Die Badstraße ist eine wichtige Verbindungsstraße im Berliner Ortsteil Gesundbrunnen des Bezirks Mitte. Sie erhielt ihren Namen nach dem 1760 eröffneten Luisenbad, einer früheren Heilquelle, und ist Teil der Verbindung zwischen dem östlichen Stadtzentrum und den nördlichen Berliner Bezirken.
Lage und Verlauf Die Straße ist eine der drei Hauptverkehrsstraßen durch den Ortsteil. Sie beginnt am S- und U-Bahnhof Gesundbrunnen als Verlängerung der Brunnenstraße und führt in nordwestliche Richtung über die Kreuzung Pankstraße/Ecke Prinzenallee zur Panke, an der sich das namensgebende Luisenbad befand, über die Badbrücke zur anschließenden Schwedenstraße. Die Badstraße gehört zum übergeordneten Straßennetz Berlins und hat die Netz-Kategorie II (übergeordnete Straßenverbindung).
Geschichte Siedlungsbeginn und Erschließung mini|links|Gesundbrunnen, Kupferstich von Johann Daniel Schleusen um 1770
Am Pankeufer entstand 1714 eine Wassermühle, mit der im 18. Jahrhundert die Erschließung und Besiedlung des Stadtviertels begann. Die Brunnenstraße und deren Verlängerung wurde 1752 auf Anordnung Friedrichs II. unter dem Namen Straße von Rosenthal angelegt. Sie verlief vor 1752 als Sandweg vom Rosenthaler Tor in Richtung Nord-Nordwest. Neben der Verbindung zwischen Berlin und dem heutigen Ortsteil Rosenthal diente sie der Erschließung der von Heinrich Wilhelm Behm angelegten Heilquelle, die ab 1758 als Friedrichs-Gesundbrunnen bekannt wurde – und dem Ortsteil seinen Namen gab. Auf der Karte von 1722 sind Bad- und Brunnenstraße ohne Namen an der Pankemühle als Weg eingezeichnet. Bereits im Adressbuch 1835 von Winckler ist die Straße aufgeführt.
Mit der friderizianischen Kolonisation in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts entstanden in dieser Gegend viele Straßen, wie die Gartenstraße als unbefestigter Weg vom Hamburger Tor über die heutige Gerichtstraße zum Vorwerk Wedding. Die Ackerstraße wurde 1752 mit der Kolonie Neu-Voigtland angelegt, ebenso wie die Brunnenstraße, die bald darauf bis zum Gesundbrunnen verlängert wurde. Die vom Gesundbrunnen ausgehende Koloniestraße, westlich der Panke, erschloss die 1782 gegründete Kolonie hinter dem Gesundbrunnen.
Heilbad Im Jahr 1760 wurde das Heilbad unter dem Namen „Friedrichs-Gesundbrunnen“ durch den Hofapotheker Heinrich Wilhelm Behm eröffnet, der es bis zu seinem Tod 1780 betrieb. Unter seinen Erben verfiel das Bad zusehends. 1808 erwarb der erfolgreiche „Medicinal-Assessor“ und Buchhändler Flittner den Brunnen und renovierte die zwischenzeitlich verfallene Anlage. Durch die Beziehung seiner Cousine Friederike Bethmann-Unzelmann zum Hof gelang es ihm, Königin Luise als Namenspatronin zu gewinnen. Luise schrieb aus dem Königsberger Exil ein Glückwunschschreiben zur bevorstehenden Taufe des Bades:
Ob die Namenspatronin jemals am Gesundbrunnen war, muss bezweifelt werden, da die königliche Familie erst am 23. Dezember 1809 aus Königsberg nach Berlin zurückkehrte und die Königin bereits am 19. Juli 1810 verstarb.
Beliebtes Ausflugsziel Das Luisenbad war Ausflugsziel für die Berliner und führte ab der Wende vom 18. zum 19. Jahrhundert zur Ausprägung der Badstraße als bürgerlichen Boulevard mit zahlreichen Volksgärten, Restaurationsbetrieben und Theatern (bekannte Etablissements waren Weimann’s Volksgarten, Rose-Theater, Marienbad oder Victoria-Garten). Zum Ende des 19. Jahrhunderts war das Stadtviertel ein beliebtes Ausflugsziel der Berliner.
Entwicklung im 19. Jahrhundert mini|Plan von 1882
Ein erster Bebauungsplan für die Gegend entstand 1830, der von Friedrich Wilhelm III. genehmigt wurde. James Hobrecht übernahm das entworfene Straßennetz in seinen 1862 erlassenen Bebauungsplan. Von 1832 bis 1835 wurde die St. Pauls-Kirche als dritte der Schinkelschen Vorstadtkirchen errichtet. Ihre Einweihung erfolgte am 12. Mai 1835.
Die 1714 errichtete Wassermühle stürzte 1830 ein und wurde 1843–1844 durch einen Neubau ersetzt, der als das älteste Wohn- und Gewerbegebäude an der Badstraße erhalten ist.
Die Straße erhielt 1824 eine Lindenbepflanzung und erst 1849 wurde sie gepflastert. Die Bodenspekulation setzte ein, als die 1856 gegründete Waaren-Credit-Gesellschaft an der Brunnenstraße große Bodenflächen aufkaufte und für die Bebauung vorbereitete. Dabei wurde auch der Park des Luisenbades überbaut. Bereits ab der Mitte des 19. Jahrhunderts entstanden repräsentative Villen und Mietshäuser, die heute als Zentrum Gesundbrunnen unter Denkmalschutz stehen (Nr. 27–51, erbaut 1862–1913) und den historischen Kern des Ortsteils bilden. Hierzu gehört auch das Luisenhaus (Nr. 38/39) und die Pankemühle (40a) mit dem Miethaus Arnheim (40/41), in dem Georg Benjamin von 1931 bis 1933 lebte und arbeitete.
Mit der 1861 erfolgten Eingemeindung des Weddings, des Gesundbrunnens und der Kolonie Schönholz nach Berlin setzte sich das Wachstum fort. 1869 bestand die Bebauung der Badstraße zu 90 Prozent aus ein- und zweigeschossigen Häusern. Mit der zunehmenden Industrialisierung der Brunnenstraße drang die charakteristische fünfgeschossige Bauweise innerhalb weniger Jahre auch in die Brunnenstraße vor.
mini|Badstraße mit Bahnübergang der Berlin-Stettiner Eisenbahn um 1890 Mit der Eröffnung der Ringbahn für den Personenverkehr 1872 und der Eröffnung der Nordbahn 1877 und den hier ankommenden Straßenbahnlinien wurde der Bahnhof Berlin Gesundbrunnen zu einem wichtigen Verkehrsknotenpunkt. Dies machte eine Verbreiterung der Badstraße erforderlich, in deren Folge ältere Bauten ersetzt wurden. Der Bahnhof wurde zwischen 1895 und 1897 erweitert und erhielt drei neue Bahnsteige für die Ring-, Vorort- und Fernbahn sowie ein Empfangsgebäude im neogotischen Stil. Am 1. Mai 1897 wurden die ersten beiden Gleise der neuen Strecke (die späteren Vorortgleise) in Betrieb genommen und gleichzeitig die alte (parallel zur Grüntaler Straße verlaufende) Strecke der Stettiner Bahn stillgelegt. Diese überquerte zu ebener Erde die Straße zwischen Badstraße 15 und 16. Am 1. Dezember 1897 konnte auch der neue Fernbahnsteig in Betrieb genommen werden.
Am 8. Juli 1873 nahm die 1871 gegründete Große Berliner Pferde-Eisenbahn die Strecke vom Rosenthaler Tor zum Gesundbrunnen in Betrieb. An der Ecke Bellermannstraße wurde am 10. September 1895 mit der Strecke Badstraße – Pankow die erste elektrische Straßenbahn innerhalb der damaligen Stadtgrenzen Berlins in Betrieb genommen. Betreiber war die spätere BESTAG.
Die Große Berliner Pferde-Eisenbahn errichtete 1874 einen Betriebshof auf der Pankeinsel für die Pferdebahnlinie zum Rosenthaler Platz. Dieser Betriebshof wurde 1891/92 zur Uferstraße 8 verlegt. Der alte Betriebshof wurde bis 1898 zur Werkstatt umgebaut und diente seither als Hauptwerkstatt der Großen Berliner Pferde-Eisenbahn (ab 1898: Große Berliner Straßenbahn). Der jüngere Betriebshof wurde im Zuge der Elektrifizierung 1901 geschlossen und durch den Betriebshof Reinickendorf in der Pankower Allee ersetzt. Die Hallen wurden bis 1904 an die Hauptwerkstatt angeschlossen. Weitere Umbauten fanden in den Jahren 1926–1931 statt. Seit der Verwaltungsteilung der Berliner Verkehrsbetriebe im August 1949 diente die Anlage auch als Hauptwerkstatt Autobus für die Busflotte in West-Berlin, da die eigentliche Hauptwerkstatt im Bezirk Treptow im Ostteil der Stadt lag. Die Hauptwerkstatt Straßenbahn wurde 1961 geschlossen. Die Hauptwerkstatt Autobus blieb bis 2007 bestehen. Die UferHallen AG erwarb die Gebäude im Jahr 2007 um hier die UferHallen Kulturwerkstatt einzurichten. Seit 2010 bietet sie eine gemeinsame Plattform für Bildende Künstler, Musiker, Theaterinszenierungen und Ausstellungen, darunter die Uferstudios,Uferstudios der Piano Salon ChristophoriPiano Salon Christophori sowie verschiedene gastronomische Einrichtungen.
mini|hochkant|Luisenhaus an der Travemünder Straße In den 1880er Jahren wurde die Kanalisation im nördlichen Teil der Badstraße verlegt. Der südliche Teil zwischen Hochstraße und dem Bahnübergang konnte noch nicht kanalisiert werden, solange noch ungeklärt war, wie die Probleme des Bahnübergangs gelöst werden sollten. Die modernen Wasserclosetts, die es bereits in einigen Neubauten gab, durften über zehn Jahre nicht in Betrieb gehen, weil der Abwasserkanal fehlte. Der Besitzer des Hauses Badstraße 61 versuchte die Abwässer im Hause selbst zu klären und dann in den offenen Rinnstein der Straße abzuleiten. Bei den Bauarbeiten zur Kanalisation wurde im Jahr 1882 die Heilquelle versehentlich verschüttet und versiegte seit 1891 gänzlich. Das Quellwasser trübte sich durch die Verschüttung und wurde dadurch unbrauchbar. An der Stelle des alten Brunnenhauses entstand 1892–1893 das Luisenhaus, in dessen Keller sich noch heute der umfasste Brunnen der ehemaligen Heilquelle befindet. An der Ecke Bad-/Travemünder Straße befinden sich die noch verbliebenen Gebäude des ehemaligen Luisenbades, die seit November 1995 als Bibliothek am Luisenbad genutzt werden. Trotz des Versiegens der Heilquelle entwickelte sich die Gegend um die Badstraße in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts zu einem beliebten Einkaufs- und Vergnügungsviertel, sodass man sie stolz den „ersten Boulevard Berlins“ nannte, während andere vom „St. Pauli in Berlin“ sprachen.
Die Brunnenstraße beherbergte mit den Fabriken von AEG und der Berliner Maschinenbau Schwartzkopff die größten Betriebe des Weddings, während die Badstraße das Ausgeh- und Einkaufszentrum für die Anwohner – und nicht nur für diese – war. Von 1892 bis 1898 war an der Ecke Grünthaler Straße die Markthalle XII in Betrieb, die aber wegen Unwirtschaftlichkeit geschlossen wurde. Einige Jahrzehnte wurde das Gebäude zu städtischen Zwecken umgenutzt (Gewerbeschule, Stuerkasse usw.)
Weimann’s Volksgarten mini|Weimann’s Volksgarten 1905 vor dem Abriss
In der Badstraße 54–56 befand sich von 1851 bis 1905 „Weimann’s Volksgarten“, der im Sommer Platz für bis zu 10.000 Besucher bot. 1851 errichtete August Henkel auf dem weitläufigen Grundstück ein Lokal mit großem Garten und betrieb dort eine Rutschbahn (Montagnes Russes – Vorläufer der Achterbahn) und ein Karussell, die sich größter Beliebtheit erfreuten und der Obrigkeit wegen der ‚unsittlichen Dinge‘, die dort passierten, ein Dorn im Auge war. Nachdem Henkel 1858 starb, verfiel das Gelände, eventuell aufgrund der Beschwerden von Pfarrer Christian Friedrich Bellermann aus der benachbarten St.-Pauls-Kirche. Sie verkaufte deshalb das Gelände an den bereits seit 20 Jahren tätigen Cafetier Eduard August Weimann, der es unter seinem Namen berühmt machte.
Bis 1873 errichtete er ein neues Saalgebäude aus Fachwerk und verschiedene andere Einrichtungen, zu denen auch ein kleines Theater gehörte, dessen Aufführungen stets von der Theaterpolizei überwacht wurden. 1875 musste Weimann Insolvenz anmelden und der Volksgarten wurde für 429.000 Mark an die Brüder Schommartz versteigert. Diese erweiterten den Volksgarten um weitere Attraktionen wie eine „Dresdener Vogelschießhalle“, eine „Velocipedenbahn“ und eine „Gesellschafts-Wippschaukel“. Allerdings waren auch die Brüder 1879 bankrott, sodass der Volksgarten erneut versteigert wurde, diesmal an Max Weimann, den Sohn von Eduard August Weimann.
In dieser Zeit wurde der Weimannsche Volksgarten zu einer wichtigen Versammlungsstätten der Sozialdemokratischen Arbeiterbewegung. Während der Zeit der Sozialistengesetze (1878–1890) konnten Sozialisten und Sozialdemokraten sich hier versammeln, während andere Wirte dies aus Furcht vor dem Entzug der Konzession nicht gestatteten. In einer Liste der „Berliner Lokalkommission“ wurde „Weimann’s Volksgarten“ neben 35 anderen Berliner Lokalen ausdrücklich empfohlen.