Ein chinesischer Name (, auch: ) besteht aus einem Familiennamen (, kurz: ), meist einsilbig, seltener zweisilbig, dem ein Vorname (, kurz: ) folgt, welcher sowohl ein- als auch zweisilbig sein kann. Die Familiennamen stammen von den Clannamen des alten China ab, der persönliche Name kann aus den Grundelementen des Wortschatzes fast frei gebildet werden und transportiert oftmals eine von den Namensgebern gewollte Bedeutung.

Familiennamen Unter den chinesischen Familiennamen (, auch: Clanname, Sippenname) versteht man einen der über siebenhundert Familiennamen, die von den Han-Chinesen benutzt werden und die darüber hinaus bei sinisierten Nationalitäten Chinas in Verwendung sind. Der Familienname wird in der chinesischen Gesellschaft traditionell vom Vater an die Kinder weitergegeben., Epoch Times Deutschland, 6. September 2006 Nach heutigem Namensrecht der Volksrepublik China haben die Eltern jedoch formal Wahlfreiheit, ihrem Kind den Familiennamen des Vaters oder der Mutter zu geben. Diese Wahl kann jederzeit geändert werden, auch durch das Kind selbst, wenn es volljährig ist. Üblicherweise übernehmen Kinder den Familiennamen ihrer Mutter aber nur, wenn die Ehe geschieden wurde und das Kind bei der Mutter bleibt. Wird jemand adoptiert, so bekommt er in der Regel den Familiennamen des Adoptivvaters.

Chinesische Frauen behalten normalerweise ihren Geburtsnamen, nachdem sie geheiratet haben. Manchmal wird der Familienname des Mannes vor den eigenen Familiennamen gestellt. So heißt die frühere Vorsitzende der Verwaltung Hongkong und spätere Abgeordnete Anson Chan, auf Chinesisch mit Doppelnamen () „Chan Fong“ (), ihr voller chinesischer Name lautet CHAN FONG On-sung (), wobei Fong () der Geburtsname (ugs. „Mädchenname“) ist. Bis in das frühe 20. Jahrhundert war es üblich, dass eine Frau bei ihrer Heirat den Familiennamen des Mannes übernahm und als neuen Vornamen ihren Geburtsnamen mit einem nachgestellten Shì () erhielt (mit der Bedeutung „aus der Familie“ oder „geborene“).

Obwohl es über 700 chinesische Familiennamen gibt, teilen sich die meisten Chinesen nur etwa 20 sehr häufig vorkommende Namen.

Daneben war es in der chinesischen Kaiserzeit üblich, dass die chinesischen Kaiser ihren Familiennamen an ihre Untergebenen weitergaben, um sie zu befördern. Mit der Ausnahme von Kaisern, die nicht den Han-Chinesen angehörten, hatten die chinesischen Kaiser ganz normale Familiennamen – nicht so wie in Europa, wo man den Adelsstand schon aus dem Familiennamen ablesen konnte. So hießen alle Kaiser der Han-Dynastie Liú (), und alle Kaiser der Ming-Dynastie hießen Zhū ().

Dies war das Ergebnis der chinesischen Kaisertheorie, nach welcher ein gewöhnlicher Bürger das Mandat des Himmels bekommen konnte und somit zum Kaiser ausgerufen werden konnte. Wer Kaiser wurde, behielt dann aber seinen eigentlichen Familiennamen.

Daneben, und auch das unterscheidet China von Europa, verlor die gesamte Familie des Kaisers die Macht, wenn das Kaisergeschlecht abgelöst wurde. Somit war die Weitergabe des Familiennamens durch die Kaiser an die Untertanen auch ein Mittel, letztere an sich zu binden.

Als Folge der Praxis, dass der Kaiser seinen Familiennamen an seine Untertanen weitergab, um sie zu befördern, gab es sehr viele Menschen mit dem gleichen Namen wie dem des Kaisers, jedoch ohne Verwandtschaftsbeziehung zu ihm oder der Kaiserfamilie. Es gibt in der Verbindung mit Familiennamen einige komplexe Traditionen, die in der Regel etwas mit der Ehrerbietung gegenüber den Vorfahren zu tun haben. Zum Beispiel gibt es in Taiwan einen Clan mit dem sogenannten zweifachen Liao als Familiennamen. Die Geschichte dazu ist, dass einer der Vorfahren dieses Clans adoptiert wurde und deshalb den Familiennamen Liao bekam. Zur Ehre seiner Vorfahren wollte er aber unter dem Namen Chen begraben werden. Bis heute wird von seinen Nachfahren der Familienname Liao benutzt, so lange sie leben, sie werden jedoch als Chen begraben. Diese Tradition ähnelt ein wenig den deutschen Genanntnamen.

In einigen Regionen ist es nicht möglich, dass Leute mit gewissen gleichen Familiennamen heiraten. Andererseits gibt es Gegenden, wo Leute mit gewissen Familiennamen nicht als verwandt gelten. In der Regel heiraten aber auch dort Menschen mit gleichem Familiennamen nicht.

Die meisten Familiennamen sind einsilbig und bestehen demzufolge auch nur aus einem Zeichen. Von den ursprünglich etwas über 60 zweisilbigen Familiennamen () haben es etwa 20 bis in die moderne Zeit geschafft. Die bekannteren davon sind Sīmǎ (), Zhūgé (), Ōuyáng (, häufig als O’Young transkribiert), und Sītú (, nach kantonesischer Umschrift: Szeto). Es gibt daneben Familiennamen mit drei oder vier Zeichen (Silben), wobei es sich dann in der Regel um Nicht-Han-Namen handelt, also beispielsweise mandschurische oder mongolische Namen. Àixīnjuéluó () ist ein Beispiel dafür, häufig auch als Aisin Gioro aus der mandschurischen Sprache umschrieben; das war der Familienname der Kaiser in der von Mandschuren gegründeten Qing-Dynastie.

Nicht alle Familiennamen sind gleich verbreitet. So sind einige Namen im Norden sehr verbreitet, im Süden aber kaum anzutreffen. Der Name Xiāo () ist in Hongkong selten zu hören. Chén () ist dafür in Taiwan sehr häufig. Der Name Fāng () ist in Südchina sehr verbreitet und ist der gebräuchlichste Name in der Chinatown von San Francisco.

Tabelle mit den häufigsten Namen (Familiennamen) Die folgende Tabelle listet die 60 häufigsten Namen in ihrer hochchinesischen und kantonesischen Umschrift auf.zhongwen.com – Die 200 häufigsten chinesischen FamiliennamenLin Yu-tang Chinese-English Dictionary of Modern Usage: Pinyin und die Umschrift nach Jyuping für KantonesischNamen für Kantonesische Verwendung Lin Yu-Tang dictionaryYahoo! Hong Kong Familiennamen in heutiger Kantonesischer Übersetzung

Zeichen Hochchinesisch Kantonesisch Andere Dialekte T. V. Pinyin W.G.1 Andere Jyutping Yale2 / Penkyamp Andere 1 王 王 Wáng Wang   Wong4 Wòhng (Wong4) / Wong Vong Ong, Heng 2 Chén Ch'en (Chen) Chern Can4 Chàhn (Chan4) / Cen Chun Tan, Ding 3 李 李 Lǐ Li Lee Lei5 Léih (Lei5) / Léy Lee Ly, Le 4 Zhāng Chang   Zoeng1  Jēung (Jeung1) / ? Cheung   5 Liú Liu Liou Lau4 Làuh (Lau4) / Lau Liao   6 Yáng Yang   Joeng4 Yèuhng (Yeung4) / ?     7 Huáng Huang Hwang Wong4 Wòhng (Wong4) / Wong   Vong 8 Wú Wu Woo Ng4 Ng̀h (Ng4) / ?     9 林 林 Lín Lin   Lam4 Làhm (Lam4) / ? Lum Lim 10 周 周 Zhōu Chou Joe Zau1 Jàu (Jau1) / ? Chow   11 Yè Yeh   Jip6 Yihp (Yip6) / Yib Yap Ip 12 Zhào Chao   Ziu6 Jiuh (Jiu6) / ? Chiu   13 Lǚ Lü (Lu)   Leoi5 Léuih (Leui5) / ? Lui   14 徐 徐 Xú Hsü (Hsu)   Ceoi4 Chèuih (Cheui4) / ? Tsui   15 Sūn Sun Suen Syun1 Syùn (Syun) / Sün     16 朱 朱 Zhū Chu   Zyu1 Jyù (Jyu1) / ? Chue Gee, Ju 17 高 高 Gāo Kao   Gou1 Gòu (Gou1) / Ko Go   18 Mǎ Ma   Maa5 Máh (Ma5) / ? Mah   19 梁 梁 Liáng Liang   Loeng4 Lèuhng (Leung4) / Leong Lang   20 郭 郭 Guō Kuo   Gwok3 Gwok (Gwok3) / Gwôg Kwok   21 何 何 Hé Hê (He)   Ho4 Hòh (Ho4) / Ho     22 Zhèng Cheng Jehng Zeng6 Jehng (Jeng6) / Cheng     23 胡 胡 Hú Hu   Wu4 Wùh (Wu4) / Wu Woo   24 蔡 蔡 Cài Ts'ai (Tsai)   Coi3 Choi (Choi3) / Choi Choy   25 曾 曾 Zēng Tseng Tzeng Zang1 Jàng (Jang1) / ? Tsang   26 佘 佘 Shē She   Se4 Sèh (Se4) / Sheh     27 Dèng Teng   Dang6 Dahng (Dang6) / Tang Dung   28 沈 沈 Shěn Shen   Sam2 Sám (Sam2) / Sum Shum   29 Xiè Hsieh Sheih Ze6 Jeh (Je6) / Tse     30 唐 唐 Táng T'ang (Tang)   Tong4 Tòhng (Tong4) / Tong     31 Xǔ Hsü (Hsu)   Heoi2 Héui (Heui2) / Hui     32 Luó Lo   Lo4 Lòh (Lo4) / Lo Law Lowe 33 袁 袁 Yuán Yüan (Yuan)   Jyun4 Yùhn (Yun4) / Yuen     34 Féng Feng Ferng Fung4 Fùhng (Fung4) / Fong     35 宋 宋 Sòng Sung Soong Sung3 Sung (Sung3) / ? Shung   36 Sū Su   Sou1 Sòu (Sou1) / So     37 曹 曹 Cáo Ts'ao (Tsao)   Cou4 Chòuh (Chou4) / Cho     38 Lù Lu   Luk6 Luhk (Luk6) / ?     39 Mài Mai   Mak6 Mahk (Mak6) / Mak Muk   40 董 董 Dǒng Tung   Dung2 Dúng (Dung2) / Tung     41 于 于 Yú Yü (Yu)   Jyu4 Yùh (Yu4) / Yu     42 Hán Han   Hon4 Hòhn (Hon4) / Han     43 任 任 Rén Jen   Jam4 Yàhm (Yam4) / Yam Yum   44 Jiǎng Chiang Chung Zoeng2 Jéung (Jeung2) / Cheung Chiang   45 Gù Ku   Gu3 Gu (Gu3) / Gu Goo   46 Zhōng Chung   Zung1 Jùng (Jung1) / Chung     47 方 方 Fāng Fang   Fong1 Fòng (Fong1) / Fong     48 杜 杜 Dù Tu   Dou6 Douh (Dou6) / Do To   49 丁 丁 Dīng Ting   Ding1 Dìng (Ding1) / Ding Ting   50 姚 姚 Yáo Yao   Jiu4 Yìuh (Yiu4) / Yao     51 潘 潘 Pān P'an (Pan)   Pun1 Pùhn (Pun4) / ? Poon   52 姜 姜 Jiāng Chiang   Goeng1 Gèung (Geung1) / ?     53 Tán T'an (Tan)   Taam4 Tàahm (Taam4) / Tam Tom Hom 54 邱 邱 Qiū Ch'iu (Chiu) Chiou Jau1 Yàu (Yau1) / ?     55 蕭 萧 Xiāo Hsiao   Siu1 Sīu (Siu1) / Siu     56 金 金 Jīn Chin Kim Gam1 Gàm (Gam1) / Kam Gum   57 Jiǎ Chia   Gaa2 Gá (Ga2) / Ga     58 田 田 Tián T'ien (Tien)   Tin4 Tìhn (Tìn4) / Tin     59 崔 崔 Cuī Ts'ui (Tsui) Tsuei Ceoi1 Chèui (Cheui1) / Cheui     60 程 程 Chéng Ch'eng (Cheng)   Cing4 Chìhng (Chìng4) / Ching    

Anmerkungen zur Tabelle Unter Andere stehen Umschriften, die schon vor der Vereinheitlichung der Transkriptionssysteme eingeführt worden sind und vor allem von Überseechinesen oder einigen Dialekten verwendet werden. Die diakritischen Zeichen bzw. Tonzahlen (z. B. Wang, Pinyin: Wáng / Wang2, Jyutping: Wong4, Yale: Wòhng / Wong4), welche die Töne angeben, werden in Pässen und ähnlichen offiziellen Dokumenten nicht angegeben.

1. Inoffizielle Versionen der Wade-Giles-Umschrift (ohne diakritische Zeichen) in Klammern. Wade-Giles wird häufig in Taiwan verwendet, um taiwanische Namen zu latinisieren und wird dort oft fälschlicherweise ohne diakritische Zeichen verwendet.

2. Yale-Cantonese-Umschrift mit diakritischen Zeichen und mit Tonnummern in Klammern.

Die „Alten Hundert Namen“

Es gibt in der chinesischen Sprache den feststehenden Ausdruck die Alten Hundert (Familien-)Namen (), in dem die volkstümliche Vorstellung anklingt, dass das Han-Chinesentum ursprünglich aus genau hundert durch ebenso viele Namen unterschiedenen Familien bestand. Bezeichnet eine Person sich selbst als „lǎobǎixìng“, so ist dies als Bescheidenheitsformel zu verstehen, mit der man sich zwar dem Kernbestand des chinesischen Volkes zurechnet, sich zugleich aber auch als Durchschnittschinesen von geringem Stand und ohne gesellschaftlichen Einfluss bezeichnet. Als Metapher für die Bevölkerung Chinas bedeutet „lǎobǎixìng“ so viel wie im Deutschen „die einfache Bevölkerung“, „der einfache Bürger“, „das allgemeine Fußvolk“, „der Otto-Normalverbraucher“, eine in der Tendenz abschätzige Umschreibung für die Bevölkerung in ihrer Masse, Durchschnittlichkeit und Lenkbarkeit.

Persönliche Namen Im Gegensatz zu den begrenzt zur Verfügung stehenden Familiennamen sind die persönlichen Namen míng () zahllos, da sie aus Grundelementen des Wortschatzes frei gebildet werden, jedoch mit der Einschränkung, dass es nur ein bis zwei Zeichen sind. Die meisten persönlichen Namen stehen mit den Wünschen der Eltern für ihr Kind in Zusammenhang. Diese Wünsche werden durch Wörter wie „Reichtum“, „langes Leben“ oder durch Anspielungen ausgedrückt. Mit persönlichen Namen wird auch versucht, Einfluss auf das Schicksal zu nehmen. Um dem Kind Glück mitzugeben, werden häufig Namen gewählt, die die Zeichen für Drache lóng () oder Phoenix fèng () sowie für Charaktereigenschaften wie dé (), yǒng () oder yǎ () enthalten. Oft werden auch Namen gewählt, deren Einzelzeichen für Jahreszeiten und Wetter stehen, welche am Geburtstag eines Kindes herrschten. Religiöse Eltern geben ihren Kindern oft Namen wie Fóguāng (). In Taiwan setzen sich allmählich auch Namen von christlichen Heiligen wie Qiáozhì () und Bǐdé () durch.

Generationsname In der traditionellen Familie muss der persönliche Name eine Verbindung des Trägers zu seiner Generation innerhalb der Familie herstellen. Alle Personen, die den gleichen Abstand zu dem gemeinsamen Vorfahren haben, tragen dann, je nach Region an erster oder zweiter Stelle, dasselbe Schriftzeichen, den Generationsnamen, in ihrem Namen. Ein altes Tabu verbietet es aber, den Namen eines Vorfahren zu übernehmen.