Der 300 SEL 6.3 ist das Spitzenmodell der allgemein S-Klasse genannten und von 1965 bis 1972 gebauten Baureihe W 108/W 109 und unterscheidet sich von den übrigen Modellen durch den Einbau des ursprünglich für den Repräsentationswagen („Staatskarosse“) 600 entwickelten großvolumigen V8-Zylinder-OHC-Motors M 100. Damit nimmt er eine Sonderstellung im gesamten damaligen Pkw-Angebot nicht nur von Mercedes-Benz ein. Der 300 SEL 6.3 wurde von 1967 bis 1972 hergestellt und vom von 1975 bis 1980 produzierten 450 SEL 6.9, dem letzten Fahrzeugmodell mit dem M 100, abgelöst.

Geschichte

Motor M 100

Der M 100 prägt den Gesamtcharakter des Fahrzeugs und verleiht jenem damit eine Sonderstellung. Mit bei 4.000/min des V8-Motors und Automatikgetriebes vom Mercedes-Benz 600 erreichen die Fahrleistungen das Niveau leistungsfähiger Sportwagen seiner Zeit. Die Höchstgeschwindigkeit beträgt 220 km/h, die Beschleunigung von 0 auf 100 km/h 6,5 Sekunden (Werksangabe). Das maximale Drehmoment beträgt 51,0 kpm ( Nm) bei 2800/min.

Ausstattung

Von außen ist der 6.3 nur an den breiteren Reifen in der Größe 195 R 14 Typ 70195 R 14 Typ 70 · Spezialausführung der Nenngröße 215/70 VR 14 mit eingeschränkten Abmessungen. Nicht zu verwechseln mit 195 VR 14195 R 14 Typ 70· und den H1-Halogen-Doppelscheinwerfern zu erkennen. Dadurch entfallen die Nebelscheinwerfer in der Leuchteinheit. Stattdessen befinden sich neben dem Kühlergrill separate runde Nebelscheinwerfer.Verkaufsprospekt. Abgerufen am 22. Oktober 2019

Markterfolg

Zu Kaufpreisen von Anfangs ab 39.160 DM (1968; Januar etwa  Euro) gut anderthalb mal so teuer wie das bisherige Spitzenmodell, der 300 SEL mit 2,8-l-Sechszylindermotor (ab 25.740 DM, etwa  Euro; 280 S, S-Klasse-Einstiegsmodell, Baureihe W 108, ab 16.995 DM, etwa  Euro),Aktuelle Kaufpreise wurden mit der Vorlage:Inflation ermittelt und auf volle einhundert Euro gerundet löste die Markteinführung einen kleinen Boom dieser nach damaligen Begriffen extrem schnellen und leistungsstarken Luxuslimousine aus. Die ausgelieferte Stückzahl übertraf mit 6.526 Fahrzeugen in der vergleichsweise kurzen Produktionszeit von knapp fünf Jahren alle Erwartungen.300 SEL 6.3 · Zum Ende der Bauzeit 1972 betrug der Kaufpreis ab 47.397 DM (letzte Preiserhöhung Januar 1972; Januar etwa  Euro).

Rennsport

Schnell fand der 6.3 auch Eingang in den Tourenwagen-Rennsport und Rallye-Sport. Der Wagen wurde außerdem ein beliebtes Tuningobjekt, da sich seine Leistung aufgrund der günstigen Ausgangsbasis verhältnismäßig leicht steigern lässt. Die sogenannte „Rote Sau“,Tom Grünweg, Das erste AMG-Modell. Renaissance der "roten Sau", Spiegel online, 19. Mai 2006 ein im Tourenwagensport eingesetzter 300 SEL 6.3, motorisiert mit einem auf 6,8 Liter Hubraum vergrößerten V8-Motor mit bis zu , war das erste Modell des Tuners AMG, das mit neuen Zylinderköpfen über frühere, einfachere Motorbearbeitungen zur Leistungssteigerung hinausging.

Technische Daten

Herstellerangaben und Messwerte

+ Technische Daten300 SEL 6.3 Motortyp M 100 E 63 Motorbaumuster 100.981 Zylinder 8 Bohrung × Hub 103,0 × 95,0 mm Hubraum  cm³ (Herstellerangabe auf  cm³ abgerundet) Verdichtung 9,0 : 1 Leistung bei 4.000/min Max. Drehmoment 51,0 kpm ( Nm) bei 2800/min Einspritzanlage Bosch 8-Stempel-Einspritzpumpe Getriebe 4-Gang-Planetengetriebe mit hydr. Kupplung R-Gang –4,146 I. Gang 3,979 II. Gang 2,459 III. Gang 1,579 IV. Gang 1,000 Antrieb Hinterradantrieb Hinterachsübersetzung 2,846Werner Oswald · Mercedes-Benz Personenwagen 1886 – 1986 · S. 547 · Stuttgart 1986 · ISBN 978-3-61301-133-5 · Mercedes-Benz-Archiv 300 SEL 6.3: Tabelle Getriebe & Fahrleistungen https://mercedes-benz-publicarchive.com/marsClassic/de/instance/ko/300-SEL-63--W-109-E-63-1967---1972.xhtml?oid=4903 Radaufhängung vorn Doppelquerlenkerachse mit Drehstabstabilisator Radaufhängung hinten Eingelenk-Pendelachse mit Ausgleichsfeder und Drehstabstabilisator Federung Luftfederung mit Niveauregulierung und Gummi-Zusatzfedern rundum Bremsen Scheibenbremsen vorn und hinten Räder Tiefbettfelge 6,5 J × 14 HB Reifen 195 R 14 Typ 70 Leergewicht 1.780 kg Zul. Gesamtgewicht 2.280 kg Radstand 2.865 mmSpurbreite vorn/hinten 1.490/1.485 mm Länge/Breite/Höhe 5.000/1.810/1.420 mm 0–100 km/h 6,5 sHöchstgeschwindigkeit 220 km/h Kraftstoffverbrauch nach DIN 70030 15,5 l/100 km Tankinhalt 105 Liter

Leistungssteigerung

Ausgangsbasis

Auch Tuner nahmen sich des Motors an. Der eher gedrosselt ausgelegte Motor ist für Leistungserhöhungen sehr gut geeignet.300 SEL 6.3 AMG, Oldtimer-Markt 7/98, , (PDF)

AMG-Straßenversion

6,3 l

Für die Straße bot das damals junge Unternehmen AMG zwei Tuningstufen mit und an. Für wurden bei unverändertem Hubraum umfangreiche Veränderungen am Motor selbst vorgenommen: Die Serien-Zylinderköpfe wurden durch geänderte Ausführungen mit anders geformten Brennräumen ersetzt, die Saugrohre poliert, die Ansaugkanäle vergrößert und poliert, die Kipphebel bearbeitet und Spezial-Ventilfedern, Autothermatik-Kolben und Nockenwellen mit geänderten Steuerzeiten eingebaut und die Verdichtung auf 9,9:1 angehoben. Das Drehmoment steigt auf 55,2 kpm ( Nm) bei 3500/min und die Nenndrehzahl auf 4750/min.300 SEL 6.3 AMG · vgl.

6,8 l

Darüber hinaus bot AMG Fahrzeuge mit einer Hubraumerweiterung auf 6,8 l und Leistungen zwischen und an.

Mahle-Kolben

Die patentierten Autothermatikkolben von Mahle gehörten seinerzeit zu den fortschrittlichsten ihrer Art: Spezielle Stahlstreifen, die in die Kolben eingegossen wurden, behindern gezielt die Verformung des Kolbens unter dem Einfluss der Wärmedehnung; spezielle Bohrungen in den Nuten der Ölabstreifringe verbessern die Schmierung, reduzieren damit die Reibung und verbessern den Abtransport der Wärme über den Ölkreislauf. Damit werden höhere Kolbengeschwindigkeiten und Drehzahlen möglich.Mahle Autothermatikkolben ·

Fahrleistungen

Herstellerangaben und Messwerte

+ Fahrleistungen Modell SerieAuto, Motor und Sport Heft 6/1968 vom 16. März 1968 AMG Leistung · Gewicht Leistung bei 4.000/min bei 4.750/min Gewicht 1.780 kg spezifische Leistung  kW/t  kW/t Beschleunigung 0–80 km/h 4,3 s 4,9 s 0–100 km/h 6,5 s 6,7 s 0–120 km/h 9,3 s 8,8 s 0–140 km/h 13,0 s 115 s 0–160 km/h 17,3 s 15,1 s 0–180 km/h 22,8 s 19,5 s 0–200 km/h 31,0 s 25,9 s 1 km mit stehendem Start 27,1 s 25,7 s Geschwindigkeit Höchstgeschwindigkeit 220 km/h 235,4 km/h bei 5.525/min

Rennsport

mini|Werksnachbau des 300 SEL 6.8, die „Rote Sau“

Anfänge mit 6,3 l

Für den Rennsport vorgesehen war der 6.3 nicht. Das hohe Gewicht führte bei Rennen immer wieder zu Brems-walter-magazin.de/sport nach Februar 2006, 300 SEL 6.8 AMG. Spitzname: ‘Die rote Sau’, abgerufen am 24. September 2020. und Reifenproblemen, doch der Motor hatte Potential. Der erste Test beim 6-Stunden-Rennen in der portugiesischen Kolonie Macao endete mit einem Sieg.

1969: Hubraumerweiterung auf 6,8 l

Daraufhin wurde beschlossen, im Juli 1969 beim 24-Stunden-Rennen von Spa-Francorchamps mit drei Fahrzeugen teilzunehmen. Zwei davon bekamen auf 6834 cm³ gebrachte Motoren mit Trockensumpfschmierung und bis , während der dritte bei unverändert 6,3-Liter leistete. Die Trainingszeiten waren ermutigend, doch bei unerwartet hohen Temperaturen hielten die schmalen Reifen auf dem rauen neuen Streckenbelag keine drei Runden, sodass man beschloss, die Autos zurückzuziehen.

1970: Abschaffung der Rennklasse

Es folgten Weiterentwicklungen und intensive Testfahrten auf potentiellen Strecken der Tourenwagen-Europameisterschaft 1970, die gute Erfolgsaussichten verhießen, doch die Rennklasse, in der 1970 gestartet werden sollte, wurde abgeschafft. Deshalb wurden die Werksaktivitäten bis auf vereinzelte Tests beendet.

Privatfahrer

Privatfahrer hatten mehr Erfolg. 1971 waren drei private 6,8-Liter-Tourenwagen unterwegs. Der silbermetallic lackierte von Klaus Behrmann, der mit rund , Automatik und 10- bzw. 12-Zoll-Rädern technisch dem letzten Entwicklungsstand der Werkswagen entsprach, gewann sieben von acht Rundstrecken- und Flugplatzrennen.

AMG

AMG dagegen nahm für ihren roten Renner (Spitzname „Rote Sau“) einen W 109-Unfallwagen als Basis, baute den Motor mit Daimler-Benz-Teilen selbst auf und kombinierte ihn mit einem ZF-Fünfganggetriebe. Beim 24-Stunden-Rennen in Spa-Francorchamps 1971 fuhr der AMG mit den Fahrern Hans Heyer und Clemens Schickentanz zum Klassensieg und auf Rang zwei im Gesamtklassement.

1972: Ende als Rennmotor

Am Ende seiner Karriere erreichte der Wagen , 63,2 kpm ( Nm) und 285 km/h.auto-motor-und-sport.de-Motorklassik, Die Rote Sau von AMG, abgerufen am 24. September 2020. 1972 wurde im Reglement eine Hubraumbegrenzung auf fünf Liter eingeführt.Mercedes Benz 300 SEL 6.3 - Supersportwagen im Limousinenkleid, auf zwischengas.com

Verkauf an Matra und Repliken

Der Spa-Siegerwagen wurde vermutlich für (Flugzeug-)Reifentests an den französischen Luftfahrtkonzern Matra verkauft, sein Verbleib ist ungeklärt. Inzwischen wurden gleich mehrere Replika-Fahrzeuge nach dem Vorbild der "Roten Sau" nachgebaut (siehe Foto).Rückkehr des legendären AMG-Renners als Replika, auf auto-motor-und-sport.de, abgerufen am 26. August 2026. Als besonders originalgetreu gilt eine Replika aus Essen von Paul Jüngst, bei deren Entstehung sowie Konzeption sowohl der ehemalige Werksfahrer Clemens Schickentanz als auch AMG-Mitbegründer Erhard Melcher persönlich mitwirkten.

Einzelnachweise

Weblinks

Oldtimer-Markt 7/98, (PDF)

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