Die Brütsch MopettaIn deutschsprachigen Quellen wird für das Fahrzeugmodell ganz überwiegend der weibliche Artikel verwendet („die Brütsch Mopetta“), selten der sächliche („das Brütsch Mopetta“) und nur in ganz seltenen Einzelfällen der männliche Artikel („der Brütsch Mopetta“). Das Fahrzeugmodell weicht damit – ähnlich wie die BMW Isetta – von der Grundregel ab, wonach Personenwagen im Deutschen üblicherweise den männlichen Artikel erhalten. ist ein offener einsitziger Kleinstwagen aus bundesdeutscher Produktion mit türloser Kunststoff-Karosserie, drei Rädern und einem Einzylinder-Zweitaktmotor aus einem Moped mit rund 50 Kubikzentimeter Hubraum. Konstrukteur war der deutsche Unternehmer und ehemalige Rennfahrer Egon Brütsch aus Stuttgart. Das Pkw-Modell wurde schrittweise weiterentwickelt und im weiteren Verlauf zunächst nur als Mopetta vermarktet sowie zuletzt als Opelit Mopetta oder allein als Opelit bezeichnet.Wegen des historischen und technischen Zusammenhangs befasst sich dieser Artikel, analog zu verschiedenen Quellen, mit der Brütsch Mopetta im weitergehenden Sinn. Er behandelt zum einen die Brütsch Mopetta im engeren Sinn, die der Konstrukteur in seinem Unternehmen Egon Brütsch Fahrzeugbau Stuttgart ab Oktober 1956 unter der Marke Brütsch in Stuttgart baute. Er behandelt zum anderen die Mopetta, wie sie die Mopetta GmbH mit Sitz in Frankfurt am Main ungefähr zwischen dem späten Frühjahr und dem Herbst 1957 unter der eigenen Marke Mopetta fertigte. Der Artikel behandelt schließlich diejenigen Fahrzeuge, die weiter modifiziert ab Herbst 1957 in Hessen unter der Marke Opelit und der Modellbezeichnung Opelit Mopetta oder nur Opelit hergestellt wurden. Zwischen Oktober 1956 und dem Frühjahr 1958 entstanden nach übereinstimmenden Quellen nur 14 Exemplare des Mopedautos.

Übersicht mini|hochkant=1.2|Die Brütsch Mopetta in der Ausführung aus der ersten Jahreshälfte 1957 von vorne rechts: Geschlossene Front und Brütsch-Schriftzug. Typisch für alle originalen Mopettas: Einzelner Frontscheinwerfer und auf der rechten Seite eine durchgehende Karosseriekontur bis zum Hinterrad Straßenverkehrsrechtlich galt die Brütsch Mopetta – jedenfalls in der Bundesrepublik Deutschland und ungeachtet der drei Räder – als Moped. Sie war damit von der regulären Kraftfahrzeugsteuer und der Führerschein-Pflicht, wie sie für herkömmliche Personenwagen galten, befreit sowie bauartbedingt in der Höchstgeschwindigkeit begrenzt.Entsprechend den Regelungen für Mopeds fiel für die Mopetta eine jährliche Steuer von nur 15 D-Mark an; für den Betrieb auf öffentlichen Straßen genügte ein Führerschein der alten Klasse 4, für den nur eine theoretische Prüfung abgelegt werden musste.

Die Mopetta war das kleinste einer Reihe von sogenannten „Ei-Autos“ mit offenen, türlosen Kunststoffkarosserien, die Brütsch zwischen Oktober 1954 und dem Frühjahr 1958 entwarf. Der bekannteste Entwurf war der größere Brütsch 200 Spatz aus dem Oktober 1954. In grundlegend überarbeiteter Form mit vier statt ursprünglich drei Rädern bauten die Bayerischen Autowerke GmbH (BAG) in Traunreut unter Führung des Unternehmers Harald Friedrich und danach die Victoria-Werke AG in Nürnberg zwischen Februar 1956 und Februar 1958 rund 1600 Fahrzeuge als Spatz und Victoria 250.

Bei der Vorstellung der kleineren Brütsch Mopetta im Oktober 1956 war noch ein Frontmotor mit Antrieb des einzelnen, gelenkten Vorderrads geplant; das Fahrzeug sollte sogar schwimmfähig sein. In der endgültigen Ausführung lag der Motor jedoch außen links neben dem Fahrer und trieb allein das linke Hinterrad an.

Als Investor fungierte kurzzeitig der Frankfurter Unternehmer Georg von Opel. Er plante, 100.000 Mopettas ab Ende 1957 bei dem kriselnden Motorradhersteller Horex im hessischen Bad Homburg vor der Höhe bauen zu lassen. Zu einem Stückpreis von 1045 D-Mark wollte er sie innerhalb von vier Jahren unter dem Markennamen Mopetta beziehungsweise Opelit verkaufen. In diesem Zusammenhang trat auch die Mopetta GmbH mit Sitz in Frankfurt am Main in Erscheinung.

Neben Horex und der Mopetta GmbH war ferner das Frankfurter Unternehmen Opelit Bootswerft & Kunststoff-Gesellschaft in die Planungen und die Entwicklung eingebunden; von Opel hatte es unabhängig von diesem Fahrzeugprojekt bereits Jahre zuvor gegründet. Der Investor zog sich jedoch im Frühjahr 1958 kurzfristig aus dem Projekt zurück, bevor die eigentliche Serienfertigung angelaufen war. Mit dem Ende der Kooperation und damit des gesamten Projekts verblieben zehn Mopettas bei Brütsch und nur eine bei von Opel.

Einzelne Exemplare sind bis heute erhalten geblieben, teils noch fahrfähig und vielfach bestaunte Ausstellungsstücke von Automobilmuseen, vor allem in Kleinwagen-Sammlungen. Gelegentlich wurden und werden Nachbauten (Replikas) der Mopetta angeboten, teilweise mit moderneren Motoren von Honda oder Suzuki; die Nachbauten, die wegen des einfachen Aufbaus vergleichsweise leicht herzustellen sind, entstehen vereinzelt außer in Deutschland auch im Vereinigten Königreich.

Die Mopetta brachte Egon Brütsch ebenso wenig einen dauerhaften unternehmerischen Erfolg wie seine übrigen Fahrzeugentwürfe. Erfolg hatte er erst, als er im Herbst 1958 den Automobilbau aufgab und sich mit über 50 Jahren neuen Geschäftsfeldern zuwandte, insbesondere dem Bau und Vertrieb von Fertighäusern.

Mit anderen motorisierten Kleinstfahrzeugen konkurriert die Mopetta bis heute um den „Titel“ des „kleinsten Automobils der Welt.“

Hintergründe Der Konstrukteur Egon Brütsch mini|hochkant=1.2|Der von Brütsch mitkonstruierte und von ihm bis 1949 eingesetzte EBS-Maserati von 1948 Egon Brütsch (1904–1988) stammte aus wohlhabenden Verhältnissen; sein Vater hatte im hohenzollernschen Jungingen eine Fabrik für Damenstrümpfe aufgebaut. Zeitlebens interessierte er sich kaum für das Unternehmen, das er nach dem Tod des Vaters als Erbe übernommen hatte. Die finanziellen Verhältnisse ermöglichten ihm zwischen den Weltkriegen eine Karriere als Rennfahrer, zunächst auf Motorrädern, dann auf Automobilen. Seine größten Motorsporterfolge konnte er in den Jahren unmittelbar nach dem Zweiten Weltkrieg feiern: Vor der Währungsreform 1948 tauschte er Damenstrümpfe gegen hochwertige Maschinenteile, darunter einen kompressorgeladenen 3,7-Liter-Maserati-Rennsportmotor aus der Vorkriegszeit. Ihn baute Brütsch in ein solides, speziell für Rennen entworfenes und individuell gebautes Rohrrahmen-Chassis ein; wesentliche Arbeiten führte der Ingenieur Westenrieder auf Basis eines Leiterrahmens aus, der von einem im Krieg genutzten Alfa Romeo stammte. Versehen mit einer leichtgewichtigen, stromlinienförmigen Monoposto-Karosserie trat Brütsch mit dem EBS-Maserati erfolgreich bei zahlreichen Nachkriegsrennen gegen Konkurrenten an, die meist Veritas-Rennwagen oder Eigenbauten fuhren. EBS stand für Egon Brütsch, Stuttgart. Dabei profitierte er von der Regelung, nach der die deutschen Nachkriegsrennen bis 1949 allgemein nach der Formula Libre ausgetragen wurden; allerdings erhielten nur Fahrer von Formel-2-Fahrzeugen auch Punkte für die Deutsche Meisterschaft.Informationen und Bilder zu kleinen deutschen Rennwagenherstellern der Nachkriegszeit, darunter Brütsch/EBS/Westenrieder auf dem Webportal 8w.forix.com, abgerufen am 10. Februar 2017 (englisch).

Seine Rennsport-Karriere beendete Brütsch 1950 mit Mitte 40: Neben dem Alter spielte der Umstand eine Rolle, dass mit der Währungsreform der für ihn lukrative Tauschhandel geendet hatte; zudem wurden 1950 neue Rennklassen eingeführt, die die bis dahin genutzten Rennfahrzeuge mit aufgeladenen Motoren de facto ausschlossen.Hanns Peter Rosellen: Deutsche Kleinwagen nach 1945 – geliebt, gelobt und unvergessen. Weltbild Verlag, Augsburg 1991, ISBN 3-89350-040-5, S. 176.Egon Brütsch auf dem Webportal autolexikon-thyssen.de, abgerufen am 5. Januar 2017.Der EBS-Maserati von Egon Brütsch auf dem Webportal autolexikon-thyssen.de, abgerufen am 5. Januar 2017., abgerufen am 5. Januar 2017 (englisch).

Nach dem EBS-Maserati, der ein Einzelstück blieb, entwarf und baute Brütsch zwischen Frühjahr 1950 und Herbst 1958 zahlreiche verschiedene Automobile, darunter Nachbauten seines Rennwagens „im Maßstab 2 : 1“ für Kinder, vier Coupés und Cabriolets des Brütsch 1200 auf Basis des Ford Taunus 12M und zwei Coupés auf Basis des Mercedes-Benz 220. Seine parallel entworfenen Kleinwagen brachten Brütsch in Kontakt mit Personen wie dem deutschen Vespa-Lizenznehmer Oskar J. Hoffmann, dem Italiener Piero Dusio, vormals Inhaber von Cisitalia, und dem Geschäftsmann Henning Thorndal, als Inhaber der Rheinischen Automobil-Fabrik (RAF) in Ludwigshafen damals Hersteller des Champion; andere Kontakte Brütschs bestanden in der Frühphase zu Unternehmen wie den NSU Motorenwerken in Neckarsulm, zu Zündapp in Nürnberg und Steyr-Puch im österreichischen Graz.Hanns Peter Rosellen: Deutsche Kleinwagen nach 1945 – geliebt, gelobt und unvergessen. Weltbild Verlag, Augsburg 1991, ISBN 3-89350-040-5, S. 176–179, 182 und 190 f.

Brütsch selbst hatte weder die personellen noch finanziellen Möglichkeiten, alleine eine größere Serienfertigung von Automobilen aufzubauen. Sein Ziel war daher, Kooperationspartner für eine gemeinsame Automobilproduktion zu finden oder seine Fahrzeugentwürfe an Unternehmer zu verkaufen. Zu den Betrieben, die Lizenzverträge mit Brütsch eingingen, gehörten neben BAG und Victoria insbesondere das Schweizer Unternehmen A. Grünhut & Co. in Wollerau im Kanton Schwyz unter dem Markennamen Belcar sowie jeweils in Frankreich Jean Avot mit der Avolette, Nodic in Levallois-Perret mit der Rollera und Union Industrielles in Neuilly-sur-Marne mit dem Jet.Hanns Peter Rosellen: Deutsche Kleinwagen nach 1945 – geliebt, gelobt und unvergessen. Weltbild Verlag, Augsburg 1991, ISBN 3-89350-040-5, S. 180, 182–185 und 189.Roger Gloor: Alle Autos der 50er Jahre – 1945–1960. 1. Auflage. Motorbuch Verlag, Stuttgart 2007, ISBN 978-3-613-02808-1, S. 75, 90 f. und 326.

Die Brütsch Mopetta von 1956 vereinte eine Reihe von besonderen Merkmalen, die Brütsch bereits früher bei verschiedenen Fahrzeugmodellen umgesetzt hatte, nun jedoch in weiter verkleinerter Form.

Frühere einsitzige Brütsch-Kleinwagen Bereits im Sommer 1950 hatte Brütsch seinen ersten einsitzigen Kleinwagen vorgestellt, das offene Touren- und Sportmodell mit vier Rädern und Einzylinder-Zweitaktmotoren; neben einem NSU-Triebwerk mit 125 Kubikzentimeter Hubraum war auch eines von Baker & Pölling mit 250 Kubikzentimeter eingeplant, das ursprünglich aus einer Kettensäge stammte. Es folgte 1950/51 das einsitzige Modell T, später auch Eremit genannt, mit einer Coupé-Karosserie und dem gleichen Motor von Baker & Pölling. Ein weiterer einsitziger Vorläufer der Mopetta war der im September 1955 präsentierte Brütsch Zwerg – Einsitzer.Hanns Peter Rosellen: Deutsche Kleinwagen nach 1945 – geliebt, gelobt und unvergessen. Weltbild Verlag, Augsburg 1991, ISBN 3-89350-040-5, S. 176 f., 179, 181, 183 f. und 193.

Die Brütsch-Kleinwagen mit Kunststoffkarosserien mini|hochkant=1.2|Ein von BAG gebauter Spatz (1956/57), eine Weiterentwicklung des ersten von Brütsch entworfenen Automobils mit Kunststoff-Karosserie, dem ursprünglich dreirädrigen Brütsch 200 Spatz mini|hochkant=1.2|Eine Chevrolet Corvette von 1953: Der noch ungewöhnliche Kunststoff-Aufbau inspirierte Brütsch zum Bau eigener GFK-Karosserien