mini|hochkant|Stolpersteine in Schorfheide Die Liste der Stolpersteine in Schorfheide enthält die Stolpersteine, welche im Rahmen des gleichnamigen Projekts von Gunter Demnig in Schorfheide verlegt wurden. Mit ihnen soll an Opfer des Nationalsozialismus erinnert werden, die in den Ortsteilen Finowfurt, Groß Schönebeck und Lichterfelde von Schorfheide lebten und wirkten.

Die ersten Verlegungen in Schorfheide erfolgten durch den Künstler am 30. März 2015.

Verlegte Stolpersteine Bild Inschrift Adresse Name, Leben 120px16px|verweis=d:Q100926196 HIER WOHNTEEUGEN EPSTEINJG. 1908DEPORTIERT 1942GHETTO WARSCHAUSCHICKSAL UNBEKANNT Lichterfelde,Eberswalder Straße 51 wurde am 15. März 1908 in Berlin-Charlottenburg geboren. Seine Mutter war Martha Epstein, eine Jüdin, über den Vater gibt es keine verlässlichen Angaben. Im zweiten Lebensjahr kam er zu seinen Pflegeeltern, August und Helene Förste aus Werbellin, die ihn protestantisch erzogen. 1922 wurde er getauft und konfirmiert. Danach absolvierte er eine Schlosserlehre bei Gustav Beuster in Lichterfelde. Von 1925 bis 1942 arbeitete er bei den Firmen Hirsch & Kupfer und Rohrbiegerei Wegener in Eberswalde. Er lernte Margot geb. Ring, eine Jüdin aus dem pommerschen Stojentin, kennen und heiratete sie am 30. Oktober 1937. Durch diese Beziehung war sein Schicksal besiegelt. Als Christ wäre er (und auch seine Frau) wegen „Rassenschande“ vor Gericht gestellt und verurteilt worden, als Jude wurde er (und auch seine Frau) nach Osten deportiert und ermordet. Das NS-Regime klassifizierte ihn als Juden und stellte ihn und seine Frau auf der Liste der „Abwandernden“, wie es im NS-Beamtendeutsch hieß. Sie wurden aufgefordert, sich am 13. April 1942 im Sammellager der Großen Hamburger Straße in Berlin einfinden. Sie verabschiedeten sich in Briefform von den Pflegeeltern:

Kurzbiographien und Bericht zu den Stolpersteinen für Margot und Eugen Epstein bei "Evangel. Kirchengemeinde Lichterfelde"

Die Eheleute wurden direkt in das Warschauer Ghetto deportiert und dort getrennt. Eugen Epstein wurde für auswärtige Arbeitseinsätze eingeteilt und kam nicht wieder zurück. Auch seine Frau wurde im besetzten Polen zu einem Opfer der Shoah.

Nachforschungen der Pflegeeltern beim Deutschen Roten Kreuz blieben ergebnislos. 120px16px|verweis=d:Q133829361 HIER WOHNTEMARGOT EPSTEINGEB. RINGJG. 1913DEPORTIERT 1942GHETTO WARSCHAUSCHICKSAL UNBEKANNT Lichterfelde,Eberswalder Straße 51 geb. Ring wurde am 18. November 1913 im pommerschen Stojentin geboren. Ihre Eltern waren Alex Ring und Berta geb. Zander, sie waren gläubige Juden und führten ein Kaufhaus. Von 1935 bis 1937 arbeitete sie in einem Altenheim in Stettin. Sie lernte Eugen Epstein aus Lichterfelde kennen und heiratete ihn am 30. Oktober 1937. Während der NS-Zeit galt sie als Jüdin und somit als Bürgerin zweiter Klasse ohne jegliche politischen Rechte. Auch ihr Ehemann, der 1922 getauft und konfirmiert worden war, galt als Jude. Die Eheleute wurden aufgefordert, sich am 13. April 1942 im Sammellager der Großen Hamburger Straße in Berlin einfinden. Sie wurden direkt in das Warschauer Ghetto deportiert und dort getrennt. Ihr Ehemann wurde für auswärtige Arbeitseinsätze eingeteilt und kam nicht wieder zurück. Margot Epstein blieb noch bis Mai 1943 im Ghetto und beschrieb in mehreren Briefe und Karten an ihren Schwiegervater das schwere Leben im Ghetto, den quälenden Hunger, die eisige Kälte und das Fehlen von Kleidung. Denn die Frauen mussten bei Wind und Wetter im Freien arbeiten, bei bis zu minus 30 Grad. Der letzte Brief:

Auch Margot Epstein wurde Opfer der Shoah. 120px HIER WOHNTEALMA LEISERJG. 1882DEPORTIERT 1942GHETTO WARSCHAUERMORDET Groß Schönebeck,Ernst-Thälmann-Straße 46 wurde am 29. August 1882 in Hermannsdorf, Provinz Posen, geboren. Ihre Eltern waren Julius Leiser und Amalie geb. Bukofzer. Sie hatte zumindest drei Geschwister, Friedmann (geb. 1877), Florentine (geb. 1879) und Jenny. Spätestens ab 1905 lebte die Familie in Groß Schönebeck in der Schorfheide, wo ihr Bruder ein Landwarenhaus führte, in dem Baumaterial, Werkzeug, Konfektion, Kleidung und Waren aller Arten angeboten wurden. Alma und Florentine Leiser, die beide unverheiratet blieben, arbeiteten im Geschäft des Bruders. Im Zuge der Novemberpogrome 1938 wurde das Geschäft verwüstet, die Familie konnte in ein nahegelegenes Gasthaus flüchten. Wenig später musste das Haus zwangsverkauft werden. Es folgten Jahre der Entrechtung und Demütigung. Am 14. April 1942 wurden Alma Leiser, ihre Schwester Florentine, ihr Bruder und die Schwägerin in das Warschauer Ghetto abtransportiert. Alle vier Familienmitglieder wurden Opfer der Shoah. 120px HIER WOHNTEELISE LEISERGEB. PUTZINGERJG. 1883DEPORTIERT 1942GHETTO WARSCHAUERMORDET Groß Schönebeck,Ernst-Thälmann-Straße 46 geb. Putzinger wurde am 7. September 1883 in Bärwalde geboren. Sie heiratete sie den beliebten Kaufmann Friedmann Leiser aus Groß Schönebeck. Es gab drei Töchter, Ingeborg Johanna (geb. am 2. März 1908), Marteliese (geb. 1909) und Alice (geb. am 12. Juli 1914), wobei die Elternschaft nicht in allen Fällen geklärt ist. Entweder hatten beide in erster Ehe jeweils eine Tochter und dann gemeinsam die dritte Tochter Alice – oder alle drei Töchter stammten vom Ehepaar. Während ihr Ehemann als Kaufmann ein eher extrovertiertes Leben führte und auch Lieferungen außerhalb des Ortes machte, lebte Elise Leiser sehr zurückgezogen, fernab der Öffentlichkeit. Im Zuge der Novemberpogrome 1938 wurde das Geschäft verwüstet, die Familie konnte in ein nahegelegenes Gasthaus flüchten. Wenig später musste das Haus zwangsverkauft werden. Es folgten Jahre der Entrechtung und Demütigung. Am 14. April 1942 wurden Elise Leiser, ihr Ehemann und die beiden Schwägerinnen Alma und Flora in das Warschauer Ghetto abtransportiert. Alle vier Familienmitglieder wurden Opfer der Shoah.

Die erste Tochter heiratete Albert Spanjer, die zweite Fritz Kath, einen Nichtjuden, die dritte einen Herrn Nejmann. Alle drei Töchter, ihre Ehemänner und Kinder konnten die Shoah überleben. 120px HIER WOHNTEFLORENTINE LEISERJG. 1879DEPORTIERT 1942GHETTO WARSCHAUERMORDET Groß Schönebeck,Ernst-Thälmann-Straße 46 , auch Flora, wurde am 8. November 1879 in Hermannsdorf, Provinz Posen, geboren. Ihre Eltern waren Julius Leiser und Amalie geb. Bukofzer. Sie hatte zumindest drei Geschwister, Friedmann (geb. 1877), Alma (geb. 1882) und Jenny. Spätestens ab 1905 lebte die Familie in Groß Schönebeck in der Schorfheide, wo ihr Bruder ein Landwarenhaus führte, in dem Baumaterial, Werkzeug, Konfektion, Kleidung und Waren aller Arten angeboten wurden. Florentine und Alma Leiser, die beide unverheiratet blieben, arbeiteten im Geschäft des Bruders. Im Zuge der Novemberpogrome 1938 wurde das Geschäft verwüstet, die Familie konnte in ein nahegelegenes Gasthaus flüchten. Wenig später musste das Haus zwangsverkauft werden. Es folgten Jahre der Entrechtung und Demütigung. Am 14. April 1942 wurden Florentine Leiser, ihre Schwester Alma, ihr Bruder und die Schwägerin in das Warschauer Ghetto abtransportiert. Alle vier Familienmitglieder wurden Opfer der Shoah. 120px HIER WOHNTEFRIEDMANN LEISERJG. 1877DEPORTIERT 1942GHETTO WARSCHAUERMORDET Groß Schönebeck,Ernst-Thälmann-Straße 46 wurde am 3. März 1877 in Hermannsdorf, Provinz Posen, geboren. Seine Eltern waren Julius Leiser und Amalie geb. Bukofzer. Er hatte zumindest drei Schwestern. Ab 1905 führte Friedmann Leiser ein Landwarenhaus in Groß Schönebeck, vorwiegend für Baumaterialien, Kleidung und Kolonialwaren. Er war beliebt im Ort, weil man bei ihm anschreiben konnte, weil er großzügig war und für Kinder immer etwas bereit liegen hatte, weil er alles besorgte, was gebraucht wurde. Auf Wunsch lieferte er die Waren auch per Fahrrad. Zwei seiner Schwestern, Alma und Florentine, die unverheiratet blieben, arbeiteten im Geschäft ihres Bruders. Er heiratete Elise geb. Putzinger aus Bärwalde. Es gab drei Töchter, Ingeborg Johanna (geb. am 2. März 1908 in Berlin), Marteliese (geb. 1909) und Alice (geb. am 12. Juli 1914 in Groß Schönebeck), wobei die Elternschaft nicht in allen Fällen geklärt ist. Entweder hatten beide in erster Ehe jeweils eine Tochter und dann gemeinsam in zweiter Ehe die dritte Tochter Alice – oder alle drei Töchter stammten vom Ehepaar. Im Ersten Weltkrieg wurde er eingezogen. Für seine Verdienste erhielt er das Eiserne Kreuz. Obwohl Herr Leiser so beliebt war im Ort, wurde sein Kaufhaus im Zuge der Novemberpogrome 1938 verwüstet, die Fenster wurden eingeschlagen und das Schuldenbuch gestohlen. Täter waren SA-Männer aus der Gemeinde, die aber Verstärkung aus dem Nachbarort Zerpenschleuse geholt hatten. Leiser selbst und seine Angehörigen konnten sich in den Gasthof der Familie Liepner flüchten. Fortan wurde strengstens kontrolliert, wer bei Friedmann Leiser einkaufte. Der Kaufmann wollte das Geschäft dennoch fortführen, doch am 4. Januar 1939 untersagte das Landratsamt Niederbarnim den Betrieb. Knapp drei Monate später, am 23. März 1939, erfolgte der Zwangsverkauf und Friedmann Leiser musste alle Wertgegenstände abgeben. Danach wurde auch noch Judenvermögensabgabe eingefordert und für drei Notzimmer im enteigneten Haus mussten für Ehepaar und die Schwestern nunmehr monatlich 20 Reichsmark Miete bezahlen. Am 14. April 1942 wurden Friedmann Leiser und die drei Damen in das Warschauer Ghetto abtransportiert. Alle vier Familienmitglieder wurden Opfer der Shoah.