Die Weintaube oder Bleigraue Taube (Patagioenas plumbea, Syn.: Columba plumbea) ist eine Art innerhalb der Gattung der Amerikanischen Feldtauben. Es ist eine große, langschwänzige und heimlich lebende Taube mit weinrotem Gefieder, die in Wäldern der nördlichen Hälfte Südamerikas vorkommt. Es werden fünf Unterarten unterschieden.Gibbs, Barnes und Cox: Pigeons and Doves, S. 230.
Die Bestandssituation der Weintaube wurde 2016 in der Roten Liste gefährdeter Arten der IUCN als „“ = „nicht gefährdet“ eingestuft.
Merkmale Weintauben erreichen eine Körperlänge von 34 Zentimeter und sind damit etwas größer als eine Lachtaube.Gibbs, Barnes und Cox: Pigeons and Doves, S. 229. Der Geschlechtsdimorphismus ist nicht sehr ausgeprägt.
Die Männchen haben einen graurosa Kopf. Der vordere Hals und die Brust bis zu Unterschwanzdecken haben den gleichen Farbton. Die Kehle ist etwas aufgehellt. Der Mantel, die Flügeldecken und die Armschwingen sind dunkelbraun. Der Rücken, der Bürzel und die Oberschwanzdecken sind kräftig dunkelbraun. Der im Verhältnis zur Körpergröße lange Schwanz hat dieselbe Färbung wie die Flügeldecken.
Die Färbung der Iris ist individuell verschieden und reicht von weißlich bis orange. Der Orbitalring ist rot-violett. Der kräftige Schnabel ist schwarz, die Füße sind rot.
Weibchen sind ähnlich gefärbt wie die Männchen, jedoch insgesamt etwas matter. Jungvögel gleichen den Weibchen, weisen an der Brust und auf den Flügeldecken jedoch rotbraune Töne auf.
Die Rufe der Weintaube unterscheiden sich nach Verbreitungsgebiet und vermutlich auch nach der Unterart.Stimme der Weintaube auf Xeno Canto, aufgerufen am 24. September 2016
Verwechselungsmöglichkeiten mini|Rotrückentaube, nur an wenigen Merkmalen von der Weintaube zu unterscheiden Verwechselungsmöglichkeiten bestehen mit einer Reihe von Taubenarten, mit deren Verbreitungsgebiet sich das der Weintaube überlappt. Ähnlichkeit bestehen mit der Purpur-, der Goodson- und der Rotrückentaube, die alle zur gleichen Gattung gehören.
Die Purpurtaube ist bei Feldbeobachtungen äußerlich kaum von der Weintaube zu unterscheiden. Die Rufe der beiden Arten unterscheiden sich jedoch auffällig. Die Goodsontaube hat gleichfalls einen artspezifischen Ruf, der sich von der der Weintaube deutlich unterscheidet. Sie ist außerdem deutlich kleiner, hat einen auffallend kürzeren Schwanz und einen kompakteren Körperbau. Die Rotrückentaube hat ein rötlicheres Gefieder. Das Brustgefieder der Rotrückentaube ist außerdem weinrot und kontrastiert auffällig mit dem helleren Bauch.
Verbreitungsgebiet Das Verbreitungsgebiet der Weintaube ist disjunkt. Ein Teil des Verbreitungsgebietes sind die Vorgebirge der pazifischen Bergketten von Kolumbien bis in den Nordwesten von Ecuador. Ein weiteres Verbreitungsgebiet befindet sich im Departamento del Chocó, Kolumbien. Ein großes zusammenhängendes Verbreitungsgebiet erstreckt sich von östlich der Anden von Venezuela bis in den Norden von Paraguay und den Südosten Brasiliens.
Lebensweise Die Weintaube ist eine scheue, heimlich lebende Waldtaube, die sich paarweise oder in kleinen Trupps in der Wipfelregion von Bäumen aufhält. Ihre Nahrung besteht aus einer großen Bandbreite von Früchten. Sie frisst außerdem in Brasilien die Beere von Misteln.
Weintauben brüten vermutlich ganzjährig, da Beobachtungen von nestbauenden oder brütenden Vögeln aus allen Monaten vorliegen. In Peru werden Weintauben zwar im Zeitraum von Juli bis November in größeren Trupps beobachtet, jedoch lassen die Männchen auch in dieser Zeit ihre Rufe hören und auch brütende Vögel wurden in diesem Zeitraum beobachtet. Balzende Männchen fliegen steil von einer bevorzugten Ansitzwarte auf und kehren zu dieser Ansitzwarte in einem flacheren, halbkreisförmigen Gleitflug zu dieser Ansitzwarte wieder zurück.
Das Nest ist eine lose Plattform, die gewöhnlich fünf bis 30 Meter über dem Erdboden in Wipfeln von Bäumen errichtet wird, die einen Bewuchs aus Schlingpflanzen aufweisen. Das Gelege besteht mit großer Sicherheit aus lediglich einem Ei.
Unterarten Es werden sechs Unterarten unterschieden.IOC World Bird List Pigeons Patagioenas plumbea bogotensis ( & , 1890)Hans Hermann Carl Ludwig von Berlepsch u. a. (1890), S. 32 kommt in den Ostanden vom westlichen Venezuela bis ins westliche Bolivien vor. Patagioenas plumbea chapmani (, 1916)Robert Ridgway (1916), S. 325 ist im Westen Kolumbiens bis in den Nordwesten Perus verbreitet. Patagioenas plumbea pallescens (, 1908)Maria Emilie Snethlage (1908), S. 22 kommt im Osten Ecuadors, dem Osten Perus und dem westlichen Amazonasgebiet Brasiliens vor. Patagioenas plumbea wallacei (, 1918)Charles Chubb (1918), S. 32 ist im Osten Venezuelas, in Guyana, Suriname, Französisch-Guayana und dem östlichen Amazonasgebiet Brasiliens verbreitet. Patagioenas plumbea baeri (, 1908)Carl Eduard Hellmayr (1908), S. 91 kommt im östlichen zentralen Brasilien vor. Patagioenas plumbea plumbea (, 1818)Louis Pierre Vieillot (1818), S. 358 ist im südöstlichen Brasilien und in Paraguay verbreitet.
Etymologie und Forschungsgeschichte Die Erstbeschreibung der Weintaube erfolgte 1818 durch Louis Pierre Vieillot unter dem wissenschaftlichen Namen Columba plumbea. Das Typusexemplar wurde von Pierre Antoine Delalande in Brasilien gesammelt. 1853 führte Ludwig Reichenbach die Gattung Patagioenas ein.Ludwig Reichenbach (1852), S. XXVZur genauen Publikationsgeschichte von Reichbachs Werk siehe Marvin Ralph Browning u. a. (1991). Der Begriff leitet sich vom griechischen für klappern, klatschen und für Taube ab.Patagioenas The Key to Scientific Names Edited by James A. Jobling Der Artname »plumbea« leitet sich von ab.plumbea The Key to Scientific Names Edited by James A. Jobling »Chapmani« ist Frank Michler Chapman gewidmet, »wallacei« Alfred Russel Wallace und »baeri« Gustav Adolf Baer. »Bogotensis« zielt auf das Verbreitungsgebiet Bogotá. »Pallescens« hat seinen Ursprung in .pallescens The Key to Scientific Names Edited by James A. Jobling Columba locutrix , 1821Maximilian zu Wied-Neuwied (1821), S. 118 in der Fußnote gilt heute als Synonym zur Nominatform, Columba plumbea delicata & , 1902Hans Hermann Carl Ludwig von Berlepsch u. a. (1902), S. 44 als Synonym zu P. p. bogotensis. »Locutrix« leitet sich von ablocutrix The Key to Scientific Names Edited by James A. Jobling, »delicata« von .delicata The Key to Scientific Names Edited by James A. Jobling Alfred Laubmann führte die Taube in Die Vögel von Paraguay als Columba plumbea und weist darauf hin, dass bis die Art zu diesem Zeitpunkt nur Arnaldo de Winkelried Bertoni bei Puerto Bertoni in Paraguay beobachtet hatte.Alfred Laubmann (1939), S. 133Arnaldo de Winkelried Bertoni (1919), S. 256
Literatur
Weblinks
Einzelbelege
Anmerkungen
Kategorie:Amerikanische Feldtauben