mini|hochkant=1.33|Alt- und Neu-Lönnewitz mini|hochkant=1.33|Alt- und Neu-Lönnewitz auf einer geschichtlichen Karte des Kreises Liebenwerda (1910). Lönnewitz ist ein Gemeindeteil des Mühlberger Ortsteils Koßdorf im südbrandenburgischen Landkreis Elbe-Elster. Er liegt jeweils etwa 20 Kilometer von den Städten Bad Liebenwerda und Torgau entfernt an der Bundesstraße 183.
Der im 13. Jahrhundert erstmals erwähnte Ort wurde 1712 in Alt- und Neu-Lönnewitz geteilt. Kurz vor dem Zweiten Weltkrieg errichtete die deutsche Wehrmacht auf der Gemarkung des Dorfes einen Militärflugplatz. Nach dessen Eroberung durch die Rote Armee im April 1945 wurde der Bereich des Flugplatzes und ein Großteil der Ortslage von Alt-Lönnewitz zum militärischen Sperrgebiet erklärt, die Einwohner wurden umgesiedelt und die Gebäude dem Verfall preisgegeben.
Gegenwärtig existiert nur noch die Ortslage von Neu-Lönnewitz. Von Alt-Lönnewitz zeugen oberirdisch lediglich einige verbliebene Mauerreste der einstigen Dorfkirche des Ortes. Der größte Teil der Flächen ist seit 2003 Teil des Naturschutzgebietes „Lönnewitzer Heide“.
Geografie Geografische Lage und Naturraum mini|Die Lönnewitzer Landlache nahe der Alt-Lönnewitzer Kirchenruine im Sommer mini|Heute Naturschutzgebiet, die einstige Ortslage von Alt-Lönnewitz. Blick in Richtung des einst hier vorhandenen Gutes. Das im Elbe-Elster-Gebiet gelegene Lönnewitz befindet sich im Norden des etwa 12 Kilometer entfernten Stadtzentrums der an der Elbe gelegenen Kleinstadt Mühlberg. Durch den Ort fließt die Lönnewitzer Landlache, ein linksseitiger Nebengraben der Schwarzen Elster. Geologisch betrachtet liegt der Ort damit im Breslau-Magdeburger Urstromtal.
Im Norden und Westen des Ortes erstreckt sich das Waldgebiet Lönnewitzer Heide. Hier befindet sich nördlich der Bundesstraße 183 auf dem einstigen Gelände des Flugplatzes Alt-Lönnewitz das 161 Hektar umfassende Naturschutzgebiet Lönnewitzer Heide. Es ist Bestandteil des Biotopverbundes im Elbe-Elster-Land. Der Schutzzweck dieses Naturschutzgebietes wird in der Verordnung über das Naturschutzgebiet „Lönnewitzer Heide“ vom 30. Juni 2003 in sieben Punkten angegeben. Erhalten und Entwickelt werden sollen hier unter anderem der Lebensraum wild lebender Pflanzengesellschaften, seltener und gefährdeter wild lebender Pflanzenarten. Des Weiteren soll das Gebiet als Lebens- beziehungsweise Rückzugsraum und potenzielles Wiederausbreitungszentrum wild lebender Tierarten, insbesondere der Fledermäuse, Vögel, Amphibien, Reptilien, Stechimmen und Heuschrecken erhalten und entwickelt werden. Im Bereich vorhandene Bunker und übererdete Unterstände sollen als Fledermausquartiere sowie vorhandene Schelter als Nist- und Brutstätte für gebäudegebundene Tierarten wie Mehlschwalbe (Delichon urbica), Rauchschwalbe (Hirundo rustica), Turmfalke (Falco tinnunculus) und Schleiereule (yto alba) erhalten werden.
Etwa 4 Kilometer nordöstlich von Lönnewitz entfernt erstreckt sich der Naturpark Niederlausitzer Heidelandschaft, der ein 484 Quadratkilometer großes Gebiet im Landkreis Elbe-Elster und im Landkreis Oberspreewald-Lausitz umfasst. Sein Kernstück, das Naturschutzgebiet Forsthaus Prösa mit einem der größten zusammenhängenden Traubeneichenwälder Mitteleuropas, befindet sich in der einstigen Liebenwerdaer Heide.
Klima Mit seinem humiden Klima liegt Lönnewitz in der kühl-gemäßigten Klimazone, jedoch ist ein Übergang zum Kontinentalklima spürbar. Die nächste Wetterstation befindet sich im 20 Kilometer westlich gelegenen Torgau. Der Monat mit den geringsten Niederschlägen ist hier der Februar, der niederschlagsreichste der Juli. Die mittlere jährliche Lufttemperatur beträgt an der Wetterstation Torgau 10,7 °C. Der Unterschied zwischen dem kältesten Monat Januar und dem wärmsten Monat Juli beträgt 18,7 °C.Geoklima 2.1
Geschichte Frühzeit und erste urkundliche Erwähnung mini|Von dem Heimatforscher Friedrich Stoy um 1911 angefertigte Zeichnung von vorgeschichtlichen Urnenfunden auf der Flur von Alt-Lönnewitz. mini|Lage von Alt- und Neu-Lönnewitz mit Zinsdorf und dem Vorwerk Neumühl an der Schwarzen Elster im Landkreis Liebenwerda in der Mitte des 19. Jahrhunderts
Die ältesten Spuren der Besiedlung auf der Gemarkung stammen aus der Bronzezeit. Der Schmerkendorfer Heimatforscher Friedrich Stoy, der in Lönnewitz einst als Lehrer tätig war, fand Anfang des 20. Jahrhunderts auf der Flur von Lönnewitz vier vorgeschichtliche Begräbnisstellen.
Urkundlich erstmals erwähnt wurde Lönnewitz im Jahr 1251 als Lonewiz.Heimatkalender 1959. Im Jahr 1398 wurden die Ileburger Vasallen Hansen und sein Vetter Heinrich von Weltewitz mit Zinsdorf und den Wüstungen Redern und Grabo sowie mit den neuen Mühlen (Neumühl) belehnt. 1429 erscheinen die Brüder Heinrich und Gunther von Weltewitz in einer Lehnsurkunde, die zu jener Zeit in Uebigau sesshaft waren. In einer weiteren Urkunde von 1455 wurden die Söhne des Gunther von Weltewitz, die Brüder Heinrich und Phillip, unter anderem mit den Dörfern Lönnewitz, Zinsdorf, Neumühl und noch einigen anderen Besitzungen belehnt. Möglicherweise bestand aber bereits vorher ein Lehnsverhältnis. Heinrich von Weltewitz starb wenig später und sein Bruder Phillip von Weltewitz wurde 1466 neu belehnt. Die Adelsfamilie von Weltewitz war in Uebigau wohl noch bis zum Anfang des 16. Jahrhunderts sesshaft. Sie verlegte später von hier aus ihren Wohnsitz nach Lönnewitz, wo es bis dahin noch keinen Adelssitz gab, sondern nur einen Erbrichter, der 2 Hufen Land besaß.
Seit 1529 gehörte das zu jener Zeit elf Hüfner zählende Lönnewitz zur Parochie Schmerkendorf. Wenige Jahre später kam es 1547 wenige Kilometer von Lönnewitz entfernt zur Schlacht bei Mühlberg. Da der bei Mühlberg von kaiserlichen Truppen überraschte Führer der Protestanten, der sächsische Kurfürst Johann Friedrich von Sachsen, auf seiner Flucht durch Lönnewitz zog, ereigneten sich auf hiesiger Flur einige Kämpfe. Ein paar Kilometer weiter geriet er letztlich bei Falkenberg in Gefangenschaft, womit der Schmalkaldische Krieg für Kaiser Karl V. gewonnen war.
Die General-Kirchenvisitation des Amtes Liebenwerda ergab 1555, dass in Lönnewitz neun Hüfner und ein Gärtner lebten. Das Dorf, das verwaltungstechnisch dem Amt Liebenwerda zugeordnet war, wurde schließlich wie viele Orte in der Umgebung während des Dreißigjährigen Krieges weitgehend dem Erdboden gleichgemacht, wobei auch die Kirche schwere Schäden davontrug. Der Ort galt zwischenzeitlich als völlig eingegangen. Die von Weltewitz verstanden es in der Folgezeit, durch das Auspflügen der Grenzsteine herrenlos gefallener Äcker große Teile des Dorfes in ihren Besitz zu bringen.
Teilung des Ortes im Jahre 1712 mini|Wirtschaftsgebäude des Neu-Lönnewitzer Gutes Am 28. April 1712 trafen die beiden Brüder Hans Günther und Günther von Weltewitz im Beisein ihres Vaters Dam von Weltewitz († 31. Juli 1712) einen brüderlichen Vergleich, der die Teilung des väterlichen Rittergutes vorsah. Demnach verlief die neue Grenze entlang der Straße von Liebenwerda nach Torgau.Landesarchiv Sachsen-Anhalt, A 35a, N XX Nr. 5 Unweit vom Dorf entstanden ab 1712 neue Wohn- und Wirtschaftsgebäude, die im Unterschied zu Alt-Lönnewitz nun Neu-Lönnewitz genannt wurden.Landesarchiv Sachsen-Anhalt, H 142, Nr. 2 Noch bis zum Ende des 18. Jahrhunderts besaß dieses Adelsgeschlecht außerdem die Patrimonialherrschaft über Lönnewitz und die dazugehörigen Orte. Dann wurden im Jahre 1770 beide im Siebenjährigen Krieg stark in Mitleidenschaft gezogenen Güter Brühlscher Besitz; unter anderem hatte das Gefecht bei Koßdorf 1760 in unmittelbarer Nachbarschaft stattgefunden. Beide Lehen waren zuvor an den kursächsischen Staat gefallen, da ihr Vorbesitzer Hieronymus von Weltewitz erbenlos gestorben war.
Das Gelände des Alt-Lönnewitzer Gutes lag nördlich der als Ruine erhaltenen Kirche. Bei der Teilung im Jahr 1712 kam das in jener Zeit zum Weltewitzer Besitz gehörende Vorwerk Ottersitz zu Alt-Lönnewitz. Die Patrimonialgerichtsbarkeit über Zinsdorf und Neumühl ging bei der Teilung auf die neu entstandene Herrschaft Neu-Lönnewitz über. Nachweisbar ist, dass das Gut noch 1827 die Patrimonialgerichtsbarkeit über Neu-Lönnewitz, das Dorf Zinsdorf sowie das Vorwerk Neumühle an der Schwarzen Elster besaß.
Beide Güter kamen allerdings im frühen 19. Jahrhundert in bürgerlichen Besitz. 1835 wurde die Größe dieser Gemeinden wie folgt angegeben: Neu-Lönnewitz: 66 Einwohner, 7 Wohnhäuser, 6 Pferde, 24 Rinder, 350 Schafe und 5 Schweine. Zinsdorf: 190 Einwohner, 33 Wohnhäuser, 35 Pferde, 161 Rinder, 210 Schafe und 20 Schweine. Vorwerk Neumühl: 10 Einwohner, 4 Wohnhäuser, 4 Pferde, 13 Rinder, 330 Schafe und 8 Schweine.
Alt-Lönnewitz hatte laut Schumanns Vollständigem Staats-, Post- und Zeitungslexikon von Sachsen im Jahr 1827 15 Häuser und 80 Einwohner.
Die Patrimonialgerichtsbarkeit wurde in Preußen 1849 abgeschafft. Fragmente des einstigen Neu-Lönnewitzer Gutsarchivs mit seinen Gerichtsakten werden in der Außenstelle Wernigerode des Landesarchivs Sachsen-Anhalt aufbewahrt. Die alten Gerichtsakten von Alt-Lönnewitz des hier ansässigen Patrimonialgerichts sollen laut Friedrich Stoy noch bis zum Anfang des 20. Jahrhunderts auf dem Dachboden des Gutshauses gelegen haben. Bis 1925 wurden sie allerdings alle vernichtet.
Außer dem Gut gab es im Ort mehrere Bauernhöfe und an der Straße in Richtung Falkenberg eine Schule. Schmiede, Forsthaus und Gasthof des Ortes standen an der Straße in Richtung Torgau. Eine Mühle in Lönnewitz wurde im Jahr 1753 erstmals erwähnt. Um 1900 war es eine Bockwindmühle, die 1914 abbrannte.
Zweiter Weltkrieg mini|Auf dem einstigen Flugplatzgelände befinden sich umfangreiche militärische Hinterlassenschaften, wie diese ehemalige Flugzeughalle
Ab den 1920er-Jahren gab es nördlich des Alt-Lönnewitzer Gutes auf einer Graspiste erste Flugversuche. Der Falkenberger Kinobesitzer Hüttenrauch, einst selbst Jagdflieger, initiierte Anfang der 1930er-Jahre mithilfe seiner Beziehungen zu Hermann Göring und dem legendären Jagdpiloten Ernst Udet den Bau eines Flugplatzes für die Wehrmacht. Auch Rittergutsbesitzer Friedrich Hacke, selbst Major, soll an der Aktion beteiligt gewesen sein. Udet war dann auch 1934 als Kunstflieger am Großflugtag auf dem Lönnewitzer Flugplatz beteiligt, was groß beworben wurde.
Schon kurze Zeit nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten wurde am 29. März 1933 der Lönnewitzer Platzmeister verhaftet, weil er sich in einem Torgauer Lokal "verdächtig" aufgehalten und dort mutmaßlich tschechischen Schiffern Informationen über den geplanten Bau des Lönnewitzer Flugplatzes weitergegeben hatte, was auf einen entsprechenden Bericht bei einem Straßburger Sender zurückgeführt wurde. Am 9. Dezember 1936 wurde der Flugplatz nach der Vereidigung der ersten Fliegereinheit feierlich eröffnet.
Der Flugplatz diente zunächst als Standort für verschiedene Flugschulen der Luftwaffe und für Testflüge. Deshalb folgte bald der umfangreiche Ausbau der Anlagen. Nahe dem Vorwerk Grassau entstand ein Flugzeugwerk der Arado Flugzeugwerke, die hier Anfang der 1940er-Jahre mit der Arado Ar 234 den ersten einsatzfähigen strahlgetriebenen Bomber der Welt fertigten und testeten. 1944 wurde dann auch als erster Bomberverband die in Alt-Lönnewitz stationierte 11. Staffel des Kampfgeschwaders 76 von der Junkers Ju 88 (Ju 88) auf die Ar 234 B-2 umgerüstet.
Einwohnerentwicklung beider Ortsteile von Lönnewitz in der Zeit zwischen 1875 und 1946Historisches Gemeindeverzeichnis Brandenburgs (Online als PDF) Jahr Einwohner Jahr Einwohner 1875 103 1939 346 1890 110 1946 237 1910 150 1925 179 1933 153
Sperrung und Verfall von Alt-Lönnewitz mini|Kirchenruine Alt-Lönnewitz mini|Gedenkstein zur Erinnerung an Alt-Lönnewitz in der Ruine der einstigen Dorfkirche