mini|Eingang zum Museum Haus der Geschichte Österreich (HdGÖ) in der Neuen Hofburg; 2018 eröffnet alt=Überblick über den Heldenplatz mit der Neuen Burg und dem Äußeren Burgtor. Die Neue Burg wird das HdGÖ beherbergen; das Äußere Burgtor wird auch vom HdGÖ bespielt werden.|mini|Wiener Hofburg (Neue Burg): Blick vom Dach des Naturhistorischen Museums nach Osten. Im Vordergrund das Äußere Burgtor, das dem HdGÖ zur Verfügung steht. Dahinter, im Ostflügel der Neuen Burg (links im Bild; optisch unter Baukran und Kirchturm), ist das Haus der Geschichte untergebracht. alt= Innenräume des HdGÖ, Juli 2016|mini|Innenräume des HdGÖ im Juli 2016: Prunkstiege in der Neuen Burg; im Hintergrund das „Mittlere Jagdplateau“ (mit aufgestelltem Klavierflügel) alt=Sammlung Alter Musikinstrumente|mini|Die Sammlung Alter Musikinstrumente, deren Räume ursprünglich für das HdGÖ vorgesehen waren alt= Entrée in das HdGÖ, derzeitiger Zustand. Über dem Eingang befindet sich eine ca. 250 m² große Terrasse (Altane). Die Verwendung dieser Terrasse wird intensiv diskutiert, da an diesem Ort – filmisch von der NS-Propaganda inszeniert und dokumentiert – Adolf Hitler den „Anschluss Österreichs“ an das Deutsche Reich verkündete.|mini|Eingangsbereich des HdGÖ, 2016. Über dem Portal befindet sich eine ca. 250 m² große Terrasse (Altane), die dem HdGÖ zur Verfügung steht. Die Verwendung dieser Terrasse wird intensiv diskutiert, da an diesem Ort – filmisch und fotografisch von der NS-Propaganda inszeniert und dokumentiert – Adolf Hitler 1938 den „Anschluss Österreichs“ an das Deutsche Reich verkündete.

Das Haus der Geschichte Österreich (abgekürzt HdGÖ, Eigenschreibweise: hdgö, seltener HGÖ) ist ein österreichisches ZeitgeschichtemuseumDas Haus der Geschichte Österreich – Verhandlungsort und Diskussionsforum. Selbstdarstellung des Museums. In: hdgoe.at. Abgerufen am 17. November 2019. in der Neuen Burg (Hofburg) in Wien. Gründungsdirektorin ist die Historikerin Monika Sommer-Sieghart. Es wurde am 10. November 2018 rund um die Feierlichkeiten zum 100. Jahrestag der Gründung der Republik Österreich eröffnet.

Geschichte Während anderswo, etwa in Deutschland (1994) mit seiner im Vergleich zu Österreich ebenso aufgeladenen Zeitgeschichte, und auf europäischer Ebene in Brüssel (2016) Zentren für die Darstellung und Erforschung der jeweiligen Zeitgeschichte(n) gebaut worden waren, dauerte es in Österreich bis zur Verwirklichung eines österreichischen Hauses der Geschichte deutlich länger. Nach der Einschätzung der Gedächtnisforschung spielte die im Vergleich zu Deutschland aufgrund der politischen Konflikte um die Darstellung der Dollfuß-Schuschnigg-Diktatur komplexere Situation eine gewisse Rolle dafür, dass auf österreichischer Bundesebene erst so spät ein Zeitgeschichtemuseum errichtet wurde.

Die Errichtung des HdGÖ war seit dem Jahr 2000 in jedem Regierungsprogramm der Bundesregierung verankertRegierungsprogramm 2000–2003 (für die XXI. Gesetzgebungsperiode): „Zusammenführung der beiden vorliegenden Konzepte für ein Haus der Geschichte der Republik Österreich und für ein Haus der Toleranz.“ (S. 100); Regierungsprogramm 2003–2006 (für die XXII. Gesetzgebungsperiode): „Vorbereitung der Sonderausstellung ‚50 Jahre Staatsvertrag‘ […] Auf Grundlage der Parlamentsentschließung und der Vorbereitungsarbeiten wird ein konkretes Projekt zur Errichtung eines ‚Haus der Geschichte‘ erstellt. Die dafür notwendigen Mittel werden von öffentlicher und privater Hand aufgebracht.“ (S. 34); Regierungsprogramm 2007–2012 (für die XXIII. Gesetzgebungsperiode): „Verantwortungsbewusster Umgang mit der Vergangenheit: Ausgehend von der von der Arbeitsgruppe vorgelegten Roadmap zur Errichtung eines Hauses der Geschichte soll im zweiten Quartal 2007 ein detailliertes Konzept erstellt werden.“ (S. 159); Regierungsprogramm 2008–2013 (für die XXIV. Gesetzgebungsperiode): „Haus der Geschichte Österreich: Die Planungen und weiteren Arbeiten zur Umsetzung des Hauses der Geschichte werden, wie vorgesehen, zügig weitergeführt.“ (S. 230); Regierungsprogramm 2013–2018 (für die XXV. Gesetzgebungsperiode): „Ziel: Ausbau der Kulturvermittlung. […] Vermittlungsaktivitäten zum Gedenkjahr 2018 – Projekt ‚Haus der Geschichte‘, Bekenntnis zu Restitution und aktiver Erinnerungskultur.“ (S. 49–50). und fand 2000 auch internationale Beachtung.Bericht von Martti Ahtisaari, Jochen Frowein, Marcelino Oreja, 8. September 2000, auch: „Bericht der Weisen“ über die Regierungsbeteiligung der rechtsnationalen FPÖ an der österreichischen Bundesregierung, Seite 18, Abs. 59: „Die Regierung plant in diesem Bereich [die Förderung der Anerkennung von Menschen- und Minderheitsrechten […] sowie Bekämpfung von Fremdenfeindlichkeit und Diskriminierung von Ausländern] auch einige neue Initiativen, wie ein neues Museum für österreichische Zeitgeschichte („Haus der Geschichte der Republik Österreich“), eine Verbreitung von Unterlagen über nationalsozialistische Begriffe, Programme zur Schärfung des Bewußtseins der Öffentlichkeit für die Integration von Minderheiten („Hinschauen statt Wegschauen“) und die Mitarbeit an internationalen Vorschlägen zur Durchsetzung der strafrechtlichen Verfolgung von nationalsozialistischer Propaganda, die über das Internet verbreitet wird.“ Auf europäischer Ebene hatte der Europarat bereits 1996 seinen Mitgliedsstaaten die Errichtung von Zeitgeschichtemuseen nach dem Muster des deutschen Haus der Geschichte in Bonn empfohlen.

Der erste Versuch, nach 1945 ein österreichisches Zeitgeschichtemuseum zu etablieren, erfolgte unmittelbar nach Ende des Zweiten Weltkriegs, als Bundespräsident Karl Renner die Initiative zur Errichtung eines „Museums der Ersten und Zweiten Republik Österreichs“ ergriff. Allerdings wurde damals nur ein einziger Schauraum mit 43 Exponaten im Leopoldinischen Trakt der Wiener Hofburg verwirklicht. Nach Renners Tod wurde die Weiterarbeit an dessen „Lieblingsschöpfung“ ausgesetzt und unter Bundespräsident Adolf Schärf endgültig eingestellt. Die Exponate kamen auf Umwegen in den Besitz des Heeresgeschichtlichen Museums (HGM), wo sie seit 1998 in den Ausstellungsbereich „Republik und Diktatur“ integriert sind.

Die Debatte um das HdGÖ, die schlussendlich zur konkreten Umsetzung führte, begann in der zweiten Hälfte der 1990er Jahre: 1998 wurden auf Regierungsseite zwei Machbarkeitsstudien in Auftrag gegeben: eine für ein „Haus der Toleranz“ (der Auftrag erging von Forschungsminister Caspar Einem an den Universitätsprofessor Anton Pelinka); die zweite Machbarkeitsstudie für ein „Haus der Geschichte der Republik Österreich“ wurde von Unterrichtsministerin Elisabeth Gehrer bei den Universitätsprofessoren Stefan Karner und Manfried Rauchensteiner beauftragt. Letztendlich wurde keines der beiden Projekte, für die verschiedene Standorte im Gespräch waren, verwirklicht. 2000: Die Regierung Schüssel I plädierte für ein ausschließlich virtuelles Internet-Museum (Staatssekretär Franz Morak und Universitätsprofessor Roman Sandgruber). 2002: In Vorbereitung der Jubiläumsfeierlichkeiten 2005 („Gedankenjahr“: Ende des Zweiten Weltkriegs, Erlangung der Unabhängigkeit der zweiten österreichischen Republik 1955, EU-Beitritt 1995) wurde von der österreichischen Bundesregierung eine Historikerkommission eingerichtet, der die Universitätsprofessoren Wilhelm Brauneder, Stefan Karner und Manfried Rauchensteiner, sowie der ehemalige Wiener Stadtschulratspräsident Kurt Scholz angehörten. Die damals vorgelegten Konzepte führten zu zahlreichen Historikerprotesten, insbesondere von Zeithistorikern. 2005 wurde von der österreichischen Bundesregierung das „Gedankenjahr“ ausgerufen, das von drei zeithistorischen Ausstellungen geprägt war: „Das neue Österreich“ (Belvedere, Wien), „Österreich ist frei“ (Schallaburg, Niederösterreich), „Jetzt ist er bös, der Tennenbaum“ (Jüdisches Museum, Wien). Auf Initiative von Hannes Androsch, Herbert Krejci und Peter Weiser sollten die drei Ausstellungen zusammengeführt werden und den Nucleus des HdGÖ bilden. Auch diese Initiative scheiterte. Im März 2006 beauftragte Unterrichtsministerin Gehrer neuerlich eine Historiker-Arbeitsgruppe mit der Erstellung eines Konzepts für das HdGÖ, der Günter Düriegl, Manfred Jochum, Stefan Karner, Herbert Matis und Christian M. Ortner angehörten. Das umsetzungsreife Konzept „Umsetzungsstrategie (Roadmap) für ein Haus der Geschichte der Republik Österreich“ lag im Juni 2006 vor. Drei alternative Standorte wurden vorgeschlagen: die „Galerie der Forschung“ der Akademie der Wissenschaften in der Wiener Innenstadt, das Wiener Künstlerhaus und das Wiener Arsenal (Objekt IV auf dem Gelände des Heeresgeschichtlichen Museums), wobei der Standort „Arsenal“ in die engste Auswahl kam. Aufgrund der Nationalratswahl im Herbst 2006, die zu einem überraschenden Regierungswechsel führte, wurde auch dieses Projekt nicht verwirklicht. Jänner 2007: Die österreichische Bundesregierung unter Bundeskanzler Alfred Gusenbauer bekennt sich zu einem „Haus der Geschichte“, für das ein neues Konzept erarbeitet werden soll und beauftragte erstmals ein unabhängiges Unternehmen mit der Planung des HdGÖ (Claudia Haas im Auftrag von Lord Cultural Resources, Kanada). März 2014: Ankündigung des niederösterreichischen Landeshauptmanns Erwin Pröll im Landesmuseum Niederösterreich (heute: „Museum Niederösterreich“) in St. Pölten ein „Haus der Geschichte“ einzurichten, unter anderem um die „regionale Identität“ (Pröll) zu stärken. Das Projekt wird unter der wissenschaftlichen Leitung von Universitätsprofessor Stefan Karner umgesetzt, als Zeitpunkt für die Eröffnung wurde das Jahr 2017 genannt. November 2014: Ankündigung von Minister Josef Ostermayer, ein Haus der Geschichte Österreich auf Bundesebene einzurichten. September 2015: Die Umsetzungsstrategie für das Haus der Geschichte wird vom damals zuständigen Bundesminister Josef Ostermayer und Staatssekretär im Bundesministerium für Wissenschaft, Forschung und Wirtschaft Harald Mahrer gemeinsam vorgestellt. Oktober 2016: Ankündigung von Minister Thomas Drozda, dass die Finanzierung des HdGÖ gesichert sei, allerdings werde des HdGÖ aus budgetären Gründen nur in reduzierter Form auf 1870 m² in den Gartenräumen der Neuen Burg im Mezzanin unter dem Corps de Logis (in dem sich das Weltmuseum befindet) verwirklicht werden. Dort soll das HdGÖ solange bleiben, bis ein Neubau für das HdGÖ errichtet werden kann. Die „Sammlung Alter Musikinstrumente“ soll vorerst in den Räumen verbleiben, wo sie sich derzeit befindet, und diese nicht an das HdGÖ abtreten. 2024: Entwürfe für einen partiellen Neubau im Museumsquartier werden vorgestellt.

Eine Übersicht über die Vorgeschichte bietet die private Initiative von Peter Diem und Trautl Brandstaller,Vorarbeiten, auf haus-der-geschichte.at, abgerufen am 6. Februar 2023 sowie das Museum selbst auf seinen Seiten.

Standortsuche Bis 2015 war einzig die Ansiedlung des HdGÖ in Wien politisch unumstritten. Allerdings gab es bis 2015 heftige Debatten darüber, an welchem Standort in Wien das HdGÖ errichtet werden sollte. Neben Neubauten in Stadterweiterungsgebieten, die wegen problematischer Publikumsfrequenzen fallen gelassen wurden (u. a. die Wiener „UNO City“ oder das Gelände des ehemaligen Wiener Südbahnhofs) waren u. a. folgende Orte in Diskussion: Der bis heute vorhandene (aber wohl zu kleine) Grünraum am Helmut-Zilk-Platz gegenüber der Albertina in der Wiener Innenstadt, auf dem 1988 Alfred Hrdlickas Mahnmal gegen Krieg und Faschismus enthüllt wurde. Das Palais Epstein am Dr.-Karl-Renner-Ring, das heute als Parlamentsdependance dient Das Niederösterreichische Landhaus in der Herrengasse (heute Außenministerium) Das damals im Bundesbesitz befindliche Palais Rasumofsky im dritten Wiener Bezirk (mittlerweile an private Immobilien-Investoren verkauft) Die Galerie der Forschung der Akademie der Wissenschaften in der Wollzeile (mittlerweile ein Veranstaltungszentrum)