mini|Ein Zug der Trogenerbahn in der VST-Einheitslackierung im Stadtgebiet von St. Gallen Die VST-Einheitslackierung, auch VST-Lackierung, VST-Einheitsanstrich, VST-Anstrich, VST-Einheitsorange oder VST-Orange, war ein Projekt des Verbands Schweizerischer Transportunternehmungen (VST). Im Rahmen eines, ursprünglich auf zehn Jahre angelegten, schweizweiten Farbversuchs empfahl der Verband im Jahr 1974Neue Zürcher Zeitung vom 5. Januar 2005: Endstation für orangefarbene Trolleybusse – Schweizerische Einheitsfahrzeuge gehen in Pension allen seinen Mitgliedsunternehmen ihre

Eisenbahnzüge, die den öffentlichen Strassenraum mitbenutzenbvb.ch Trams samt Tramanhängern Trolleybusse samt Trolleybusanhängern Autobusse samt Autobusanhängern einheitlich orange zu lackieren. Nicht beteiligt waren hingegen die Schweizerischen Bundesbahnen und die PostAuto Schweiz AG, die als Bundesbetriebe erst seit der Bahnreform von 1999 dem Verband angehören.voev.ch

Beschreibung Beim VST-Design war der Wagenkasten durchgehend in reinoranger (RAL 2004) Signalfarbe respektive Warnfarbe oder Sicherheitsfarbetrolleybus.ch gehalten. Diese wurde um einen unterschiedlich breiten und in der Regel komplett umlaufenden lichtgrauen (RAL 7035) Kontrast- beziehungsweise Zierstreifen unterhalb der Fensterkante ergänzt. Teilweise war der Zierstreifen allerdings auch in den Einstiegsbereichen unterbrochen. In der Regel ebenso lichtgrau waren Eigentümerkennzeichnungen und Fahrzeugnummern beziehungsweise sonstige Aufschriften. Uneinheitlich war hingegen die Lackierung der Türen. Sie waren bei einigen Unternehmen – zwecks besserer Erkennbarkeit beim Einstieg – ebenfalls lichtgrau oder alternativ unlackiert beziehungsweise bestanden aus eloxiertem Aluminium. Gleiches galt für die Dachgestaltung. Ebenfalls optional war ein zusätzlicher zweiter lichtgrauer Streifen zwischen Dachunterkante und Fensteroberkante.

Das auffällige helle Design im Zeitgeist der 1970er Jahre sollte durch seine bessere Sichtbarkeit für andere Verkehrsteilnehmer vor allem der Verkehrssicherheit beziehungsweise der Unfallverhütung dienen. Ursächlich hierfür war dabei nicht zuletzt der in jenen Jahren weiter stark ansteigende motorisierte Individualverkehr. Darüber hinaus wäre ein unternehmensübergreifendes Corporate Design im öffentlichen Verkehr mit hohem Wiedererkennungswert entstanden. Mit dem neuen Lack verbunden war ausserdem das Anliegen, im Strassenverkehrsrecht – analog zu Schienenbahnen – auch für Trolleybusse und Autobusse eine generelle Vortrittsberechtigung zu verankern.

Jedoch konnte sich der helle Lack nicht flächendeckend durchsetzen; unter anderem wurde er mit der klassischen Farbe der Müllabfuhr assoziiert. Zudem hätte das VST-Orange die traditionellen Unternehmensfarben verdrängt, die oft auf den jeweiligen Stadtfarben basierten.

Vorgeschichte Die ersten Versuche mit gelben und orangen Lackierungen zur besseren Sichtbarkeit von Fahrzeugen im öffentlichen Verkehr begannen 1973 bei den Städtischen Verkehrsbetrieben Bern. Dazu wurden vier der sechs in diesem Jahr abgelieferten Daimler-Benz/Vetter-Gelenkautobusse des Typs O 317 G in unterschiedlichen Lackierungsvarianten ausgeliefert. Sämtliche Wagen erhielten einen schwarzen Kontraststreifen unter den Fenstern, während bei je einem Wagen pro Grundfarbe der Bereich über diesem Streifen weiss war.Mercedes O 317 G auf www.tram-bus-bern.ch Im Zuge einer Revision im Herbst 1973 erhielt auch der FBW/Ramseier&Jenzer GTr51 Nummer 29 die komplett gelbe Lackierung mit schwarzem Kontraststreifen, ergänzt durch eine Dachbandenwerbung mit den Worten "Gefahr erkannt – Gefahr gebannt – Gelb für ihre Sicherheit". Dieses Fahrzeug, das bis 1984 oder 1985 in Betrieb blieb, wurde auf Grund seiner auffälligen Lackierung auch Wäschpi genannt.Roman Wegmüller: Die Berner Gelenktrolleybusse Nr. 21–29, 2016, S. 15 Als letztes Fahrzeug dieses Versuchs mit gelbem Grundanstrich wurde der Einheitstrolleybus Nummer 30 1974 mit weisser oberer Fahrzeughälfte ausgeliefert.

Be 4/8 mini|Ein Be 4/8 der FART, dieses Design diente als Vorbild für die VST-Einheitslackierung Bereits in ihrer Fahrgastzeitung vom August 1972 veranstalteten die Solothurn–Zollikofen–Bern-Bahn (SZB) und die Vereinigten Bern–Worb-Bahnen (VBW) im Vorfeld der gemeinsamen Beschaffung ihrer zwölf neuen Triebwagen des Typs Be 4/8, davon fünf für die SZB (48–52) und sieben für die VBW (41–47), unter ihren Fahrgästen einen Farbenwettbewerb mit Abstimmung und Verlosung. Zur Auswahl standen sechs verschiedene Designs, die sich stark an die damalige Pop-Lackierung der Deutschen Bundesbahn anlehnten. Darunter auch zwei mit der Grundfarbe Orange, wobei die Türbereiche bei beiden Varianten ebenfalls lichtgrau waren:espazium.ch Vorschlag A: breitere lichtgraue Bauchbinde, zusätzlicher lichtgrauer Streifen zwischen Dach und Fenstern Vorschlag F: schmalerer lichtgrauer Streifen auf Fussbodenhöhe In Betrieb gingen die neuen Züge schliesslich zum Sommerfahrplan 1974 mit einer Kombination aus den beiden genannten Vorschlägen. Der schmale Streifen von Vorschlag F konnte sich durchsetzen, war aber statt auf Fussbodenhöhe letztlich unter der Fensterkante angeordnet. Ergänzt wurde er vom zusätzlichen Streifen zwischen Dach und Fenstern, der auf den Vorschlag A zurückging. Dieses Design diente schliesslich dem ebenfalls in der Bundesstadt Bern ansässigen VST als Vorbild für seine landesweite Farbempfehlung. Neben den bereits genannten zwölf Be 4/8 der ersten Serie waren auch alle 16 in den Jahren 1977 und 1978 produzierten Züge der zweiten Serie orange lackiert, darunter sieben weitere Einheiten für die SZB (53–59), zwei weitere Einheiten für die VBW (60–61), die fünf Einheiten für die Lugano-Ponte-Tresa-Bahn (FLP) sowie die beiden Einheiten für die Ferrovie autolinee regionali ticinesi (FART).

VST-Einheitstrolleybusse mini|Ein 1975 ausgelieferter Genfer VST-Einheitstrolleybus in VST-Einheitslackierung, jedoch abweichend von der Norm mit im Frontbereich unterbrochenem Kontraststreifen Ebenfalls 1974 begann die Ablieferung der insgesamt 119 VST-Einheitstrolleybusse. die erste Tranche von 26 Wagen erhielt dabei noch im gleichen Jahr das Berner Trolleybusnetz zugeteilt. Während die ersten 16 Wagen noch gelb-weiss (Versuchslackierung Wagen 30) beziehungsweise grün-weiss (Wagen 31–45) waren, kam bei den Wagen 46–55 bereits die vom VST empfohlene Lackierung zur Anwendung.Der Gelenktrolleybus Nummer 38 der Städtischen Verkehrsbetriebe Bern auf trolleybus.ch Daraufhin schlossen sich Basel (zehn Wagen im Jahr 1975), Genf (18 Wagen im Jahr 1975), Lausanne (18 Wagen in den Jahren 1975 und 1976) sowie Neuenburg (zehn Wagen im Jahr 1976) an. Und auch die zweite Serie für Bern, die sechs Wagen des Baujahrs 1977, war wiederum orange. Somit trugen schliesslich 72 von 119 Wagen das VST-Orange ab Werk, nur die Verkehrsbetriebe der Stadt Zürich blieben mit ihren 31 Fahrzeugen vollständig bei ihrer angestammten Lackierung in den Stadtfarben Blau und Weiss. Darüber hinaus erhielt nachträglich ausserdem noch der Berner Trolleybus 30 statt seiner Versuchslackierung von 1974 das VST-Orange.

Weitere ab Werk mit dem VST-Anstrich ausgelieferte Fahrzeuge Über die Be 4/8-Triebzüge und die VST-Einheitstrolleybusse hinaus erhielten folgende Fahrzeuge den VST-Anstrich bereits ab Werk:

Schienenfahrzeuge mini|Zug der Wynental- und Suhrentalbahn mini|PESA-Werklokomotive Zabett die 14 in den Jahren 1978–1979 beschafften Be 4/4-Triebwagen 15–27 der Wynental- und Suhrentalbahn die fünf in den Jahren 1975–1977 beschafften BDe 4/8-Triebzüge 21–25 der Trogenerbahn die 1990 von Schöma gebaute PESA-Werklokomotive Zabett

Trolleybusse die 23 in den Jahren 1974–1979 beschafften Trolleybusanhänger 951–973 für Lausanne die acht in den Jahren 1978–1982 beschafften Solowagen 101–108 für den Trolleybus La Chaux-de-Fonds der 1978 beschaffte Prototyp Nummer 121 für den Trolleybus Winterthur, analog zu den in der Region Bern eingesetzten Be 4/8 aufgrund der Lackierung mitunter scherzhaft Mandarinli genannt.prellbock.ch

Autobusse mini|Midibus aus Aarau, abweichend mit unterschiedlich breitem Streifen mini|FBW-Autobus 152 in La Chaux-de-Fonds, 1986 mini|Autobus der Autolinea Mendrisiense, 2012 Ausserdem war das Farbkonzept bei zahlreichen Autobusbetrieben anzutreffen:

Autolinea Mendrisiense Auto AG Schwyz Auto AG UriAuto AG Uri – 100 Jahr Jubiläum – 26. August 2006 (PDF) auf www.svenibus.ch Autobus AG Gossau Autokurse Oberthurgau AG Automobilgesellschaft Kirchberg AG Busbetrieb Aarau Busbetrieb Solothurn und Umgebung Chemins de fer fribourgeois Gruyère–Fribourg–Morat, jedoch nur beim 1981 beschafften Mercedes-Benz O 305 G mit der Nummer 111Autobus GFM auf fribus.weebly.com, abgerufen am 10. Februar 2020 Compagnie des Transports en commun, La Chaux-de-Fonds Compagnie Genevoise des Tramways Électriques Rheintalische Verkehrsbetriebe (RhV) Stadtomnibus Olten AG Städtische Verkehrsbetriebe Bern Transports en commun de Neuchâtel et environs Verkehrsbetriebe Herisau (VBH) Zugerland Verkehrsbetriebe Solothurn-Zollikofen-Bern-Bahn

Nachträglich mit dem VST-Anstrich versehen Einige wenige Gesellschaften lackierten auch ihre Altfahrzeuge in den VST-Farben: Die Trogenerbahn, die Wynental- und Suhrentalbahn (WSB) sowie die Lugano-Ponte-Tresa-Bahn strichen analog zu ihren oben erwähnten Neubauzügen auch alle damals im Bestand befindlichen Altbauwagen orange, um ein einheitliches Erscheinungsbild des gesamten Fuhrparks zu erhalten. Bei letztgenanntem Unternehmen fielen darunter auch nicht im Personenverkehr eingesetzte Fahrzeuge; dies waren der 1952 gebaute Posttriebwagen Ze 4/4 4 samt zugehörigem Anhänger Z 8 sowie ein Bahndienstfahrzeug.rail-info.ch Die Schweizerische Südostbahn (SOB) lackierte ihre vier Triebwagen des Typs ABe 4/4 mit den Nummern 11–14 orange, als diese Fahrzeuge der Baujahre 1939 und 1940 in den Jahren 1978–1982 umfassend modernisiert wurden. Bei der Aigle-Sépey-Diablerets-Bahn (ASD) betraf das VST-Orange nur die beiden Altbautriebwagen des Typs BDe 4/4 mit den Nummern 1 und 3 von 1913, dazu die drei zugehörigen zweiachsigen Anhänger 32–34. Beim Triebwagen Nummer 3 war der umlaufende Streifen im Frontbereich ausserdem als sogenannter Zierspitz ausgeführt, das heisst er war zusätzlich V-förmig gekröpft. Bei der Strassenbahn Genf waren in erster Linie die fünf 1974 von der Strassenbahn Aachen übernommenen Duewag-Gelenkwagen mit den Nummern 795–799 orange, die ursprünglich in den Jahren 1958 und 1959 für die Straßenbahn Mönchengladbach gebaut wurden. Darüber hinaus erhielten in Genf noch einige Schweizer Standardzüge aus den frühen 1950er Jahren das VST-Orange. Dies betraf zunächst 1974 die Motorwagen 704, 715 und 724 sowie den Anhänger 308,Les livrées (französisch) auf www.snotpg.ch nachträglich kamen noch der Motorwagen 734 und der Anhänger 321 hinzu. Ausserdem erhielten noch einige ältere Genfer Trolleybusse, Autobusse und Autobusanhänger die Einheitslackierung. Die Meiringen-Innertkirchen-Bahn lackierte ihre beiden 1978 gebraucht von der Oberrheinischen Eisenbahn-Gesellschaft übernommenen Fuchs-Triebwagen mit den Nummern 6 und 7 orange Bei der Chemins de fer du Jura (CJ) war als einziges Fahrzeug probeweise der Triebwagen BDe 4/4 Nummer 606 von 1953 orange. Die Régional du Val-de-Travers (RVT) strich nur ihren EAV-Steuerwagen Bt 203 von 1964 versuchsweise gemäss der VST-Vorgabe. Die Chemin de fer Pont–Brassus (Pbr) lackierte nur ihren Leichtmetallwagen Typ „Seetal“ mit der Betriebsnummer Bi 476 orange. Der 1959 gebaute Saurer-Autobus-Prototyp Nummer 359 der Verkehrsbetriebe der Stadt Zürich erhielt 1974 als einziges Zürcher Fahrzeug den VST-Anstrich.bus-bild.de Die Compagnie des Transports en commun de Neuchâtel et environs passte ihre Trolleybusse 15, 22, 23, 25, 26 und 28, den Saurer-Turmwagen 51 sowie den aus Luzern übernommenen Trolleybusanhänger 183 an