mini|Wilhelm Hülsemann (1812 bis 1862) Wilhelm Friedrich August Hülsemann (* 27. Februar 1812 in Arnstadt; † 18. August 1862Todesanzeige in Der Deutsche. Sondershäuser Zeitung vom 19. August 1862, S. 784; Beisetzungsbericht, Dankesanzeige und Kirchenamtsangabe am 23. August, S. 793f. und 800. in Sondershausen) war ein Jurist und Politiker im Fürstentum Schwarzburg-Sondershausen.
Leben Familie Wilhelms Vater war der spätere Hofrat Johann Heinrich Christian Hülsemann (1783–1854), ein Nachkomme (in 5. Generation) des lutherischen Theologen Johann Hülsemann (1602–1661). Wilhelms Mutter war Friederike Christiane Auguste geb. Ebart (1791–1825), Tochter des Hofmedikus Friedrich Christian Wilhelm Ebart (1761–1806) in Sondershausen und seiner ersten Ehefrau Katharina Jacobina geb. Proband (1765–1798). Wilhelms jüngster Bruder Julius wurde Oberbürgermeister von Arnstadt (1872–1888); der Politiker Wilhelm Hülsemann (* 1853) in Sigmaringen war ein Sohn von Julius. Wilhelms Schwester Karoline (1819–1878), genannt Lina, heiratete den späteren Landrat Bernhard Maempel (1816–1870), Sohn ihrer Tante Charlotte.
Im August 1837 verlobte er sich mit Mathilde Magdalene Charlotte Rosette Margarethe Maempel (* 19. Oktober 1820 in der Triglismühle in Siegelbach, † 11. Mai 1898 in SondershausenTodesanzeige und Sterberegister in Der Deutsche. Zeitung für Thüringen und den Harz 1898 Nr. 109 und 132.), Tochter des Mühlenpächters in Siegelbach, später in Arnstadt, Christian Jakob Maempel (1786–1826)Todes- und Geburtsangabe in Arnstädtisches Regierungs- und Intelligenz-Blatt vom 13. Mai 1826, S. 90. und seiner Ehefrau Johanne Wilhelmine geb. Gutmann (1787–1874); Heirat am 28. Oktober 1838.Verlobungsanzeige und Kirchenamtsangabe in Privilegirtes Arnstädtisches Regierungs- und Intelligenz-Blatt vom 19. August 1837, S. 151, und vom 29. Dezember 1838, S. 256. Das Paar hatte vier überlebende Kinder: Amalie Wilhelmine Emilie (* 28. September 1839 in Arnstadt,Geburtsangabe in Privilegirtes Arnstädtisches Regierungs- und Intelligenz-Blatt vom 28. Dezember 1839, S. 228. † 27. Juli 1917 in Obermittlau), heiratete 1865 Alfred Kleemann (* 14. Mai 1837 in Ebeleben, † 30. April 1908 in Wolfhagen), Sohn des Amtsrats Wilhelm Kleemann (1795–1881) auf der Domäne Ebeleben. Das junge Paar war Domänenpächter in Witzleben und ab 1876 in Elmarshausen.Verlobungsanzeige und Heiratsangabe in Der Deutsche. Sondershäuser Zeitung vom 29. September 1863, S. 930 bzw. vom 15. Juli 1865, S. 660. Friederike Louise Emilie Anna (* 24. Februar 1844 in Arnstadt,Geburtsangabe in Privilegirtes Arnstädtisches Regierungs- und Intelligenz-Blatt vom 10. August 1844, S. 281. † 29. März 1913 in NaumburgTodesanzeige in Der Deutsche. Zeitung für Thüringen und den Harz 1913 Nr. 74.), heiratete 1870 den späteren Oberlandesgerichtsrat Friedrich Albert Krieger (* 16. Juli 1841 in Arnstadt).Verlobungsanzeige und Heiratsangabe in Der Deutsche. Sondershäuser Zeitung vom 12. September 1868, S. 874, bzw. vom 9. Juli 1870, S. 660. Seine Mutter Agnes Krieger geb. Maempel (1818–1889, Schwester von Bernhard Maempel) war eine Cousine von Annas Mutter Mathilde sowie eine Cousine von Annas Vater Wilhelm. Auguste Marie (* 1. Mai 1847Geburtsangabe in Fürstlich Schwarzb. Regierungs- und Intelligenz-Blatt vom 21. August 1847, S. 338., † 13. Juni 1926Todes- und Dankesanzeige in Der Deutsche. Thüringer Tageblatt 1926 Nr. 136 und 139; Erinnerungsworte in Nr. 146.). Adolphine Karoline Emilie Friederike Mathilde (* 17. November 1853Geburtsangabe in Fürstlich Schwarzb. Regierungs- und Intelligenz-Blatt vom 21. Januar 1854, S. 39., † 17. Dezember 1934Todes- und Dankesanzeige in Der Deutsche. Thüringer Tageblatt 1934 Nr. 295 und 299; Nachruf in Nr. 301.), Malerin.
Berufsgang Nach dem Abitur 1830 in ArnstadtVerzeichnis der Abiturienten S. 16. studierte Wilhelm Rechtswissenschaft, zunächst in LeipzigEingeschrieben am 22. Mai 1830 (Die Matrikel der Universität Leipzig. Teilband I. Weimar 2006. ISBN 3-89739-522-3, S. 393). und ab Herbst 1831 in Jena.Namen-Verzeichniß der Studirenden No. 13, 1832, Nr. 234. Er wurde 1830 Mitglied der „Leipziger Burschenschaft“ und 1831 der „Jenaischen Burschenschaft“. Seine Mitgliedschaft in der Leipziger Burschenschaft wurde von der Obrigkeit im Schwarzen Buch der Bundeszentralbehörde unter Nr. 758 festgehalten; 1836/37 fand eine entsprechende Untersuchung statt.
Im November 1833 wurde er RegierungsadvokatArnstädtisches Regierungs- und Intelligenz-Blatt vom 23. November 1833, S. 198. und wenig später Gerichtshalter in Plaue. Im Mai 1838 übernahm er zusätzlich die Aufgaben eines Kammerprokurators und Fiskalsentsprechend dem Gesetz über die Rechtsmittel in Strafsachen usw. vom 12. Februar 1837, § 70ff., die zuvor sein Vater hatte.Privilegirtes Arnstädtisches Regierungs- und Intelligenz-Blatt vom 19. Mai 1838, S. 95; vgl. das Regierungsblatt vom 1. April 1837, S. 55. Ab Mai 1840 war er als Kammerassessor in der Fürstlichen Kammerverwaltung in Arnstadt tätig, die von seinem Vater geleitet wurde; dabei behielt er die Funktionen des Kammerkonsulenten und des Gerichtshalters in Plaue.Privilegirtes Arnstädtisches Regierungs- und Intelligenz-Blatt vom 2. Mai 1840, S. 71.Vgl. Hatham, Arnstadt. Ein Hand- und Addressbuch , S. 303. Gleichzeitig waren in Arnstadt tätig: der Cousin und spätere Schwager Regierungs-Sekretär Bernhard Maempel (S. 301) sowie zwei Brüder des Vaters, Landesjustiz-Assessor Wilhelm Friedr. Jul. Hülsemann (1802–1883) (S. 302) und Landgerichts-Assessor Carl Hülsemann (1804–1892) (S. 303). Im Juni 1846 erhielt der neu eingestellte Kammerpräsident und Chef des Geheimerats-Kollegiums Albert von Holleuffer die Genehmigung, für die Mitarbeit in einer Kommission zur Ausarbeitung von weitreichenden Reformvorhaben Wilhelm Hülsemann hinzuzuziehen.Fürstlich Schwarzb. Regierungs- und Intelligenz-Blatt vom 11. Juli 1846, S. 233–235. Im Oktober 1848 wurde er zum Regierungsassessor befördert.Fürstlich Schwarzb. Regierungs- und Intelligenz-Blatt vom 14. Oktober 1848, S. 431.
Vom 10. Dezember 1848 bis zum 22. Januar 1849 erarbeitete eine Kommission unter Hülsemann einen Verfassungsentwurf für das Fürstentum. Auch wenn Hülsemann konservative Positionen vertrat, entstand eine Verfassung, die den liberalen Vorstellungen der Zeit entsprach. Im März 1850 wurde er stimmführendes Mitglied des Geheimerats-Kollegiums; ab 1. Juli 1850 bis zu seinem Lebensende war er Vorstand der Abteilung für die Finanzen in dem neugeschaffenen Ministerium.Fürstlich Schwarzb. Regierungs- und Intelligenz-Blatt vom 30. März und 22. Juni 1850, S. 143 und 260.
Ende 1855 wurde Hülsemann Regierungskommissar für die Thüringische Bank in Sondershausen.Fürstlich Schwarzb. Regierungs- und Intelligenz-Blatt vom 8. Dezember 1855, S. 558. Spätestens ab 1852 war er im Vorstand des Vereins zur Beförderung der Landwirtschaft in Sondershausen.
Von 1857 bis 1859 war er Abgeordneter für die Höchstbesteuerten der Oberherrschaft im Landtag des Fürstentums.
Ehrungen Hülsemann wurde 1854 Staatsrat,Fürstlich Schwarzb. Regierungs- und Intelligenz-Blatt vom 23. September 1854, S. 461. 1862 Geheimer Staatsrat.Der Deutsche. Sondershäuser Zeitung 1862 Nr. 19.Im Juni 1855 erhielt er den Roten Adlerorden III. Klasse.Fürstlich Schwarzb. Regierungs- und Intelligenz-Blatt vom 23. Juni 1855, S. 289.Er erhielt das Schwarzburgische Ehrenkreuz II. Klasse bei der ersten Verleihung des neu gestifteten Ehrenzeichens am 7. August 1857.Fürstlich Schwarzb. Regierungs- und Intelligenz-Blatt vom 8. August 1857, S. 391.Im September 1858 erhielt er das Komturkreuz I. Klasse des Königl. Sächsischen Albrechts-Ordens.Fürstlich Schwarzb. Regierungs- und Intelligenz-Blatt vom 11. September 1858, S. 391.
Literatur Albert von Holleuffer: Brief vom 10. August 1862 An den geehrten Vorstand des landwirthschaftlichen Vereins zu Sondershausen. Abdruck in: Verhandlungen des Vereines zur Beförderung der Landwirthschaft in Sondershausen 23. Jg., 1864, S. 134–141. (Kopie in Commons) Verzeichnis der Arnstädter Abiturienten von 1765 bis 1890. In Programm des Fürstlichen Gymnasiums zu Arnstadt Ostern 1891. Progr.-Nr. 710. S. 7–25. Digitalisat. Stammbaum der Familie Maempel vom Jahre 1710 bis 1894. o. O., o. J. [Arnstadt.] (hier: S. 11–13.) G[ünther] Lutze: Aus Sondershausens Vergangenheit. Ein Beitrag zur Kultur- und Sittengeschichte früherer Jahrhunderte. Dritter Band. Eupel, Sondershausen 1919. Friedrich Lammert: Verfassungsgeschichte von Schwarzburg-Sondershausen. Entwicklung einer deutschen Territorialverfassung in kulturgeschichtlichem und staatsrechtlichem Zusammenhange. Bonn und Leipzig 1920. Familie Hülsemann Stammtafel I. o. O., o. J. [Hrsg. Familienbund Hülsemann. 1928.] Familie Hülsemann Stammtafel I A. (Nachkommen des Johann Heinrich Christian Hülsemann, VII, 1 der Stammtafel I.) o. O., o. J. [Hrsg. Familienbund Hülsemann. 1928.] Martin Kunze: Schwarzburg-Sondershausen in der deutschen Revolution von 1848/49. Neustadt (Orla) 1932. Genealogie der Südharzer Familie Kleemann 1620‒1933 mit 4 im Anhang befindlichen Stammtafeln. Neu bearbeitet und ergänzt von Wilhelm Kleemann (163). Druck von Carl Ebers. Hannover-Döhren 1933. (hier: S. 34) Hans Eberhardt: Die Geschichte der Behördenorganisation in Schwarzburg-Sondershausen. (Zeitschrift des Vereins für Thüringische Geschichte und Altertumskunde, Beiheft 28.) Jena 1943. Als Online-Veröffentlichung des Thüringischen Staatsarchivs Rudolstadt neu herausgegeben und um einen Index erweitert durch Uwe Grandke. Rudolstadt 2005. PDF. Jochen Lengemann (Mitarbeit: Karl-Heinz Becker, Jens Beger, Christa Hirschler, Andrea Ziegenhardt): Landtag und Gebietsvertretung von Schwarzburg-Sondershausen 1843–1923. Biographisches Handbuch. 1998. ISBN 3437353683. (S. 23, 28–33, 195f.; S. 311: genealogische Graphik.) Helge Dvorak: Biographisches Lexikon der Deutschen Burschenschaft. Band I: Politiker. Teilband 7: Supplement A–K. Heidelberg 2013, ISBN 9783825360504, S. 491.Eine Abbildung in dem Artikel soll Wilhelm Hülsemann zeigen. Tatsächlich ist das ein Photo seines Bruders Julius.
Weblinks
Nachweise
Kategorie:Landtagsabgeordneter (Fürstentum Schwarzburg-Sondershausen) Kategorie:Geheimrat Kategorie:Träger des Ehrenkreuzes von Schwarzburg Kategorie:Träger des Roten Adlerordens 3. Klasse Kategorie:Träger des Albrechts-Ordens (Komtur 1. Klasse) Kategorie:Burschenschafter (19. Jahrhundert) Kategorie:Deutscher Kategorie:Geboren 1812 Kategorie:Gestorben 1862 Kategorie:Mann