk Verlag GmbH Berlin SO 36, 1949Hans-Ulrich Wagner: Ein produktiver Wettstreit – Das Hörspiel in der SBZ 1945–1949, in: Mit uns zieht die neue Zeit... Heide Riedel (Hrsg.), Vistas Verlag Berlin 1992Programmteil in Der Rundfunk, Jg. 1953 (1–52), © Hrsg.: Staatliches Rundfunkkomitee der DDR über Henschelverlag Kunst und Gesellschaft Berlin (DDR) 19531. Workshop 17. Dezember 1991 – Rundfunkbeginn 1945, in: Mit uns zieht die neue Zeit... Heide Riedel (Hrsg.), Vistas Verlag Berlin 1992Heinz Florian Oertel: Höchste Zeit, Das Neue Berlin Verlagsgesellschaft, Berlin 1997 (3. Auflage 1998)Eberhard Fensch: So und nur noch besser – Wie Honecker sich das Fernsehen vorstellte, Das Neue Berlin Verlag, Berlin 2003Günter Rücker: Anfänge in Leipzig, in: Mit uns zieht die neue Zeit... Heide Riedel (Hrsg.), Vistas Verlag Berlin 1992Programmteil in Der Rundfunk, 1952/1953, Hrsg.: Staatliches Rundfunkkomitee der DDR über Henschelverlag Kunst und Gesellschaft Berlin (DDR) 1953Karl-Heinz Mosgraber: Das 1 000-jährige Potsdam und der Rundfunk, in: Mit uns zieht die neue Zeit... Heide Riedel (Hrsg.), Vistas Verlag Berlin 1992Zur Geschichte des Sorbischen Hörfunks in https://www.rbb-online.de/radio/sorbisches_programm/startseite/zur_geschichte_des.htmlSorbischer Rundfunk in https://www.mdr.de/sorbisches-programm/rundfunk/index.htmlZentralverwaltung für Volksbildung – Abteilung Allgemeine Volksbildung: Organisationsstatut in der sowjetischen Besatzungszone vom 14. März 1946 in Heide Riedel: Hörfunk und Fernsehen in der DDR – Funktion, Struktur und Programm des Rundfunks in der DDR, herausgegeben vom Deutschen Rundfunk-Museum e. V., Berlin (West) in Literarischer Verlag Helmut Braun KG, Köln 1977Gerhard Walther: Der Rundfunk in der Sowjetischen Besatzungszone, Deutscher Bundesverlag, Bonn 1961
Landessender Weimar Ende 1945 begann auf Initiative der Rundfunkverantwortlichen in Berlin, der Landesregierung Thüringen, der Sowjetischen Militäradministration in Deutschland (SMAD) und der Post der Aufbau eines Landessender für Thüringen in der Landeshauptstadt Weimar. Nach Versuchssendungen ab November 1945 nahm der Sender als Außenstelle des Berliner Rundfunks am 1. Dezember 1945 seine Arbeit auf. Offizieller Sendestart war der 1. Januar 1946. Kurze Zeit später nannte sich die Station Landessender Weimar. Der Sender hatte seinen Sitz im Hotel Elephant. Das Hotel war in den 1930er-Jahren als Weimarer Residenz Adolf Hitlers gebaut worden – inklusive eines voll funktionsfähigen Bedarfsstudios mit Anschluss an das Netz der Reichs-Rundfunk-Gesellschaft. Dieses Studio war 1945 noch voll funktionstüchtig. Fehlende Ausrüstung – wie Bandmaschinen, Mikrofone usw. – kamen zum Teil aus dem Bedarfsstudio Oberhof.
Da in Folge des weiteren Vordringens der Ostfront Teile des Musikarchivs des Reichssenders Breslau nach Weimar in die Nietzsche-Hallen ausgelagert worden waren, konnte die Weimarer Station nach 1945 auf dieses Musikarchiv zurückgreifen. Anders als in anderen Funkhäusern und Studios nach dem Zweiten Weltkrieg, die selten über ein ausreichendes Schallarchiv verfügten, stellte die musikalische Ausgestaltung der Sendungen in Weimar kein Problem dar.Christian Handwerck: Funkhaus Weimar – Der vergessene Sender, http://www.history-weimar.de/sender/pdf/FG205_Seiten%20148-151_Weimar.pdf
Funkhaus Weimar Da die Räumlichkeiten im Hotel Elephant ohnehin nur ein Provisorium sein konnten, einigten sich die Rundfunkverantwortlichen in Weimar auf den Umbau der nicht fertiggestellten Nietzsche-Gedächtnishalle zu einem Funkhaus. Nach einjähriger Bauzeit erfolgte am 1. Juni 1947 die erste Ausstrahlung einer Sendung aus diesem Funkhaus. Die offizielle Einweihung war am 11. Juni 1947.
Das Funkhaus war technisch vorzüglich ausgestattet und hatte eine vorbildliche Akustik. Es verfügte über zwei Schallaufnahmen mit Sprecherraum sowie einem Schaltraum, einem kleinen und einem großen Sendesaal – der große Sendesaal mit 300 Sitzplätzen –, über 50 Arbeits- und Büroräume, einer Werkstatt und Garagen für den Fuhrpark, wie Übertragungswagen u. Ä.Weimars Funkhaus feierlich eröffnet. In: Zum Volk vom 14. Juni 1947, http://www.history-weimar.de/sender/page/bau.htmChristian Handwerck, ebenda
Produktionsprofil Der Landessender war eingebunden mit regionalen Fensterprogrammen und überregionalen Programmblöcken in die Programmstruktur des Mitteldeutschen Rundfunks mit Sitz in Leipzig, zu dessen Senderkette er gehörte.
Das tägliche Programmvolumen betrug zwei bis drei Regionalfenster über den Tag verteilt mit einer Sendezeit von knapp drei Stunden und wöchentlich etwa neun überregionale Programmblöcke von durchschnittlich je 75 Minuten im zentralen Programm des Mitteldeutschen Rundfunks. Das entsprach einer durchschnittlichen täglichen Sendezeit (regional und überregional) von etwa 4½ Stunden.
Zum Produktionsprofil gehörten Landesnachrichten, der Landfunk, die Presseschau und ein Wirtschaftsmagazin, Umsiedler- und Heimkehrersendungen, die Beantwortung von Hörerfragen sowie Musik- und Unterhaltung, Sondersendungen zu anstehenden Wahlen und die Produktion von klassischer und volkstümlicher Musik sowie von Hörspielen.Programmteil in Der Rundfunk, Jg. 1949 (1–52), ebenda
Studio Erfurt Nachdem der Aufbau von zwei Senderketten und dazugehörigen Landessendern abgeschlossen war, initiierten die Rundfunkverantwortlichen in Berlin mit den entsprechenden Stellen in den Ländern den Aufbau von Regionalstudios. Dies und die Tatsache, dass inzwischen Erfurt zur Landeshauptstadt ernannt worden war, führte am 15. Juli 1949 zur Inbetriebnahme eines Regionalstudios in Erfurt – in erster Linie für Zulieferungen aus der neuen Landeshauptstadt zum Programm des Landessenders Weimar, aber auch für das Programm des Mitteldeutschen Rundfunks und die anderen Sender der Sowjetischen Besatzungszone (SBZ)/DDR.Workshop 17. Dezember 1991 – Rundfunkbeginn 1945, ebendaChristian Handwerck, ebenda
Rundfunk der Region von 1952 bis 1964 Mit der Auflösung der Länder und der Errichtung von Bezirken als Verwaltungseinheiten im Sommer 1952 ging einher eine Umstrukturierung des Rundfunks in der DDR mit der Gründung des Staatliche Rundfunkkomitee (SRK). Die Bezirke Erfurt, Gera und Suhl entsprachen in etwa dem Sendegebiet des ehemaligen Landessenders Weimar.
Bezirksstudios Als Folge der Umstrukturierung des DDR-Rundfunks waren die Funkhäuser und Studios in den bisherigen Ländern ab Sommer 1952 Bezirksstudios, nur noch mit einer Zuliefererfunktion für die in Berlin oder zum Teil in Leipzig produzierten zentralen Programme.
In Bezirksstädten, in denen es noch keine Radiostudios gab, baute das Rundfunkkomitee solche auf, wie zum Beispiel in Suhl, Gera, Frankfurt (Oder) und Neubrandenburg.
Den stark reduzierten Produktions- und Sendebetrieb des Funkhauses Weimar übernahm das Studio Erfurt.
Das Funkhaus Weimar diente von 1952 bis 1955 als Rundfunkschule. Die Rundfunkschule hatte bis 1952 ihren Sitz im Funkhaus Berlin-Grünau gehabt. Im Jahre 1952 musste das Funkhaus Grünau einen Teil des Redaktions-, Produktions- und Verwaltungspotentials des noch nicht komplett fertiggestellten Berliner Funkhauses in der Nalepastraße auffangen.