Der Buchkogel (zur Unterscheidung vom Wildoner Buchkogel auch Grazer Buchkogel genannt) ist ein hoher Hügel im österreichischen Bundesland Steiermark. Die Erhebung befindet sich im Westen der Landeshauptstadt Graz und bildet mit dem nördlich folgendem Plabutsch ein beliebtes Naherholungsgebiet. Teile des verkarsteten, von Mischwäldern bedeckten Berges wurden bereits in der Kupfersteinzeit besiedelt und dienten im Mittelalter sowie während des Zweiten Weltkriegs dem Abbau von in Klüften eingeschlossenen Brauneisensteinen. Auf dem Gipfel steht die historische Kronprinz-Rudolf-Warte. Der Name Buchkogel rührt entweder von einer abgekommenen Burg (althochdeutsch purch)Rudolf Flucher: Verschollene Wehranlagen um Graz – St. Johann und Paul am Buchkogel. In: Historisches Jahrbuch der Stadt Graz, Band 7/8, Graz 1975, S. 244. oder vom Buchenbestand her.Karl Albrecht Kubinzky & Astrid M. Wentner: Am Buchkogel. In: Grazer Straßennamen. Leykam, 3. Auflage, Graz 2009, ISBN 978-3-7011-7669-4, S. 22. Plabutsch und Buchkogel werden vom Plabutschtunnel der Autobahn A9 durchfahren.

Geographie Lage und Umgebung Der Buchkogel erhebt sich am westlichen Stadtrand im Grazer Stadtbezirk Straßgang. Er bildet zusammen mit dem Plabutsch den Plabutsch-Buchkogel-Zug, der das nördliche Grazer Feld im Westen begrenzt. Nach Norden verläuft der bewaldete Kamm über den Buchkogelsattel weiter zum Kirchlein St. Johann und Paul, nach Süden zu Bockkogel und Florianiberg. Am Südosthang liegen ein Lüftungsturm des Plabutschtunnels und darunter, auf einem gegen Osten vorspringenden Sporn, Schloss und Kirche St. Martin. Die Süd- und Südosthänge am Kehlberg sind ein altes Weinbaugebiet, das seit den 2010er Jahren teilweise wieder kultiviert wird. Der Buchkogel ist Teil des Landschaftsschutzgebiets Westliches Berg- und Hügelland von Graz (LSG-39).

Geologie und Geomorphologie Der Buchkogel besteht im Wesentlichen – wie der Rest des Hügelkamms – aus mitteldevonischen Kalken (überwiegend Kanzelkalk) und Dolomiten, die der Rannach-Fazies innerhalb des Grazer Paläozoikums angehören. Darunter liegen unter anderem Dolomitsandsteine, Diabastuffe und die Barrandei-Schichten, eine Folge fossilreicher Bankkalke.Anton Schäfer: Geologische Karte des Buchkogel-Florianibergzuges im Maßstabe 1:25.000. In: Mitteilungen des Naturwissenschaftlichen Vereins für Steiermark. Jg. 74, Graz 1937, S. 133–143 (). Eine Besonderheit am Buchkogel-Florianiberg-Zug ist ein bis zu 100 m mächtiger Komplex von grauen und braunen Rauchwacken, gelben und braunen, meist mylonitischen Kalken und braunen Tonschiefern mit einzelnen grauen und braunen Dolomitlagen im Mitteldevon. Anton Schäfer fasste diese Lithologie aufgrund ihrer farblich charakteristischen Anwitterung als Braungesteine zusammen.Helmut Flügel: Die Geologie des Grazer Berglandes. In: Mitteilungen der Abteilung für Geologie, Paläontologie und Bergbau am Landesmuseum Joanneum, Graz 1975, S. 43. Online-PDF, abgerufen am 30. Juli 2019. Am Osthang befinden sich Einschaltungen von Eggenberger Brekzie. Das ungefähr nord-süd-streichende devonische Schichtpaket fällt durchschnittlich 30° gegen Westen und wird von einer Bruchtektonik mit Hauptrichtung Ost-West bestimmt. Der Bergzug ist in einzelne Blöcke mit verschiedener Streichrichtung zerlegt, die teilweise auch innerhalb dieser Einheiten variiert. Die großteils dickbankigen Karbonatgesteine reagierten mit Zerbrechen auf die tektonische Beanspruchung.

Karsthydrologie mini|Eingang zur Eisbründlhöhle nach hochsommerlichem Niederschlag

Im Zuge dieser Vorgänge entwickelten sich ausgeprägte und tiefgreifende Klüfte, die die Entstehung von Karstphänomenen wie Höhlen, Schläuchen und Dolinen ermöglichten.Josef Zötl: Die hydrogeologischen Verhältnisse im Raume des Buchkogelzuges bei Graz. In: Beiträge zu einer Hydrogeologie Steiermarks. 6. Heft, Graz 1953, S. 24–31. Im Anschluss an die intramiozäne Verkarstung wurde der Höhenzug bis über die Kammpartien unter Lockersedimenten begraben. Die Wiederausräumung im Riß/Würm-Interglazial erfolgte aufgrund der Tiefenschurfwirkung der Mur asymmetrisch, sodass der Osthang des Buchkogels ein konkaves Profil aufweist. Durch diese Ausräumung der neogenen Lockersedimente entstand auf der Westseite der bis zu 40 m tief eingesenkte Feliferhof-Kessel, ein Blindtal mit zahlreichen Dolinen, die zu kleinen Poljen zusammenwuchsen. Die spärlichen Gerinne gelangen durch einen Ponor, die gelegene Feliferhofhöhle, in das Berginnere und treten am Ostfuß des Buchkogels durch die etwa 70 m tiefer liegende Eisbründlhöhle (Bründl, Kataster-Nr. 2793/1) wieder aus.Helmut Flügel: Die Geologie des Grazer Berglandes. In: Mitteilungen der Abteilung für Geologie, Paläontologie und Bergbau am Landesmuseum Joanneum, Graz 1975, S. 236. Online-PDF, abgerufen am 30. Juli 2019. Auf dieser Höhe treffen die devonischen Gesteine auf die stark verlehmte und somit stauend wirkende Rißterrasse, in die sich der Bründlbach in der Folge einschneidet.Helmut Flügel: Zur neogen-quartären Morphogenese und Verkarstung des Plabutschzuges westlich von Graz (Steiermark). In: Mitteilungen des Naturwissenschaftlichen Vereines für Steiermark, Band 113, Graz 1983, S. 15–23. Online-PDF, abgerufen am 31. Juli 2019. Die unterirdische Verbindung an der schmalsten Stelle des Höhenzuges konnte in den 1950er-Jahren mithilfe von Färbeversuchen bestätigt werden.Viktor Maurin & Josef Zötl: Die Untersuchung der Zusammenhänge unterirdischer Wässer mit besonderer Berücksichtigung der Karstverhältnisse. In: Beiträge zur Hydrogeologie. Jg. 1959, Graz 1960. Der Berg verfügt damit über ein geschlossenes Karstwassersystem, das jedoch nicht mit dem Grundwasserkörper des Grazer Feldes in Kontakt steht.

Flora und Fauna Der großteils im Besitz der Gebäude- und Baumanagement GmbH Graz (GBG) befindliche Buchkogel ist weitgehend von einem thermophilen Laubmischwald bestanden. Als bestimmende Baumart tritt die Rotbuche auf, von der sich möglicherweise der Name des Berges ableitet. Weitere Vertreter des trockenwarmen Standortes sind Feldahorn, Traubeneiche, Vogelbeere, Winterlinde und Wolliger Schneeball.Das Gute liegt so nah. Naherholung in Graz. Broschüre der Stadt Graz/GBG. Online-PDF, abgerufen am 30. Juli 2019. Aufgeforstete Fichtenbestände sind eher selten vorzufinden.Digitaler Waldentwicklungsplan – Funktionsfläche 60105003/1999. Land Steiermark. PDF-Download, abgerufen am 30. Juli 2019.Digitaler Waldentwicklungsplan – Funktionsfläche 60105004/1999. Land Steiermark. PDF-Download, abgerufen am 30. Juli 2019. Bei St. Johann und Paul richtete die GBG im Jahr 2014 eine Naturwaldzelle ein mit dem Ziel, die Artenvielfalt in diesem Bereich zu steigern. Die weitläufigen Mischwälder am westlichen Stadtrand leisten neben der Erholungsfunktion einen wichtigen Beitrag zur Regulierung des Stadtklimas, insbesondere der Lufthygiene.

Neben dem Plabutsch bietet der Buchkogel Lebensraum für Gämsen, deren Stückzahl im Grazer Stadtgebiet im September 2018 auf 50 bis 70 geschätzt wurde.Verena Schleich: Ganz wild auf Grazer Jagdgründe. In: BIG – Die offiziellen Seiten der Stadt Graz, Ausgabe vom September 2018, S. 16–17. Online-PDF, abgerufen am 2. August 2019. 2001/02 wurde der Bereich Ölberg bis Buchkogel im Zuge einer Brutvogelkartierung durch BirdLife Steiermark als ornithologisch wichtiges Teilgebiet ausgewiesen. Demnach kommen die gemäß Richtlinie 92/43/EWG (Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie) geschützten Grauspecht, Grünspecht, Hohltaube, Schwarzspecht, Schwarzstorch und Sperber vor. Der ebenfalls anzutreffende Sperlingskauz konnte als Brutvogel nicht bestätigt werden. Am Feliferhof nisten außerdem Kleinspecht und Neuntöter. Vier der genannten Vogelarten (Grünspecht, Hohltaube, Kleinspecht und Sperber) befinden sich auf der Roten Liste gefährdeter Arten.

Geschichte Archäologische Funde mini|Glashaus mit Tumulus mini|Ausgestellter Tumulus

Am nördlichen Ausläufer des Buchkogels existieren in unmittelbarer Nähe der Kirche St. Johann und Paul die ältesten Siedlungsreste im Grazer Stadtgebiet. 2004 zunächst von Diether Kramer um 4000 v. Chr. geschätzt, konnten zwei Häusergrundrisse nach genauerer Untersuchung auf die Zeit um 3500 v. Chr. datiert werden. Bei den Häusern handelte es sich um strohgedeckte Pfostenbauten samt Palisadenzaun. Bei den Ausgrabungen wurden außerdem ein steinernes Beil, Spinnwirteln und Webgewichte gefunden, die auf das Vorhandensein einer Feuersteinwerkstätte hinweisen. Die Funde werden mit der Lasinja-Kultur in Verbindung gebracht, die während der Kupfersteinzeit aus Südosteuropa in den Alpenraum einwanderte.Auf „Kupfer“ gestoßen. In: Kleine Zeitung, Ausgabe vom 3. November 2005, S. 23.

Am Ostfuß des Buchkogels befindet sich zwischen St. Martin und den Bründlteichen eines von rund 15 römerzeitlichen Gräberfeldern im Grazer Stadtgebiet.Die Hügelgräber am Bründlteich. Informationstafel zum Natur Erlebnis Park Plabutsch Buchkogel, Liegenschaftsverwaltung der Stadt Graz. Das seit dem 15. Jahrhundert bekannte Gräberfeld umfasst mindestens 18 Tumuli, die als „Hügelgräbergruppe Bründlteiche“ zusammengefasst werden.Maria Lichtenegger: Die Hügelgräbergruppe „Bründlteiche“. Mit einem Überblick über den Forschungsstand der Hügelgräberforschung in der Steiermark seit 1980. Diplomarbeit an der Geisteswissenschaftlichen Fakultät der Universität Graz 2007. Online-PDF, abgerufen am 30. Juli 2019. In den Jahren 2003 und 2004 wurden drei Hügelgräber von Archäologen des Vereins Archäologieland Steiermark erstmals ausführlich untersucht. Der im Zentrum direkt am Waldrand gelegene Hügel 1 erwies sich als bedeutendste der Fundstätten und gab erstmals in Graz ein vollständig erhaltenes Römergrab frei.Sensation am Buchkogel. In: Kleine Zeitung, Ausgabe vom 4. November 2004, S. 27. Der in Bienenkorbform ausgeführte Bau besteht aus mit Lehm verschmiertem Kalkstein und verfügt über einen Dromos und eine nahezu unversehrte Grabkammer. Die annähernd runde Kammer mit einem Durchmesser von 2,8 und einer Höhe von 1,4 m enthielt Reste von zwei bis drei Bestattungen sowie intakte Grabbeigaben. Neben einer gänzlich erhaltenen Dreifußschale und den Scherben eines Trinkbechers befand sich im Inneren eine Kupfer- oder Bronzemünze aus der Zeit des Kaisers Antoninus Pius, mit deren Hilfe das Grab ins 2. Jahrhundert n. Chr. datiert werden konnte. Die Art des Grabeinbaus ist für den Raum Nordoststeiermark und das Burgenland typisch. Die beiden anderen Gräber zeigten Plünderungsspuren, lieferten aber dennoch Fundstücke wie Fragmente eines Keramiktopfes, Glasbruchstücke und eine weitere Münze. Hügel 1 wurde mit einer Stahl-Glas-Konstruktion überdacht und zugänglich gemacht, die beiden benachbarten Fundstätten wieder zugeschüttet. Das für steirische Verhältnisse in einzigartigem Erhaltungszustand befindliche Gräberfeld steht unter Denkmalschutz.

Erzabbau