mini|Höhle von Goyet Die Höhlen von Goyet im Weiler Goyet in der Gemeinde Gesves, Provinz Namur in Belgien, am Fluss Struviaux erlangten aufgrund archäologischer Funde internationale Bekanntheit.

Funde Neandertaler In der troisième caverne (3. Höhle) von Goyet wurden 101 Knochen von Neandertalern geborgen, für die ein Alter zwischen 45.000 und 41.000 Jahren BP – in der Spätzeit der Neandertaler in Europa – ermittelt wurde. Auf den Knochen entdeckte man Schnittspuren, die als Hinweis auf eine Dekarnation („Entfleischung“) und auf Kannibalismus interpretiert werden – der größte Fund mit diesen Merkmalen in Nordeuropa. Im Jahr 2025 berichteten Forscher in einer Fachzeitschrift über erstmals detailliert analysierte Langknochen aus dieser Fundstätte.Quentin Cosnefroy et al.: Highly selective cannibalism in the Late Pleistocene of Northern Europe reveals Neandertals were targeted prey. In: Scientific Reports. Band 15, 2025, 40741, doi:10.1038/s41598-025-24460-3. Demnach handelt es sich um die Überreste von mindestens sechs Individuen, darunter vier erwachsene oder adoleszente Frauen. Isotopen-Bestimmungen und Vergleiche mit ähnlichen alten Funden aus der Region ergaben, dass die Frauen nicht lokaler Herkunft waren, die Entfleischung folglich eine Folge von Auseinandersetzungen zwischen rivalisierenden Gruppen gewesen sein könnte. Die ersten Funde waren bereits zwischen 1868 und 1870 von dem Geologen Édouard Dupont aufgesammelt worden.Hélène Rougier et al.: Des Néandertaliens dans la Troisième Caverne de Goyet. On: K. Di Modica & C. Jungels (Hrsg.): Paléolithique moyen en Wallonie. La collection Louis Eloy, Collections du Patrimoine culturel de la Communauté française 2, Service du Patrimoine culturel, Bruxelles, pp. 173, 2009. Volltext.

2026 wurde das komplette Genom eines vor 45.000 Jahren gestorbenen Neandertalers rekonstruiert. Es wurden keine Hinweise darauf gefunden, dass es eine Introgression von Genen vom damals in Europa sich ansiedelten anatomisch modernen Menschen (Homo sapiens) zu diesem Neandertaler gegeben hat. Auch wurde keine Anhäufung von pathologisch veränderten Genen gefunden, die als Hinweis auf eine Inzuchtdepression und folglich auf eine mögliche Ursache für das Aussterben der Neandertaler vor rund 40.000 Jahren hätten bewertet werden können.Alba Bossoms Mesa, Elena Essel, Stéphane Peyrégne et al.: Genetic diversity of late Neanderthals in northwestern Europe. In: Nature. Online-Vorabveröffentlichung vom 24. Juni 2026, doi:10.1038/s41586-026-10625-1.

Tierfossilien mini|Fossiler Hundeschädel aus Goyot Des Weiteren wurde im 19. Jahrhundert der Schädel eines Hundes von der Zooarchäologin Mietje Germonpré auf ein Alter von 31.700 (inzwischen 36.000) Jahren datiert und als ältester bekannter Fund eines Hundes in der Menschheitsgeschichte eingeordnet.

Als viel beachteter Fund gelten ferner die Knochen von sich vegan ernährenden Höhlenbären, die bereits vor rund 400.000 Jahren in Europa lebten und vor rund 25.000 Jahren wegen des klimatisch bedingten geringen Nahrungsangebots ausstarben. Die Untersuchungen zur Ernährung wurden unter Hervé Bocherens, Universität Tübingen, durchgeführt.

Weblinks

Die Höhlen von Goyet Offizielle Webseite (abgerufen am 26. Juni 2024)

Einzelnachweise

Goyet Goyet Kategorie:Gesves Kategorie:Archäologischer Fundplatz in Belgien Kategorie:Archäologischer Fundplatz in Europa Kategorie:Fundstätte homininer Fossilien in Europa Kategorie:Archäologischer Fundplatz (Neandertaler)