mini|„Zivilgesellschaftlicher Abschied“ für UN-Generalsekretär Ban Ki-moon. Aufschrift des Transparent-Banners sinngemäß: „1,5 ° sind möglich, der Kampf gegen den Klimawandel ist nicht aufzuhalten“ (17. November) mini|Präsident der UN-Generalversammlung Peter Thomson auf dem Rednerpult (15. November) Die UN-Klimakonferenz in Marrakesch 2016, die 22. Konferenz der Beteiligten zur UN-Rahmenkonvention der Vereinten Nationen über Klimaänderungen (, kurz COP 22) fand als 22. UN-Klimakonferenz und gleichzeitig als 12. Treffen zum Kyoto-Protokoll (, kurz CMP 12) sowie als 1. Treffen der Conference of the Parties serving as the meeting of the Parties to the Paris Agreement (CMA) vom 7. bis 18. November 2016 in Bab Ighli nahe der marokkanischen Stadt Marrakesch statt.

Vorbereitung Anfang November hatte im Vorfeld der COP 22 die Ratifizierung des auf der COP 21 im Vorjahr erzielten Übereinkommens von Paris durch die weltweit größten CO2-Emittenten Vereinigte Staaten und China dafür gesorgt, dass die für sein Inkrafttreten notwendige Anzahl von 55 Unterzeichner-Staaten zustande kam, auch die Europäische Union und Deutschland schlossen sich dieser Bewegung zuletzt an; ebenfalls Australien und Pakistan.

In dem als historisch eingeordneten Pariser Abkommen hatte sich die internationale Staatengemeinschaft darauf verständigt, Anstrengungen zu unternehmen, sich beim Kampf gegen die weltweite Klimaerwärmung nicht nur auf das Zwei-Grad-Ziel zu beschränken, sondern ehrgeizigere 1,5 °C einhalten zu wollen.

Teilnahme, Leitung 196 Staaten nahmen am Gipfel teil, seine Leitung oblag dem marokkanischen Außenminister Salaheddine Mezouar.

Ziele mini|Globaler Anstieg der Meeresspiegel, statistischer Trend: 3,3 mm/Jahr (2010) Die Konferenz sollte vor allem die praktische Umsetzung der im Pariser Klimavertrag avisierten Begrenzung des weltweiten Temperaturanstiegs auf maximal 1,5 °C erarbeiten (siehe Zwei-Grad-Ziel).

Umstritten war bis dato hier z. B. die Ausgestaltung der Unterstützung „ärmerer“ Länder bei der Bewältigung teils schon unvermeidlicher Folgen der globalen Erwärmung, von Bedeutung vor allem für „Entwicklungsländer“, welche besonders unter Dürren, dem Abschmelzen der Polkappen, Stürmen oder Sturmfluten zu leiden haben (siehe auch Loss and Damage). Seit der COP 15 (UN-Klimakonferenz in Kopenhagen 2009) sind hier 100 Milliarden Dollar jährlich avisiert, bislang war nur ein Zehntel der Summe zugesagt.Sven Harmeling: care.de zur Klimakonferenz in Marokko, Hilfsorganisation Care-Deutschland, 4. November 2016, abgerufen am 7. November 2016. Der Green Climate Fund (GCF) soll einen Teil zur Klimaschädenfinanzierung besteuern.

Die Entwicklungsländer forderten, dass die Unterstützung der Industrieländer stärker auch Anpassungsmaßnahmen berücksichtige: nicht nur die Energiegewinnung aus erneuerbaren Energien solle gefördert werden, sondern z. B. auch Maßnahmen zum Deichbau als Vorsorge gegenüber dem Meeresspiegelanstieg sowie angesichts zurückgehender Niederschläge auch die künstliche Bewässerung.

Verlauf mini|UN-Generalsekretär Ban Ki-moon auf dem Rednerpult (15. November) In einer improvisierten Zeltstadt verhandelten die Delegierten um Schritte zur Umsetzung des Klimaabkommens der vorjährigen Konferenz. Das Beispiel Marokkos mit riesigen Solarkraftwerken, Wasserkraft und Windkraft und kleinen EE-Anlagen in umliegenden Dörfern sollte auf den afrikanischen Kontinent ausstrahlen.deutschlandfunk.de, Informationen am Mittag, 7. November 2016, Georg Ehring: Hoffen auf einigermaßen erfolgreiche Klimakonferenz, abgerufen am 7. November 2016. Die marokkanische Präsidentschaft hatte den Gipfel als eine Konferenz zur Umsetzung des COP 22-Vertrags bezeichnet. Es gab eine Reihe von Zusagen und Initiativen z. B. für erneuerbare Energien und eine klimasichere Landwirtschaft in Afrika.

Die Wahl des republikanischen Klima-Skeptikers Donald Trump zum kommenden US-Präsidenten in der Anfangsphase der Konferenz am 15. November (amerikanischer Zeit) dämpfte zunächst die Erwartungen: er hatte in seinem Wahlkampf unter anderem angekündigt, dass Amerika, weltweit zweitgrößter CO2-Emittent, nach seiner Inauguration wieder aus dem Pariser Abkommen aussteigen werde. Der Amerika in Marrakesch vertretende noch amtierende US-Außenminister John Kerry bekräftigte jedoch in einer Grundsatzrede, dass die „überwältigende Mehrheit“ Amerikas an den Klimawandel glaube.

Der amtierende Generalsekretär der Weltorganisation für Meteorologie (WMO) Petteri Taalas präsentierte die Prognose eines wie bereits in den beiden Vorjahren erneuten Rekords der Jahresdurchschnittstemperatur: Mit weit über 90-prozentiger Wahrscheinlichkeit werde 2016 die Marke von 1,2 °C bei ihrer Zunahme überschritten.deutschlandfunk.de, Wirtschaft und Gesellschaft, 14. November 2016, Georg Ehring: „Wir brechen alle Rekorde“ (19. November 2016)

Der Präsident der Weltbank Jim Yong Kim forderte die Abfederung der Belastungen des Klimawandels vor allem für ärmere Bevölkerungsschichten durch z. B. Versicherungen und soziale Sicherungssysteme: Nachdem die Vereinten Nationen bisher von knapp 330 Milliarden jährlichen Schadens durch extreme Wetterereignisse ausgingen, hat die Weltbank neben dem Vermögensverlust auch den Verlust an Kaufkraft berechnet, der einzelnen Ländern durch Stürme oder Überschwemmungen entstehen könne und summierte mehr als 500 Milliarden Dollar.deutschlandfunk.de, Nachrichten vom 14.11.2016: (19. November 2016)

Bei der Diskussion um die Bewältigung der finanziellen Folgen des weltweiten Klimawandels wandte man sich nach der Erstellung eines Zielfahrplans für den Loss-and-Damage-Ausgleich100 Mrd. Dollar jährlich ab 2020. (-> Green Climate Fund) der Frage zu, wo man die für die Transformation zu klimafreundlicheren Infrastrukturen jährlich notwendigen 6.000 Milliarden Dollar aktivieren könnte: wie ließe sich nur an den weltweiten Finanzmärkten in solcher Höhe aufbringbares Kapital so einsetzen, dass es einen Beitrag zum Kampf gegen den Klimawandel beitrage?

Wie zu jeder COP begingen auch hier die globalen Umweltschutzbewegungen zur Halbzeit ein Fest.

In der zweiten Konferenzwoche tagte das neue, oberste „Gremium zur Umsetzung des Pariser Abkommens“ erstmals und in feierlichem Rahmen zur „historischen Wende in der Welt-Klimapolitik“; hierzu reisten rund 150 Funktionäre an, darunter 60 Minister und Staatschefs.

USA mini|16. November 2016: US-Außenminister John Kerry (am Kopfende rechts) und der ehemalige marokkanische Botschafter Aziz Mezouar (links) begrüßen die Teilnehmer des Major Economies Forum on Energy and Climate Change (Forum der großen Wirtschaftsnationen für Energie und Klimawandel); ganz links am Bildrand die deutsche Umweltministerin Barbara Hendricks, rechts daneben ihre französische Amtskollegin Ségolène Royal Die amtierende US-amerikanische Regierung veröffentlichte nach über einem Jahr Vorbereitung in Washington als erster Staatdeutschlandfunk.de, Wirtschaft und Gesellschaft, 16. November 2016, Georg Ehring: Neue Allianzen und mehr Geld für Klimaschutz (19. November 2016) nationale Klimaschutz-Ziele für 2050: die Wirtschaft solle weitgehend treibhausgasneutral werden. Angesichts der skeptischen Äußerungen Donald Trumps kündigte z. B. der Bundesstaat Kalifornien einen etwaigen Alleingang an. Im Einzelnen wollen die USA ihren Treibhausgas-Ausstoß bis 2050 um 80 % reduzieren. Neben der Energiegewinnung aus erneuerbaren Energien soll die Kernenergie und auch ein Anteil konventioneller Energien weiter eine Rolle spielen, allerdings unter Einbeziehung der Speicherung bzw. Nutzung von Kohlendioxid, auf dass es nicht weiter in die Erdatmosphäre gelange. Darüber hinaus gaben die USA die Zusage, ihre CO2-Emissionen bis 2025 um 26 bis 28 % unter den Stand von 2005 zu reduzieren.

In einem gemeinsam mit der deutschen Bundeskanzlerin Angela Merkel während seines parallel zur COP 22 durchgeführten Deutschlands-Abschieds-Besuchs in der Zeitung Wirtschaftswoche Mitte November veröffentlichten Beitrag lobte der Noch-US-Präsident Barack Obama das Pariser COP 21-Abkommen des Vorjahrs: „Es gibt der Welt den Rahmen für den gemeinsamen Schutz unseres Planeten“.

Über 360 in den USA tätige Unternehmen und Investoren appellierten für eine Fortführung des amerikanischen Klimaschutz-Engagements an die designierte Trump-Regierung: „eine nicht CO2-arme Wirtschaft bedrohe den amerikanischen Wohlstand“.

China In einem Pressegespräch von nur wenigen Minuten am Beginn des Gipfels bekannte sich China zum Klimaschutz und zu den eigenen Klimazielen: Laut seinem stellvertretenden Chefunterhändler Xie Ji werde es wie versprochen spätestens im Jahr 2030 den Gipfel seiner CO2-Emissionen erreicht haben, vielleicht auch früher; es habe in letzter Zeit seine Anstrengungen verstärkt. Üblicherweise würden neue Wege und Ziele hier zuerst in einzelnen Regionen getestet. Dabei hätten einige Städte versichert, eine Vorreiterrolle einnehmen zu wollen: „Viele Städte haben versprochen, ihr Ziel für den Gipfel des CO2-Ausstoßes vor 2030 zu erreichen. Ich habe den Eindruck, dass viele Städte versuchen, diesen Gipfel schon etwa um das Jahr 2020 zu überschreiten.“

Deutschland Ein von Bundesbau- und Umweltministerin Barbara Hendricks (SPD) für eine Kabinettssitzung am 2. November zur Entscheidung vor der Konferenz vorbereiteter „Klimaschutzplan 2050“ für Deutschland konnte entgegen ihrer Absicht nicht dort verabschiedet werden, da mehrere Ressorts wie Finanz-, Landwirtschafts-, Wirtschafts- und Verkehrsministerium noch nicht mit ihm einverstanden waren;deutschlandfunk.de, Umwelt und Verbraucher, 28. Oktober 2016, Georg Ehring: Deutschland ringt um nationalen Klimaplan 2050 (1. November 2016)1. November 2016, de.nachrichten.yahoo.com: Hendricks wirft Union „Blockadehaltung“ bei Klimaschutzplan vor (1. November 2016)deutschlandfunk.de, Interview, 3. November, Wolfgang Lucht im Gespräch mit Ann-Kathrin Büüsker: Streit über Klimaschutzplan: „Der Ausstieg aus der Kohle ist unvermeidlich“ (11. November 2016)deutschlandfunk.de, Interview, 2. November 2016, Christian Schmidt im Gespräch mit Christine Heuer: Das Ziel eint uns, der Weg ist unterschiedlich markiert (11. November 2016) Für die Verzögerung wurde Deutschland auf der Umweltkonferenz von den weltweiten Umweltverbänden zum „Fossil des Tages“ erkoren.

Die Kabinettsspitze war uneinig in der Frage, wie lange man in Deutschland noch Braunkohle abbauen und verstromen solle. Sigmar Gabriel, Wirtschaftsminister und SPD-Vorsitzender, intervenierte gegen einen „zu frühen“ Kohleausstieg.deutschlandfunk.de, Nachrichten vom 8.11.2016: (11. November 2016)deutschlandfunk.de, Umwelt und Verbraucher, 9. November 2016, Nadine Lindner: Gabriel drückt auf die Bremse (11. November 2016) Am 11. November hieß es, man habe einen Kompromiss erzielt; der zur Umsetzung notwendige förmliche Kabinettsbeschluss werde über das Wochenende im „Umlaufverfahren“ herbeigeführt.deutschlandfunk.de, Kommentare und Themen der Woche, 11. November 2016: Ein Pyrrhussieg (11. November 2016)spiegel.de, 11. November 2016: Kohlekompromiss ebnet Einigung auf Klimaplan Die Bundesregierung wird sich nun doch nicht für einen Mindestpreis für CO2-Emissionszertifikate einsetzen, die Industrie und Kraftwerke kaufen müssen.faz.net: Nach monatelangem Streit – Bundesregierung einigt sich auf Klimaschutzplan. 11. November 2016.bundesumweltministerium.de: Presseerklärung 280/16 von 14. November 2016