mini|hochkant|Wappen von Marbach mini|Oberer Torturm mini|Blick vom Oberen Torturm zur Alexanderkirche, der alten Pfarrkirche der Siedlung

In der Liste der Kulturdenkmale in Marbach am Neckar sind alle unbeweglichen Bau- und Kunstdenkmale (und die erhaltenswerten Gebäude) der Altstadt verzeichnet, die im Denkmalpflegerischen Werteplan Gesamtanlage Marbach enthalten sind, der von W. Thiem im Regierungspräsidium Stuttgart, Referat Denkmalpflege, am 23. Dezember 2008 erstellt wurde. Es ist ein Verzeichnis des Landesamts für Denkmalpflege Baden-Württemberg. in dem zusätzlich zu den geschützten noch alle erhaltenswerten Gebäude und Gebäudeteile aufgeführt sind, die für die Altstadt von Marbach – also die geschützte Gesamtanlage – eine denkmalpflegerische Bedeutung haben.Denkmalpflegerischer Werteplan Gesamtanlage Marbach

Diese Liste ist nicht rechtsverbindlich. Eine rechtsverbindliche Auskunft ist lediglich auf Anfrage bei der Unteren Denkmalschutzbehörde der Stadt Marbach am Neckar oder in Ludwigsburg erhältlich.

Eine Liste aller Kulturdenkmale der Stadt Marbach am Neckar ist nach derzeitiger Gesetzeslage nicht möglich, da man nach der Bestimmung des Denkmalschutzgesetzes von Baden-Württemberg „ein berechtigtes Interesse nachweisen muss“, um als Bürger alle Informationen über die Kulturdenkmale zu erfahren.

Folgende Bestimmung des § 14 gilt immer noch und wird von den Unteren Denkmalschutzbehörden analog meist so praktiziert:

(1) Das Denkmalbuch wird von der höheren Denkmalschutzbehörde geführt.

(2) Die Einsicht in das Denkmalbuch ist jedermann gestattet, der ein berechtigtes Interesse darlegt.Baden-württembergisches Gesetz zum Schutz der Kulturdenkmale (Denkmalschutzgesetz - DSchG) in der Fassung vom 6. Dezember 1983, § 14 Denkmalbuch

Siehe auch die Liste der Kulturdenkmale in Rielingshausen.

Allgemein

Kulturdenkmale in Marbach Gesamtanlage von Marbach gemäß § 19 DSchG mini|hochkant=2|Stadtansicht aus dem Jahr 1664

Die Gesamtanlage Marbach besteht aus dem Gebiet des im 13. Jahrhundert gegründeten und um 1400 nach Norden erweiterten Stadtkerns von Marbach. Südwestlich des hochmittelalterlichen, gleichnamigen Marktfleckens um die Alexanderkirche hatte man zeitgleich mit dem späteren Schloss die Stadt planmäßig mit einer Hauptachse und zwei parallelen Nebenstraßen angelegt. Im Zuge der Stadterweiterung wurden mit der Unteren und Mittleren Holdergasse zwei weitere Parallelstraßen hinzugefügt. Die ab 1302 württembergische Stadt diente zeitweilig als Residenz und später als Amts- bzw. Oberamtsstadt.

Erst der große Stadtbrand von 1693 und das Erstarken des benachbarten Ludwigsburgs im 18. Jahrhundert setzte der Blütezeit ein Ende. In der Geburtsstadt von Friedrich Schiller sind nicht nur große Teile der Stadtbefestigung erhalten, sondern auch zahlreiche (acker-)bürgerliche und weinbäuerliche Anwesen, die als typische barocke Wiederaufbauten der Zeit um 1700 vielfach noch ältere Kerne der Renaissance besitzen. Aufgrund dieser Bedeutung ist Marbach eine Gesamtanlage gemäß § 19 DSchG, an deren Erhaltung ein besonderes öffentliches Interesse besteht.

Stadtbefestigung

Baugeschichte Trotz einer Belagerung mit Brandschatzung im Jahr 1311 erlangte Marbach für die Württemberger im Verlauf des 14. Jahrhunderts eine wichtige Mittelpunktsfunktion, was sich an der Etablierung des 1380 erstmals erwähnten Amtes Marbach zeigt.

In der zweiten Hälfte des 14. Jahrhunderts baute man die Stadtbefestigung massiv aus, errichtete das Stadtschloss ab 1392 neu und schuf schon zuvor einen dritten Stadteingang, indem man die Ludwigsburger Straße und das Neckartor als Zugang zu den ab 1377 städtischen Mühlen am Neckar anlegte. Der Bau eines neuen Rathauses und die erhebliche Erweiterung der Stadt nach Norden zeigen den Reichtum der Stadt um 1400.

Für diese Erweiterung trug man die alte Stadtmauer nördlich der Oberen Holdergasse ab, legte jenseits des alten Stadtgrabens die Mittlere Holdergasse und noch weiter nördlich in stark abfallendem Gelände die Untere Holdergasse an. Dieses neue Viertel wurde als Niklas- oder auch als Wicklinsvorstadt bezeichnet und durch eine neue Stadtmauer gesichert. In der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts entstand zusätzlich eine zweite bzw. äußere Stadtmauer, die Zwingermauer.

Abbau der Mauer Ende des 18. Jahrhunderts waren die alten Stadtgrenzen zu eng geworden und es kam mit dem Abbruch der Stadtbefestigung zwischen Oberem Tor und Niklastor ansatzweise zur Vorstadtbildung. Anstelle der beseitigten Stadtmauer und des spätestens damals dort aufgefüllten Stadt- bzw. Halsgrabens verbreiterte man die Torgasse nach Osten und errichtete einige Anwesen. Ebenso entstanden ab etwa 1820 vor dem Oberen Tor um die spätere Kreuzung Wildermuthstraße-Charlottenstraße ein paar Häuser.

Ein 1841 verabschiedeter Generalbebauungsplan regelte nicht nur die Bebauung der Stadterweiterungsgebiete, sondern forderte für die Altstadt die Entzerrung von Wohnhäusern und Scheunen sowie nach Möglichkeit die Verbreiterung der schmäleren Gassen. Im Rahmen des Plans durchbrach man 1843 in Verlängerung der Bärengasse die Stadtmauer zur Anbindung der Grabenstraße und erweiterte man 1873 die Ludwigsburger Straße durch den Abbruch von Anwesen beträchtlich.

Bedeutung der Stadtbefestigung Die in weiten Teilen authentisch überlieferte, sehr massiv angelegte Stadtbefestigung hat hohen dokumentarischen Wert für die verteidigungstechnische Entwicklung der Stadt sowie für deren Fernwirkung nach Westen, Süden und Norden.

Einzeldenkmale der Stadtbefestigung

Altstadt von Marbach Auf den Felsen Verbindungsstraße; benannt nach den dort anstehenden und felsenartig verfestigten Terrassenschottern des Neckars; von der Marktstraße als breite Gasse bis zur Oberen Holdergasse führend, mit einem rechten Winkel dort dessen Trasse aufgreifend und nach Westen umknickend, dann erneut nach Norden abbiegend und in die Mittlere sowie Untere Holdergasse übergehend; mit dem Anwesen Nummer 1 hochwertige und noch zur Marktstraße orientierte Bebauung, im weiteren Verlauf nach Norden nur teils zur Gasse „Auf den Felsen“ ausgerichtete und unregelmäßige Bebauung mit einfachen Wohnhäusern ähnlich der Mittleren Holdergasse; als westliche Querverbindung der Hauptachsen bei der Stadtgründung angelegt, 1473 als „uf dem felsen“ erwähnt.

Die Straße veranschaulicht die für Marbach charakteristische Abfolge von repräsentativen Anwesen an der Marktstraße zu den einfacheren Häusern an den drei Holdergassen. Für die Stadtstruktur ist sie als westliche Querverbindung wichtig.

Bärengasse Verbindungsstraße; benannt nach dem Gasthof Zum Bären an der Ecke zur Marktstraße (Marktstraße 21); südliche Fortsetzung der Gasse zur Stadtkirche, dabei rechtwinklig die Strohgasse querend und nach dem stichbogigen Durchbruch durch die Stadtmauer in die Grabenstraße führend; hauptsächlich von hochwertigen Eckhäusern des Wiederaufbaues des frühen 18. Jahrhunderts geprägt, die zur Marktstraße und Strohgasse orientiert sind, dazwischen teils überformte Anwesen; als Anbindung der Strohgasse zur Stadtkirche wohl schon bei der Stadtgründung angelegt, 1847 Durchbruch durch die Stadtmauer, 1873 Einebnung des außerhalb befindlichen Stadtgrabens, Überbauung des Durchbruches mit dem stichbogigem Grabentor, 1935 erneuert, zuletzt 1978 umgebaut.

Durch ihre Enge veranschaulicht die dicht und vielfach hochwertig bebaute Bärengasse noch die mittelalterliche Grundstruktur. Andererseits zeigt der Durchbruch durch die Stadtmauer die Öffnung der Stadt im Verlauf des 19. Jahrhunderts.

Göckelhof Verbindungsgasse; seit 1929 offiziell benannt nach dem 1975 abgebrochenen Göckelhof im Zentrum der Gasse; von der Rosengasse nach Nordosten abzweigend, nördlich des schmalen Anschlusses zur Torgasse platzartig aufgeweitet, anschließend rechtwinkelig nach Westen umbiegend und in Niklastorstraße einmündend; auf der mittleren Ostseite einfache und einst landwirtschaftlich orientierte Anwesen des 19. Jahrhunderts mit geschlossener Baulinie, ansonsten überwiegend jüngere Ersatzbebauung; für die Erschließung des Areals zwischen Rosengasse, Niklastorstraße und Torgasse wohl noch im Mittelalter als Negativbild der Bebauung entstanden, durch zahlreiche Abbrüche um 1974 Entkernung des Quartiers und starke Verbreiterung der einst schmalen Gasse.

Vor allem mit ihrer auf der Ostseite angrenzenden und ehemals bäuerlich ausgerichteten Bebauung veranschaulicht die Gasse Göckelhof den früheren ackerbürgerlichen Charakter des Quartiers abseits der Hauptstraße am Ostrand der Altstadt.

Hirschgasse mini|hochkant|Hirschgasse Verbindungsgasse; benannt nach dem Gasthaus Hirsch (siehe Marktstraße 46); von der Marktstraße als schmale Gasse nach Norden führend, nach einem Doppelknick bei den Rückgebäuden des Gasthauses als Staffel in die Obere Holdergasse mündend, östlich versetzt von der Oberen Holdergasse geradlinig nach Norden führend, nach einer Staffel die Mittlere Holdergasse querend und in die Untere Holdergasse einmündend; von den jeweiligen Eckanwesen der einzelnen Straßen bzw. deren rückwärtigen Gebäudeteilen geprägt, diese vielfach überformt oder aus dem 19. Jahrhundert, mit Ausnahme der Wiederaufbauhäuser Obere Holdergasse 11 und Marktstraße 46; als typische „Quersprosse“ des leiterförmigen Grundrisses zwischen den Holdergassen Teil der um 1400 erweiterten Stadtanlage, von Marktstraße zur Oberen Holdergasse erst nach 1832 durch Abbruch eines Anwesens als Staffel durchgebrochen.

Die Gasse hat als klassische fußläufige Querverbindung der im späten Mittelalter angelegten Planstadt mit leiterförmigem Grundriss dokumentarischen Wert für den Planungswillen dieser Zeit.

Ludwigsburger Straße Verbindungsstraße; benannt nach seiner Zielrichtung Ludwigsburg, bis ins 18. Jahrhundert als Neckargasse bezeichnet; am westlichen Ende der Markstraße rechtwinklig und breit nach Süden abzweigend, nach der Abzweigung der Strohgasse das 1810/1811 abgetragene Neckartor querend und in die Grabenstraße einmündend; auf der Ostseite Eck- und Rückgebäude der Markt- und Strohgasse v. a. der Wiederaufbauzeit, auf der Westseite im Kern frühneuzeitliches Anwesen mit zum Wohnhaus umgebauter Scheune (siehe Ludwigsburger Straße 6, 8); im Zuge der Stadterweiterung um 1400 als westliche Aus- fahrt der bis dahin als Sackgasse endenden Marktstraße zu den 1377 von der Stadt erworbenen Getreidemühle angelegt, Errichtung des dritten Stadttores (Neckartor), durch den Abbruch von drei Anwesen 1873 nach Osten wesentlich verbreitert.

Die gegen Ende des 19. Jahrhunderts stark aufgeweitete Straße hat als neue Zutat der spätmittelalterlichen Stadterweiterung mit Anwesen vor allem des Wiederaufbaues dokumentarischen Wert für zwei stadtbildprägende Phasen der Stadtentwicklung.

Marktstraße mini|Blick auf die Marktstraße vom Oberen Tor

Hauptverbindungsstraße der Altstadt mit namensgebender Marktfunktion, östlicher Teil (obere Marktstraße) heute Fußgängerzone; vom Oberen Torturm nach Westen führend, ab Marktstraße 28 durch zurückversetzte Baulinie verbreitert, ab der Abzweigung Niklastorstraße als untere Marktstraße gleichmäßig breit verlaufend und stumpf am ehemaligen Physikatshaus endend bzw. in die Ludwigsburger Straße übergehend; zwischen Burgplatz und Oberamteigasse Neubaukomplex, ansonsten beidseitig giebelständige Anwesen, meist Wiederaufbauten der Zeit nach 1693, vielfach mit stilistischem Rückgriff auf das 17. Jahrhundert sowie älteren Kernen; Vorsprung des Rathauses als primus inter pares; als zentrale Achse des Stadtgründungsgebietes Ende des 12. Jahrhunderts angelegt, durch den Einbruch der Ludwigsburger Straße um 1400 nach Westen geöffnet, nach dem Stadtbrand 1693 Begradigung der Baulinien.

Als zentrale Leitlinie der Stadt mit sehr dichter und hochwertiger historischer Bausubstanz hat die Marktstraße mit ihrem typischen Wiederaufbauten hohen dokumentarischen Wert für die strukturelle und bauliche Entwicklung und die Gestalt der Stadt.

Mittlere Holdergasse mini|Blick in die Mittlere Holdergasse