Gunnar Norbert Lindemann (* 25. August 1970 in Wuppertal) ist ein deutscher Politiker (AfD). Er ist seit 2016 Mitglied des Berliner Abgeordnetenhauses.

Leben Lindemann ist gelernter Bankkaufmann sowie Sicherheitskraft und war als Personalbetriebsplaner beim privaten Bahnunternehmen Ostdeutsche Eisenbahn (ODEG) tätig, bei dem er seit 1. März 2017 beurlaubt ist. auf der Website des Berliner Abgeordnetenhauses

Im September 2016 gewann er bei der Wahl zum Abgeordnetenhaus von Berlin mit 30,6 % den Wahlkreis Marzahn-Hellersdorf 1 als Direktkandidat der AfD.Wahlen zu den Bezirksverordnetenversammlungen 2016 / Marzahn-Hellersdorf, 19. September 2016, Märkische Allgemeine Bei der folgenden Wahl im September 2021 gelang es ihm, mit 22,7 % erneut als Direktkandidat ins Abgeordnetenhaus von Berlin einzuziehen. Bei der Wiederholungswahl 2023 holte Lindemann mit 28,8 Prozent erneut das Direktmandat in seinem Wahlkreis. Bei der Wahl im September 2026 konnte er sein Ergebnis auf 45,1 % steigern und zog wieder als Direktkandidat in das Abgeordnetenhaus ein.

Lindemann ist Mitglied im Ausschuss für Integration, Arbeit und Soziales, Ausschuss für Sport und Ausschuss für Mobilität des Abgeordnetenhauses von Berlin.

Lindemann ist mit einer Rumänin verheiratet und hat einen Sohn.Antje Hildebrandt: Maitre Gunnar aus Berlin-Marzahn: Der "AfD-Küchenschreck" und seine Putin-Propaganda, t-online, 21. Mai 2022

Lindemann betreibt einen satirisch gestalteten YouTube-Kanal unter dem Namen Gunnars-Kochshow,"Gunnars Kochshow" auf YouTube: "Gunnars Kochshow", YouTube auf welchem er diverse Fertiggerichte zubereitet.

Positionen Lindemann behauptet eine „Islamisierung“ Deutschlands und wandte sich gegen die in seinen Augen „gesetzlose Merkel-Administration“. Im Wahlkampf 2016 forderte er bezogen auf die Planung einer Flüchtlingsunterkunft „Wohnraum für Berliner“. Lokale Projekte „für die eigene Bevölkerung“ wie bessere Sitzbänke, Video-Technik in den S-Bahnhöfen und den Erhalt einer Jugendverkehrsschule wollte Lindemann über die Streichung von Geldern an Initiativen gegen Rechtsextremismus sowie über die Abschiebung abgelehnter Asylsuchender finanzieren., 19. September 2016, Berliner Zeitung

Der Tagesspiegel berichtete 2016 von fremdenfeindlichen Äußerungen Lindemanns in sozialen Netzwerken und seinen Mitgliedschaften in Gruppen, in denen nationalistische und antisemitische Inhalte geteilt würden. Der taz zufolge hat Lindemann nachgewiesene Verbindungen ins rechtsextremistische Spektrum.Wahlergebnisse der AfD in Berlin: Rechtsradikaler holt Direktmandat taz vom 18. September 2016.

Kontroversen Aussagen zum Bürgerkrieg in Syrien Die Rückeroberung Aleppos durch syrische und russische Truppen bezeichnete Lindemann auf Twitter als „Befreiung“ und äußerte die Meinung, dass syrische Flüchtlinge nun zurückkehren und beim Wiederaufbau der Stadt helfen könnten. Die Berliner Zeitung wertete dies als Verhöhnung der syrischen Bürgerkriegsopfer. Später löschte Lindemann den Tweet und erklärte, seine Äußerungen seien unbedacht gewesen und er nehme die „spontane Einschätzung“ mit Bedauern zurück.

Kommentare zum Tötungsdelikt an einer 14-Jährigen in Berlin Im März 2018 wurde in Berlin ein 14-jähriges Mädchen von einem Mitschüler in seiner Wohnung erstochen. Nachdem die Polizei bekannt gegeben hatte, dass es sich bei dem festgenommenen Tatverdächtigen um einen 15-jährigen Deutschen handelt, forderte Lindemann die Polizei auf, den Namen des Täters zu nennen,Tod von 14-jähriger Keira wühlt Berlin auf, auf n-tv.de, abgerufen am 12. März 2018. was jedoch aufgrund des Pressekodex zunächst unterblieb. Später wurde der Name Edgar H. mitgeteilt.Keira G. (14) wurde von Edgar (15) erstochen! *Updates*, auf berliner-woche.de, abgerufen am 12. März 2018.Mitschülerin (†14) mit 23 Messerstichen getötet: Keiras Mörder hatte eine Komplizin: 16-Jährige angeklagt, rtl.de, 17. Februar 2020: „Der grausame Mord an der 14 Jahre alten Keira aus Berlin hat viele Menschen in Deutschland erschüttert. Ihr Mitschüler Edgar H. hatte sie im März 2018 in der elterlichen Wohnung mit 23 Messerstichen brutal getötet. Aus purer Mordlust, wie sich später herausstellte.“

Äußerungen zu Luftangriffen auf Städte im Dritten Reich Nachdem im Juli 2019 eine Bahnreisende die Durchsage eines Deutsche-Bahn-Mitarbeiters („Liebe Fahrgäste. Unser Zug hat wegen der Entschärfung einer Bombe, die die Westalliierten auf die unschuldige Bevölkerung Frankfurts abgeworfen haben, zur Zeit 45 Minuten Verspätung.“) auf Facebook bekanntgemacht hatte und daraufhin Opfer eines Shitstorms inklusive Gewaltandrohungen geworden war, beteiligte sich auch Lindemann und erklärte, dass der „alliierte Bombenterror gegen die deutsche Zivilbevölkerung ... eine historische Tatsache“ sei. Außerdem unterstellte er der Frau, sie habe es auf mediale Aufmerksamkeit abgesehen., 16. Juli 2019, abgerufen am 31. März 2022

Reisen nach Belarus Lindemann reist seit dem Oktober 2018 immer wieder nach Belarus, wo er Kontakte mit Vertretern der regimetreuen Liberal-Demokratischen Partei pflegt. Der Parteivorsitzende Aleh Hajdukewitsch, mit dem sich Lindemann regelmäßig getroffen hat, war offizielle „Vertrauensperson“ des amtierenden Machthabers Aljaksandr Lukaschenka und sprach sich für die Entführung von Oppositionspolitikern im Ausland aus, die man im Kofferraum nach Belarus bringen solle. S. 114f. Lindemann war auf Einladung der Belarussischen Botschaft in Berlin Beobachter bei der Parlamentswahl in Belarus 2024. Obwohl im Vorjahr sämtliche Oppositionsparteien liquidiert worden sind, behauptete Lindemann die Wahl erfülle „alle demokratischen Standards und Regeln“. S. 122.

Reise auf die von Russland annektierte Krim Im Februar 2018 reiste Lindemann zusammen mit sieben anderen AfD-Landtagsabgeordenten, darunter die beiden weiteren Berliner Landtagsabgeordneten Hugh Bronson und Harald Laatsch, auf die drei Jahre zuvor von Russland völkerrechtswidrig annektierte Krim, was auf vielfache Kritik stieß. Zur Begründung äußerte er: „Miteinander reden ist besser als übereinander reden. Wir müssen die Beziehungen zu Russland wieder normalisieren. Das ist im Interesse Russlands und Deutschlands“.

Reise mit Sohn nach Russland und in die Ukraine 2019 Lindemann reiste im Herbst 2019 gemeinsam mit seinem 16-jährigen Sohn und dem Siegerländer AfD-Politiker Henning Zoz nach Russland und in die Donbass-Gebiete um Donezk und Luhansk. Dabei besuchten sie unter anderem die Basis der „Nachtwölfe“, eines russisch-nationalistischen Motorradclubs. Vom Sohn auf Instagram veröffentlichte, später wieder gelöschte Fotos zeigen Lindemann, dessen Sohn und zwei weitere Personen vor einem Eingangsschild dieser Basis. Ein anderes Foto zeigt Lindemanns Sohn salutierend vor einem Feld; unterschrieben ist das Foto mit dem Text „5 km vor der Frontlinie“. Ein weiteres Bild zeigt den Sohn mit einem angelegten Sturmgewehr (Modell der Reihe Kalaschnikow AK-47) und dem Kommentar „In Deutschland verboten aber naja bin ja in Donetsk“. Ebenfalls hochgeladen wurden zahlreiche Fotos von Reliquien aus der Zeit des Nationalsozialismus, abfotografiert aus dem Zentralmuseum der russischen Streitkräfte in Moskau. Laut Lindemann war die Reise geprägt von „humanitärer Hilfe“.Die skurrilen Urlaubsbilder des AfD-Politikers Gunnar Lindemann, auf tagesspiegel.de, 14. November 2019 Auf dieser Reise nahm er einen „Orden für internationale Zusammenarbeit“ des „Außenministeriums“ der international nicht anerkannten Volksrepublik Donezk entgegen und vereinbarte mit dem „Außenministerium“ die Eröffnung einer Repräsentanz der „Volksrepublik Donezk“ in Berlin. Kurz nach der Reise wurde dem Sohn von Mitschülern per Messenger mitgeteilt, dass man ihn „abstechen“ wolle. Die Schulleitung schaltete daraufhin die Polizei ein; der Staatsschutz übernahm die Ermittlungen.Sohn von Berliner Politiker erhält Morddrohungen. t-online.de, 9. November 2019.Kind eines Berliner AfD-Politikers mit dem Tod bedroht. In: Tagesspiegel. 9. November 2019. Laut einem der Tageszeitung Der Tagesspiegel vorliegenden Chatverlauf gab es allerdings Bedrohungen seitens Lindemanns Sohn, so habe dieser den Mitschülern unter anderem mit den „Nachtwölfen“ gedroht.

Beleidigung der Klimaschutzaktivistin Greta Thunberg Im Dezember 2019 bezeichnete Lindemann Greta Thunberg abfällig als „geistig krankes, behindertes Mädchen“. Der VW-Manager Herbert Diess hatte zuvor geäußert, dass Greta Thunberg das Vorbild für den ganzen Automobilhersteller VW sein solle. Daraufhin sagte Lindemann: „Ein Manager, für den ein geistig krankes, behindertes Mädchen ein Vorbild ist, kann nichts taugen.“

CSD in Marzahn Lindemann bezeichnete die Parade zum Christopher Street Day 2020 in Berlin-Marzahn als „antirussischen Rassismus“, „Propaganda“, „Umerziehung“ und „Krawall“.queer.de: AfD-Politiker hetzt gegen CSD in Marzahn; eingesehen am 4. August 2020.

Äußerungen zu „Gendergaga“ wegen des Wortes „Fahrspurende“ Lindemann erregte Aufsehen, als er in einem Bericht der B.Z. das Wort „Fahrspurende“ als einen gendergerechten Neologismus für „Fahrspur“ missverstand und auf Twitter als „Genderwahnsinn“ bezeichnete sowie mit dem Hashtag #Gendergaga versah.Angeblicher Genderwahn: Berliner AfD-Abgeordneter sorgt für viralen Lachkrampf mit #Fahrspurende, B.Z., 28. Juli 2020„Fahrspurende“ AfD-Politiker blamiert sich mit Tweet gegen „Genderwahnsinn“, rundschau-online.de, 26. Juli 2020

Äußerungen zum Fall Nawalny Mit Bezug auf die Vergiftung des russischen Regimekritikers Alexei Nawalny schrieb Lindemann auf seinem Facebook-Account von „Beziehungen und Geldströmen zwischen Nawalny, Soros und dem Clinton-Obama Clan“. Die Nachrichten über die Vergiftung Nawalnys seien für ihn nur „Propaganda gegen die russische Regierung“.Fall Nawalny: Gregor Gysi verdächtigt Nord-Stream-2-Gegner – und nicht Putin., welt.de, 4. September 2020.

Position/Äußerungen zum russischen Überfall auf die Ukraine Wenige Tage vor dem russischen Überfall auf die Ukraine (Ende Februar 2022) erklärte Lindemann in einem YouTube-Video, die Kriegstreiber seien „auf jeden Fall die NATO, die USA und vor allem teilweise auch der ukrainische Staat“. Auf von ihm verteilten Flyern war nicht von einem Krieg die Rede, sondern bloß von „bewaffnetem Konflikt“.Agnes Sundermeyer: www.rbb24.de, 9. März 2022 Lindemann behauptete, es kämen „immer mehr Details raus, worüber die westliche Presse versucht zu schweigen“. Er wiederholte auch die Verschwörungstheorie und russische Propaganda von angeblichen Biowaffenlaboren in der Ukraine, die zusammen mit den USA betrieben würden.Querdenker für Putin www.rbb-online.de, 31. März 2022 Weiter äußerte er, der Westen und die Ukraine seien „schuld, dass sie eskaliert haben“, Russland sei „schuld, dass es einmarschiert ist“.Ulrich Stoll, Tonja Pölitz, Joachim Bartz: AfD und Linke: Putin-Versteher in Deutschland www.zdf.de, 29. März 2022