mini|Taschen GmbH in Köln, Hohenzollernring mini|Die ehemalige Berliner Verlagsdependance im 4. Obergeschoss am Kurfürstendamm 213 in den ehemaligen Räumen der Galerie Brusberg mini|Das ehemalige Taschen-Verlagsbüro in Los Angeles im Crossroads-of-the-World-Gebäude am Sunset Boulevard mini|Das Verlegerbüro im Chemosphere-Haus in den Hollywood Hills Taschen ist ein familieneigener Verlag für Bildbände mit Publikationen zu den Themen Kunst, Architektur, Design, Film, Fotografie und Lifestyle, der am 9. Februar 1980 von Benedikt Taschen in Köln gegründet wurde.TASCHEN: .
Geschichte 1980–1984 Benedikt Taschen gründete den Verlag ursprünglich, um seine umfangreiche Comic-Sammlung zu verkaufen. Bald wurden erste Comics selbst verlegt und 1984 wagte er den Einstieg in das Kunstbuchgeschäft. Dazu lieh er sich Geld von einer Tante, die Vertrauen in das Gespür ihres Neffen hatte, und kaufte damit auf einer Restposten-Messe in den USA zum Stückpreis von je einem Dollar eine 40 000 Exemplare umfassende englische Restauflage eines englischen Magritte-Bildbandes.Christopher Palmeri: Germany’s Publishing Heavyweight. In: Bloomberg. 2. Mai 2004, abgerufen am 15. Juli 2015 (englisch). Innerhalb von zwei Monaten war die gesamte Auflage zu einem Ladenpreis von damals 9,95 DM ausverkauft – eine Erfahrung, die ihn prägen sollte.Michael Lawton: Back to Visual Basics: Cheap Art Books! In: The New York Times. 8. Oktober 1993, abgerufen am 15. Juli 2015 (englisch). Taschen schloss daraus, dass sich im bisher von teuren Kunstbüchern dominierten Kunstbuchmarkt eine Lücke bot und es offenbar einen Markt für gut gestaltete, mehrsprachige, preiswerte und in recht hoher Auflage gedruckte Kunst-Bildbände gab. Ermutigt durch diesen Erfolg wagte er mit einer Monografie über Annie Leibovitz einen ersten verlegerischen Vorstoß in den Kunstbuchmarkt.Jessica Berens: A passion for Taschen. In: The Guardian. 4. November 2001, abgerufen am 15. Juli 2015 (englisch).
1985–1995 Ab 1985 startete er mit einer Monografie über Salvador Dalí die erfolgreiche Kleine Reihe, die mittlerweile über 200 Titel umfasst und in bis zu 30 Sprachen vorliegt. Es folgten der Aufbau weiterer Linien und die Ausdehnung auf neue Schwerpunkte wie Architektur, Design, Film und Lifestyle. Devise der Verlagspolitik blieb es, einer breiten, interessierten Öffentlichkeit gut produzierte Kunstbücher zu erschwinglichen Preisen anzubieten und so einem zunehmend internationalem Publikum Zugang zu neuen Themenbereichen zu ermöglichen.Simone Philippi: Internationalisierungskonzepte deutscher Kunstbuchverlage seit 1990., Dissertation, Universität zu Köln, Kunsthistorisches Institut, Prof. Dr. Antje von Graevenitz, 2005, abgerufen am 10. Oktober 2016. Zusätzlich verkaufte Taschen zwischenzeitlich aufblasbare Plastiktiere.
1986 begann Angelika Muthesius ihre Tätigkeit als Lektorin im Verlag.Carmen Böker: Ich komme aus der alten Welt in der Berliner Zeitung vom 31. August 2013, abgerufen am 15. Juli 2015. Sie wurde Cheflektorin und heiratete 1996 Benedikt Taschen. Sie heißt seitdem Angelika Taschen und hat zum Verlagserfolg beigetragen, indem sie selbst mehr als 150 Bücher herausgab.Die Welt: Ein Bunker viele Bücher vom 13. Juni 2010.Ulrike Knöfel und Martin Wolf: Wo es nur geht, stehlen wir Der Spiegel 48/2001. Abgerufen am 23. Januar 2011. 2004 wurden die beiden geschieden.Autorenseite Amazon.de: Angelika Taschen: Bücher, Hörbücher, Bibliografie, Diskussionen, abgerufen am 24. Januar 2011.Buchmarkt: Angelika und Benedikt Taschen reichen Scheidung ein, weitere Zusammenarbeit aber verabredet, 15. April 2003, abgerufen am 18. März 2016.
1996–heute In der zweiten Hälfte der 1990er Jahre wurden die Vertriebsstrukturen durch Filialen in Paris, London, New York, Madrid und Tokyo erweitert.
Im Jahre 1999 öffnete sich der Verlag auch dem Hochpreis-Segment mit einer auf 10.000 Exemplare limitierten, signierten und sogenannten SUMO-Ausgabe von Helmut Newton, die innerhalb kurzer Zeit ausverkauft wurde. Das Exemplar Nummer eins – handsigniert von über 100 der in dem Buch abgebildeten berühmten Persönlichkeiten – erzielte auf einer Berliner Charity-Auktion 620.000 DM — ersteigert von Bertil Hult – und brach den Rekord für das teuerste Buch des 20. Jahrhunderts.Elisabeth Binder: Royale Atmosphäre mit Königin Silvia macht gute Taten zum Genuss – 1,3 Millionen DM kamen zusammen im Tagesspiegel vom 7. April 2000, abgerufen am 2. November 2016.Thomas Hummitzsch: Helmut Newtons SUMO ist zurück in der Berliner Literaturkritik vom 26. November 2009, abgerufen am 2. November 2016Deutsches Kameramuseum: , abgerufen am 2. November 2016 Im Januar 2010 erließ das Kölner Landgericht eine einstweilige Verfügung gegen den Verlag, wodurch jenem untersagt wurde, die verkleinerte, zehn Jahre später publizierte Handelsauflage des Helmut-Newton-Bandes in abgeänderter Form als „SUMO“ verkaufen zu dürfen. Helmut-Newton-Verleger Lothar Schirmer hatte zuvor einen entsprechenden Antrag gegen den Taschen-Verlag wegen Wettbewerbsverstoßes eingereicht. Auf den Newton-Sumo folgte später Taschens Mammut-Werk GOAT – Greatest Of All Times – einer Hommage an Muhammad Ali, die Der Spiegel als „das größte, schwerste und schillerndste Ding, das je gedruckt wurde“ bezeichnete.Thomas Hüetlin: Alis letzter Sieg Der Spiegel 41/2003. Abgerufen am 10. Februar 2011.
Es folgten Sammlerausgaben u. a. zu Nobuyoshi Araki, Peter Beard, David LaChapelle, Leni Riefenstahl, Sebastião Salgado, Annie Leibovitz, den Rolling Stones, Ai Weiwei, Gisele Bündchen, Naomi Campbell und David Hockney, die von Benedikt Taschen persönlich ediert wurden und nach eigenen Verlagsangaben meist innerhalb weniger Jahre ein Vielfaches ihres ursprünglichen Verkaufspreises erzielten. Die Publikation des Werkes von Leni Riefenstahl wurde medial kritisch diskutiert: Der Bildband setze sich „über die argumentative Sackgasse hinweg, in die jede Auseinandersetzung mit Riefenstahl, die ohne eine moralisierende Wertung nicht auskommen kann, unweigerlich führt“ (Die Zeit) und Der Spiegel fragte „warum er [der Verlag] so massiv Produkte von Leni Riefenstahl auf den Markt wirft […] wenn andere Leute das Material womöglich als faschistisch ansähen“ und attestierte „marktwirtschaftliche Ignoranz […] – oder […] klassische deutsche Bewältigungsermüdung.“ Benedikt Taschen selbst erläuterte im Interview zur fehlenden Problematisierung von Riefenstahls Rolle im Dritten Reich: „Das war nicht unsere Aufgabe. Es gibt genügend Bücher, die man dazu lesen kann und auch sollte.“ Eines der teuersten Sammlerstücke wird, zusammen mit einem extrem seltenen, 348 Gramm schweren Stück Meteorsteins und einem Aluminium-Buchständer im Design von Marc Newson, für 480.000 € angeboten.Website des Verlags: Norman Mailer, Marc Newson, No. 1,969. MoonFire Lunar Rock Ed., abgerufen am 31. März 2016. Im Sommer 2012 veröffentlichte der Verlag zusammen mit der Axel Springer SE „[d]as große Bild-Buch“ mit über 700 Abdrucken von Titelseiten der Boulevardzeitung.
Im Frühjahr 2014 kritisierten die Künstlerinnen Ditte Ejlerskov und EvaMarie Lindahl den männerdominierten Fokus der Basic-Art-Serie von Taschen, die zu dem Zeitpunkt aus 95 Büchern bestand, wovon fünf sich Künstlerinnen widmeten. Die Kunsthalle Malmö und das Frauengeschichtsmuseum in Umeå griffen die Thematik als Teil ihrer Ausstellungen auf. Die Künstlerinnen präsentierten darin eine alternative Liste an internationalen Künstlerinnen – darunter Marina Abramović, Judy Chicago, Barbara Kruger, Camille Claudel, Louise Bourgeois, Barbara Hepworth, Eva Hesse, Ana Mendieta, Hannah Höch, Bridget Riley, Sophie Taeuber-Arp, Meret Oppenheim, Agnes Martin und Hannah Wilke – die sie für die Basic-Art-Serie für geeignet hielten. Trotz #MeToo-Vorwürfen gegenüber Mario Testino, veröffentlichte der Verlag einen weiteren Band mit dem Fotografen 2020. Weitere Publikationen mit dem ebenso umstrittenen Fotografen Terry Richardson seien jedoch nicht geplant.
Stand 2014 ist der Taschen-Verlag mit jährlich mehr als 20 Millionen verkaufter Bücher Weltmarktführer im Bildband-Bereich.Degen Pener: Taschen Books Chief Reveals New Projects, Talks 'Fifty Shades’ and $12M Books, The Hollywood Reporter, 25. November, 2014, abgerufen am 4. Dezember 2014. Taschen hat Tochtergesellschaften in Deutschland, den USA, Großbritannien, Frankreich, Spanien, Japan und Hongkong. Seit 2014 ist die Verlegerfamilie auch im Kunsthandel über die Firma Taschen Art tätig und hält Beteiligungen an Gastronomiebetrieben in Los Angeles.
Im Januar 2017 hat Marlene Taschen die Geschäftsführung als Managing Director übernommen.Rüdiger Schmitz-Normann: , Handelsblatt, 22. Dezember 2016, abgerufen am 10. April 2017Verlagsseite: 2016 – A Bigger Year, abgerufen am 10. April 2017 2019 übernahm der Verlag Anteile an einer Buchbinderei in Italien.
Programm Die Publikationen des Verlages reichen von umfangreichen Ausgaben mit den kompletten Werken Leonardo da Vincis über Bücher mittlerer Größe bis hin zu der sogenannten Icons-Serie, in der kleine Bände in flexiblen Einbänden verschiedene Themen (von historischen Werbekampagnen für Las Vegas über Architektur bis hin zu Nacktaufnahmen) abdecken. Weiterhin stellt der Verlag bisweilen Kalender, Adressbücher und Postkarten mit bekannten Motiven her.
Neben dem Verkauf von relativ kostengünstigen Kunst-Bänden wurde der Verlag dafür bekannt, Werke in den Mainstream-Buchhandel zu bringen, die zuvor nur in einem sehr begrenzten Marktsegment Verbreitung fanden.Anna v. Münchhausen: Der Senkrechtstarter Die Zeit 24/1993. Das Spektrum der vertriebenen Literatur reichte hier von Fetisch-Bildbänden über Schwulenliteratur und historischer Erotika bis hin zu Männermagazinen und Pornographie. Taschen trug durch die Aufnahme dieses potentiell kontroversen Materials in sein vom Mainstream bestimmtes Hauptprogramm dazu bei, es einer breiteren Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Gegenüber dem Spiegel erläuterte Marlene Taschen im Oktober 2019, man müsse die Diskrepanz – bei der Veröffentlichung von Publikationen über Automobilhersteller wie Ferrari sowie eines Bandes mit Beiträgen von Wissenschaftlern über den Zustand der Erde (James Lovelock et al., Die Erde und ich) – aushalten, da die Welt „komplex“ sei und die „Zielgruppen seien divers, man neige nicht zu moralischen Bewertungen.“ Angesprochen auf die mangelnde Genderdiversität im Verlagsprogramm in der sogenannten „Basic-Art-Serie“, erklärte sie in der Financial Times im September 2020, Taschen sei „kein politisches Unternehmen“ und gebe „nicht wirklich politische Erklärungen ab“, wenngleich ein Buch „ein Faktor“ sei, „der dazu beiträgt, dass Künstler in der Welt bekannt werden“.
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