mini|Mantelmöwe im Flug. Die Flügel sind im Vergleich zu anderen Möwenarten verhältnismäßig kurz und breit mit kurzem Handflügel. mini|Mantelmöwe im ersten Winter. Aufgrund der Kombination aus weißlichem Kopf und kontrastreich und grob gemustertem Mantelgefieder ist die Art leicht zu bestimmen. Außerdem fällt der hohe, dunkle Schnabel auf, der sich erst im zweiten Winter an der Basis aufhellt. mini|Mantelmöwe nach dem dritten Winter – mit bereits dunklem Rücken und noch bräunlichem Flügelgefieder
Die Mantelmöwe (Larus marinus) ist die größte Vogelart innerhalb der Möwen (Larinae). Sie ist an den Küsten in Nord- und Nordwesteuropa, in Grönland und im nordöstlichen Nordamerika beheimatet. An der Wattenmeerküste der Nordsee fehlt die Art jedoch als Brutvogel. In Europa halten Norwegen, Großbritannien, Island und Schweden die größten Bestände.BirdLife Species Fachtsheet, siehe Weblinks Während die hochnordischen Populationen im Winter süd- oder westwärts ziehen, sind die meisten anderen Standvögel.
Die Mantelmöwe ist weitgehend an die Meeresküste gebunden, wo sie an unzugänglichen Stellen wie Inseln oder Felsklippen nistet. Nicht selten brütet sie in Kolonien anderer Möwen und besetzt dann die höchsten, exponiertesten Orte. Sie ernährt sich vorwiegend von tierischer Nahrung und Abfällen. Häufig erbeutet sie andere Vögel oder jagt ihnen die Beute ab, vielerorts ernährt sie sich aber auch von Fisch und anderen Meerestieren.
Die Bestände der Mantelmöwe haben im Verlauf des 20. Jahrhunderts bedeutend zugenommen. Besonders in Nordamerika, wo die Art auch ihr Verbreitungsgebiet ausgedehnt hat, verlief die Bestandsentwicklung nahezu rasant.
Beschreibung Die Mantelmöwe ist mit 61–78 cm Körperlänge und einem Gewicht von meist 1,5–2 kg die größte Möwenart. Die Flügel sind aber mit einer Spannweite von 145–165 cm relativ kurz und breit; beim sitzenden Vogel ragen sie kaum über den Schwanz hinaus. Im Flug wirkt die Art kompakt und fliegt mit kräftigen, langsamen Flügelschlägen. Sie erinnert im Flugbild – nicht zuletzt wegen des relativ kurzen Schwanzes und des lang vorgestreckten Kopfes – ein wenig an einen Seeadler. Beim sitzenden Vogel fallen zudem der verhältnismäßig große Kopf und der kräftige Schnabel auf. Die Beine sind ebenfalls kräftig mit relativ langem sichtbarem Teil des Tibiotarsus. Bei dieser Art ist der Unterschied zwischen den Geschlechtern oft besonders offensichtlich. Männchen zeigen aufgrund der kräftigen Wangenpartie und dem weit hinten und oben am Kopf sitzenden Auge einen leicht „brutalen“ Gesichtsausdruck. Weibchen erreichen oft nur die Größe von Silbermöwen, wirken aber insgesamt kräftiger mit starkem Schnabel, flacherem Scheitel und kleinerem Auge.Olsen, Larsson (2003), S. 128, siehe Literatur Am Gefieder sind die Geschlechter nicht zu unterscheiden. Junge Mantelmöwen sind im vierten Lebensjahr voll ausgefärbt. Die Art ist monotypisch.
Adulte Vögel Adulte Vögel im Brutkleid zeigen einen hellgelben Schnabel mit rotem Gonysfleck; die sonst graurosa Beine können einen gelblichen Schimmer aufweisen. Die Iris ist blassgelb bis bernsteinfarben, das Auge von einem roten oder orangen Orbitalring umgeben. Der Kopf ist wie Hals, Nacken, Unterseite, Bürzel und Schwanz rein weiß. Das schwärzliche Schiefergrau der Oberseite hebt sich kaum von der schwarzen Flügelspitze ab, die wenig ausgedehnt ist. Die Spitze der äußersten Handschwinge ist breit weiß; manchmal findet sich im weißen Feld ein dunkler Fleck auf der Außenfahne. Die vorletzte Handschwinge zeigt ein subterminales weißes Feld. Die Spitzen der übrigen Handschwingen sind weiß, die der Armschwingen bilden einen breiten weißen Flügelhinterrand. Auf dem Unterflügel zeigt sich ein dunkles Schwingenband. Beim sitzenden Vogel fallen neben den großen, weißen Spitzen der Handschwingen die breiten weißen Ränder der Schirmfedern auf.
Im Schlichtkleid ist der Kopf um die Augen herum, an den Ohrdecken und im Nacken fein dunkelbraun gestrichelt. Um das Auge fallen die weißen „Lider“ auf. Die Strichelung des Kopfes ist aber sehr fein und fällt aus der Distanz gesehen manchmal kaum auf. Der Schnabel ist blassgelb, der Gonysfleck orange und manchmal von dunklen Markierungen durchsetzt.
Subadulte Vögel Vögel im Jugendkleid wirken insgesamt weißlich graubraun mit grob gemusterter, dunkler Oberseite. Im Unterschied zur Silbermöwe wirken sie sehr viel kontrastreicher schwarz-weiß, ähnlich Mittelmeermöwen, aber kräftiger gemustert. Schnabel und Iris sind dunkel, die Beine fleischfarben. Kopf, Brust, vorderer Rücken, Bürzel und Unterseite sind auf weißlichem Grund relativ spärlich dunkel graubraun gestrichelt, wobei sich die Strichelung auf dem Scheitel, um das Auge herum, im Nacken, an den Brustseiten und Flanken verdichtet. Auf den Flanken und dem vorderen Rücken wird sie zudem gröber. Der Mantel ist dunkel und wirkt durch recht breite, weiße Säume fast karoartig gemustert. Die Flügeldecken sind grob dunkel-weißlich gebändert und hell gesäumt, die Schirmfedern dunkel mit breitem, weißen Saum. Die Schwingen sind schwärzlich, wobei die inneren Handschwingen aufgehellt sind und beim fliegenden Vogel ein helles Feld bilden. Die weißlichen Spitzen der Armschwingen und der inneren Handschwingen bilden einen weißen Flügelhinterrand. Die Oberschwanzdecken sind weiß mit spärlicher Bänderung. Die Steuerfedern zeigen auf weißem Grund eine dunkle, relativ schmale Subterminalbinde, die zum Bürzel hin ausläuft. Die Schwanzaußenseiten sind meist weiß.Olsen, Larsson (2003), S. 128f (mit Tafeln), siehe LiteraturGlutz von Blotzheim, S. 676f, siehe Literatur
Das erste Schlichtkleid ähnelt dem Jugendkleid, Kopf und Brust sind jedoch deutlich weißer mit feiner, dunkler Strichelung, die sich ums Auge und im Nacken konzentriert. Der Schnabel hellt sich an der Basis leicht fleischfarben auf. Mantel- und Schulterfedern sind wesentlich heller und tragen auf beigem Grund eine subterminale, pfeilförmige, dunkle Zeichnung. Sie können noch mit einzelnen Federn des Jugendkleids durchmischt sein. Manche Exemplare wirken besonders zum Sommer hin im ausgebleichten Gefieder sehr hell. Die dunkle Schwanzbinde zerfällt oft in mehrere schmale Bänder.
Im zweiten Winter ist die Schnabelbasis bereits deutlich aufgehellt, das Gefieder aber insgesamt noch dem ersten Schlichtkleid sehr ähnlich. Die großen Armdecken sind frisch vermausert und auf beigem Grund feiner gebändert, als im ersten Winter. Im Flug kontrastieren sie als helleres Feld zum dunklen Armflügel. Die Handschwingen tragen feine weiße Spitzensäume; die weißen Spitzen der Armschwingen sind wesentlich ausgedehnter. Auf den äußersten Handschwingen kann bereits ein heller Spiegel angedeutet sein. Die dunkle Schwanzbinde wirkt diffus. Nur wenige Exemplare weisen bereits einzelne Rückenfedern des Adultkleids auf.
Im zweiten Sommer mischen sich bereits viele dunkelgraue Federn in das Rückengefieder und einzelne Armdecken sind ebenfalls bereits dunkelgrau. Ab dem dritten Winter sind bereits nahezu das gesamte Mantel- und Schultergefieder sowie die mittleren Armdecken dunkelgrau. Auch der größte Teil des Handflügels zeigt bereits die Merkmale des Adultkleids. Dazu kontrastieren auffällig die noch braunen kleinen Armdecken, Handdecken und Armschwingen. Die dunkle Schwanzbinde ist noch streifig angedeutet. Vögel im vierten Winter unterscheiden sich nur noch geringfügig von adulten Tieren. Die Oberseite kann noch etwas bräunlich wirken und die Handdecken können noch sehr dunkel sein. Im Bereich des Vorderschnabels sind die dunklen Markierungen oft noch recht ausgeprägt.
Hybriden Die Mantelmöwe hybridisiert gelegentlich mit anderen Großmöwen. Die Hybriden tragen dann oft intermediäre Merkmale und sind nur schwer zu bestimmen. Regelmäßig treten beispielsweise in Grönland Hybriden zwischen Mantel- und Eismöwe auf. Diese sind oberseits etwas dunkler als Eismöwen und erinnern im Handflügelmuster an Mantelmöwen. Auch Hybriden zwischen Mantel- und Amerikanischer Silbermöwe sind bekannt. In Dänemark und Finnland wurden zudem einige Vögel als vermutliche Hybriden zwischen Mantel- und Heringsmöwe identifiziert.Olsen, Larsson (2003), S. 135, siehe Literatur
In einer Großmöwenkolonie auf dem Dach des Posthofes in Frankfurt am Main brütet seit 2009 ein Mischpaar aus Mantel- und Mittelmeermöwe. Einer der daraus hervorgegangenen Hybriden zog 2015 erfolgreich mit einer Mittelmeermöwe zwei Junge groß.C. Sudfeldt, R. Dröschmeister, W. Frederking, K. Gedeon, B. Gerlach, C. Grüneberg, J. Karthäuser, T. Langgemach, B. Schuster, S. Trautmann, J. Wahl: Vögel in Deutschland – 2013, DDA, LAG VSW, Münster 2013, S. 52
Stimme Das Rufrepertoire der Mantelmöwe ist wie bei allen Möwen sehr vielfältig. Verglichen mit denen der Silbermöwe sind die Rufe tiefer und lauter, manchmal klingen sie sehr viel heiserer oder entenähnlich schnatternd. Rufreihen werden meist langsamer vorgetragen.Glutz von Blotzheim, S. 679f, siehe LiteraturOlsen, Larsson (2003), S. 129, siehe Literatur Der HauptrufHauptruf: Hörbeispiel ist ein tiefes, oft heiseres und manchmal laut schallendes kau oder krau. Das Jauchzen („long call“),Jauchzen (long call) Hörbeispiel beginnt mit zwei relativ langen, tiefen Lauten, steigert sich zur Rufreihe aus hohen Lauten und flacht dann meist wieder zu tieferen Lauten hin ab.Good (1998), Abschnitt Sounds, siehe Literatur Im Unterschied zur Silbermöwe „übersteigern“ sich die hohen Rufelemente jedoch nicht zu durchdringenden i-Lauten. Der beispielsweise zwischen Partnern als intimer Kontaktruf zu hörende „Katzenruf“ („mew call“) ist ein tiefes, gutturales maau; als Alarmruf ist eine entenartig gackernde Rufreihe („Stakkatoruf“) zu vernehmen.Stakkatoruf Hörbeispiel
Verbreitung Das Verbreitungsgebiet der Mantelmöwe liegt im Bereich des Nordatlantiks und der Ostsee an Küsten und Inseln in der gemäßigten, borealen und subpolaren Zone.
In der westlichen Paläarktis besiedelt sie Island, die Färöer, Spitzbergen, die Bäreninsel, Waigatsch und die Kanin-Halbinsel, Kolgujew und den Süden Nowaja Semljas, Fennoskandien ab der Murmanküste westwärts und die Küsten der Ostsee bis zum Kattegat. An der Nordsee kommt sie am Skagerrak und der Küste Nordwestjütlands vor, im Bereich des Wattenmeeres und an der englischen Westküste von Plymouth bis zum Firth of Forth fehlt sie weitgehend als Brutvogel. Die übrigen Küsten der Britischen Inseln besiedelt sie ebenso wie die Kanalinseln. In Frankreich kommt sie in der Normandie und der Bretagne südwärts bis ins Département Loire-Atlantique vor.Glutz von Blotzheim, S. 681f, siehe Literatur
Auf Grönland brütet die Mantelmöwe an der Ostküste nur bei Tasiilaq und an der Westküste von der Nuussuaq-Halbinsel südwärts bis Kap Farvel.
In der Nearktis brütet die Art an der nördlichen Ostküste Nordamerikas. Das nördlichste Vorkommen liegt hier an der Mündung des Rivière aux Feuilles an der Ungava Bay. Von Cape Chidley im nördlichen Labrador reicht es dann an der Küste südwärts über Neufundland an die Küsten des Sankt-Lorenz-Golfs und den Sankt-Lorenz-Strom hinauf bis Montreal. Ferner kommt die Art an den Küsten von Anticosti, der Magdalenen-Inseln, von Prince Edward Island, New Brunswick und Nova Scotia vor. In Ontario brütet sie zerstreut am Nordufer des Lake Ontario und am Ostufer des Lake Huron. In den USA reicht das Vorkommen an der Küste von Maine bis New Jersey. Ferner brütet die Mantelmöwe auf der Delmarva-Halbinsel in Maryland und Virginia, an der Küste im äußersten Norden North Carolinas sowie zerstreut an der Chesapeake Bay in Maryland. Einzelne Brutnachweise gibt es aus Vermont und Delaware.Good (1998), Abschnitt Distribution, siehe Literatur
Wanderungen mini|Im Bereich der Großen Seen nimmt die Zahl der überwinternden Mantelmöwen zu.