Der Kreis Viersen liegt am Niederrhein im Westen des Bundeslandes Nordrhein-Westfalen. Er gehört zum Regierungsbezirk Düsseldorf und ist Mitglied im Landschaftsverband Rheinland. Sitz des Kreises ist die Stadt Viersen.

Geographie Kreisgebiet Die Gesamtfläche des Kreisgebietes beträgt 563,29 km². Die maximale Ausdehnung misst in Nord-Süd-Richtung 28,7 km, in West-Ost-Richtung 39,0 km; die Kreisgrenze ist 148 Kilometer lang. Die höchste Erhebung im Kreisgebiet sind die Süchtelner Höhen mit 90,70 m.

Naturräumliche Zuordnung Das Kreisgebiet ist Teil der naturräumlichen Großregion Niederrheinisches Tiefland (57).

Folgende Teil-Naturräume befinden sich im Kreisgebiet:

571 Schwalm-Nette-Platte 571.0 Elmpt-Kaldenkirchener Grenzwaldungen 571.00 Birgelen-Elmpter Heidewald 571.01 Brüggener Schwalmbruch 571.02 Brachter Wald 571.03 Venloer und Heronger Heide 571.1 Schwalm-Nette-Ackerebene 571.10 Schwalmebene 571.11 Nette-Ebene 571.3 Süchtelner Höhen

573 Kempen-Aldekerker Platten (Niersplatten) 573.0 Straelen-Grefrath-Mönchengladbacher Terrassen 573.01 Grefrath-Viersener Terrassenleiste 573.1 Mittleres Nierstal 573.11 Neersener Niersbruch 573.12 Mittlere Niersniederung 573.3 Kempener Lehmplatte

Landschafts- und Naturschutzgebiete 18.190 ha (32,6 %) sind Landschaftsschutzgebiete und 4.263 ha (7,6 %) sind Naturschutzgebiete

Dazu gehören: die Krickenbecker Seen, das Elmpter Schwalmbruch, die Heidemoore, der Lüsekamp und Boschbeek, die Grasheide und Mülhausener Benden, die Süchtelner Höhen, das Salbruch und die Bockerter Heide sowie der Naturpark Schwalm-Nette als Teil des Deutsch/Niederländischen Naturparks Maas-Schwalm-Nette.

Gewässer Schwalm Niers Nette

Grundwasser Weil der EU-Grenzwert für Nitrat im Grundwasser von 50 mg/l fast im ganzen Kreis Viersen überschritten wird, hat der Kreistag am 13. Dezember 2018 einstimmig einen 5-Punkte-Plan beschlossen. Demnach soll die Einhaltung der Düngeverordnung besser kontrolliert, der Import von Gülle aus den Niederlanden eingeschränkt sowie massiv reglementiert und die Wasserschutzgebiete erweitert werden.

Gemeinden

Der Kreis Viersen gliedert sich in neun kreisangehörige Gemeinden, von denen vier Mittlere kreisangehörige Städte und eine Große kreisangehörige Stadt sind. Für ihre örtlichen Angelegenheiten sind die Gemeinden grundsätzlich selbst zuständig, während der Kreis für kleinere Kommunen örtliche und ansonsten überörtliche Aufgaben übernimmt.

Im Landesentwicklungsplan von NRW sind alle Städte des Kreises sowie Schwalmtal als Mittelzentren ausgewiesen, die übrigen Gemeinden sind Grundzentren.

Name Einwohner Fläche Einw./km² Status AGS Brüggen  km² kreisangehörige Gemeinde 05 166 004 Grefrath  km² kreisangehörige Gemeinde 05 166 008 Kempen  km² mittlere kreisangehörige Stadt 05 166 012 Nettetal  km² mittlere kreisangehörige Stadt 05 166 016 Niederkrüchten  km² kreisangehörige Gemeinde 05 166 020 Schwalmtal  km² kreisangehörige Gemeinde 05 166 024 Tönisvorst  km² mittlere kreisangehörige Stadt 05 166 028 Viersen  km² große kreisangehörige Stadt 05 166 032 Willich  km² mittlere kreisangehörige Stadt 05 166 036    km² Kreis Viersen 05 166 (Einwohnerzahlen vom )

Nachbarkreise bzw. -städte Der Kreis Viersen grenzt, im Norden beginnend im Uhrzeigersinn, an die Kreise Kleve und Wesel, an die kreisfreie Stadt Krefeld, an den Rhein-Kreis Neuss, an die kreisfreie Stadt Mönchengladbach und an den Kreis Heinsberg. Im Westen grenzt er mit einer Länge von 37 km an die niederländische Provinz Limburg.

Geschichte Von 1966 bis 1975 gab es eine umfangreiche Gebietsreform in NRW. 1970 erfolgte eine kommunale Neugliederung des Kreises Kempen-Krefeld: aus den vormals selbständigen Städten Dülken, Süchteln und Viersen sowie der Gemeinde Boisheim wurde die neue Stadt Viersen. Die vorher kreisfreie Stadt Viersen wurde in den Kreis eingegliedert; die dann zur Stadt Meerbusch gehörenden Gemeinden im Osten gelangten an den Kreis Neuss. Aus den übrigen 26 Gemeinden wurden acht neue Städte und Gemeinden gebildet.

Der Kreis Viersen entstand am 1. Januar 1975 durch eine Umbenennung des Kreises Kempen-Krefeld. Der Kreissitz wurde von Kempen nach Viersen verlegt. Zugleich wurde die Gemeinde Niederkrüchten aus dem Kreis Heinsberg eingegliedert, und der zu Kempen gehörende Stadtteil Hüls zur Stadt Krefeld wurde ausgegliedert. Bis zum Einzug in das neue Kreishaus 1984 blieb die Kreisverwaltung noch in der alten Kreisstadt Kempen.

Es gibt Schriftenreihen des Kreises Viersen (z. B. jährliches Heimatbuch) mit umfangreichen historischen Informationen.www.kreis-viersen.de Das Kreisarchiv befand sich bis zum Sommer 2022 in Kempen in der Burg Kempen. Seitdem ist es in einem zu diesem Zweck erbauten Gebäude in Dülken.an der Anschlussstelle Viersen / Dülken der A 61, www.archive.nrw.de/kreisarchiv-viersen

Einwohnerstatistik mini|400px|rechts|Bevölkerungspyramide für den Kreis Viersen (Datenquelle: Zensus 2011.)

Jahr EinwohnerLandesdatenbank Nordrhein-Westfalen 1975 262.714 1980 261.999 1985 261.555 1990 271.742 1995 288.450 2000 300.842 2005 304.140 2010 300.417 2015 297.661 2020 298.536 2022 300.882

Konfessionsstatistik Gemäß dem Zensus 2011 waren 55,5 % der Einwohner römisch-katholisch, 19,0 % evangelisch, und 25,5 % waren konfessionslos oder gehörten einen anderen Glaubensgemeinschaft an., abgerufen am 8. September 2025 Der Anteil der evangelischen und katholischen Kirchenmitglieder an der Gesamtbevölkerung ist seitdem gesunken. Gemäß dem Zensus 2022 waren (Stand Mai 2022) 46,9 % (138.060) der Einwohner katholisch, 16,3 % evangelisch und 36,8 % waren konfessionslos, gehörten einer anderen Glaubensgemeinschaft an oder machten keine Angabe.Bevölkerung kompakt (Gebietsstand 15.05.2022, Religion), abgerufen am 20. Juli 2024

Die Zahl der Katholiken im Kreis Viersen entwickelt sich weiter rückläufig. Laut Statistik des Bistums Aachen sank der Anteil der Katholiken an der Bevölkerung auf 45,5 % (Stand 31. Dezember 2023)Region Viersen – Überblick Kirchliche Statistik 2023. Bistum Aachen. Abgerufen am 4. Januar 2025 und weiter runter auf 43,3 % mit Stand 31. Dezember 2024.Region Viersen – Überblick Kirchliche Statistik. 2024 Bistum Aachen. Abgerufen am 22. Juni 2025

Politik

Kreistag Die Sitzverteilung im Kreistag nach Fraktionen und Gruppen ist seit der Kommunalwahl 2025 wie folgt:

Die Wahlbeteiligung betrug 57,3 %.

Oberkreisdirektoren des Kreises Viersen 1975–1984: Rudolf H. Müller 1984–1989: Heinz-Josef Vogt 1989–1999: Hans-Christian Vollert

Landräte des Kreises Viersen 1975–1999: Hanns Backes, CDU 1999–2004: Hans-Christian Vollert, CDU 2004–2015: Peter Ottmann, CDU 2015–2025: Andreas Coenen, CDU seit 2025: Bennet Gielen, CDU Im Zuge der Kommunalwahl 2025 setzte sich Bennet Gielen (CDU) in der Stichwahl gegen Annalena Rönsberg (SPD) mit 59,2 % der Stimmen durch.

Wappen, Dienstsiegel und Flagge Wappen Dem damaligen Landkreis Kempen-Krefeld ist am 13. Mai 1932 durch Urkunde des Oberpräsidenten der Rheinprovinz die Genehmigung erteilt worden, das nachstehend beschriebene Wappen zu führen. Der heutige Kreis Viersen führt dieses Wappen seit der Umbenennung 1975 fort.

„Der Kreis führt folgendes Wappen: Unter silbernem Schildhaupt, worin ein durchgehendes schwarzes Kreuz (Kur-Köln) von Gold und Blau gespalten; vorn ein linksgewendeter schwarzer Löwe mit roter Zunge (Jülich), hinten ein nach rechts gewandter zwiegeschwänzter goldener Löwe, rot bewehrt (Geldern).“§ 2 der Hauptsatzung des Kreises Viersen, abgedruckt im (PDF; 1,4 MB) In dem Wappen ist das Kreuz als Hoheitszeichen des Kurfürsten von Köln mit dem schwarzen Löwen als Wappenbild des Herzogs von Jülich und dem goldenen Löwen als Wappenbild des Herzogs von Geldern vereinigt. Bis zum Ende des Alten Reiches unterstand das Gebiet des Kreises Viersen diesen Landesherren.

Dienstsiegel

„Der Kreis führt ein Dienstsiegel mit Kreiswappen.“

Flagge Dem Kreis Viersen ist am 16. Oktober 1980 durch Urkunde des Regierungspräsidenten in Düsseldorf die Genehmigung erteilt worden, die nachstehend beschriebene Flagge zu führen.

„Der Kreis führt folgende Flagge (Banner, Hissflagge): als Banner: von Gold und Blau im Verhältnis 1:1 längsgestreift; darauf zur Stange hin verschoben der Wappenschild des Kreises, als Hissflagge: von Gold und Blau im Verhältnis 1:1 längsgestreift; darauf zur Mitte der Wappenschild des Kreises.“

Partnerschaft Seit 1983 besteht eine Partnerschaft zwischen dem Kreis Viersen und der englischen Grafschaft Cambridge. Dem offiziellen Partnerschaftsabkommen gingen mehr als zehnjährige erfolgreiche Bemühungen um Kontakte zwischen Vereinen, Schulen und Gruppen voraus. Somit besiegelte die Partnerschaftsfeier zahlreiche langjährige Kontakte, für die die Verwaltungschefs Rudolf H. Müller (Kreis Kempen-Krefeld/Kreis Viersen) und John K. Barratt (Grafschaft Cambridgeshire) sich an vorderster Stelle eingesetzt haben.Entscheiden und gestalten. Ein Vierteljahrhundert Zeitgeschichte. Schriftenreihe des Kreises Viersen Bd. 34, 1984 mini|Sequoiafarm Kaldenkirchen im Grenzwald mini|New Star von Mark di Suvero (Skulpturensammlung Viersen) mini|Festhalle Viersen

Kultur und Sehenswürdigkeiten Im Kreisgebiet befinden sich vereinzelt sichtbare Reste des ehemaligen Westwalls sowie Ruinen des Fliegerhorstes Venlo-Herongen aus dem Zweiten Weltkrieg. Auch Spuren und Reste von Napoleons Grand Canal du Nord sind noch erkennbar.

In der Gemeinde Grefrath befindet sich das Niederrheinische Freilichtmuseum des Kreises Viersen. Das volkskundliche Museum zeigt insbesondere bäuerliche und handwerkliche Kultur des mittleren Niederrheins. Außerdem verfügt es über ein umfangreiches Spielzeugmuseum.

Das Schloss Neersen ist von einem großen Park umgeben.

In der Skulpturensammlung Viersen, die die Städtische Galerie im Park umgibt, befinden sich u. a. Objekte von Tony Cragg, Erwin Heerich, Roberto Matta, Karl Horst Hödicke und der New Star von Mark di Suvero.

Die Festhalle Viersen ist ein weit über den Kreis hinaus bekanntes Aufführungsgebäude für Theater und Konzerte sowie der Austragungsort der Dreiband-Weltmeisterschaft für Nationalmannschaften (Billard) und Veranstaltungsort eines jährlich stattfindenden internationalen Jazz-Festivals.

Die Amateurtheaterszene ist vielfältig: Neben Volkstheater wird klassische Literatur, Kabarett und das „moderne Drama“ geboten. Beispielhaft seien hier das Nettetaler Theater unterm Dach sowie die Volksbühne Viersen und die Spielschar Brüggen genannt.

Im Kaldenkirchener Grenzwald bei Nettetal liegen das Naturschutzgebiet der Heidemoore, das Arboretum Sequoiafarm sowie der Geo-hydrologische Wassergarten. Im Naturpark Schwalm-Nette liegen zahlreiche ehemalige Wassermühlen, die heute öffentlich zugänglich (Restaurants/Hotels) sind.

Am Krickenbecker See liegen das Schloss Krickenbeck (nicht zugänglich), das Textilmuseum Die Scheune und ein Informationszentrum.Biologische Station Krickenbecker Seen

Im Kreis wohnen und wohnten zahlreiche Kulturschaffende, u. a. der Künstler Georg Ettl, die Autoren Paul Eßer, Herbert Sleegers und Peter Klusen und der verstorbene Jazzmusiker Ali Haurand.

Jüdische Friedhöfe Für den Kreis Viersen sind 22 Jüdische Friedhöfe dokumentiert: in Brüggen (3), in Grefrath (1), in Kempen (1), in Nettetal (3), in Schwalmtal (3), in Tönisvorst (2), in Viersen (5) und in Willich (4). Es sind schützenswerte Kulturdenkmäler – steinerne Zeugen für ehemals existierende jüdische Gemeinden und eines regen jüdischen Gemeindelebens bis in die 1930er Jahre.

Infrastruktur und Wirtschaft Schienen- und Busverkehr Im Schienenpersonennahverkehr verkehren der Niers-Express (RE 10) von Kleve über Kempen, Krefeld nach Düsseldorf, der Niers-Haard-Express (RE 42) von Mönchengladbach über Viersen, Krefeld, Duisburg, Essen, Gelsenkirchen und Dülmen nach Münster, der Maas-Wupper-Express (RE 13) von Venlo über Viersen, Mönchengladbach, Düsseldorf, Wuppertal, Hagen nach Hamm,