mini|hochkant|Ikone der heiligen Olympias von Konstantinopel (368–408), frühchristliche Diakonin

Eine Diakonin (von „Diener, Helfer“) bekleidet ein geistliches Amt innerhalb der Kirche, den Diakonat. Diakoninnen gibt es in verschiedenen Kirchen, in denen auch Frauen ordiniert werden, beispielsweise in den meisten evangelischen, anglikanischen und alt-katholischen Kirchen. Die römisch-katholischen und die orthodoxen Kirchen weihen keine Diakoninnen, mit Ausnahme der Kirche von Griechenland und dem Griechisch-Orthodoxen Patriarchat von Alexandria und ganz Afrika.

Eine Diakonin übt wie ein Diakon ein kirchliches Amt aus und ist in einer Kirchengemeinde im Auftrag des Landesbischofs tätig. Sie ist dem Gemeindeleiter unterstellt. Die Hauptaufgabe einer Diakonin ist die Verbindung von Seelsorge und sozialer Tätigkeit, beispielsweise Alten- und Krankenseelsorge. Biblische Quellen (etwa ) lassen darauf schließen, dass der Diakonat nur für Männer vorgesehen war. Verschiedene frühchristliche Zeugnisse wie die apostolischen Konstitutionen legen nahe, dass es in der frühen Christenheit auch Diakoninnen gab, das Amt aber (für Männer wie Frauen) keine Vorstufe zum Priesteramt, sondern ein eigenständiger Dienst war.

Im frühen Christentum wurde der Dienst der Diakonin (in älterer Literatur auch Diakonisse genannt) von Frauen ausgeübt, wie etwa die Didaskalia Apostolorum des 3. Jahrhunderts bezeugt, und war laut Evangelos Theodorou bis zum Fall Konstantinopels im 15. Jahrhundert weit verbreitet.Radio Vatikan, Meldung: Griechenland: Für Wiederbelebung des Frauendiakonats. In: RadioVaticana.va. 24. März 2009, abgerufen am 17. Oktober 2020 (Abschnitt auf der Seite). Die Weihe von Frauen in der Westkirche war hingegen seltener und endete im 11. Jahrhundert mit der Besetzung des römischen Episkopats mit deutschen Päpsten. Die Diakonin entsprach im geistlichen Rang einem Diakon und hatte – vom Altardienst abgesehen – ähnliche Aufgaben. So wirkten Diakoninnen bei der Vorbereitung und Taufe der weiblichen Katechumenen mit, weil der Taufvorgang damals durch Untertauchen und Salbung des ganzen Körpers erfolgte.

Frühe Geschichte Biblische Zeugnisse Auch wird in der Bibel eine Frau erwähnt, die das Amt eines Diakons ausübt: Phoibe (Phöbe), die Diakonin von Kenchreai, die den Römern den Brief des Paulus überbringt . In der Einheitsübersetzung wird sie als „Dienerin“ bezeichnet. Der Brief, der Jahre, wenn nicht Jahrzehnte vor dem erwähnten 1. Brief an Timotheus von Paulus verfasst wurde, stammt aus einer Zeit, in der es noch keine klar definierten Ämter in der Frühkirche gab. Vielmehr wurden zunächst in der heidnischen Umwelt bestehende Begriffe wie „diakonos“ (Diener) und „episkopos“ (Aufseher) übernommen, die Bezeichnungen waren also noch nicht „geschützt“ bzw. mit dem späteren Bedeutungsgehalt aufgeladen. Auch Paulus selbst bezeichnete sich selbst zuweilen als „Diakon“ oder nennt die Falschapostel „Diakone des Teufels“.

Im ersten Timotheusbrief findet sich in den Anforderungen an Diakone eine kryptische Formulierung : Ebenso müssen Diakone sein: achtbar, nicht doppelzüngig, nicht dem Wein ergeben und nicht gewinnsüchtig; sie sollen mit reinem Gewissen am Geheimnis des Glaubens festhalten. Auch sie soll man vorher prüfen, und nur wenn sie unbescholten sind, sollen sie ihren Dienst ausüben. Ebenso müssen Frauen ehrbar sein, nicht verleumderisch, sondern nüchtern und in allem zuverlässig. Diakone sollen Männer einer einzigen Frau sein und ihren Kindern und ihrem eigenen Haus gut vorstehen.Bei den hier erwähnten Frauen dürfte es sich jedoch um die Ehefrauen der Diakone handeln – es wäre unverständlich, warum man für weibliche Diakone eigene Verhaltensregeln, die denen der Männer außerdem sehr ähnlich sind, bestimmt, andere Bestimmungen (etwa das für Diakone zentrale „Festhalten am Glauben“ oder das Verhalten in der Familie) jedoch nur für die Männer normiert.

Außerbiblische Zeugnisse Außerbiblisch erwähnt Plinius um 112 n. Chr. zwei weibliche Diakone. Sowohl Clemens von Alexandria als auch Origenes interpretieren Paulus so, dass es männliche und weibliche Diakone gegeben habe.

In der syrischen Didaskalie (Gemeindeordnung) werden noch vor dem Jahr 250 Diakoninnen mit deren Aufgabenbereich beschrieben. An einem theologischen Vergleich wird dort deutlich, dass es sich um ein hierarchisches Amt handelt, der Bischof wird mit Gott Vater verglichen, der Diakon mit dem Sohn und die Diakonin mit dem Heiligen Geist, der in der semitischen Sprache weiblich ist. „Für die Priester blieb da kein Platz mehr, sie werden mit den Aposteln verglichen“.Ernst Leuninger: ; Vortrag, gehalten in Limburg am 28. September 1997

Weitere bekannte Diakoninnen waren Makrina die Jüngere (die ältere Schwester von Basilius von Caesarea und Gregor von Nyssa), Olympias von Konstantinopel und Radegundis.

Im vierten, fünften und sechsten Jahrhundert werden Diakoninnen von allen führenden Kirchenvätern des Ostens erwähnt, und in den Kirchenannalen werden zahlreiche Diakoninnen namentlich erwähnt. Die Constitutiones Apostolorum heben die Bedeutung der Diakoninnen in der Liturgie, in der Caritas und in der Verkündigung des Evangeliums hervor.Pauliina Pylvänäinen: Agents in liturgy, charity and communication: the tasks of female deacons in the apostolic constitutions. Brepols, Turnhout 2020, ISBN 978-2-503-58917-6, S. 181–204 und 211–237.Pauliina Pylvänäinen: Diakone als Agenten der frühschristlichen Nächstenliebe. In: Diaconia Christi, Jg. 53 (2018), Heft 1–2, S. 163–166, hier S. 165–166. Der Diakonat galt als ehrenvolles Amt, dem zahlreiche begabte Frauen von hohem Rang angehörten. In der Hagia Sophia gab es unter Justinian I. vierzig Diakoninnen; kleinere Gemeinden hatten bis zu sechs Diakoninnen.

In der byzantinischen Kirche gab es bis zum 12. Jahrhundert Diakoninnen, in der Westkirche, wo sie allgemein weniger vertreten waren, bis zum 8. Jahrhundert. Mit der Entwicklung des Diakonats hin zu einer Ausprägung des dreigliedrigen Weiheamtes fand die bisherige Praxis ihr Ende. Die in diesen Zeiten immer seltenere Taufe von erwachsenen Frauen bedeutete zugleich den fast vollständigen Wegfall des wichtigsten Aufgabengebietes der Diakonin.

Aufgaben Die Didaskalia Apostolorum (Syrien, um 280), Kapitel XVI, sagtDie syrische Didaskalia, übersetzt und erklärt von Hans Achelis und Johs. Flemming, Die ältesten Quellen des orientalischen Kirchenrechts, Band 2, Leipzig 1904 online.:

Diese Quelle zeigt, dass Diakoninnen spezifisch für solche Dienste notwendig waren, bei denen ein Mann aus sittlichen Gründen nicht eingesetzt werden konnte. Dazu gehörten: der Beistand bei der Taufe erwachsener Frauen: „Es ist erforderlich, dass die, die in das Taufbecken hinein gehen, von einer Diakonin mit dem Salböl gesalbt werden.“ (85,13) Der Hintergrund ist hier die Ganzkörpersalbung vor der Taufe. die Instruktion neugetaufter Frauen: „Wenn die Getaufte aus dem Wasser kommt, soll die Diakonin sie empfangen und sie lehren, wie das Siegel der Taufe in Keuschheit und Heiligkeit ungebrochen bleibt.“ (85,22) Hierzu gehörten auch klare Worte zu sexuellen Dingen, deshalb kam ein Mann für dieses Gespräch nicht in Frage. das Überbringen von Botschaften des Bischofs an Frauen (85,33) Kranke und Arme zu betreuen (85,33)

Ordination Diakone wurden schon in der frühen Kirche ordiniert und zum Klerus gezählt. Die ökumenischen Konzilien von Nicaea (325), Chalcedon (451) und die Trullanische Synode (692) erwähnen die Ordination von Diakonen. Ob das auch für Diakoninnen galt, gilt in der Theologie als umstritten (siehe Frauenordination).

In der Apostolischen Konstitution werden Diakoninnen erwähnt, und zwar nach den Diakonen und vor den Subdiakonen. Diakoninnen wurden ordiniert, indem ihnen der Bischof in Gegenwart der Priester, Diakone und Diakoninnen die Hände auflegte (Cheirotonie) und dasselbe Weihegebet wie bei der Diakonenweihe sprach.Evangelos Theodorou: Frauenordination in der Orthodoxen Kirche? In: Dietmar W. Winkler (Hrsg.): Diakonat der Frau. Befunde aus biblischer, patristischer, ostkirchlicher, liturgischer und systematisch-theologischer Perspektive. LIT Verlag, Münster 2010, ISBN 978-3-643-50181-3, S. 45 ff.

Gegenwart Evangelische Kirchen Seit Ende der 1960er Jahre werden neben Diakonen auch Diakoninnen ausgebildet. Die erste Diakonin machte ihre Ausbildung in Hamburg, doch auch die anderen Diakonenausbildungsstätten ließen im Verlauf der nächsten 20 Jahre Frauen zur Ausbildung zu. Diakoninnen erhalten neben der theologischen auch eine sozialpädagogische oder pflegerische Ausbildung, ebenso wie die Diakone. Die Ausbildung ist in den Landeskirchen unterschiedlich geregelt, sie dauert zumeist zwischen drei und fünf Jahren. Die Diakone und Diakoninnen in den Landeskirchen werden in ihren Dienst „eingesegnet“. Der Verband evangelischer Diakonen- und Diakoninnengemeinschaften in Deutschland e. V. (VEDD) setzt sich für die Förderung des Profils des kirchlichen Amts und des Berufsbilds des Diakons / der Diakonin durch Aus-, Fort- und Weiterbildungen ein, damit die theologische und sozial-fachliche Kompetenz wirkungsvoll als kirchlicher Dienst in der Welt gestaltet werden kann. Diakoninnen sind nicht zu verwechseln mit den Diakonissen.

Freikirchen Die Situation in den Freikirchen ist bezogen auf die Diakoninnen sehr unterschiedlich. Viele Freikirchen haben in den letzten Jahrzehnten neben den Diakonissen, deren Anzahl stark sinkt, auch Diakoninnen eingestellt. Im Bund Evangelisch-Freikirchlicher Gemeinden sind die Diakone und Diakoninnen in einem Verband organisiert. Diakoninnen gibt es darin seit 1979. Seit 2003 werden Diakone und Diakoninnen innerhalb dieses Bundes nicht nur angestellt, sondern auch ordiniert.; eingesehen am 17. Februar 2016 Die Aufgabenbereiche umfassen Jugendarbeit, Seniorenarbeit, Frauenarbeit, Krankenbesuche und Krankenpflege, Beratung in sozialen Angelegenheiten, Leitung von Bibelkreisen und vieles mehr. Damit sind sie vom Aufgabenbereich etwa mit einem katholischen Gemeindereferenten vergleichbar.

Römisch-katholische Kirche Über die Möglichkeit einer Wiedereinführung des altkirchlichen Diakonats der Frauen wird seit längerem vor allem in der westlichen Welt diskutiert. Die Lehre der katholischen Kirche schließt die Ordination von Frauen aus. Das Weihesakrament umfasst drei geordnete Stufen: den Diakonat (Diakonweihe), den Presbyterat (Priesterweihe) und den Episkopat (Bischofsweihe), wobei nur in letzterem als höchster Weihestufe die Fülle des Sakraments vereint ist. Nach katholischer Lehre kann das Weihesakrament nur von einem Mann gültig empfangen werden.

Im Jahr 1975 schlug die Würzburger Synode, an der auch alle deutschen Bischöfe beteiligt waren, dem Papst vor, die Frage des Diakonats der Frau entsprechend den gegenwärtigen theologischen Erkenntnissen zu prüfen und Frauen angesichts der pastoralen Situation womöglich zur Diakonatsweihe zuzulassen.Domradio.de:"Wir erleben das noch", Diskussion um die Frauenordination, 31. März 2017https://www.dbk.de/fileadmin/redaktion/Synoden/gemeinsame_Synode/band1/synode.pdf Gemeinsame Synode der Bistümer in der Bundesrepublik Deutschland

Beim Studientag der Frühjahrsvollversammlung der Deutschen Bischofskonferenz machte Walter Kardinal Kasper im Februar 2013 in einem Vortrag den Vorschlag einer Benediktion, vergleichbar der einer Äbtissin. Im Sinne der Tradition könne diese auch mit der Jungfrauenweihe verbunden werden. Erzbischof Robert Zollitsch sprach sich im April 2013 ebenfalls für einen spezifischen Dienst für Frauen aus.Robert Zollitsch: In: RadioVaticana.va. 29. April 2013, abgerufen am 17. Oktober 2020. Gegen die Ordination von Frauen zum Diakonat wandten sich etwa der Regensburger Bischof Rudolf Voderholzerhttp://www.archivioradiovaticana.va/storico/2013/04/29/d_bischof_voderholzer_gegen_diakonat_der_frau/ted-687290 und der Münchener Erzbischof Reinhard Kardinal Marx.