mini|Kloster Steinfeld, Luftaufnahme (2015) Kloster Steinfeld in der Eifel ist eine ehemalige Prämonstratenserabtei mit einer bedeutenden Basilika aus dem frühen 12. Jahrhundert. Weithin sichtbar auf einer Anhöhe im Süden der nordrhein-westfälischen Gemeinde Kall gelegen, bildet das „Eifelkloster“ mit wenigen umliegenden Häusern den Ortsteil Steinfeld.

Die Klosteranlage befindet sich seit 1923 im Besitz des Salvatorianerordens, der dort eine Niederlassung hat. Die Salvatorianer sind in der Pfarrseelsorge engagiert. Die Stiftung Kloster Steinfeld hat die Trägerschaft eines Gymnasiums, eines Gästehauses und die Kunstakademie Kloster Steinfeld.

Geschichte mini|Norbert von Xanten, Gründer des Prämonstratenserordens; Bild bei der Klosterpforte mini|Kloster Steinfeld, Südansicht der Basilika mini|Grundstein in der Kirche Obwohl die Anfänge des Klosters bis circa 920 zurückreichen, erfolgte die erste klösterliche Niederlassung in Steinfeld 1070. Prämonstratenser-Kloster 1130 wurde das Kloster von Prämonstratensern übernommen. Das Kloster wurde ein bedeutendes kirchliches Zentrum im deutschen Reich und hatte zahlreiche Tochterniederlassungen in Europa, zum Beispiel das Kloster Strahov in Prag. 1184 bekam das Kloster Steinfeld den Status einer Abtei. Sie betrieb in Köln den Steinfelder Hof nahe der Kirche St. Gereon im Westen der Stadt. Hier gründete Abt Christophorus Pilckmann 1615 das Collegium Norbertinum, das zur Vorbereitung und als Wohnort der Ordensangehörigen diente, die an der alten Kölner Universität studierten.

Im Jahr 1200 wurde auf Bitte des Grafen Heinrich III. von Sayn unter Abt Erenfried nach den Regeln des Prämonstratenserordens ein neuer Konvent gebildet und in das neu gestiftete Kloster Sayn entsandtJoachim J. Halbekann: Die älteren Grafen von Sayn. 1997, Kap.B.III.2.. Die ununterbrochene Reihe von 44 Äbten wurde erst 1802 durch die Säkularisation beendet. Nach der Klosterauflösung diente die Anlage verschiedenen weltlichen Zwecken, die Basilika wurde als Pfarrkirche weiter genutzt. Die Pfarrei St. Potentinus bildete von 2010 bis 2025 mit mehreren anderen Pfarreien die Gemeinschaft der Gemeinden Hl. Hermann-Josef Steinfeld im Bistum Aachen, die ihrerseits anschließend in den Pastoralen Raum Steinfeld überging.

Salvatorianer in Steinfeld Die Anlage wurde 1923 von den Salvatorianern als Kloster übernommen, die das Hermann-Josef-Kolleg Steinfeld, ein Gymnasium, gründeten, das ursprünglich vor allem Ordensnachwuchs gewinnen sollte, dann aber auch externe Schüler und seit 1971 Schülerinnen aufnahm. Das angeschlossene Internat wurde 2013 geschlossen. In dessen Räumen betreibt die Stiftung Kloster Steinfeld seit 2015 das nach Franziskus-Jordan benannte Gästehaus mit der Kunstakademie Kloster Steinfeld; die Stiftung führt als Trägerin das Gymnasium fort.Webseite Stiftung Kloster Steinberg, abgerufen am 11. Juli 2024

Vom 10. bis 13. März 2025 fand die Frühjahrsvollversammlung der Deutschen Bischofskonferenz im Kloster Steinfeld statt.

Klostervorsteher Nachstehende Liste bezieht sich auf die Series praepositorum et abbatum Steinfeldensium:Hauptstaatsarchiv Düsseldorf, Bestand Kloster Steinfeld, Akten 178 Pröpste Eberwin von Helfenstein 1121–1160 Ulrich 1160–1170 Werner 1170–1178 Tezelin 1178 Hermann 1178–1184

Äbte 1. Albert 1184–1189 2. Erenfried 1189–1208 3. Eberhard 1208–1211 4. Makarius 1211–1247 5. Gerhard 1247–1248 6. Goswin I. 1248–1252 7. Lambert 1252–1258 8. Goswin II. von Jülich 1248–1272 9. Johann I. von Löwen 1272–1279 10. Wimar 1279–1298 11. Adolf von Dollendorf 1298–1304 12. Friedrich 1304–1334 13. Marsilius 1334–1356 14. Winrich Rumschüttel 1356–1362; trat zurück 15. Matthias von Fischenich 1362–1366; trat zurück 16. Konrad I. 1366–1369; trat zurück 17. Gerhard II. von Höningen 1369–1380; seines Amtes enthoben 18. Gottfried von Bungenberg 1381–1388; von Bretonen ermordet 19. Gerhard III. von Wichterich 1389–1412 20. Jakob I. von Rützheim 1412–1416 21. Christian I. von Zirn 1417–1425; von Mitbrüdern vergiftet 22. Wilhelm Herper von Wied 1425–1439 23. Johann II. Buschelmann von Stammheim 1439–1465 24. Christian II. von Arnoldsweiler 1465–1467 25. Johann III. von Altena 1468–1483 26. Reiner Hundt von Euskirchen 1484–1492 27. Johann IV. von Düren 1492–1501 28. Johann V. von Münstereifel 1501–1509; starb an der Pest 29. Gottfried II. Kessel 1509–1517 30. Johann VI. Schuys von Ahrweiler 1517–1538; trat zurück 31. Simon Diefenbach von Hasselt 1538–1540 32. Jakob II. Panhausen aus Opoeteren 1540–1582 33. Balthasar Panhausen 1582–1606 34. Christophorus Pilckmann aus Bonn 1606–1630 35. Norbert Horrichem aus Erp 1630–1661 36. Johann VII. aus Lückerath 1661–1680 37. Theodor Firmenich aus Düren 1680–1693 38. Michael Kuell aus Zülpich 1693–1732 39. Christian III. Steinheuer aus Üdinghoven 1732–1744 40. Johann VIII. Begasse 1744–1750 41. Gabriel Hilger aus Hannebach (Adenau) 1750–1766 42. Evermodus Claessen 1767–1784 43. Felicius Adenau 1784–1790 44. Gilbert Surges 1790–1802

Basilika St. Potentinus, Felicius und Simplicius

mini|hochkant|Hauptschiff der Basilika (Blick zum Hochaltar) Die dem Kloster angeschlossene Basilika wurde zwischen 1142 und 1150 als eine der frühesten deutschen Gewölbekirchen von den Prämonstratensern erbaut. Sie ist dem heiligen Potentinus und seinen beiden Söhnen Felicius und Simplicius geweiht, deren Schrein aus dem 13. Jahrhundert heute im Louvre in Paris aufbewahrt wird. Heute umfasst das Gebäude Teile mehrerer Kunstrichtungen, vom originalen romanischen Stil über Gotik, Renaissance und Barock bis zu modernen Stahlapplikationen. Die Basilika hat insgesamt acht Joche und sechs Kapellen, darunter die Stephanuskapelle und die Ursulakapelle. Die Basilika bewahrt die sterblichen Überreste des als Heiliger verehrten Hermann Joseph von Steinfeld. Den Rang einer päpstlichen Basilica minor erhielt die Kirche 1960.

Hermann-Joseph-Grab Das Grab Hermann Josephs von Steinfeld, in der Mitte der Kirche platziert und von einer 1732 hergestellten Platte mit einer liegenden Figur aus Alabaster bedeckt, macht die Kirche zu einem Wallfahrtsort. Das eigentliche Grabmal aus Urfter Marmor stammt aus dem Jahr 1701. Traditionsgemäß liegen stets ein paar frische Äpfel auf dem Grab neben der Alabaster-Figur. Nach einer Legende soll Hermann Joseph einmal dem Jesuskind der Muttergottes in der Kirche St. Maria im Kapitol zu Köln einen Apfel angeboten haben, den es angenommen habe.

König-Orgel mini|hochkant|Blick durchs Mittelschiff mit dem Grab des Hermann Joseph auf die Orgel Bereits im 16. Jahrhundert verfügte die Steinfelder Basilika entweder über eine Schwalbennestorgel an der nördlichen Langschiffwand oder eine Lettner-Orgel. 1509 wurde der Lettner vom dritten Joch ins Eingangsjoch der Kirche versetzt, wo um 1600 – vermutlich durch Floris Hoque aus Brabant – die erste große Orgel entstand. Für diese Orgel wurde 1678 im Barockdekor ein neues achtfüßiges Hauptwerksgehäuse errichtet, das nach 1720 durch ein Rückpositivgehäuse und zwei Pedaltürme in der Emporenbrüstung ergänzt wurde. Vollendet wurde die Orgel 1727 von Balthasar König aus Bad Münstereifel. König verwendete hierzu die alten Pfeifenbestände (17 Register). So entstand ein Orgelwerk mit 29 Registern.

Eine Modernisierung (Erweiterung auf 46 Register, Elektrifizierung der Spiel- und Registertraktur) erfuhr die Orgel 1934. 1977 wegen Funktionsstörungen stillgelegt, wurde sie – nach umfangreichen Forschungsarbeiten – 1981 im ursprünglich barocken Stil von der Orgelbauwerkstatt Weimbs aus Hellenthal aufwendig restauriert, so dass sie sich nun bezüglich Spieltechnik und Klang weitgehend wieder im Zustand von 1727 befindet. Sie hat 1956 Pfeifen, 35 klingende Register und eine mechanische Spiel- und Registertraktur. Das Pfeifenwerk ist größtenteils original erhalten. An den ältesten Pfeifen sind noch Gießtuchspuren zu erkennen.Näheres zur Es ist eine der bedeutendsten Orgeln des rheinischen Barock. Die Disposition lautet:

I Rückpositiv C–c3 1. Hollpfeif 8′ 2. Flaut travers 8′ 3. Prästant 4′ 4. Flaut 4′ 5. Quint 3′ 6. Octav 2′ 7. Cornet III ′ 8. Tintinabulum II ′ 9. Mixtur 1′ 10. Cromhorn 8′ Tremolant II Hauptwerk C–c3 11. Bordun 16′ 12. Principal 8′ 13. Hollpfeif 8′ 14. Viola di Gamba 8′ 15. Octav 4′ 16. Quint 3′ 17. Superoctav 2′ 18. Terz ′ 19. Cornet IV 4′ 20. Mixtur ′ 21. Cymbel ′ 22. Trompet 8′ 23. Claron 4′ III Echowerk C–c3 24. Gedackt 8′ 25. Flaut douce 4′ 26. Nasard 3′ 27. Octav 2′ 28. Sesquialtera ′ 29. Vox humana 8′ Tremulant Pedalwerk C–d1 30. Principal 16′ 31. Subbaß 16′ 32. Octav 8′ 33. Octav 4′ 34. Bombart 16′ 35. Trompet 8′ Koppeln: II/I, I/P, II/P Nebenregister: Nachtigall

Glocken Im Jahr 1956 goss die Glockengießerei Otto aus Bremen-Hemelingen vier Bronzeglocken mit der Schlagtonreihe: d′ – e′ – fis′ – g′. Die Glocken haben folgende Durchmesser: 1443 mm, 1285 mm, 1145 mm, 1081 mm. Die Glocken wiegen 1950 kg, 1400 kg, 1000 kg, 800 kg.

Weitere Ausstattung alt=gotisches Wandgemälde der Passion Christi|mini|Gotisches Wandgemälde: Kreuzigungsgruppe alt=mittelalterliche Madonna mit Christkind|mini|Maria mit Kind im „Weichen Stil“ Der ursprünglich romanische Kreuzgang, hinter der Klosterpforte, wurde von 1492 bis 1517 durch einen Gang in gotischem Stil ersetzt. Die kunstvollen Glasfenster des Kreuzganges (hergestellt zwischen 1526 und 1557) wurden nach der Säkularisation über Köln nach England verkauft. Dort wurden einige Fenster in Dorfkirchen und Privatkapellen eingebaut, so in die des Earl Brownlow in Ashridge Park. Montague Rhodes James, der Anfang des 20. Jahrhunderts die Glasfenster katalogisierte, wurde dadurch zu seiner Geistergeschichte The Treasure of Abbott Thomas inspiriert, deren Handlung zum Teil in (einem von James imaginierten) Steinfeld spielt. Eine Darstellung der Königin von Saba vor Salomo gelangte in die Kirche St. Mary the Virgin in Depden, Suffolk. Der Großteil der Glasfenster befindet sich heute im Victoria and Albert Museum, darunter das Glasfenster der Auferstehung Christi und die Darstellung von Christus am Kreuz.In Sankt Cäcilien spukt der Abt Nur zwei Scheiben kamen zurück nach Steinfeld. Die Größere zeigt den heiligen Apostel Simon, den Eiferer, mit der eigenen Unterarmreliquie in einem gläsernen Reliquienkasten. Dieses Fenster wurde von Johannes Hillen, vormals Bruder in Steinfeld und ab 1522 Abt von Sayn, gestiftet.

In der Kirche stammen zahlreiche noch sichtbare Wandmalereien aus dem Mittelalter. Die älteste ist die Darstellung Christi in der Glorie in der Ursulakapelle von ca. 1170. Christus in der Mandorla ist umgeben von zwei Engeln und den vier Evangelistensymbolen. Von beiden Seiten nähern sich die heilige Ursula mit ihrem weiblichen Gefolge.H.J. Kipfel, S. 7 Eine Darstellung des Heiligen Potentinus und ein Fresko der Gottesmutter mit Kind auf den beiden östlichen Vierungspfeilern entstanden um 1325. Es sind gotische Monumentalmalereien mit überlebensgroßer Höhe von 3,40 Metern.H. J. Kirfel, S. 10 Das gotische Wandgemälde im rechten Querschiff wurde um 1340 aufgemalt. Die Kreuzigungsgruppe unter dem spätgotischen Baldachin zeigt neben Christus, María und Johannes, Graf Wilhelm V. von Jülich (Markgraf seit 1336).

Die Pietà im nördlichen Seitenschiff, ganz in der Nähe des Eingangs, wurde 1420 aus Tuffstein gemeißelt. Drei große Schnitzfiguren (hl. Potentinus, hl. Hermann Josef und Maria mit Kind) stammen vom Ende des 15. Jahrhunderts. Maria mit Kind sind wie auch die Pietà unverkennbar im „Weichen Stil“ gefertigt,H.J. Kirfel, S. 15 Potentinus als „aquitanischer Herzog“ und Herman Josef mit Priesterkelch in der Hand dargestellt.

Die Kreuzigungsgruppe mit Maria und Johannes in der Vorhalle befand sich ursprünglich über dem Lettner. Stilistisch ist sie Meister Tilmann von Köln zuzuordnen und zeigt deutliche Ähnlichkeit mit der Kreuzigungsgruppe in St. Severin in Hermühlheim.

Steinfelder Missale