hochkant=1.3|mini|Logo des Streetlife Festivals

Das Streetlife Festival war ein Straßen- und Umweltfestival in München, das der Umweltverein Green City organisierte. Das Festival wurde erstmals im Jahr 2000 veranstaltet, in den beiden folgenden Jahren wiederholt und fand zwischen 2003 und 2019 zweimal jährlich statt. Das letzte Mal fand das Streetlife Festival 2019 statt und musste anschließend aufgrund der COVID-19-Pandemie ausgesetzt werden. Im Jahr 2022 gab Green City bekannt, das Festival nicht mehr zu organisieren.

Mit der Veranstaltung wollte Green City seinen Besuchern alternative Nutzungen des urbanen Raumes weitestgehend ohne Kraftfahrzeuge aufzeigen. Es fand seit 2002 an zwei Wochenendtagen statt und erstreckte sich seitdem über den Odeonsplatz, die Ludwigstraße sowie über Teile der Leopoldstraße. Mit dem Corso Leopold schloss sich nahe dem Siegestor an der Kreuzung Georgenstraße ein weiteres Straßenfest an, das an der Münchner Freiheit endete. Beide Festivals wurden jährlich von mehreren hunderttausend Menschen besucht und wurden somit von der Bevölkerung gut angenommen. Die damit verbundenen weitläufigen Straßensperrungen führten jedoch in den Anfangsjahren zu kontroversen stadtpolitischen Diskussionen.

Geschichte hochkant=1.5|mini|Austragungsort des Streetlife Festivals und des Corso Leopold

Am 23. September 2000 beteiligte sich München als eine von 56 Städten an einem europaweiten autofreien Tag. Aus diesem Anlass organisierten Green City, der Allgemeine Deutsche Fahrrad-Club, der Bund Naturschutz in Bayern, der Kreisjugendring und die Landeshauptstadt München erstmals das Streetlife Festival. Allerdings wurde die Veranstaltung erst am Samstag nach dem europaweiten autofreien Tag abgehalten, um Beeinträchtigungen des Berufsverkehrs zu vermeiden. Das Festival empfing seine Besucher von 13 und 21 Uhr und erstreckte sich vom Königsplatz bis zum Odeonsplatz.

Das zweite Streetlife Festival am 22. September 2001 dauerte von 13 bis 20 Uhr und fand im Tal, auf dem Marienplatz sowie zwischen Marienplatz und Hochbrückenstraße, auf der Sparkassenstraße und der Ledererstraße sowie von der Dienerstraße bis zur Landschaftstraße statt. Wegen der vorangegangenen Terroranschläge vom 11. September 2001 wurde das Veranstaltungsprogramm jedoch gekürzt.

Das dritte Streetlife Festival ging erstmals über zwei aufeinanderfolgende Tage: Es fand am 14. und 15. September 2002 statt und wurde damit erstmals unabhängig vom autofreien Tag organisiert. Dadurch wurde eine terminliche Überlappung mit dem Oktoberfest vermieden. Die Festivitäten spielten sich auf der Ludwigstraße, der Leopoldstraße bis zur Kreuzung Georgenstraße und am Odeonsplatz ab und dehnten sich auf über 1,5 Kilometer aus. Seitdem wurde dieser Bereich als Festivalsort genutzt. Nördlich des Festivals fand der Corso Leopold statt. Der Bezirksausschuss von Schwabing-Freimann hatte sich nach dem Festival 2002 dafür ausgesprochen, beide Festivals in Zukunft zweimal jährlich auf der Leopold- und Ludwigstraße zu veranstalten. Der Beschluss wird seit dem Jahr 2003 umgesetzt. Neben Green City, dem Münchner Kreisverwaltungsreferat und dem Referat für Gesundheit und Umwelt beteiligte sich die Organisation Schwabing extra, Veranstalter des Corso Leopold, am Streetlife Festival von 2002. 2005 sprachen sich die Initiatoren des Corso Leopold dafür aus, auch den Busbahnhof an der Münchner Freiheit und zwei Seitenstraßen in die Festmeile aufzunehmen. Dies hätte jedoch zu Problemen bei der Umleitung des Autoverkehrs und den Parkmöglichkeiten der Anwohner geführt.

Zwischen 2003 und 2019 fand das Streetlife Festival kontinuierlich in derselben Form statt. Zwar plante Green City, das Festival auch im Jahr 2020 zu organisieren, musste es jedoch aufgrund der COVID-19-Pandemie absagen. Nach zwei Jahren pandemiebedingter Pause teilte Green City im April 2022 mit, das Streetlife Festival nicht mehr zu veranstalten. Als Grund nannte der Verein, seine Kapazitäten verstärkt zur Verbesserung der Lebensqualität in den Quartieren einsetzen zu wollen.

Beschreibung mini|Schriftzug vom Organisator Green City am Siegestor im Mai 2017

Themen und Ziele Das Streetlife Festival begann als Umsetzung des europaweiten autofreien Tages und verfolgte seitdem einen utopistischen Ansatz. Green City wollte zeigen, dass es möglich ist, den urbanen Raum wieder sinnlich erfahrbar zu machen und aktiv zu gestalten. Dahinter stand langfristig das Vorhaben, die Stadt so umzugestalten, dass die Einwohner nicht nur in der Stadt leben, sondern das diese von den Einwohnern mit Leben erfüllt wird. Das Festival fand seit 2002 an zwei Wochenenden im Jahr statt. Es begann jeweils am Samstagnachmittag und endete am Sonntagabend, wobei es in der Nacht pausierte. Die genauen Zeiten variierten von Festival zu Festival leicht.

Der Veranstalter, die Münchner Umweltorganisation Green City, wollte von Anfang an für das Thema „Lebensraum anstatt Autoverkehr“ werben und die Vision eines lebenswerten München mit einer nachhaltigen Stadtentwicklung greifbar machen sowie die Menschen für einen bewussten Lebensstil begeistern. In den darauffolgenden Jahren ging es verstärkt um den Aspekt, eine Straße ohne Verkehr zu gestalten. Thematisch drehte sich das Festival um Umweltschutz, Mobilität und Stadtgestaltung, wobei die Umgestaltung des öffentlichen Raums, erneuerbare Energien sowie gesundes Leben die Kernthemen bildeten. Mit der Veranstaltung versuchte Green City die Umwelt kaum zu belasten.

Träger und Förderer Hauptveranstalter war die Münchner Umweltschutzorganisation Green City. Das Referat für Gesundheit und Umwelt der Landeshauptstadt München war Mitveranstalter. Schirmherr war Münchens Oberbürgermeister Christian Ude, der 2014 von Dieter Reiter abgelöst wurde. Auch andere Organisationen wie der Kreisjugendring haben das Festival mitorganisiert. Neben dem Hauptmedienpartner 95.5 Charivari unterstützten zahlreiche weitere Medienunternehmen die Veranstaltung. Zudem wurde das Festival von Gesellschaften des öffentlichen Nahverkehrs von München sowie weiteren Unternehmen unterstützt.

Organisation Für das Streetlife Festival waren weitläufige Straßensperrungen notwendig. Da auf der Leopold- und der Ludwigstraße auch mehrere Linienbusse verkehren, gab es zahlreiche Umleitungen im öffentlichen Nahverkehr. Die U-Bahn-Linien U3 und U6 wurden während des Festivals verstärkt. Der Personenverkehr wurde weiträumig umgeleitet und es fielen zahlreiche Parkplätze weg.

Bis 2003 unterstützte die Stadt das Festival finanziell. Im Jahr 2002 stellte der Stadtrat beispielsweise 76.000 Euro zur Verfügung. Ab 2004 setzte Green City verstärkt auf Sponsoring, um nicht mehr von der städtischen Unterstützung abhängig zu sein. Im Jahr 2007 wurden bei Streetlife Festival und Corso Leopold gemeinsam insgesamt circa 250.000 Euro umgesetzt. 90 Prozent der Einnahmen wurden für entstandene Kosten, wie zum Beispiel städtische Auflagen, Logistik und technische Ausstattung, ausgegeben. Nachdem im Jahr 2002 Green City eine Medienpartnerschaft mit dem Radiosender 95.5 Charivari eingegangen war, bestand der Radiosender darauf, dass das gemeinnützige Radioprojekt Radio Lora, das sich für ökologische Themen starkmacht, vom Streetlife Festival fernbleiben musste. Bei späteren Festivals war Radio Lora jedoch wieder vertreten.

Themenzonen Das Streetlife Festival entwickelte sich bis 2003 zu einer Mischung aus Kultur, Kleinkunst und Kommerz auf der Straße. Es gab Kneipen- und Imbiss-Stände und auch zahlreiche Parteien und Umweltschutzorganisationen postierten sich dort. Weiterhin wurde über Alternativen zum Automobilverkehr diskutiert. An zahlreichen Orten wurde Musik gespielt und es traten Straßenkünstler auf. Die Entwicklung ging dahin, dass sich das Festival in verschiedene Bereiche aufteilte. Diese konnten sich von Veranstaltung zu Veranstaltung verändern. So wurde im Frühling 2004 erstmals ein Strand mit Cocktailbar ausprobiert. Für die Wiederholung beim zweiten Festival im Jahr 2004 wurden rund 40 Tonnen Sand herangeschafft.

Beim Frühjahrsfestival 2015 begrünte Green City erstmals die gesamte Fläche rund um das Siegestor und es entstand eine rund 2000 Quadratmeter große Ruheinsel. Bei den Festivals im Jahr 2004 stand dort noch die Hauptbühne. Auf dem gesamten Festival gab es 2016 fünf verschiedene Bühnen, auf denen man unterschiedliche Musikgenres dargeboten bekam. 2014 wurden neben Chartmusik auch Evergreens, eine Akustik-Session sowie Indie- und Alternative-Programm gespielt.

Abgesehen von Liegestühlen waren auch Skateboardrampen, Kinder-Eisenbahnen und Informationsstände üblicherweise auf dem Straßenfest vorhanden. Im „Barfußpark“ konnte man seinen Fußtastsinn erproben oder sich in einer „Wohlfühl-Oase“ entspannen. Verschiedene Sportwettkämpfe im sogenannten „Ludwigstadion“ auf der Ludwigstraße richten sich an ein jüngeres Publikum. Im Frühjahr 2015 war der Bereich 200 Meter lang, darin wurde unter anderem ein Skate-Parcours angeboten. Auch seltene Sportarten wie Elektrorollstuhl-Hockey wurden bereits gespielt und professionelle Skateboarder und BMX-Fahrer zeigten Shows.

Auf dem Festivalgelände gab es auch zahlreiche Stände mit Bio-Lebensmitteln. Im September 2004 wurde erstmals eine „Bio-Erlebniswelt“ am Odeonsplatz veranstaltet. Es handelte sich um einen Bereich, in dem die Bionahrung im Vordergrund stand. Im Juli 2006 präsentierte sich das Erzeuger- und Verbrauchernetzwerk Unser Land in einem Bereich, in dem man selbst melken konnte und der Senfherstellung zusehen konnte. Darüber hinaus war es möglich, mit Bio-Bauern ins Gespräch zu kommen oder Bionahrung zu kaufen. Im Jahr 2003 gab es in der Feldherrnhalle eine Ausstellung für ökologische Landwirtschaft, die vom Bundesverbraucherschutzministerium mit Catering gefördert wurde. Neben Schaukochen gab es einen kleinen Streichelzoo.

Initiativen, Aktionen und Veranstaltungen mini|Michael Werner während er den Weltrekord im September 2006 aufstellte

An zahlreichen Ständen konnte man sich zu den Themen Umweltschutz, soziale Einrichtungen und bürgerschaftliches Engagement informieren. Im Juni 2011 waren auf dem Streetlife Festival und dem Corso Leopold rund 200 Aussteller vertreten, im Mai 2015 waren es allein auf dem Streetlife Festival 150. 2002, beim ersten Streetlife Festival auf der Leopold- und der Ludwigstraße, gab es rund 200 Initiativen.

Schon beim Festival im Jahr 2000 fanden zahlreiche Aktionen wie Umzüge und Vorträge statt. So führte der offizielle Streetlife-Umzug vom Königsplatz zum Odeonsplatz. Der Kreisjugendring veranstaltete auf dem Königsplatz ein Kinder- und Jugendfestival. Auf der Brienner Straße und dem Karolinenplatz wurden Biergärten, Showbühnen und Infostände eingerichtet. Auch Straßenmusiker wirkten mit. Zudem konnte man verschiedene Fortbewegungsmittel als Alternative zum Auto mit Verbrennungsmotor testen. Beim zweiten Streetlife Festival hielten zahlreiche Referenten im Alten Münchner Rathaus Vorträge über die Mobilität der Zukunft. Später konnten verschiedene umweltfreundliche Fahrzeuge ausprobiert werden. Neben Fahrrad- oder Einradfahren bestand im September 2010 die Möglichkeit, Elektroautos zu testen.

Auch der Organisator, Green City, war auf dem Streetlife Festival präsent: Im Juni 2007 führte die Organisation beispielsweise mit der Kampagne Null Grad Plus eine Klimaschutz-Aktion durch, bei der 50.000 Sparlampen gegen eine Spende verteilt wurden. Die Organisation rechnete aus, dass die Benutzer gegenüber normalen Glühbirnen 15.000 Tonnen Kohlendioxid einsparen. 2007 sammelte Green City auf dem Streetlife Festival und auf dem Tollwood-Festival rund 2.500 Unterschriften, mit denen die Landeshauptstadt München aufgefordert wurde, Maßnahmen gegen den Klimawandel zu ergreifen.